»Der 14. Dezember 2011 ist nicht mehr zu retten«, schreibt Fabian Renz im Politblog auf Newsnet. Er konstatiert, dass der Einfluss der Parteien auf die Bundesratswahl zu groß sei - und schließt daraus, dass die Volkswahl des Bundesrates diesen Missstand beheben könne. Auch Andi Gross sei der Ansicht, die »Legitimität« der Exekutive wäre größer, wenn sie direkt von der Bevölkerung gewählt würde.
Die Problembeschreibung von Renz ist meiner Meinung nach in den Ansätzen korrekt: Die politische und mediale Debatte um die Zusammensetzung des Bundesrates missachtet die Bedeutung des Amtes völlig. Es wird so getan, als sei allein die Zugehörigkeit zu einer Partei bzw. der Vorschlag durch eine Partei ausschlaggebend dafür, ob eine Person als Bundesrätin oder Bundesrat geeignet sei. Dabei geht vergessen, dass Bundesräte zunächst ein Departement zu führen haben. Ihre Aufgabe ist es nicht, politische Entscheide zu fällen, sondern diese Entscheide vorzubereiten, zu begleiten und auszuführen.
Ziel der Bundesratswahl muss sein, dass möglichst fähige Personen dieses Amt übernehmen. Offenbar gelingt das bei einer Wahl durch das Parlament nicht ideal - und es ist zu bezweifeln, ob dies bei einer Wahl durch die Bevölkerung anders aussehen würde. Bei Regierungsratswahlen werden zuweilen fähige Leute abgewählt, ohne dass es dafür überhaupt eine Begründung gibt. Diese Gefahr droht auch bei der Bundesratswahl. Je populistischer dieser politische Mechanismus von den Parteien benutzt wird, desto eher kommt es zu Abwahlen und sinnlosen Departementswechseln, die vor allem viele personelle und materielle Ressourcen beanspruchen.
Mein Vorschlag wäre daher dieser: Parteimitglieder dürfen nur noch Angehörige der Legislative sein. Zu RichterInnen und Mitgliedern der Exekutive (Bundesrate, Regierungsrat) können nur noch Menschen gewählt werden, die z.B. in den fünf vorangegangenen Jahren keiner Partei angehört haben. Das Verhältnis der Regierungsteile würde geklärt, die Parteipolitik hätte einen klaren Ort und könnte weniger stark falsche Anreize setzen; die Beurteilung von RichterInnen und ExekutivpolitikerInnen würde sachlicher.