Einige Gedanken zu »marriage equality« 

images (1)Ein Logo wie dieses sieht man derzeit oft im Internet. Es steht für die Forderung nach »marriage equality«: Menschen sollen sich unabhängig von ihrem Geschlecht verheiraten dürfen. Es scheint, als könnten nur konservative, religiöse und dogmatische Argumente gegen die Forderung vorgebracht werden, die nichts als vernünftig ist: Gleiche Rechte für alle Menschen sollte selbstverständlich sein.

Dabei gehen aber einige Aspekte vergessen, wie ich denke. Zunächst die Einsicht, dass die Erweiterung des Privilegs, sich verheiraten zu dürfen, nichts daran ändert, dass es ein Privileg ist. Es wird immer noch Menschen geben, die in illegitimen und staatlich nicht sanktionierbaren Beziehungen leben und diese nicht durch eine Heirat offiziell anerkennen lassen können. Und es wird immer noch Menschen geben, die Kinder betreuen oder Carearbeit leisten, ohne in gesellschaftliche anerkannte Strukturen eingebunden zu sein und sich gar noch rechtfertigen müssen.

Der Staat soll Menschen und ihre Beziehungen schützen. Welcher Art diese Beziehungen sind, spielt dabei keine Rolle. Die Vorstellung, dass sich zwei Menschen verheiraten, ist symbolisch so aufgeladen, dass sie den Blick darauf verstellt, dass der Staat nur die Rechte von Menschen schützen soll und die Verträge, die sie miteinander eingehen. Auch die Beziehungen unverheirateter Menschen werden durch die Schablone der Heirat geformt.

Dabei wäre es doch leicht möglich, viel differenziertere Verträge abzuschließen. Vielleicht will eine Person einer anderen das Besuchsrecht im Krankenhaus gewähren, sie aber nicht als Erbin oder Erbe einsetzen. Vielleicht will ein Vater, der mit mehreren Frauen Kindern gezeugt hat, mit ihnen allen dieselbe Vereinbarung treffen. Viele Fälle sind vorstellbar. Es braucht kein Konzept, das hier Vorgaben macht und gewisse Verträge bevorzugt oder erleichtert.

Letztlich wäre es eine vernünftige Forderung, den Staat hinsichtlich der Kategorie Geschlecht komplett blind zu gestalten: Kein Gesetz, kein Gericht, kein Verwaltungsakt und kein Amt muss sich auf das Geschlecht der Menschen in einem Staat beziehen, es ist nicht einmal nötig, dass der Staat das Geschlecht erfasst. Wenn er Vertragspakete wie »Heirat« anbietet, dann sollte es:

  1. einen guten Grund dafür geben
  2. ausreichen, dass Menschen sie abschließen wollen – unabhängig davon, wer sie sind und wie viele sie sind.

Die vernünftige Forderung, so denke ich, wäre nicht »marriage equality«, sondern entweder die Privatisierung von Heirat (der Staat kümmert sich nicht mehr darum) oder die Forderung nach gleichen Rechten und Möglichkeiten für alle Menschen. Diese Forderung ist nicht erfüllt, wenn die Gruppe der Privilegierten erweitert wird (obwohl das natürlich ein Fortschritt wäre).

5 thoughts on “Einige Gedanken zu »marriage equality« 

  1. Ich denke nicht, dass es schon so weit ist, ein solches Modell durchzusetzen. Es sollte jedoch als ein weiterer Schritt nach der Gleichstellung Homosexueller im Eherecht nicht aus den Augen verloren werden.
    Zunächst, denke ich, ist die Erweiterung auf gleichgeschlechtliche Paare wichtiger, um in der Sache voranzukommen.

  2. Ich glaube eine Privatisierung der Heirat würde zu mehr Ungerechtigkeit führen. Sie gehen vom Optimalzustand aus, dass jeweils Vertragspartner genau gleich „stark“ sind. Es ist zum Beispiel wichtig, dass Hausfrauen und -männer nach einer Scheidung finanziell abgesichert sind. Daher sollte an einer gewissen Grundstruktur des Vertrages festgehalten werden, jedoch dessen Gestaltungsmöglichkeiten, wie Gütertrennung, Gütergemeinschaft usw., erweitert werden.
    Bezüglich der »marriage equality« geht es bestimmt nicht nur um um die Heirat an sich sondern allgemein um Anerkennung in einer Gesellschaft. Es scheint mir einiges einfacher zu sein mit Hilfe der Tradition soziale Akzeptanz zu schaffen als die Tradition selbst zu ändern. Eine solche Forderung sollte eher an eine ganze (stärkere) Gesellschaft gestellt werden und am besten nicht einmal mit Homoehe in Verbindung gebracht werden um nicht die Pro-Argumente, sondern die Contra-Argumente zu provozieren.

  3. Erinnert mich an den Moment (also die Filmszene), wo Iris von Roten den Frauenrechtlerinnen vorhält, sie seien aufs Stimmrecht fixiert und verrieten das Grundsätzliche. Womit sie natürlich recht hatte.

  4. Sehe ich ähnlich. Wobei ich selbst eine andere Idee hatte, wodurch sich die momentane Ehe ersetzen ließ: http://nur-miria.blogspot.de/2013/04/statement-gegen-die-homo-ehe.html

    Allerdings finde ich deine Idee, für unterschiedliche Zwecke unterschiedliche Einzelverträge mit evtl. verschiedenen Menschen abzuschließen auch nicht schlecht und werde mal darüber nachdenken.
    Wobei gerade das mit dem Besuch im Krankenhaus auch heute schon möglich ist und durch eine Patientenverfügung geregelt werden kann.

    Viele Grüßel,
    Miria

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