Ist »Raubkopie« ein guter Begriff?

Die oben stehende Graphik von Blackmoor Vituperative bringt die Kritik der Verfechter einer Modernisierung der Urheberrechts am Begriff der »Raubkopie« auf den Punkt. Gemeinhin umfasst diese Kritik zwei Punkte:

  1. Es handelt sich nicht um einen Diebstahl, wenn Dateien kopiert werden, weil die ursprünglichen Dateien ja noch vorhanden sind und dabei nicht beschädigt werden.
  2. Beim Kopieren wird keine Gewalt angewendet, wie das der Begriff des Raubes impliziert (hier die strafrechtlich präzise Definition von Raub).

Rein formell gibt es dagegen nichts einzuwenden. Verletzungen des Urheberrechts sind als Tatbestand Verletzungen des Urheberrechts – und weder Raub noch Diebstahl.

Aber Begriffe werden nicht geprägt, um wörtlich genommen zu werden. Ein »Schlitzohr« ist kein Schlitzohr und hat auch kein Schlitzohr. Zu sagen, der Begriff Schlitzohr sei ungeeignet oder falsch, wäre eine Kapitulation vor den Möglichkeiten und der Funktionsweise der Sprache. Begriffe sind meist metaphorisch, vergleichend und oder emotional aufgeladen.

Der Begriff »Raubkopie« drückt also genauer aus:

  1. Es handelt sich um einen Kopiervorgang (also weder um Diebstahl noch um Raub),
  2. der wie ein Raub ist, d.h. z.B.
  3. für die Betroffenen wirkt er emotional so, als sei ihnen mit Gewalt etwas weggenommen worden
  4. und oder er wirkt sich für sie wirtschaftlich so aus, als sei ihnen etwas weggenommen worden.

Damit ist er eigentlich nicht so schief. Zur emotionalen Bedeutung habe ich schon einmal ein Beispiel im Blog erwähnt, generell kann man sagen: Wer nicht will, dass sein Werk kopiert wird, leidet darunter, wenn das doch passiert.

Der wirtschaftliche Schaden wird in eine Kommentar zu diesem ausgezeichneten Forbes-Text erklärt. Im Text selbst heißt es:

Piracy is not raiding and plundering Best Buys […], smashing the windows and running out with the loot. It’s like being placed in a store full of every DVD in existence. There are no employees, no security guards, and when you take a copy of movie, another one materializes in its place, so you’re not actually taking anything. […] It’s not a physical product that’s being taken. There’s nothing going missing, which is generally the hallmark of any good theft. The movie and music industries’ claim that each download is a lost sale is absurd. I might take every movie in that fictional store if I was able to, but would I have spent $3 million to legally buy every single DVD? No, I’d probably have picked my two favorite movies and gone home. So yes, there are losses, but they are miniscule compared to what the companies actually claim they’re losing.

Neben der Wiederholung am Vergleich mit dem Diebstahl zeigt Paul Tassi in dieser Passage, dass die durch Raubkopie entstandenen Schäden nicht annähernd dem »Wert« aller kopierten Werke entspricht.

Im ersten Kommentar zu diesem Artikel wird darauf hingewiesen, dass durch das Kopieren die Knappheit eines Gutes reduziert wird. Der Wert der Dinge, die ich besitze, hängt davon ab, wie viele identische Dinge es gibt (Angebot – Nachfrage). Kopiert nun jemand z.B. alle Briefmarken in meiner Briefmarkensammlung, so nimmt diese Person mit die Sammlung zwar nicht weg, aber sie reduziert ihren Wert (weil es dann einfach von jeder Briefmarke eine mehr gibt). Weil Musik im Internet beispielsweise einfach und gratis verfügbar ist, halten wir 25 Franken für ein Album plötzlich für zu teuer.

Wie dem auch sei: Die Diskussionen über das Urheberrecht sind nicht beendet. Die moralische Beurteilung des Kopierens von urheberrechtlich geschützten Dateien scheint momentan gesellschaftlich neu verhandelt zu werden.

* * * 

Die Begriffsprägung treibt in dieser Diskussion ohnehin erstaunliche Blüten. Hier ein paar Beispiele:

  • Der Präsident der Schweizer Piratenpartei, Denis Simonet, spricht sarkastisch von »Raubmordkopieren«.
  • In der NZZ vergleichen Volker Grossmann und Guy Kirsch die Musikindustrie ausführliche mit »Raubrittern«. [Vgl. dazu auch die Replik.]
  • In der Internetgemeinde ist oft die Rede von der »Content-Mafia« – gemeint ist damit, dass die Rechteinhaber ihre Ansprüche durchsetzen wie die Mafia ihre. (In diesem CCC-Podcast wird der Begriff »Content-Mafia« als eine Reaktion auf den Begriff der »Raubkopie« dargestellt.)

Allen Beispielen ist gemein, dass die Vergleiche leicht als schief hingestellt werden können, die Begriffe oberflächlich gesehen falsch sind. Auf Spreeblick heißt es in einem Kommentar zum Megaupload-Fall:

Vergleiche zwischen der digitalen und der analogen Welt werden im Netz regelmäßig und oft zurecht als unzureichend oder fehl am Platz kritisiert, besonders aber, wenn so genannte „alte“ Medien oder Unternehmen sie benutzen. Werden ähnliche Vergleiche hingegen innerhalb der diversen Netzgemeinden bemüht, gibt’s etwas mehr LIKE und RT und die Vergleiche hinken offenbar nicht mehr ganz so stark.

Mein Fazit wäre versöhnlicher: In solchen Auseinandersetzungen werden Begriffe geprägt, die neben sachlichen Anforderungen auch emotionalen und metaphorischen genügen müssen. Dabei ist aber die Grenze sehr schmal – zwischen einem pointierten Vergleich und einer manipulativen, populistischen Sprachwahl.

Noch einmal kurz zum Buchhandel.

Die Diskussion der Buchpreisbindung, wie sie von Jungen, Piraten und Freiheitsliebenden geführt wird, ist meines Erachtens etwas kurzsichtig, wie ich im letzten Post schon angemerkt habe. Nur weil der Verdacht besteht, die Buchpreisbindung könne im Internet nicht durchgesetzt werden (als ob das Parallelimportverbot für Medikamente im Internet nicht auch durchgesetzt werden könnte und als ob das Verbot von weichen Drogen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen durchgesetzt werden könnten), heißt das noch lange nicht, dass die Buchpreisbindung abzulehnen ist. Auch das Argument, Bücher könnten dadurch teurer werden, greift meines Erachtens nicht: Es ist ja gerade das Ziel der Buchpreisbindung, dass gewisse Bücher teurer werden.

Ich denke aber, es gibt starke Argumente, die gegen eine Buchpreisbindung sprechen. Die möchte ich hier aber zurückstellen und kurz anmerken, welche Leistungen eine Buchhandlung erbringt:

  1. Sie verkauft Bücher zu bestimmten Preisen.
  2. Sie stellt Angestellte an, welche Beratung anbieten.
  3. Sie unterhält ein Lager an sofort verfügbaren Büchern.

Da ich beruflich mit Büchern zu tun habe, beschäftige ich mich regelmässig mit diesen Funktionen. Die Frage ist nun, ob man zugestehen kann, dass der erste Punkt zur Querfinanzierung der 2. und 3. Punkte dienlich sein kann.

Nehmen wir als Beispiel die Buchhandlung meiner Wahl, Klio in Zürich (hinter der Polybahn). Die Buchhändlerinnen, welche bei Klio arbeiten, sind sowohl im akademischen Bereich wie auch im kulturellen sattelfest. Sie lesen das NZZ-Feuilleton und lesen viele, sehr viele Bücher. Und auch wenn die Buchhandlung klein ist: Im Bereich der Philosophie übertrifft ihre Auswahl bei weitem die der Großbuchhandlungen.

Ich gehe also nicht in eine Buchhandlung, weil ich mir den besten Preis für ein Buch verspreche, sondern weil ich damit rechne, dass ich erstens etwas über dieses Buch erfahren kann, es unter Umständen auch ansehen kann – und dass ich zweitens das Buch sofort mitnehmen kann, wenn ich es kaufen möchte. Selbstverständlich kann man sagen, dass ich dafür dann halt einen Preis zu bezahlen habe (in Zürich wohl eher nicht, weil Klio durch die Nähe zur Universität kompetitive Preise anbieten kann; aber auf dem Land und in der Agglomeration sehr wohl) – doch diesen Preis werde ich nicht zahlen können, weil es die Buchhandlungen dann evtl. einfach nicht mehr gibt.

Um noch einmal auf die Bäckereien zurückzugreifen, welche schon oft als Beispiel angeführt worden sind: Wo ist denn die nächste Bäckerei, welche ihre Gipfeli aus Mehl, Wasser und Butter selbst herstellt und nicht einfach Hiestand-Teig in den Ofen schiebt? Und wo muss ich denn am Sonntagmorgen hinfahren, wenn ich für ein Gipfeli meinetwegen auch drei Franken zahlen möchte, wenn es nur selbstgemacht ist? Fazit: Manchmal kann man Dinge auch dann nicht mehr kaufen, wenn man bereit wäre, den Preis zu zahlen. Und eines dieser Dinge könnte qualifizierte Buchberatungsgespräche und eine gute Buchauswahl sein.

Von Unterhosen, Papierhaufen – und der Buchpreisbindung

Eben wollte ich bei Markus Felber einen längeren Kommentar hinterlassen, der dann der Blogger-Software zum Opfer gefallen ist (ich mag Google ja, aber Blogger ist wirklich unglaublich anstrengend als Plattform).

Es geht um die Frage, die derzeit wieder etwas hitziger diskutiert wird: Ob eine Buchpreisbindung sinnvoll ist. Felber findet nein, Lewinsky beispielsweise ja.

Ich mag die Buchpreisbindung nicht. Es handelt sich um ein unschönes Instrument. Und doch verstehe ich, warum man sie einsetzen möchte. (Ganz ähnlich geht es mir btw mit AKWs und wohl vielen anderen auch.) Die beiden zentralen Argumente hat Felber m.E. ausgelassen:

  1. Es geht primär um Buchläden. Ohne Buchpreisbindung wird der neue Harry Potter im Interdiscount verkauft – von ungeschultem Personal zu einem nicht zu unterbietenden Preis, weil der Interdiscount viele Bücher einkauft und die einfach noch hinstellen kann. Die Buchhandlung unser aller Wahl kann den Harry Potter nicht mehr verkaufen – und wird dadurch beträchtliche Einnahmen verlieren, die sie mit Nischentiteln nicht reinholen kann. Ergo: Wir verlieren die Möglichkeit, bei Fachleuten, die viele Bücher gelesen haben, Bücher einzukaufen.
  2. Die Haltung, dass der Markt den Handel mit Konsumgütern regelt, basiert auf einer Illusion. Produkte der Landwirtschaft und Medikamente sind nur ein Beispiel, wo der Staat Preise stützt und das Spielen von Marktmechanismen verhindert. Die aufschreienden liberalen Kräfte haben aber offenbar kein Problem, Landwirtschaftssubventionen zu sprechen und Parallelimporte zu verhindern.

Darüber hinaus kann man sich einige grundsätzlichere Fragen stellen.

  • Regelt der Markt wirklich alles optimal? Und woher wissen wir das?
  • Sollte bei politischen Entscheidungen – wie auch in diesem Fall – wirklich die stärkere Lobby darüber entscheiden, wie wir unser Zusammenleben organisieren?
  • Handelt es sich nicht um das letzte Gefecht einer ohnehin sterbenden Branche? Eine Branche, welche die Idee zu verkaufen versucht, dass Informationen notwendigerweise auf Papier gedruckt werden müssen. Als Literaturwissenschaftler kenne ich bibliophile Gefühle – und die seien allen Menschen gelassen, welche sie haben. Aber Informationen sollten fließen (das halte ich für eine ethische Frage). Ihre Anbindung an physische Erscheinungsformen verhindert diesen Fluss.
  • Die Illusion, wonach »kleine« AutorInnen mit Büchern Geld verdienen können, wenn sie durch Besteller subventioniert werden, kann man leicht loswerden, wenn man mal mit jemandem spricht, der oder die versucht, einen Erstling zu publizieren. Die Antwort der Verlage lautet nicht wie früher meist »nein«, sondern: »Ja, wir können Ihren Titel in unserem Nebenverlag x unterbringen, wenn Sie sich mit 10’000 Euro an den Druckkosten beteiligen. Geld erhalten Sie dann ab einer Auflage von 10’000 Exemplaren, aber wenig.«

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Zusatz 20.45: Eben habe ich bei Denis Simonet noch einen längeren Kommentar hinterlassen, den ich hier noch kurz zitiere:

Warum [finde ich das Vorgehen der Piratenpartei] populistisch? Zunächst einmal gibt es in der Schweiz Gesetze, welche in einem demokratisch legitimierten Prozess erlassen werden. Diese Gesetze sollen respektiert werden – gerade von Parteien, die ja die Möglichkeiten kennen, diese Gesetze zu verändern. In diesem Sinne begrüsse ich die Initiative. Es gibt aber auch Gründe, die für eine Buchpreisbindung sprechen. Diese Gründe nur lächerlich zu machen, halte ich wenig produktiv und auch wenig reif. Vielmehr müsste man (statistisch, nicht einfach durch Behauptungen) zeigen können, dass man die besseren Argumente hat.
Ein Gesetz deswegen zu kritisieren, weil es nicht durchsetzbar ist, ist ebenfalls populistisch und weltfremd: Die wenigsten Gesetze werden eingehalten und bei den wenigsten Gesetzen kann überprüft werden, ob sie lückenlos eingehalten werden. Das war noch nie ein Grund, ein Gesetz zu kritiseren.

Handelt es sich bei SUISA-Gebühren um »Terror«?

Heute habe ich mit dem Präsidenten der Piratenpartei, Denis Simonet, eine Diskussion auf Twitter geführt. Im wesentlichen ging es mir um den Begriff »Terror«, der in der Diskussion um die SUISA-Abgaben auf Leermedien verwendet wird (»Abgabenterror«). Simonet verwies auf die Wikipedia-Definition von Terror. Unter »umgangssprachlicher Gebrauch« heißt es dort:

Der Begriff Terror findet sich heute in zahlreichen Wortzusammensetzungen (z. B. TelefonterrorPsychoterror) auch in der Umgangssprache wieder, wo er häufig für aggressive Umgangsformen oder extreme Belästigung steht.

Meiner Meinung nach ist es problematisch, eine überzogene Begriffswahl zu verwenden – gerade in einem politischen Kontext. Man verwischt damit Fakten und entwirft verzerrte Perspektiven. Meiner Meinung impliziert Terror (wie in den obigen Beispielen Telefonterror und Psychoterror) dass es sich um eine unerträgliche Form von Belästigung handelt, gegen welche man sich nicht zur Wehr setzen kann.

Nun handelt es sich bei den SUISA-Abgaben um rechtsstaatlich legitimierte Gebühren, gegen die man sich auf den etablierten politischen Wegen zur Wehr setzen kann. Es handelt sich nicht um Terror, sondern um eine Steuer. Selbstverständlich kann man diese Steuer zu hoch oder zu tief finden oder gänzlich falsch. Aber deswegen muss man sie nicht als Terror bezeichnen.

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Generell denke ich, ist die Position der Piratenpartei bezüglich der SUISA-Gebühren naiv. Dies aus zwei Gründen:

  1. Das Argument, nicht alle Inhalte, die auf Leermedien kopiert würden, seien urheberrechtlich geschützt, würde sich empirisch niemals verifizieren lassen. Klar gibt es den Hobbyfilmer und die Photographin, welche externe HDs brauchen, um Medien zu sicher, die keine Dritturheber haben. Aber die sind die Ausnahme.
  2. Die Schweiz hat ein enorm liberales Urheberrechtsgesetz. Es ist legal, urheberrechlich geschütztes Material aus dem Internet gratis runterzuladen und es zu nutzen. Diese Möglichkeiten (oder eben Freiheiten) haben einen Preis: Die Gebühr auf Leermedien. Schafft man diese Gebühr ab, folgt eine Verschärfung des Urheberrechts auf dem Fuss.

Gebühren und Abgaben – mal wieder zu SUISA und BILLAG

Heute gab es für mich in meiner Twitter-Timeline zwei Mal Anlass zu Gedanken über Gebühren. Denis Simonet, der Präsident der Piratenpartei, twitterte Folgendes:

Und mit der Frau Chliitierchnuebler hatte ich folgende Konversation:

Twitterkonversation zwischen @kohlenklau und @chliitierchnueb, 9. 1. 2010

In beiden Diskussion werden durch BILLAG und die SUISA erhobene Gebühren bzw. Abgaben als störend empfunden. Preise und Kosten werden immer als ein Tausch wahrgenommen: Für die Leistung X bezahle ich den Preis Y. Nun gibt es aber keine sichtbare Leistung, die mir SUISA und BILLAG verkaufen könnten, also gibt es für mich keinen Grund, den Preis dafür zu bezahlen. Und schon sind für mich die Gebühren »unnötig«:

Quelle: Abgabenterror.ch, 9. 1. 2010

Quelle: Abgabenterror.ch, 9. 1. 2010

Generell scheint es mir zwei Ebenen zu geben, die man unterscheiden muss:

  • der Grund weshalb eine Gebühr erhoben wird, also der Schutz der Urheberrechte der KünstlerInnen (SUISA) oder die Gebühr für öffentlich-rechtliche Medienprogramme (BILLAG)
  • der Modus, mit dem diese Gebühr erhoben und mit dem bestimmt wird, wer sie zu entrichten hat.

Über diese Gründe kann man diskutieren. Ich denke jedoch, dass gerade bei der SUISA die Tatsache, dass eine Gebühr erhoben wird, in der Schweiz eine vernünftige Lösung für Filesharing möglich ist (vernünftig meint hier, dass nicht massenhaft Leute kriminalisiert werden). Ähnliche Lösungen funktionieren beispielsweise auch für Kopierer – auch wenn ich ein Buch kopiere, dessen Verfasser/Herausgeber mir das Kopieren eines Buches nicht erlaubt (also die meisten Bücher), ist das kein Problem: Weil auf jeder Kopie eine Abgabe erhoben wird, welche Verfasser/Herausgeber für ihren Verlust kompensieren. Gleich ist es auch bei der Abgabe auf Leermedien. Störend dabei ist, wie im oben gezeigen Screenshot angemerkt, dass es sein kann, dass doppelte Gebühren erhoben werden: Lade ich die gekaufte CD auf meinen MP3-Spieler oder kopiere ich ein Dokument, das ich selber geschrieben habe – dann werden Gebühren erhoben, die nicht erhoben werden müssten. Um diese Effekte erfassen zu können, müsste man jedoch über detaillierte Statistiken verfügen. Ich behaupte einmal (bis ich eines Besseren belehrt werde): Dieser Effekt ist vernachläßigbar. Damit ist auch schon einiges über den Modus gesagt worden; ich bezweifle, dass es bessere Arten gibt, diese Gebühren einzutreiben. Die Alternative wäre die Kriminalisierung von Filesharing – und ich bezweifle, dass das das Ziel der Piraten sein könnte.

Der Grund, weshalb die BILLAG Gebühren erhebt, müsste differenzierte diskutiert werden. Meiner Meinung nach ist es nicht mehr zeitgemäß, nur für Radio und Fernsehen Gebühren zu erheben (also in diesen Märkten starke staatliche Player zu etablieren, die auch einen Unterhaltungsauftrag haben). Vielmehr müsste der Informationsauftrag gestärkt werden und zwar möglichst unabhängig von der Art der Medien, über die diese Informationen verbreitet werden. (Das ist nur mal eine Skizze, ich habe mich dazu schon oft geäußert.)

Nun noch ein Kommentar zur Art und Weise. In Bezug auf das Internet gilt bei der BILLAG folgende Regelung:Quelle: Billag.ch, 9. Januar 2010

Technisch mag das nicht mehr ganz aktuell sein: Ich kann die Programme von DRS und von SF in einem herkömmlichen Browser ohne das Installieren zusätzlicher Software und eine Registrierung sehen. Das heißt: Gebührenpflichtig sind alle, die das Internet nutzen oder ein Handy haben oder ein Radiogerät oder einen Fernseher oder ein Autoradio oder … Und zwar nicht unter der Bedingung, dass man diese Geräte auch für den Empfang bestimmter Programme nutzt. Und nun frage ich mich: Wer ist eigentlich nicht gebührenpflichtig? Konsequent wäre doch einfach, gar keine Erhebungen mehr zu machen und die Gebühren von allen Haushalten oder aber von allen SchweizerInnen einzufordern.