Ringier und die Qualität

In einem ausführlichen Interview darf heute der Ringier-Konzernchef Marc Walder in der Sonntagszeitung begründen, warum Ringier gedenkt eine Paywall einzuführen und für ein Leistungsschutzrecht eintritt. Am Schluss spricht er über das iPad seiner Tochter und formuliert einen doppelten Vergleich:

Wenn Eltern für solch einfachste Apps bereit sind, zu zahlen, dann wird auch die Bereitschaft da sein, für guten Journalismus im Netz zu bezahlen. Inhalte der SonntagsZeitung oder der NZZ oder des «Blicks» sollten mit Sicherheit so viel wert sein wie ein lustiges Samichlausliedli auf einer Kinder-App.

Damit sagt er, der »Blick« liefere »guten Journalismus«. Gerade in der Frage des Leistungsschutzrechts geht es um einen staatlichen Eingriff, der sicher stellen soll, dass qualitativ hochwertiger Journalismus nicht durch die Kopien von Google entwertet würden. Auch bei der Einführung von Paywalls ist das schlagende Argument, dass Leserinnen und Leser für Qualität zu zahlen bereit seien.

Nun gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten, Qualität zu definieren, wie im Umgang mit dem »Jahrbuch Qualität der Schweizer Medien« vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich immer wieder deutlich wird. Journalistinnen und Journalisten – so meine Beobachtung – definieren Qualität immer stärker im Hinblick auf die Resonanz bei den Leserinnen und Lesern oder der Erwartungen der Konzerne, statt, wie Kurt Imhof vorschlagen würde, durch »Vielfalt, Relevanz, Aktualität und Professionalität«.

In einer Kritik an der AZ kritisiert der Blick-Chefredaktor, Ralph Grosse-Bley, die Übernahme von Bildern durch die AZ:

Wir finden es toll, dass auch den AZ Medien die Fotos gefallen – und staunen über die Selbstbedienungs-Mentalität. […] Auch im Internet haben Journalisten, zum Beispiel Fotografen, Rechte. Nicht alles ist für alle gratis.

Einige Feststellungen zur Qualität und Originalität der Riniger-Produkte – ungeordnet und exemplarisch:

  1. Online übernimmt blick.ch Youtube-Videos und gibt sie als eigene Videos aus – mit eigener Werbung versehen.
  2. Der Ringier-Newsroom übernimmt mit dem Kürzel »ZVG« (zur Verfügung gestellt) Bilder aus Facebook.
  3. Nach dem Carunglück im Wallis zeigte der Blick Bilder von verstorbenen Kinder, die von ihnen selbst auf Facebook veröffentlich worden sind. Der Presserat zog eine Rüge in Erwägung.
  4. Helmut-Maria Glogger, Verfasser einer täglichen Kolumne im Blick am Abend, äußerte sich in einem Interview wie folgt zum Presserat: »[E]ine Rüge vom Presserat ist heute ja eine besondere Auszeichnung.« Der Presserat überprüft lediglich, ob eine klare Richtlinie, nämlich die »Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten« eingehalten worden sei. Chefredaktor Grosse-Bley: »Wir machen die Zeitung nicht für den Presserat«.
  5. Der Presserat hat 2012 folgende Verletzungen der Richtlinien durch die Blick-Produkte festgestellt: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7. Ringier verzichtet dabei nicht nur häufig auf eine Stellungnahme, sondern druckt die Entscheide auch nicht.
  6. Der Blick fährt eine scharfe Linie gegen Asylsuchende – auch auf Kosten der Wahrheit. So titelte der Blick am Abend letzte Woche, 60% aller Asylsuchenden seien HIV-positiv. »100 Prozent der Überschrift sind falsch«, stellt der BildBlog richtig – 60% der HIV-positiven Asylsuchenden aus der Sub-Sahara-Region haben sich in ihren Herkunftsländern angesteckt.
Ausriss Blick am Abend, bearbeitet von BildBlog.

Ausriss Blick am Abend, bearbeitet von BildBlog.

Würde man Qualität einfach als das Einhalten klarer Standards definieren – dann wäre es wohl für Ringier schwierig, schon nur diese Standards anzugeben. Die des Presserats gelten für Ringier offensichtlich nicht mehr, die Verantwortlichen zeigen keinerlei Interesse daran, sie einzuhalten. Natürlich misst sich der wirtschaftliche Erfolg nicht an der Sorgfalt der Journalistinnen und Journalistin oder gar an ihrer Berufsethik. Aber die großen Herren an der Spitze und im Hintergrund solcher Produkte, ob sie nun »eine der grosszügigsten und weitsichtigsten Persönlichkeiten« seien (Michael Ringier), eine, die »begeistert« (Frank A. Meyer) oder einfach »pflichtbewusst« (Walder) – sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, ihre gesellschaftliche Verantwortung bewusst zu ignorieren und andere an Regeln zu messen, die sie selber nicht bereit sind einzuhalten.

Qualitätsverbesserung – ein Vorschlag für Blogs

In den letzten Tagen habe ich viele Reaktionen auf meine Arbeit als Blogger bekommen. Darunter war auch Kritik – mit der ich mich hier kurz auseinandersetzen möchte.

Einen Blog zu führen bietet jedem Menschen an einem Computer die Möglichkeit, seine Gedanken der Welt mitzuteilen. Wenige der Bloggenden, die ich kenne, recherchieren dabei in der Welt außerhalb des Internets, sie nehmen kein Telefon in die Hand und sprechen nicht mit Betroffenen. Vielmehr lesen Sie (Online-)Zeitungen und verfassen Kommentare, die sie dann in ihren Blogs auch zur Diskussion stellen.

Das ist grundsätzlich kein Problem: Eine Meinung darf man äußern und jede Diskussion auf einem Blog bietet die Möglichkeit zur Diskussion wichtiger Themen und zu einer Meinungsbildung.

Gleichzeitig führt ein Blog einen auch in Versuchung, Personen direkt anzugreifen und sie mit Vorwürfen zu konfrontieren, auf die sie nicht direkt reagieren können. Das habe ich in der Vergangenheit schon mehrmals gemacht.

In der Richtlinie 3.8 des schweizerischen Presserats heißt es:

Aus dem Fairnessprinzip und dem ethischen Gebot der Anhörung beider Seiten («Audiatur et altera pars») leitet sich die Pflicht der Journalistinnen und Journalisten ab, Betroffene vor der Publikation schwerer Vorwürfe anzuhören. Deren Stellungnahme ist im gleichen Medienbericht kurz und fair wiederzugeben. […] Der von schweren Vorwürfen betroffenen Partei muss nicht derselbe Umfang im Bericht zugestanden werden wie der Kritik. Aber die Betroffenen sollen sich zu den schweren Vorwürfen äussern können.

An diese Richtlinie könnten sich Blogs ohne großen Aufwand halten. Ich schlage deshalb bei Vorwürfen an eine Partei und oder eine Institution vor (die Idee ist von einem Kommentar abgekupfert):

  1. Die Betroffenen über den (geplanten oder bereits veröffentlichten) Blogpost informieren und sie um eine Stellungnahme bitten.
  2. Diese Anfrage im Blogpost vermerken.
  3. Den Blogpost dann mit einer fairen Wiedergabe der Stellungnahme zu updaten.
Damit ist es weiterhin möglich, spontan zu bloggen – das aber fairer und qualitativ besser zu tun. Ich werde fortan so vorgehen.

 

Die Mitte der Gesellschaft – und Niklaus Meienberg

Auf der Medienwoche-Seite habe ich Ronnie Grob kürzlich kritisiert, weil er davon ausgegangen ist, Journalistinnen und Journalisten, welche ein Studium absolviert haben, seien nicht in der Lage, »die Mitte der Gesellschaft« abzubilden. Er führt dabei Niklaus Meienberg ins Feld, der 1972 schrieb:

Da ist einer jung, kann zuhören, kann das Gehörte umsetzen in Geschriebenes, kann auch formulieren, das heisst denken, und denkt also, er möchte unter die Journalisten. Er hat Mut, hängt nicht am Geld und möchte vor allem schreiben.
Er meldet sich auf einer Redaktion. Erste Frage: Haben Sie studiert? (Nicht: Können Sie schreiben?)

Man kann sich nun fragen, ob das heute noch ein aktuelles Problem ist – wo Gratiszeitungen und Onlineportale Volontärinnen und Volontäre auch ohne Matur erste Erfahrungen machen lassen und ihnen nachher eine – zwar schlecht bezahlte – Laufbahn im Journalismus eröffnen.

Zudem sagt auch Meienberg nicht, dass ein Studium einen am Nachdenken und Schreiben über relevante Aspekte der Gesellschaft hindere, vielmehr beschreibt er einen Prozess, der zum Ziel hat, JournalistInnen konform zu machen und ihnen den »Restbestand an Spontaneität« sowie ihren Texten die »Gefährlichkeit« zu nehmen:

Er hat gemerkt, dass zwischen Denken und Schreiben ein Unterschied ist, und so abgestumpft ist er noch nicht, dass er glaubt, was er schreibt. Aber er sieht jetzt ein, dass Journalismus eine Möglichkeit ist, sein Leben zu verdienen, so wie Erdnüsschenverkaufen oder Marronirösten.

Das alles wollte ich Ronnie Grob schreiben (im Wissen darum, dass der Graben zwischen Studierten und Nicht-Studierten im Journalismus immer noch aufklafft).

Dann aber habe ich mir überlegt, weshalb ich es als selbstverständlich erachte, zu wissen, was »die Mitte der Gesellschaft« beschäftigt, welche Politik in ihrem Interesse wäre und warum sie tut, was sie tut. Konkreter: Ich habe mir überlegt, warum ich der Meinung bin, mir über jedes gesellschaftliche Problem eine Meinung machen zu können, obwohl ich Gespräche fast ausschließlich mit Menschen mit dem gleichen Hintergrund führe – mit AkademikerInnen, die sich in der Agglomeration aufhalten, aus dem oberen Mittelstand stammen und zum oberen Mittelstand gehören – und deren Migrationshintergrund sich meistens auf die an die Schweiz angrenzenden Länder beschränkt.

Früher habe ich Handball gespielt. Da sass ich jeweils am Mittwochabend in einer Dorfbeiz und trank Bier mit Elektronikern, Gärtnern, Detailshandelangestellten, Kaufleuten, Ingenieuren, Informatikern. Auch das eine hermetische Welt: Militärdienst leisteten alle, die wenigsten waren nur Soldaten. Migrationshintergrund blieb auf wenige Deutsche beschränkt. Man wohnte zwar immer noch in der Agglomeration, aber teilweise etwas mehr auf dem Land. Und zum Mittelstand gehörten sie alle auch.

Mir bleiben eigentlich nur Fragen: Wäre es für mich möglich, mich in die Mitte der Gesellschaft zu begeben? An verschiedenen Orten dazuzugehören – zu verschiedenen Gesellschaftsteilen? (Ich vermute: Nein.) Wäre eine journalistische Publikation besser, wenn sie Texte von Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen versammeln würde – oder wenn sie Texte über Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründe enthielte? (Ich bin unsicher.) Wer weiß denn eigentlich, was »die Leute auf der Strasse« beschäftigt? Wovor sie Angst haben? Was sie wollen – oder nicht wollen? Und wie findet man das heraus? (Ich bin ratlos.)

Zurück zu Meienberg und einer Vision, die er einem fiktionalen Journalisten zuschreibt:

An Sonn- und allgemeinen Feiertagen hat er manchmal noch eine Vision. Er träumt von einer brauchbaren Zeitung. Mit Redaktoren, die nicht immer von Lesern (die sie nicht kennen) schwatzen, denen man dies und das nicht zutrauen könne. Sondern welche gemerkt haben, dass sich auch der Leser ändern kann. Eine Zeitung, welche ihre Mitarbeiter nach den Kriterien der Intelligenz und Unbestechlichkeit und Schreibfähigkeit aussucht und nicht nach ihrer Willfährigkeit gegenüber der wirtschaftlichen und politischen Macht.

Meienberg ist – zumindest hier – erschreckend aktuell.

Ringier-Interna: Offene Mail an Helmut-Maria Glogger

Offenbar ist auch im Hause Ringier nicht jeder Journalist (und jede Journalistin) begeistert über den begeisterten Blick am Abend-Mailer Glogger. Letzte Woche ist es nun offenbar »ein klein wenig eskaliert«, wie mir zugetragen worden ist.

Das Resultat ist dieses Mail von einem Ringier-Journi an Glogger (und alle anderen JournalistInnen bei Ringier) – das ich gerne hier publiziere:

Sehr geehrter Herr Glogger

Warum habt ihr brillanten Journalisten eigentlich so grosse Angst vor uns nichtsnutzigen Journalisten, die sich ihrer Meinung gar nicht so nennen dürften (wie Sie das vorhin so fein formuliert haben)?

Es behauptet schliesslich niemand, wir würden investigativen Journalimus betreiben. Unser Job ist es News an den Leser zu bringen. Schnell und multimedial. Und wenn Sie das nicht als Arbeit bezeichnen,  wie eben vorhin in unserer kurzen Unterhaltung, dann möchte ich Sie gerne dazu auffordern, unseren Job nur eine Woche lang zu erledigen. Wobei ich – bei allem Respekt – glaube, dass Sie weder technisch dazu fähig wären, noch dem geforderten Tempo standhalten könnten.

Auf der anderen Seite fragen wir „Copy-Paste-Journalisten“ uns, wo das packende, inspirierende, famos formulierte Material unserer hausinternen Edelfedern erscheint? Wider Ihrer Theorie, werter Herr Glogger, lesen wir durchaus ab und zu Zeitungen und Magazine, was selbst uns dümmliche Wesen, die erstaunlicherweise doch fast alle studiert haben, befähigt, journalistische Qualität zu beurteilen. Ergo fragen wir uns in boshaften Momenten: Rechtfertigt die gezeigte Leistung unserer Diven, dass die einen im Newsroom unter Hochdruck und in Schichtarbeit Artikel raushauen, während andere eine Woche Zeit haben für ihre Werke?

Im Normalfall wollen wir unsere Arbeit nicht mit der Ihren gleichstellen. Hin und wieder überkommt uns etwas Neid. Gerne würden auch wir besseren Journalismus betreiben, gewissenhafter recherchieren und unsere Texte vor der Publikation nochmals überarbeiten oder gar einen Rewriter hinzuziehen. Doch dieser Luxus wird uns nicht gewährt. So ist der Deal. Und wir akzeptieren das – offensichtlich im Gegensatz zu Ihnen.

Also, lassen Sie mich meine Einstiegsfrage nochmals – etwas bodenständiger und meinem Niveau entsprechender – stellen: Was ist genau Ihr Problem, Herr Glogger? Weshalb reden Sie bei jeder Gelegenheit uns und unsere Arbeit schlecht?

Hochachtungsvoll, XY*

* – der Name des Absenders/der Absenderin ist mir bekannt.

Gratiszeitungen und Gratisarbeit – und ein Geschäftsmodell

Nicole Bürki alias @nicaeli hat nun schon vier Wochen lang eine Kolumne im Blick am Abend geschrieben. Für sie eine Chance, ein großes Publikum zu finden – für den Blick am Abend Gratisarbeit.

Da soll man wohl locker blieben, es der Nicole und ihren LeserInnen gönnen, oder?

Oder vielleicht kurz darüber nachdenken, dass das bedeutet, dass eine Gratiszeitung eigentlich auch von ihren LeserInnen gemacht werden könnte? (Und die Arbeit der professionellen JournalistInnen sich also durch nichts von der von Laien abhebt – sie also eigentlich auch kein Gehalt brauchen…)

Ein bisschen Twitter einfügen, ein paar Blogposts kopieren, Kolumnen gratis schreiben lassen, ein paar sda-Kurzmeldungen einfügen: Fertig ist das von LeserInnen gemachte Blatt.

Das wäre auch schon das Geschäftsmodell gewesen. Und vielleicht die Zukunft.

Die Journalisten schlagen zurück – Imhof und die Qualität der Medien

Kaum wurden erste Ergebnisse von Kurt Imhofs Untersuchung zur Qualität der Schweizer Medien bekannt, werden seine Befunde zurückgewiesen. Zwei Beispiele seien hier kurz kommentiert:

  1. Peter Rothenbühler.
    Der Mann, der angibt, den »People-Journalismus« in der Schweiz eingeführt zu haben (via @patsch), führt in der Sonntagszeitung im Wesentlichen vier Argumente an, weshalb die Ergebnisse der Studie getrost ignoriert werden können:

    • die Studie entspricht Kurt Imhofs Meinung und ist ergo nicht wissenschaftlicher, sondern persönlicher Natur
    • Gratiszeitung lassen Menschen lesen, die ohne sie nicht lesen würden
    • die Qualität der Medien wurde schon seit jeher bemängelt
    • die Qualität der Medien ist großartig.

    Abgesehen davon, dass die Studie von Imhof als kulturpessimistisch dargestellt wird und Kulturpessimismus stets eine antiquierte Position darstellt, weil man Kultur als Ganzes nur aus einer anderen (d.h. älteren) Haltung kritisieren kann – sind Rothenbühlers Argumente von einer fast brisanten Ignoranz geprägt.

    Imhofs Studie definiert Qualität und untersucht die Schweizer Medienlandschaft auf diese Qualität hin. Nun kann man entweder sagen, seine Qualitätskriterien (Universalität, Ausgewogenheit, Objektivität und Relevanz) seine nicht die richtigen, oder aber seine Untersuchung sei nicht korrekt verlaufen. Einfach das Gegenteil zu behaupten ist keine Option. Auch nicht für den Erfinder des People-Journalismus.

  2. Thom Nagy.
    Dem 20Minuten-Journalisten behagen Imhofs Ergebnisse genau so wenig wie Rothenbühler. Er versucht, 20Minuten gegen die Kritik von Imhof zu verteidigen. Auch seine Argumente seinen kurz zusammengefasst:

    • die »Gratiskultur« sei ein Problem des Internets, nicht der Gratiszeitungen
    • Gratiszeitungen würden sehr wohl nachhaltige und längerfristige Hintergrundinformationen liefern, wie dieses »Dossier« und »Google« zeigen sollen
    • Gratiszeitungen informierten sehr wohl Menschen – und zwar neu auch solche, die keiner »(Informations-)elite« angehörten
    • Online-Medien schreiben, was Menschen interessiert
    • auch herkömmliche Qualitätsprintmedien wie der Tages-Anzeiger, die BaZ oder die NZZ (die Nagy selber nicht liest) würden Schwächen aufweisen in Bezug auf Imhofs Qualitätskriterien
    • »Es geht um den Informationsgehalt des Gesamtsystems Internet«, nicht um eine einzelne Seite.

    Der hier spannende Punkt ist die Veränderung durch die Digitalisierung. Ich gebe Nagy recht – digitale Inhalte erlauben oft eine umfassende, nachhaltige und multiperspektivische Information.
    Aber das reicht nicht, um 20Minuten zu verteidigen, was seine Qualität anbelangt. Gerade wenn es darum geht, Menschen zu informieren, die keiner Elite angehören, kann man nicht auf das »Gesamtsystem« Internet vertrauen – und auch nicht auf die Interessen dieser Leute. »Interessen« können auch durch mediale Arbeit konstruiert oder zumindest gefördert werden. Und wenn sich Menschen für das neue iPhone oder die Brustbehaarung eines Mister Schweiz »interessieren«, dann darf man auch noch fragen, ob ein diesbezüglicher Artikel den qualitativen Ansprüchen eines solchen Interesses genügt oder nicht.
    Zudem: Das von Nagy verlinkte »Dossier« und der Hinweis auf Google zeigt noch viel deutlicher, weshalb Qualitätsjournalismus für eine demokratische Meinungsbildung unabdingbar ist: In diesem Dossier gibt es keine eigene Recherche von 20Minuten. Alles ist abgeschrieben. Der Leser oder die Leserin sind nicht in der Lage, sich über die Zuverlässigkeit der Quellen ein Bild zu machen. Das Dossier entsteht aus der Tagesaktualität – es enthält eben keine Hintergrundartikel und nichts Nachhaltiges.
    Wenn wir neben unseren Medien noch Google brauchen – dann können wir auch gleich ganz auf Google umstellen…