Leistungsschutzrecht auch in der Schweiz

Die Schweizer Verleger wollen Geld sehen für Medieninhalte, die Google ins Netz stellt. Dass über die Suchmaschine Artikel veröffentlicht werden, für die Google Werbegelder einstreicht, aber nichts bezahlt, ist für sie nicht länger hinnehmbar.

So beginnt ein Artikel in der NZZ, in dem Daniel Hammer, der Generalsekretär des Westschweizer Verlegerverbands Médias Suisses, eine Revision der Urheberrechts fordert. Damit meint er, in der Schweiz müsse es ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger geben. Wie das genau funktioniert, habe ich schon einmal erklärt:

Presseverlage machen – so die Idee des Leistungsschutzrechtes – journalistische Texte einer Öffentlichkeit zugänglich. Deshalb müssen sie für diese Leistung geschützt werden. Schutz hießt konkret: Wer ihre Leistung kommerziell nutzt, muss dafür eine Lizenz erwerben und bezahlen.

Google nutzt die Leistung der Verleger, indem in Suchresultaten Auszüge, so genannte »Snippets« verwendet werden. Google verdient mit Werbung Geld – in der Schweiz rund 500 Millionen. Ein Teil davon müssten die Verleger erhalten, weil, so Hammer, die Werbeeinnahmen der Verleger in den letzten 10 Jahren um 1 Milliarde zurückgegangen seien.

Die wesentlichen Einwände gegen ein Leistungsschutzrecht habe ich auch schon diskutiert. Es sind folgende:

  1. Wer nicht bei Google erscheinen will, erscheint nicht bei Google.
  2. Die Verlage profitieren mehr von Google als Google von den Verlagen.
  3. Google erbringt eine andere Leistung als die Presseverleger.
  4. Die Verlage werden durch das Leistungsschutzrecht nichts einnehmen.
  5. Das Gesetz verhindert den freien Fluss der Information.

Interessant ist vor allem der zweite Punkt:

Die Suchergebnisse von Presseverlagen machen etwas 10% der Google-Suchergebnisse in Deutschland aus. Bei den Presseportalen machen die über Google vermittelten Zugriffe aber 30-60% aller Zugriffe aus. D.h. ohne die Presseportale funktionierte Google weiterhin problemlos – die Presseportale verlören hingegen einen Großteil ihrer von Google vermittelten Zugriffe.

Bei Forderungen, wie sie Hammer vorbringt, frage ich mich immer, ob ihm und den anderen VerlegerInnen diese Fakten bekannt sind und sie einfach Argumente auffahren, um unter Umständen staatliche Zuschüsse zu erhalten – oder ob sie tatsächlich die Illusion haben, durch eine Urheberrechtsveränderung finanziell profitieren zu können.

One thought on “Leistungsschutzrecht auch in der Schweiz

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