Marketing heute – Köppel und die Arena

Roger Köppel diskutiert neu sogar auf der unseeligen Newsnetz-Page des Tagesanzeigers: Und zwar eine Geschichte, welche langweilig wäre, wenn es nicht eine Inszenierung gäbe.

Was ist passiert? Die Arena, welche konsequent Boulevard-Politik macht und sich immer mal wieder in die Schlagzeilen rückt, indem sie ihre Einladungspolitik entweder durch Parteien beeinflussen lässt oder nicht, hat Roger Köppel offenbar ein- und dann wieder ausgeladen. Dieser reagiert – wie zu erwarten war – säuerlich, und erhält von Newsnetz die gebrauchte »Schützenhilfe« in From eines Berichtes, in dem Köppel das Schlusswort erhält und dort die Schweiz nicht nur mit Nordkorea vergleichen kann, sondern sich selber auch gleich als Protofreisinnigen in Szene setzt.

Dann schreibt die Weltwoche, das Internet, die Blogszene und überhaupt eigentlich alle seien auf ihrer Seite, der Tagi schreibt das ab und Köppel diskutiert auch auf der Tages-Anzeiger-Homepage mit. Und alle denken, es gehe um Politik – dabei geht es um die Weltwoche, ihre Auflage, und die Arena, und ihre Zuschauerzahlen. Und um die TA-Media und ihren Shareholdervalue.

Dass es nicht um einen Zensurvorgang geht, nur weil die Sendung im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird, und dass ein neu gewählter Bundesrat sich nicht von einem selbsternannten Experten seine Europapolitik durch populistische Scheinargumentationen zerfleddern lassen will, ist wahrscheinlich allen Beteiligten klar. Und so kann auch auf Köppels Bitte schnell geantwortet werden:

Ich möchte meine Kritiker unter den hier Kommentierenden herzlich einladen, mir direkt Feedback zu geben, was Sie stört/irritiert und was ich an meinen Auftritten oder in der Weltwoche besser machen könnte: Emails bitte an roger.koeppel@weltwoche.ch – Bitte zögern Sie nicht, auch sehr direkte Kritik unverblümt an mich zu richten. Herzlichen Dank, Roger Köppel (Anm. der NN-Redaktion: Es handelt sich hierbei um den echten Roger Köppel)

Hier kommt sie also:
Lieber Roger Köppel
Mich stört an Ihren Auftritten, dass Sie klassischen Bullshit (nach der Theorie von Frankfurt) von sich geben. Sie lügen nicht, sondern ignorieren die Wahrheit. Obwohl Sie es besser wissen, argumentieren Sie verantwortungslos, um damit Geld zu verdienen. Sie bedienen eine Denkform, die aus Einzelfällen Generalisierungen ableitet, welche völlig falsch sind. Ihre Kritik an den Sozialwerken, an der Ausländerpolitik der Schweiz, Ihre Positionen zu Themen wie Jugendkriminalität, Armee, Gewaltverbrechen und Strafrecht ignorieren Fakten, gewichten falsch und ziehen Schlüsse, welche fatale Konsequenzen haben könnten, wenn Sie die demokratische Meinungsbildung zu beeinflussen vermögen. (Von der Wirtschaftspolitik spreche ich nicht – die Verteidigungsreden auf die liberale Position entlarven sich hinsichtlich der Weltwirtschaftskrise selbst…)
Was könnten Sie besser machen? a) Denken Sie mehr nach. b) Schreiben Sie weniger oder gar nichts mehr. c) Behalten Sie den Überblick. d) Stellen Sie sich vor, Sie könnten auch einmal Unrecht haben. e) Vermeiden Sie Vergleiche aller Art. Schreiben Sie, was ist. f) Denken Sie nicht, nur weil Sie allen etablierten Meinungen widersprechen, Sie hätten etwas zu sagen. g) Verbringen Sie Zeit mit Menschen, die nicht privilegiert sind. Das wärs schon ungefähr. Mit freundlichem Gruss, Philippe Wampfler

Und das wärs auch für diesen Blogeintrag. Offenbar sind nicht alle Blogschreiber der Meinung, die Ausladung von Herrn Köppel sei ein Fehler gewesen.

5 thoughts on “Marketing heute – Köppel und die Arena

  1. Ich hoffe, du kriegst eine Antwort vom Roschee. Der Fehler, den die Arena Redaktion gemacht hat, war nicht, ihn auszuladen, sondern ihn zuerst eingeladen zu haben.

  2. Meine Antwort wäre kürzer.

    Ich möchte meine Kritiker unter den hier Kommentierenden herzlich einladen, mir direkt Feedback zu geben, was Sie stört/irritiert und was ich an meinen Auftritten oder in der Weltwoche besser machen könnte.
    Sie könnten einfach die Klappe halten.

  3. Natürlich ist es ein Fehler, wenn die Redaktion der Arena auf Druck von anderen Teilnehmern Köppel zuerst einlädt und dann wieder auslädt.

    Der erste Bericht „Köppel? ‚Keine gute Idee'“ erschien übrigens zuerst im Tages-Anzeiger und wurde von Newsnetz nur übernommen.

    • Danke für die Präzisierung – spielt aber für meinen Punkt nicht so eine große Rolle.
      Wenn die »Arena« ein Format wäre, bei dem es ein klares Vorgehen gäbe und alle Teilnehmenden gleich behandelt werden, dann ja – dann wäre es wohl ein Fehler gewesen.
      Aber in der Vergangenheit hat die Arena es immer wieder zugelassen, dass inhaltliche Aspekte von Teilnehmenden geändert werden konnten. Und wenn das die Player wissen, werden sie es auch ausnützen.
      Und letztlich stand die Arenaleitung vor der Frage: Köppel ausladen – und Arena mit dem neu gewählten Bundesrat. Oder: Köppel nicht ausladen, und Arena ohne Bundesrat. Ob die zweite Variante klar die richtigere gewesen wäre, würde ich bezweifeln.

  4. Pingback: Zwei Nachträge zu Roger Köppel « Ws Blog

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s