Leistungsschutzrecht auch in der Schweiz

Die Schweizer Verleger wollen Geld sehen für Medieninhalte, die Google ins Netz stellt. Dass über die Suchmaschine Artikel veröffentlicht werden, für die Google Werbegelder einstreicht, aber nichts bezahlt, ist für sie nicht länger hinnehmbar.

So beginnt ein Artikel in der NZZ, in dem Daniel Hammer, der Generalsekretär des Westschweizer Verlegerverbands Médias Suisses, eine Revision der Urheberrechts fordert. Damit meint er, in der Schweiz müsse es ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger geben. Wie das genau funktioniert, habe ich schon einmal erklärt:

Presseverlage machen – so die Idee des Leistungsschutzrechtes – journalistische Texte einer Öffentlichkeit zugänglich. Deshalb müssen sie für diese Leistung geschützt werden. Schutz hießt konkret: Wer ihre Leistung kommerziell nutzt, muss dafür eine Lizenz erwerben und bezahlen.

Google nutzt die Leistung der Verleger, indem in Suchresultaten Auszüge, so genannte »Snippets« verwendet werden. Google verdient mit Werbung Geld - in der Schweiz rund 500 Millionen. Ein Teil davon müssten die Verleger erhalten, weil, so Hammer, die Werbeeinnahmen der Verleger in den letzten 10 Jahren um 1 Milliarde zurückgegangen seien.

Die wesentlichen Einwände gegen ein Leistungsschutzrecht habe ich auch schon diskutiert. Es sind folgende:

  1. Wer nicht bei Google erscheinen will, erscheint nicht bei Google.
  2. Die Verlage profitieren mehr von Google als Google von den Verlagen.
  3. Google erbringt eine andere Leistung als die Presseverleger.
  4. Die Verlage werden durch das Leistungsschutzrecht nichts einnehmen.
  5. Das Gesetz verhindert den freien Fluss der Information.

Interessant ist vor allem der zweite Punkt:

Die Suchergebnisse von Presseverlagen machen etwas 10% der Google-Suchergebnisse in Deutschland aus. Bei den Presseportalen machen die über Google vermittelten Zugriffe aber 30-60% aller Zugriffe aus. D.h. ohne die Presseportale funktionierte Google weiterhin problemlos – die Presseportale verlören hingegen einen Großteil ihrer von Google vermittelten Zugriffe.

Bei Forderungen, wie sie Hammer vorbringt, frage ich mich immer, ob ihm und den anderen VerlegerInnen diese Fakten bekannt sind und sie einfach Argumente auffahren, um unter Umständen staatliche Zuschüsse zu erhalten - oder ob sie tatsächlich die Illusion haben, durch eine Urheberrechtsveränderung finanziell profitieren zu können.

Die exklusiven Google-Daten im »Blick am Abend«

Im Blick am Abend kann man täglich die »Top 3 Google« »Sieger der letzten 24 Stunden« lesen. Das sah in den letzten Ausgaben so aus:

Ich interpretiere das so: Entweder haben diese Suchbegriffe am meisten Anfragen erhalten in den letzten 24 Stunden, oder aber am meisten Zuwachs an Anfragen.

Joel Steinmann hat im Februar bereits den Verdacht geäußert, die Daten seien »gefakt«. Darauf reagiert der Blick am Abend in einer Notiz:

Jedermann kann Google Insight benutzen und nach den meistgesuchten Begriffen suchen - allerdings ist der kleinste Zeitraum 7 Tage. Uns stellt Google aber exklusiv die Ergebnisse der letzten 24 Stunden zur Verfügung.

Innerhalb dieses kleinen Zeitraums ist es daher eher möglich dass irgendwelche Begriffe nach oben gespült werden, die über einen längeren Zeitraum keinen Bestand haben. Dazu gehören oft TV-Sendungen, Aktualitäten - und Themen, die gerade in Medien aufgegriffen werden.

Tatsächlich zeigen die letzten sieben Tage ein deutlich anderes Bild auf Google Insights:

»Gaddafi« taucht in keiner der möglichen Schreibweisen bei Blick am Abend auf, auch »Carla Bruni« nicht. Tatsächlich kann man grafisch auch einzelne Tage auswerten, was ich einmal gemacht habe:

Der »Hallwilerseelauf«, der es in den letzten Tagen zwei Mal unter die Top3 geschafft haben soll, wird im Vergleich mit Facebook (aber auch Smartvote) praktisch nicht gegooglet.

Die Frage, die ich auf Twitter gestellt habe, also noch einmal: Auf welche Daten bezieht sich der »Blick am Abend« genau? Und warum gibt Google an eine Zeitung Daten, die das Unternehmen aber nicht veröffentlicht? Die Frage geht also an Ringier und an Google - schön wäre es, wenn einer der beiden Partner die Daten von einem beliebigen Tag 2011 veröffentlichen könnte, so dass verifiziert werden kann, dass es sich tatsächlich um die drei Topbegriffe handelt. Ansonsten könnte man ja auf die Idee kommen, dass Felix Gutzwiller nicht ganz zufällig zuoberst auf der Liste steht, so kurz vor den Ständeratswahlen…

Update 21:30:

Eben merke ich, dass in den Kommentaren zu Joel Steinmanns Post eine Email von Google an den Blick am Abend gepostet wurde - von Thomas Benkoe. Dort könnte man das also nachvollziehen. Offenbar wurde in der Schweiz 24 Stunden lang am meisten nach »facebook.ch« gesucht. Schwer zu glauben, aber möglich ist es natürlich…

Wie googlet man richtig?

Googlen ist eine Routinetätigkeit - über die wir aber praktisch nichts gelernt haben. Und doch gibt es Leute, die es besser können als andere. Welche Techniken gibt es?

Diese Frage haben sich Leute der amerikanische Zeitschrift The Atlantic gestellt und dazu eine Umfrage gestaltet, bei der man ein paar eigene Suchanfragen eingeben muss, um bestimmte Inhalte zu finden. Ein Beispiel: Wie sucht man, um herauszufinden, wie viele Menschen in Brasilien einen schnellen Zugang zum Internet haben?

Hier meine Tricks, die ich beim Googlen anwenden - ich freue mich über weitere Tipps im Kommentarfeld:

  1. Das Suchwort »wiki« hinzufügen, um direkt Wikipedia-Artikel angezeigt zu bekommen.
  2. Präzise Informationen durch das Zusammenstellen von vier bis sechs Suchbegriffen, die in einem gesuchten Dokument vorkommen müssen.
  3. Wissenschaftliche Texte findet man, indem man direkt nach pdfs sucht. Das geht so: »SUCHANFRAGE filetype:pdf«.
  4. Dasselbe geht auch für Präsentationen oder Word-Dokumente, dort gibt es aber nicht immer einheitliche Fileformate.
  5. Erweiterte Suchoptionen benutzen um Sprache, Datum und Region einzustellen, wenn das nötig sein sollte.
  6. Sehr oft suche ich Dokumente, die bestimmte Zitate enthalten. Das Suchen mit Anführungszeichen hilft oft weiter: »”liberty and justice for all”«.
  7. Nützlich ist auch das Suchen nur auf einer Seite: »SUCHANFRAGE site:nzz.ch«.

Ein kleines Spiel zum Schluss: Gibt es eine Suchanfrage, mit der dieser Blogeintrag das einzige Suchresultat ist? (Erleichterung: Gibt es eine Suchanfrage, mit der dieser Blogeintrag der oberste Sucheintrag ist?)

Warum nie etwas einfacher wird - über die Herausforderung von Google und der Cloud

Computer vereinfachen unser Leben. Könnte man denken. Tatsächlich ist aber wohl auch 2011 der Aufwand, Computer in unser Leben zu integrieren, größer als der Aufwand, den sie uns abnehmen. Computer bringen uns dazu, Dinge zu tun, die wir nie hätten tun wollen - und lassen uns dabei die Leichtigkeit, mit denen man diese unnötigen Abläufe abwickeln kann, als eine Verbesserung unser Lebensqualität erscheinen.

Diese skeptische Überlegung gilt nicht nur für die Computer, sondern auch für Leistungen des Internets. Ich möchte ein Beispiel kommentieren, das auf der Hand liegt: Google. Google ermöglicht mir heute die Unabhängigkeit von einem Computer. Ich kann auf meinem Google-Profil alle meine Dokumente abspeichern und in jedem Browser bearbeiten, ich kann alle meine Homepages über Google verwalten, editieren, updaten, ich kann meine Mails über Google abrufen, meine Suchanfragen speichern, meine Lesezeichen abspeichern und veralten etc. Kurz: Alles, was eine Anwenderin am Computer machen muss, kann sie in einem Browser mit ihrem Google-Profil tun. Sie braucht dazu keinen Speicherplatz (der ist im Netz, d.h. in der Cloud), muss dafür nichts zahlen, die Services sind zuverlässig, schnell, hochwertig.

Wo nun liegt der Nachteil? Ich möchte zwei Probleme ansprechen, das erste konkreter und das zweite philosophischer, wer nicht mehr mag, kann sich ja ausklinken.

  1. Google löscht offenbar Profile ohne Vorwarnung und ohne konkrete Angabe von Gründen. Ob wahr oder nicht - es könnte wahr sein. Um also sichergehen zu können, dass die Dokumente tatsächlich auch dann verfügbar sind, wenn Google einen Fehler macht, mit etwas, was ich tue, nicht einverstanden ist etc. - um sicher zu sein, müsste ich alles, was ich bei Google speichere, auch noch bei einem anderen Dienst speichern oder auf einer Harddisk.
    Dadurch wird die Einfachheit und Einsparung, die mir Google ermöglichen könnte, aufgehoben: Ich muss meine Daten redundant speichern, mehrere Dienste in Anspruch nehmen und habe einen entsprechenden Zusatzaufwand.
  2. Frank Schirrmacher hat in der FAZ die Leistungen von Google wie folgt gedeutet:

    Die Auslagerung unseres Wissens ins Netz, so die Schlussfolgerung, korrespondiert mit einer Auslagerung unseres Gedächtnisses ans Netz – und genau mit dem, was die Google-Chefs seit jeher als ihre wahre Vision und ihr Geschäftsmodell annoncierten. Warum soll man sich darüber aufregen? […] Bisherige Speichermedien speicherten Vergangenheit – man kann sogar sagen, das Speichern machte sie zur Vergangenheit, im günstigsten Fall zu Bestandteilen eines verbindlichen Kanons. […] Googles Allwissenheit ist nicht literarisch, sondern sozial. Sie ist nicht nur „Wissen“, sondern Erkenntnis über den Gebrauch des Wissens, die wiederum das Wissen permanent verändert. […]

    Google übernimmt nicht nur das Speichern faktischer Wissensinhalte; Google – und das hat es bei noch keiner Externalisierung gegeben – übernimmt auch die Berechnung, Organisation und Deutung der Assoziationen, die wir beim Gebrauch dieses Wissens haben – wahrscheinlich ist das sogar der eigentliche, in der Tat faszinierende Hauptzweck einer Operation, die mittlerweile genau weiß, wie lange ein Cursor unschlüssig auf einer Straße bei Google Earth verweilt, der vorher bei Google Search auf Spielbanken geklickt hat.

    […]

    Das ist keine Auslagerung von Erinnerung mehr, sondern deren Ersatz, und weil es sehr angenehm ist und dem Leser viel Zeit spart […], machen wir alle gerne mit. Wir zahlen den Preis gerne: Es macht Spaß, das Gehirn auszuräumen und mehr Raum für anderes zu haben.

    Dazu gehört natürlich gerade die Vernetzung von all dem, was mir wichtig ist bei der Arbeit am Computer - Google sucht nicht nur, sondern mail für mich, erstellt Dokumente, speichert sie, betreibt Webseiten, unterhält mein soziales Netzwerk etc.

    Doch so klar zu bewerten ist die Tatsache nicht. (Das klingt auch in Schirrmachers Text schon an - wir wollen das ja alle.) So hat sich denn auch eine äußerst spannende Diskussion auf Google+ ergeben, die man hier und hier nachlesen kann (mit sehr prominenten TeilnehmerInnen, u.a. auch Schirrmacher selbst). Den anderen Pol bilden die Sozialwissenschafler im Blog Sozialtheoristen, die Schirrmacher wie folgt kommentierten:

    Man kann zumindest sagen, dass Google eine unglaubliche (aber fassbare) Menge an Daten vorliegen hat. Mausbewegungen, individualisierter Webtraffic, Inhalte & Verknüpfungen, freiwillige Profildaten, Verbindungsdaten, Bewegungsdaten usw. Aber was kann man mit solch einem Datenschatz tun? Wie generiert man daraus konstruktives, nutzbares Wissen?

    Eine der wichtigsten Lehren in meinem Studium war folgende: Qualitative Studien sind wichtig, quantitative Studien sind was für politische Zuarbeiten oder BWL-Übungen – man kann mit ihnen fast nichts gewinnen außer Antworten auf einfache Fragen. […]

    Solche Datenbanken sind nur für diejenigen interessant, die konkrete Anliegen haben. Die Politik will wissen, was zu entscheiden ist; Verkäufer wollen wissen, welche Verkaufsstrategie sich als erfolgreichste herausgestellt hat. Doch die gesellschaftswissenschaftlich interessante Herangehensweise ist ja genau umgekehrt: das absichtlich autistische Herantreten an ein soziales Phänomen, das hinter keinem konkreten Anliegen, keiner konkreten Fragestellung verborgen wird. Und das – ganz wichtig – unmittelbar beobachtet werden kann. „Wie ist diese soziale Ordnung möglich?“ Und: „Welche Probleme werden hier gelöst?“ Ein fragmentiertes Datenmaterial, wie es Google vorliegt, hilft da kaum weiter. […] Google registriert nur, was passiert, wenn etwas passiert – und das ist viel zu wenig, geradezu wertlos.

Wenn daran anschließen die Frage beantwortet werden soll, warum die Dinge nicht einfacher werden, dann ist die Antwort wohl ein Verweis auf das System: Wir setzen für das, was wir tun, bestimmte Ressourcen ein - die absorbiert werden. Können wir anstatt auf einer Schreibmaschine mit einem monochromen Bildschirm Texte speichern und ausdrucken - dann setzen wir die zusätzlichen Ressourcen dafür ein, das immer schneller, schöner, unabhängiger etc. tun zu können. Und reduzieren schließlich die Komplexität nicht, sondern halten sie konstant.

Von Unterhosen, Papierhaufen - und der Buchpreisbindung

Eben wollte ich bei Markus Felber einen längeren Kommentar hinterlassen, der dann der Blogger-Software zum Opfer gefallen ist (ich mag Google ja, aber Blogger ist wirklich unglaublich anstrengend als Plattform).

Es geht um die Frage, die derzeit wieder etwas hitziger diskutiert wird: Ob eine Buchpreisbindung sinnvoll ist. Felber findet nein, Lewinsky beispielsweise ja.

Ich mag die Buchpreisbindung nicht. Es handelt sich um ein unschönes Instrument. Und doch verstehe ich, warum man sie einsetzen möchte. (Ganz ähnlich geht es mir btw mit AKWs und wohl vielen anderen auch.) Die beiden zentralen Argumente hat Felber m.E. ausgelassen:

  1. Es geht primär um Buchläden. Ohne Buchpreisbindung wird der neue Harry Potter im Interdiscount verkauft - von ungeschultem Personal zu einem nicht zu unterbietenden Preis, weil der Interdiscount viele Bücher einkauft und die einfach noch hinstellen kann. Die Buchhandlung unser aller Wahl kann den Harry Potter nicht mehr verkaufen - und wird dadurch beträchtliche Einnahmen verlieren, die sie mit Nischentiteln nicht reinholen kann. Ergo: Wir verlieren die Möglichkeit, bei Fachleuten, die viele Bücher gelesen haben, Bücher einzukaufen.
  2. Die Haltung, dass der Markt den Handel mit Konsumgütern regelt, basiert auf einer Illusion. Produkte der Landwirtschaft und Medikamente sind nur ein Beispiel, wo der Staat Preise stützt und das Spielen von Marktmechanismen verhindert. Die aufschreienden liberalen Kräfte haben aber offenbar kein Problem, Landwirtschaftssubventionen zu sprechen und Parallelimporte zu verhindern.

Darüber hinaus kann man sich einige grundsätzlichere Fragen stellen.

  • Regelt der Markt wirklich alles optimal? Und woher wissen wir das?
  • Sollte bei politischen Entscheidungen - wie auch in diesem Fall - wirklich die stärkere Lobby darüber entscheiden, wie wir unser Zusammenleben organisieren?
  • Handelt es sich nicht um das letzte Gefecht einer ohnehin sterbenden Branche? Eine Branche, welche die Idee zu verkaufen versucht, dass Informationen notwendigerweise auf Papier gedruckt werden müssen. Als Literaturwissenschaftler kenne ich bibliophile Gefühle - und die seien allen Menschen gelassen, welche sie haben. Aber Informationen sollten fließen (das halte ich für eine ethische Frage). Ihre Anbindung an physische Erscheinungsformen verhindert diesen Fluss.
  • Die Illusion, wonach »kleine« AutorInnen mit Büchern Geld verdienen können, wenn sie durch Besteller subventioniert werden, kann man leicht loswerden, wenn man mal mit jemandem spricht, der oder die versucht, einen Erstling zu publizieren. Die Antwort der Verlage lautet nicht wie früher meist »nein«, sondern: »Ja, wir können Ihren Titel in unserem Nebenverlag x unterbringen, wenn Sie sich mit 10’000 Euro an den Druckkosten beteiligen. Geld erhalten Sie dann ab einer Auflage von 10’000 Exemplaren, aber wenig.«

* * *

Zusatz 20.45: Eben habe ich bei Denis Simonet noch einen längeren Kommentar hinterlassen, den ich hier noch kurz zitiere:

Warum [finde ich das Vorgehen der Piratenpartei] populistisch? Zunächst einmal gibt es in der Schweiz Gesetze, welche in einem demokratisch legitimierten Prozess erlassen werden. Diese Gesetze sollen respektiert werden – gerade von Parteien, die ja die Möglichkeiten kennen, diese Gesetze zu verändern. In diesem Sinne begrüsse ich die Initiative. Es gibt aber auch Gründe, die für eine Buchpreisbindung sprechen. Diese Gründe nur lächerlich zu machen, halte ich wenig produktiv und auch wenig reif. Vielmehr müsste man (statistisch, nicht einfach durch Behauptungen) zeigen können, dass man die besseren Argumente hat.
Ein Gesetz deswegen zu kritisieren, weil es nicht durchsetzbar ist, ist ebenfalls populistisch und weltfremd: Die wenigsten Gesetze werden eingehalten und bei den wenigsten Gesetzen kann überprüft werden, ob sie lückenlos eingehalten werden. Das war noch nie ein Grund, ein Gesetz zu kritiseren.

Die Osterhoff-Performance - oder die öffentliche Google-Suche

Der »Interface-Artist« Johannes P. Osterhoff hat am Anfang dieses Jahres ein bemerkenswertes Projekt gestartet: Er dokumentiert auf einer eigens eingerichteten Website, http://google.johannes-p-osterhoff.com/, alle Suchanfragen, die er dieses Jahr durchführt. Er gelobt Folgendes:

I, Johannes P Osterhoff, shall do a one year performance piece.
The piece is called “Google” and documents all searches I perform with the search engine of the same name.
The performance starts on January 1, 2011 and ends December 31, 2011.
I shall not use undocumented ways to use the search engine Google during this time.

Das ist natürlich ein zeitgemäßes Kunstprojekt (das meine ich ernst) - tatsächlich gibt es diese Daten aber von uns allen.

Da ich meistens Google-Chrome nutze und eigentlich immer bei Google eingeloggt bin, wenn ich etwas suche, kann ich via Google-History (http://www.google.com/history/) meine Suchabfragen alle nachlesen - und mir somit vor Augen führen, welche Daten von mir tatsächlich im Netz hängen bleiben. Eine Übersichtsseite von mir sieht dann so aus (man sieht z.B. sehr schön, zu welchen Zeiten ich jeweils zu googlen beginne…):

Wenn nun diese Suchprotokolle von allen Menschen allen zugänglich wären, lebten wir zumindest teilweise das Postprivacy-Ideal - die Vorstellung, dass die Welt besser wird, wenn es keine Privatsphäre mehr gibt. Das kommentiere ich vorerst mal nicht.

Update: Ich bin nun auch Teil dieser Performance.

Was zu Kommunismus und Kapitalismus - und zum Leistungsschutzrecht

Mal sehen, ob ich das alles in einem Post zusammenbringe.

  1. Also, zunächst habe ich bei den Telekommunisten dieses Dokument studiert. Die spannende These: Das »kommunistische Internet« (nur verstanden als klassen- und staatenloses Internet) wird durch ein »kapitalistisches Internet« vertrieben, in dem die Besitzenden des Kapitals nicht produzieren müssen, sondern andere für sich produzieren lassen.
    Diese These wird durch den Umbruch von ursprünglichen Idee des Internets, dass sich jede(r) mit jeder/m verbinden konnte, hin zu einem Client-Server-Internet in dem alle Inhalte in kapitalistische Kontexte eingebunden sind (Facebook, Google, Twitter). Während das Internet von Universitäten und Hackern entwickelt worden ist, »gehört« es heute dem Kapital. Und zum Kapitalismus noch ein schönes Zitat aus dieser Übersicht:

    The law-giver and the capitalist always compare our wages with the wages of other labourers; and without adverting to what we produce, which seems the only criterion by which we ought to be paid, we are instantly condemned as insolent and ungrateful if we ask for more than was enjoyed by the slave of former times, and is now enjoyed by the half-starved slave of other countries. (Thomas Hodgskin 1825)

  2. Google ist der neue Kapitalismus. Bei Schauen des unten stehenden Films (den ich für reichlich übertrieben halte, aber Conspiracy-Theories funktionieren ja wohl so, vgl. den schönen Text von Nico Luchsinger) wurde mir klar, dass Google gleich wie der Kapitalismus in der Lage ist, jede Form des Widerstands zu integrieren. Gab es schon knapp ein Jahr nach dem Aufkommen der Punk-Bewegung in Zürich Punk-Accessoires zu kaufen, so finden sich heute die Filme der Google-Gegner auf Googles Plattform Youtube, man findet die Thesen des Widerstands mit der Google-Suchmaschine etc.
  3. Und zum Schluss noch Döpfner. In der heutigen NZZ verteidigt der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlags den deutschen Vorstoss zum Leistungsschutzrecht. Was ist das? Das ist die Idee, dass die Leistung der Verlage zusätzlich zum Urheberrecht geschützt werden muss. Und zwar durch eine Verwertungsgesellschaft, ähnlich wie in der Schweiz die Billag und die Suisa.
    Seine Argumente:
    a) Verlage halten Künstler am Leben. (Döpfner erfindet das »Stevie-Wonder-Argument«: Ohne Verlage würde Stevie Wonder in einem »Blindenheim zu verkommen«.
    b) Irgendwas mit Freiheit. Wenn Verlage viel Geld verdienen, dann gibt es viel Freiheit (ungefähr das habe ich davon verstanden).
    c) Alles andere wäre kommunistisch - oder mit Jason Lanier gar maoistisch.
    Zum Leistungsschutzrecht wurde schon fast alles gesagt (hier kann man einiges nachlesen, siehe auch Links unten). Konkret heißt das wohl: Es erfolgt eine Behinderung des Informationsflusses und wir werden über kurz oder lang für die Internetnutzung Gebühren zahlen müssen (wohl in Verbindung mit einem digitalen Personalausweis, welcher uns bei Surfen im Netz identifiziert).
    Und hier die Alternativen:
    1. Der Staat fördert Journalismus wie er das beim Film, der Kunst und der Literatur tut.
    2. Bedingungsloses Grundeinkommen. Dann gäbe es genügend Leute, die gerne Texte verfassen.

Die Journalisten schlagen zurück - Imhof und die Qualität der Medien

Kaum wurden erste Ergebnisse von Kurt Imhofs Untersuchung zur Qualität der Schweizer Medien bekannt, werden seine Befunde zurückgewiesen. Zwei Beispiele seien hier kurz kommentiert:

  1. Peter Rothenbühler.
    Der Mann, der angibt, den »People-Journalismus« in der Schweiz eingeführt zu haben (via @patsch), führt in der Sonntagszeitung im Wesentlichen vier Argumente an, weshalb die Ergebnisse der Studie getrost ignoriert werden können:

    • die Studie entspricht Kurt Imhofs Meinung und ist ergo nicht wissenschaftlicher, sondern persönlicher Natur
    • Gratiszeitung lassen Menschen lesen, die ohne sie nicht lesen würden
    • die Qualität der Medien wurde schon seit jeher bemängelt
    • die Qualität der Medien ist großartig.

    Abgesehen davon, dass die Studie von Imhof als kulturpessimistisch dargestellt wird und Kulturpessimismus stets eine antiquierte Position darstellt, weil man Kultur als Ganzes nur aus einer anderen (d.h. älteren) Haltung kritisieren kann - sind Rothenbühlers Argumente von einer fast brisanten Ignoranz geprägt.

    Imhofs Studie definiert Qualität und untersucht die Schweizer Medienlandschaft auf diese Qualität hin. Nun kann man entweder sagen, seine Qualitätskriterien (Universalität, Ausgewogenheit, Objektivität und Relevanz) seine nicht die richtigen, oder aber seine Untersuchung sei nicht korrekt verlaufen. Einfach das Gegenteil zu behaupten ist keine Option. Auch nicht für den Erfinder des People-Journalismus.

  2. Thom Nagy.
    Dem 20Minuten-Journalisten behagen Imhofs Ergebnisse genau so wenig wie Rothenbühler. Er versucht, 20Minuten gegen die Kritik von Imhof zu verteidigen. Auch seine Argumente seinen kurz zusammengefasst:

    • die »Gratiskultur« sei ein Problem des Internets, nicht der Gratiszeitungen
    • Gratiszeitungen würden sehr wohl nachhaltige und längerfristige Hintergrundinformationen liefern, wie dieses »Dossier« und »Google« zeigen sollen
    • Gratiszeitungen informierten sehr wohl Menschen - und zwar neu auch solche, die keiner »(Informations-)elite« angehörten
    • Online-Medien schreiben, was Menschen interessiert
    • auch herkömmliche Qualitätsprintmedien wie der Tages-Anzeiger, die BaZ oder die NZZ (die Nagy selber nicht liest) würden Schwächen aufweisen in Bezug auf Imhofs Qualitätskriterien
    • »Es geht um den Informationsgehalt des Gesamtsystems Internet«, nicht um eine einzelne Seite.

    Der hier spannende Punkt ist die Veränderung durch die Digitalisierung. Ich gebe Nagy recht - digitale Inhalte erlauben oft eine umfassende, nachhaltige und multiperspektivische Information.
    Aber das reicht nicht, um 20Minuten zu verteidigen, was seine Qualität anbelangt. Gerade wenn es darum geht, Menschen zu informieren, die keiner Elite angehören, kann man nicht auf das »Gesamtsystem« Internet vertrauen - und auch nicht auf die Interessen dieser Leute. »Interessen« können auch durch mediale Arbeit konstruiert oder zumindest gefördert werden. Und wenn sich Menschen für das neue iPhone oder die Brustbehaarung eines Mister Schweiz »interessieren«, dann darf man auch noch fragen, ob ein diesbezüglicher Artikel den qualitativen Ansprüchen eines solchen Interesses genügt oder nicht.
    Zudem: Das von Nagy verlinkte »Dossier« und der Hinweis auf Google zeigt noch viel deutlicher, weshalb Qualitätsjournalismus für eine demokratische Meinungsbildung unabdingbar ist: In diesem Dossier gibt es keine eigene Recherche von 20Minuten. Alles ist abgeschrieben. Der Leser oder die Leserin sind nicht in der Lage, sich über die Zuverlässigkeit der Quellen ein Bild zu machen. Das Dossier entsteht aus der Tagesaktualität - es enthält eben keine Hintergrundartikel und nichts Nachhaltiges.
    Wenn wir neben unseren Medien noch Google brauchen - dann können wir auch gleich ganz auf Google umstellen…

Transparenz: Löhne, Wikileaks und Google Trends

Transparenz halte ich grundsätzlich für wertvoll. Egal wie man etwas macht - man soll darlegen, wie man es macht, damit andere es nachvollziehen können.

Generell in Bezug auf Löhne: Nehmen wir als Beispiel einen Fussballverein. Der handelt mit jedem Spieler und seinem Agenten in zähen Verhandlungen Löhne, Prämien etc. aus - und zwar geheim. Warum ändert ein Verein nicht diese Politik und sagt: Wir bezahlen für Anforderungsprofil A 250k p.a. plus diese Prämien, für Anforderungsprofil B 150k und für Anforderungsprofil C 80k. Wer will bei uns spielen?

Genau so könnten auch Firmen operieren - die öffentliche Hand tut das bei ehemaligen Beamten (z.B. Lehrpersonen) auch. Wenn ich es richtig verstehe, ist der Grund, warum Löhne in Firmen nicht transparent gemacht werden, der, dass man dadurch auf Marktschwankungen reagieren kann. Sind Arbeitskräfte gesucht, so können kurzfristig höhere Löhne bezahlt werden, sind Arbeitsplätze gesucht, können tiefere Löhne vereinbart werden. Wären die Löhne transparent, würden alle für gleiche Anforderungen gleich hohe Löhne fordern - was aber ja eigentlich gerecht wäre, oder? (Nebenbei könnte man dasProblem lösen, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden.)

* * *

Die Veröffentlichung verschiedenster Dokumente durch Wikileaks, welche die letzte Woche medienwirksam inszeniert worden ist (exemplarisch sei die Präsentation durch den Guardian genannt), stellt nun aber die Frage (natürlich gibt es viele andere Vorfälle, welche diese Frage ebenfalls aufwerfen, z.B. die neueste Fichenaffäre):

Kann/soll es in einer Demokratie Dokumente geben, welche von der Öffentlichkeit nicht eingesehen werden können oder dürfen? Und was wäre ein Kriterium dafür?

Wenn ich die Frage brainstorme, fallen mir folgende Aspekte ein:

  • Transparenz kann innerhalb einer Gruppe herrschen, welche die Öffentlichkeit vertritt - e.g. innerhalb einem gewählten Parlament, dass stellvertretend für die Bevölkerung sicherstellt, dass alles mit rechten Dingen zu und her geht.
  • Einsehbar müssen Dokumente sein, die meine persönlichen Daten beinhalten (Strafregister, Betreibungsauszug, Krankenakten etc.).
  • Wenn man ein Kriterium festlegt (e. g. »nationale Sicherheit«), dann kann dieses Kriterium dazu benutzt werden, um Dokumente geheim zu halten, die nicht geheim gehalten werden sollten.
  • Man würde in jedem Fall eine Meta-Transparenz erwarten: Dass klar gemacht wird, in welchem Fall wie Transparenz verhindert wird in einem demokratischen Staatsgefüge.

* * *

Google Trends scheint nun aber ein Problem gerade durch die Transparenz zu verursachen: So genannte Content-Farms (Link via Fefe) erstellen »Content«, also Texte, die nur deshalb geschrieben werden, um bei Google-Suchanfragen häufig gefunden zu werden (»How to Massage a Dog That Is Emotionally Stressed«) - ohne dass die VerfasserInnen eine Ahnung vom Thema hätten oder auch nur anstrebten, einen guten Text zu schreiben. So also vermüllt Google das Netz - indem es nicht mehr Inhalte absucht, sondern die Erstellung von sinnlosen Inhalten provoziert, weil die gefundenen Texte mit Werbung zu Geld gemacht werden können, ebenfalls über Google.

Würde Google keine Trends publizieren, könnte man nicht darauf reagieren und sie fürs Werbegeschäft ausnutzen…

* * *

Ich schließe. Ein Fazit fällt mir nicht ein - außer dass die Dinge immer etwas komplizierter sind, als man denken könnte. Und als man es sich wünschen würde.

…ob ich ein iPad kaufen werde

Die Frage, ob ich ein iPad kaufen werde, dürfte von Leuten, die mich kennen, kaum ernst genommen werden: Die Frage dürfte nur sein, wann ich denn eines kaufen werde.

Dennoch möchte ich diese Frage kurz erörtern, da sie fast symbolischen Gehalt hat - und einfach mal kurz auflisten, was denn dagegen spricht.

1. Infantilisierung der User.
Cory Doctorow, eine Art Internetlegende, hat energisch Gründe präsentiert, warum man kein iPad kaufen soll. Bottom Line: Apple behandle die Konsumenten, als entsprächen sie der sprichwörtlichen eigenen Mutter, also einer Person, welche in Bezug auf Technik unwissender und lernunwilliger nicht sein könnte. Man verstehe bzw. besitze, so Doctorow, ein Gerät erst dann, wenn man es öffnen könne; und lernen würde man ohnehin nur, wenn man selber Software für ein Gerät schreiben könne.
Natürlich musste ich an die Zeiten zurückdenken, als ich auf einem Intel-268er-Gerät jeweils die autoconfig.bat und andere Dateien im Texteditor mit kryptischen Befehlen modifizieren musste, um die Ram-Struktur dahingehend zu gestalten, dass ein Stück Software auch funktionierte - und kann gerne zugeben, dass ich dabei etwas gelernt habe.
Aber wenn Doctorow gerade den Tech-Bloggern vorwirft, Geräte deshalb euphorisch zu besprechen, weil es Geräte seien, die nur Tech-Blogger bräuchten: Dann kann man wohl auch sagen, dass die wenigsten Leute beim Gebrauch eines Gerätes etwas über Informatik oder sonstwas lernen wollen, sondern einfach das Gerät zu einem bestimmten Zweck einsetzen wollen.
Fazit: Ein iPad kaufte ich um Medien zu konsumieren - und nicht, um es aufzuschrauben. (Doctorow wirft dem iPad insbesondere vor, es mache die Benutzer zu Konsumenten…)

2. Widerstand gegen die Allmacht Apples.
Apple (und natürlich auch Google) sind so starke Player, dass befürchtet wird, sie könnten das Internet in eine Art restaurative Phase zwängen: Da man Inhalte nur noch via Apple und Google verbreiten und bewerben und und und kann, bestimmen diese Firmen, wie das Internet auszusehen hat. Darum geht es tatsächlich teilweise: Während Google die Werbung teilweise monopolisiert hat, schuf Apple einen attraktiven Weg, Content zu bezahlen und zu verkaufen; was vor iTunes und dem AppStore nicht geklappt hat. Wenn nun mit dem iPad noch die Printmedien dazukommen, dann müssen Inhalte nach den Richtlinien von Apple gestaltet und verkauft werden.
Doch auch diese Befürchtung ist etwas kurzsichtig. Mit jeder Innovation, welche Kunden dazu gezwungen hat, sich beispielsweise Software nur kostenpflichtig anzueignen (Disketten, CD-Roms, Kopierschutz), entstand sofort auch eine Umgehung dieser Pflicht. Heute sind digitale Inhalte aller Art auf verschiedenen Wegen kostenlos erhältlich - auch Printmedien (ich kann beispielsweise jede Ausgabe des Spiegels am Tag seines Erscheinens runterladen, ohne einen Cent zu zahlen). Diese Tendenz können weder Google noch Apple aufhalten, zumal Browser noch immer die zentrale Technologie sind und es ermöglichen, Inhalte ohne jede Form von Zensur anzubieten und aufzufinden.

3. Zensur.
Apple schliesst gewisse Apps aus, aus Gründen, die nicht immer nachvollziehbar sind. Also - so sagen viele Leute - hat Apple die Zensur beim iPhone und iPad eingeführt.
Falsch, sage ich: Zensur ist, wenn die Verbreitung von Programmen und oder anderen Inhalten nicht möglich ist. Apple sagt lediglich, innerhalb des AppStores dürften die nicht angeboten werden. Niemand hat je einen Grossverteiler der »Zensur« bezichtigt, weil er kein Kokain im Angebot hat und es auch nicht aufnehmen will - und genau so agiert Apple. Der AppStore garantiert den Benutzern, dass ein gekauftes Stück Software sich problemlos installieren lässt und dass man sein Geld zurück erhält, wenn es das nicht tut. Zudem ermöglich es, Software mit minimalen Vertriebskosten an die Kunden zu bringen.
(Wie absurd der Vorwurf der Zensur ist, wird dann deutlich, wenn die Bedeutung von Internetpornographie und Apples strikter Ausschluss pornographischer Produkte bedacht wird.)

4. Preis/Leistung I.
Apple-Laien begegnen mir immer wieder mit dem Argument: »Mein krasses Windows Y-Tablet-irgendwas hat imfall 300 Speicher und 700 Geschwindigkeit und erst noch eine 15 Megairgendwas-Kamera, während dein Apple - wie viel hat das überhaupt ? Und gekostet hat es auch viel weniger.« Antwort: I couldn’t care less. Mein Apple-Dings kostet vielleicht viel, aber es poppen nicht alle zehn Sekunden Fehlermeldungen auf, ich muss keine Software installieren, wenn ich einen Memory-Stick anschliesse und es tut generell das, was ich von ihm erwarte. Daher ist es so viel wert, wie es kostet.

5. Preist/Leistung II.
Vielleicht haben mir die geduldigen LeserInnen, die bis hier ausgeharrt haben, nicht zugetraut: Aber es gibt tatsächlich ein Argument gegen den Kauf eines iPads, und es geht um den Preis und um die Leistung.
Mit dem iPad kann ich nichts, was ich mit meinen Geräten jetzt nicht auch schon könnte - vielleicht nicht so praktisch, aber ich kann. Und ein iPad kostet so viel wie eine Tonne Reis kostet. Natürlich will ich keine Tonne Reis, aber vielleicht gibt es auf der Welt 1000 Leute, die gerne je ein Kilo hätten. Und zwar lieber, als ich ein neues iPad. Und das ist, wie ich finde, ein ziemlich gutes Argument.

Sollte ich - und diese Bemerkung ist eine Art Versicherung - nun doch bald ein iPad haben, so zeigt dies ein weiteres Mal, wie schwach Menschen sind, wie wenig ihnen grundlegende Einsichten bedeuten und wie wenig Moral es gäbe, wenn man das Verhalten von Menschen als Maßstab für ihre Überzeugungen nehmen dürfte.