Sind Fingerabdrücke ein wesentliches Merkmal unserer Identität?

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Robert Scoble lobt die Bemühungen von Apple, Userdaten so gut wie möglich zu schützen:

Only Apple seems to be working to keep my data safe (and remove theft rewards). The fingerprint scanner is really key at keeping people out of your “personal cloud.” Most of my friends don’t use passwords. Why? It’s a real pain in the behind keeping your life secure (I use all two-factor authentication, most people in my life don’t).

Diese Interpretation der neuesten Apple-Innovation, das iPhone per Fingerabdruck zu sichern, ist aber selten. Verbreitet ist die Ansicht, Apple verfüge nun zu der Unmenge an Benutzerdaten (Kontakte, Bewegungsprofile, E-Mails etc.) auch Fingerabdrücke – ein gravierendes Problem.

557137_10151554549931734_323775946_nSpontan hielt ich diese Kritik für ein Vorurteil – basierend auf der analogen, überholten Vorstellung, ein Fingerabdruck sei ein wesentliches Stück meiner Identität. Ich halte viele andere Daten für wesentlich schützenswerter als meinen Fingerabdruck.

Auch den Einwand, dass aber Behörden weiterhin Fingerabdrücke verwenden, ließ ich zunächst nicht gelten. (Die USA haben beispielsweise eine Datenbank mit 100 Millionen Fingerabdrücken – 50 von US-Bürgerinnen und Bürgern, 50 von Einreisenden). Es ist nicht überraschend, dass Behörden weiterhin auf analoge Modelle setzen.

Allerdings – das machte mir eine kurze Diskussion mit Dierk deutlich – gibt es unter all meinen Daten kaum sichere Wege, sie mit einem Körper zu verbinden. Der Fingerabdruck leistet gerade das: Er identifiziert mich als einen körperlichen Menschen (während alle anderen Datenspuren auf dem iPhone nur etwas über die Nutzung des Geräts sagen, nicht aber direkt etwas über die Nutzenden).

Fazit: Biometrische Daten haben durchaus ein anderes Gewicht als körperlose Informationen.

 

 

Das LaTeX-Prinzip – und warum ich noch bei Apple bleibe

Ich bin ein technik-affiner Mensch, aber kein Informatiker. Als ich in meinem MacBook Air kürzlich die Batterie ersetzen ließ, meinte der Apple Shop Mitarbeiter, er habe noch kein Gerät mit so vielen Ladezyklen gesehen. Heißt: Ich nutze Laptop und Smartphone recht intensiv. Mehr brauche ich nicht. Aus Komfortgründen habe ich mir zu Weihnachten ein Kindle-Lesegerät gekauft, bisher lese ich aber Kindle-Bücher auf dem iPhone und am Laptop, geht für mich bestens.

Heute habe ich mich entschlossen, mich nach einer Alternative zu Apple umzusehen. Ich nutze mehr und mehr Google Produkte und bin von neuen Google Apps begeistert: Die neue Maps-App für iOS ist hervorragend, die Entwicklungsschritte bei Google+ und bei Google Drive sind beeindruckend. Logisch wäre also, Geräte zu nutzen, welche die Google Tools noch stärker integrieren können.

Von Geräten erwarte ich eigentlich zwei Dinge:

  1. Sie sollen möglichst zuverlässig sein: Gute Akkus, hochauflösende Geräte, gute Kameras, robuste Gehäuse, zuverlässige Eingabeinstrumente.
  2. Sie sollen mir wenig bis gar keinen Aufwand machen. Ich will automatische Syncs, Updates mit einem Klick und keine Abstürze, Neu-Installationen, kein Gebastel. Ich will Default-Einstellungen, die funktionieren. Ich will einfach nicht an Dingen rumschrauben müssen, die andere für mich einstellen können.

Dieser zweite Punkt ist nicht eine Apple-Mentalität, sondern eine LaTeX-Mentalität. Als Textverarbeitung setzt LaTeX-Dokumente so, dass sie gut aussehen. Die Benutzer müssen sich ums Layout überhaupt nicht kümmern, weil sie das auch nicht gut können.

Ein mit LaTeX gesetztes Dokument.

Ein mit LaTeX gesetztes Dokument.

Genau dasselbe erwarte ich von einem Betriebssystem – mobil und auf dem Laptop. Es soll das für mich machen, was ich nicht kann. Speicher optimieren, Updates installieren, das System stabil und schnell halten. Files so indizieren, dass ich finde, was ich suche – und zwar schnell. Mir Menus und Strukturen anbieten, die sich selbst erklären, die so einfach wie möglich sind und trotzdem funktional.

Ich bin ziemlich überzeugt, dass es in Bezug auf meine Erwartungen momentan keine besseren Geräte als ein MacBook Air und ein iPhone gibt. Beide habe ich nun schon seit über zwei Jahren. Ich pflege sie nicht. Ich trage das MacBook Air in meiner Tasche rum, ohne Schutzhülle. Ich lasse das iPhone fallen, trage es in meiner Hose, ohne Schutzhülle, ohne Folie. Die Geräte zeigen kaum Gebrauchsspuren, die Systeme laufen stabil und schnell. Es gibt keinen Müll, keine spürbare Verlangsamung.

Ich will mit diesem Post niemanden überzeugen, sondern die Frage stellen: Welche Geräte wären es denn, die ich in Betracht ziehen solle als Alternative? Macht Apple wirklich so viel falsch? Oder geht es hier einfach um Modeströmungen und Vorlieben?

Ein Gedanke zur Verantwortung

In vielen Bereichen denken wir ausgehend von einem simplen Handlungsmodell: Wir tun etwas aus uns bekannten Gründen, diese Handlung hat absehbare Folgen. Für diese Folgen würden dann Erwachsene die Verantwortung übernehmen.

Dieses Denken wäre die Basis eines liberalen Denken, wie das Titus Sprenger in seinem Blogpost aufzeigt: Staaten sollen Menschen möglichst das tun lassen, was sie tun wollen – weil sie dann auch die Verantwortung übernehmen müssen.

Betrachtet man die heutige Welt, so muss man an allen Prämissen dieses Handlungsmodells zweifeln:

  1. Sind den Menschen die Gründe für ihr Handeln wirklich bekannt? Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns von unbewussten Prozessen steuern lassen und viele Bedürfnisse als eigene empfinden, die uns von aussen vorgegeben werden?
  2. Können Menschen die Folgen ihrer Handlungen wirklich abschätzen? Hat unser Handeln nicht an Orten Folgen, die wir gar nicht kennen, die aber mit unserer Lebenswelt auf eine kaum bemerkbare Weise verknüpft sind?

Meiner Meinung nach wird es immer schwieriger, Verantwortung zu übernehmen. Peter Hogenkamp hat in seinem Blog drei Beispiele aufgelistet, die zeigen sollen, wie gut der Kapitalismus funktioniere und Menschen zum produktiven Handeln animieren könne. In einem der Beispiele gibt Hogenkamp jemandem Geld, damit diese Person ihm ein iPhone 4S kauft. Hogenkamp will ein iPhone, die Person will Geld: Indem sie beides tauschen, erhalten beide, was sie wollen. Beide können für diese Handlung die Verantwortung übernehmen. So das herkömmliche Modell. 

Betrachten wir das genauer, so ist zunächst unverständlich, warum man ein iPhone 4S haben will. Hogenkamp hatte sicher ein total tolles Smartphone, mit dem er sämtliche kommunikativen Bedürfnisse befriedigen konnte. Sein Lieferant hat wohl auch viele Bedürfnisse, was er mit seiner Zeit anfangen könnte, ist jedoch bereit darauf zu verzichten, um Geld zu bekommen, mit dem virtuell weitere, noch unbekannte Bedürfnisse befriedigt werden können.

Das der weniger problematische Teil. Die Auswirkungen der Handlungen sind jedoch folgende: Es gibt eine große Nachfrage nach iPhones. Diese Nachfrage wird als Grund genommen, weitere solche Geräte herzustellen. Diese Herstellung erfolgt unter Bedingungen, die wohl weder Hogenkamp noch sein Lieferant verantworten wollen. Beide würden aber auf diesen Vorwurf entgegnen, sie hätten nichts mit den konkreten Arbeitsbedingungen der Menschen bei Foxconn zu tun.

Die Frage wäre aber dann: Wer verantwortet diese Arbeitsbedinungen?

  • Apple kauf diese Geräte nur ein.
  • Alle Mitarbeitenden von Apple handeln im Auftrag der Aktionäre.
  • Die Aktionäre können nichts kontrollieren.
  • Die Kunden von Apple kaufen Geräte, die es ja schon gibt, die stehen schon in den Regalen oder werden irgendwo bestellt.
  • Die Chefs bei Foxconn schaffen Arbeitsstellen, die verglichen mit Arbeitslosigkeit mehr Lebensqualität ermöglichen.
  • Die Mitarbeitenden müssen ihre Familien ernähren.
Fazit: Verantwortung wird in komplexen so diffus, dass es sie eigentlich gar nicht mehr gibt. Das Konzept spielt keine Rolle mehr, weil es die Möglichkeit, eine Handlung in einem umfassenden Sinne zu verantworten, gar nicht mehr gibt. Wir leben so in einer ewigen Jugend – getrieben von den Bedürfnissen einer Gruppe und getragen von einer Blase von reduzierter Verantwortung.

Der iPhone 4-Launch in der Schweiz: Ein Rant.

Das wird kein langer Text, man darf sich keine Links und ausgereiften Argumente versprechen – ein schlichter Rant, oder gut Deutsch: eine Diatribe.

Ich bin begeistert von Apple-Produkten. Sie fühlen sich richtig an, sie hochwertig verarbeitet, ermöglichen effizientes Arbeiten und lassen sich auch noch zu einem vernünftigen Preis weiterverkaufen. Ich werde wohl in den nächsten zehn Jahren nur Laptops und Telefone von Apple benutzen, weil ich damit am besten tun kann, was ich tun will.

Und ja, die Geräte kosten etwas, aber sie sind ihren Preis wert.

Was aber total unverständlich ist, ist die Inszenierung des Launches von neuen Geräten. Während iPads zwar gehypt wurden, gab es beim Start genügend Geräte, dass man auch als Mann am ersten Verkaufstag in ein Geschäft gehen konnte und eine kaufen konnte. Schließlich war man bereit, für ein Gerät, das niemand braucht, gegen 1000 Franken auszugeben – sehr nett, dass Apple diese Geräte auch verkaufte.

Der Verkaufsstart des iPhone 4 in der Schweiz ist aber nur noch lächerlich: Bis einen Tag vor dem Verkaufsbeginn wissen sämtliche Akteure nicht, wie wo und zu welchem Preis man das iPhone wird beziehen können. Sämtliche relevanten Homepages (Apple, Mobilanbieter) können nicht vernünftig eingerichtet werden, Mitarbeitende haben keine Ahnung; vor den Geschäften werden Schlangen erzeugt, vor den Apple-Shops stehen 10 Security-Mitarbeiter in Anzügen und am Samstag ist der Spuk vorbei: Es gibt keine Geräte mehr.

Come on, Apple. Wenn ihr es nicht hinkriegt, genügend Geräte zu liefern, dann verkauft gar keine. In der Schweiz besitzen 1 Million Menschen ein iPhone. Wie viele wollen wohl ein neues kaufen? Bitte hört auf, so zu tun, als tätet ihr jemandem einen Gefallen, der eure Produkte kauft. Oder als seien Menschen Helden, die vor Läden übernachten, um dann als erste ein Gerät kaufen zu können.

…ob ich ein iPad kaufen werde

Die Frage, ob ich ein iPad kaufen werde, dürfte von Leuten, die mich kennen, kaum ernst genommen werden: Die Frage dürfte nur sein, wann ich denn eines kaufen werde.

Dennoch möchte ich diese Frage kurz erörtern, da sie fast symbolischen Gehalt hat – und einfach mal kurz auflisten, was denn dagegen spricht.

1. Infantilisierung der User.
Cory Doctorow, eine Art Internetlegende, hat energisch Gründe präsentiert, warum man kein iPad kaufen soll. Bottom Line: Apple behandle die Konsumenten, als entsprächen sie der sprichwörtlichen eigenen Mutter, also einer Person, welche in Bezug auf Technik unwissender und lernunwilliger nicht sein könnte. Man verstehe bzw. besitze, so Doctorow, ein Gerät erst dann, wenn man es öffnen könne; und lernen würde man ohnehin nur, wenn man selber Software für ein Gerät schreiben könne.
Natürlich musste ich an die Zeiten zurückdenken, als ich auf einem Intel-268er-Gerät jeweils die autoconfig.bat und andere Dateien im Texteditor mit kryptischen Befehlen modifizieren musste, um die Ram-Struktur dahingehend zu gestalten, dass ein Stück Software auch funktionierte – und kann gerne zugeben, dass ich dabei etwas gelernt habe.
Aber wenn Doctorow gerade den Tech-Bloggern vorwirft, Geräte deshalb euphorisch zu besprechen, weil es Geräte seien, die nur Tech-Blogger bräuchten: Dann kann man wohl auch sagen, dass die wenigsten Leute beim Gebrauch eines Gerätes etwas über Informatik oder sonstwas lernen wollen, sondern einfach das Gerät zu einem bestimmten Zweck einsetzen wollen.
Fazit: Ein iPad kaufte ich um Medien zu konsumieren – und nicht, um es aufzuschrauben. (Doctorow wirft dem iPad insbesondere vor, es mache die Benutzer zu Konsumenten…)

2. Widerstand gegen die Allmacht Apples.
Apple (und natürlich auch Google) sind so starke Player, dass befürchtet wird, sie könnten das Internet in eine Art restaurative Phase zwängen: Da man Inhalte nur noch via Apple und Google verbreiten und bewerben und und und kann, bestimmen diese Firmen, wie das Internet auszusehen hat. Darum geht es tatsächlich teilweise: Während Google die Werbung teilweise monopolisiert hat, schuf Apple einen attraktiven Weg, Content zu bezahlen und zu verkaufen; was vor iTunes und dem AppStore nicht geklappt hat. Wenn nun mit dem iPad noch die Printmedien dazukommen, dann müssen Inhalte nach den Richtlinien von Apple gestaltet und verkauft werden.
Doch auch diese Befürchtung ist etwas kurzsichtig. Mit jeder Innovation, welche Kunden dazu gezwungen hat, sich beispielsweise Software nur kostenpflichtig anzueignen (Disketten, CD-Roms, Kopierschutz), entstand sofort auch eine Umgehung dieser Pflicht. Heute sind digitale Inhalte aller Art auf verschiedenen Wegen kostenlos erhältlich – auch Printmedien (ich kann beispielsweise jede Ausgabe des Spiegels am Tag seines Erscheinens runterladen, ohne einen Cent zu zahlen). Diese Tendenz können weder Google noch Apple aufhalten, zumal Browser noch immer die zentrale Technologie sind und es ermöglichen, Inhalte ohne jede Form von Zensur anzubieten und aufzufinden.

3. Zensur.
Apple schliesst gewisse Apps aus, aus Gründen, die nicht immer nachvollziehbar sind. Also – so sagen viele Leute – hat Apple die Zensur beim iPhone und iPad eingeführt.
Falsch, sage ich: Zensur ist, wenn die Verbreitung von Programmen und oder anderen Inhalten nicht möglich ist. Apple sagt lediglich, innerhalb des AppStores dürften die nicht angeboten werden. Niemand hat je einen Grossverteiler der »Zensur« bezichtigt, weil er kein Kokain im Angebot hat und es auch nicht aufnehmen will – und genau so agiert Apple. Der AppStore garantiert den Benutzern, dass ein gekauftes Stück Software sich problemlos installieren lässt und dass man sein Geld zurück erhält, wenn es das nicht tut. Zudem ermöglich es, Software mit minimalen Vertriebskosten an die Kunden zu bringen.
(Wie absurd der Vorwurf der Zensur ist, wird dann deutlich, wenn die Bedeutung von Internetpornographie und Apples strikter Ausschluss pornographischer Produkte bedacht wird.)

4. Preis/Leistung I.
Apple-Laien begegnen mir immer wieder mit dem Argument: »Mein krasses Windows Y-Tablet-irgendwas hat imfall 300 Speicher und 700 Geschwindigkeit und erst noch eine 15 Megairgendwas-Kamera, während dein Apple – wie viel hat das überhaupt ? Und gekostet hat es auch viel weniger.« Antwort: I couldn’t care less. Mein Apple-Dings kostet vielleicht viel, aber es poppen nicht alle zehn Sekunden Fehlermeldungen auf, ich muss keine Software installieren, wenn ich einen Memory-Stick anschliesse und es tut generell das, was ich von ihm erwarte. Daher ist es so viel wert, wie es kostet.

5. Preist/Leistung II.
Vielleicht haben mir die geduldigen LeserInnen, die bis hier ausgeharrt haben, nicht zugetraut: Aber es gibt tatsächlich ein Argument gegen den Kauf eines iPads, und es geht um den Preis und um die Leistung.
Mit dem iPad kann ich nichts, was ich mit meinen Geräten jetzt nicht auch schon könnte – vielleicht nicht so praktisch, aber ich kann. Und ein iPad kostet so viel wie eine Tonne Reis kostet. Natürlich will ich keine Tonne Reis, aber vielleicht gibt es auf der Welt 1000 Leute, die gerne je ein Kilo hätten. Und zwar lieber, als ich ein neues iPad. Und das ist, wie ich finde, ein ziemlich gutes Argument.

Sollte ich – und diese Bemerkung ist eine Art Versicherung – nun doch bald ein iPad haben, so zeigt dies ein weiteres Mal, wie schwach Menschen sind, wie wenig ihnen grundlegende Einsichten bedeuten und wie wenig Moral es gäbe, wenn man das Verhalten von Menschen als Maßstab für ihre Überzeugungen nehmen dürfte.