Gebühren und Abgaben – mal wieder zu SUISA und BILLAG

Heute gab es für mich in meiner Twitter-Timeline zwei Mal Anlass zu Gedanken über Gebühren. Denis Simonet, der Präsident der Piratenpartei, twitterte Folgendes:

Und mit der Frau Chliitierchnuebler hatte ich folgende Konversation:

Twitterkonversation zwischen @kohlenklau und @chliitierchnueb, 9. 1. 2010

In beiden Diskussion werden durch BILLAG und die SUISA erhobene Gebühren bzw. Abgaben als störend empfunden. Preise und Kosten werden immer als ein Tausch wahrgenommen: Für die Leistung X bezahle ich den Preis Y. Nun gibt es aber keine sichtbare Leistung, die mir SUISA und BILLAG verkaufen könnten, also gibt es für mich keinen Grund, den Preis dafür zu bezahlen. Und schon sind für mich die Gebühren »unnötig«:

Quelle: Abgabenterror.ch, 9. 1. 2010

Quelle: Abgabenterror.ch, 9. 1. 2010

Generell scheint es mir zwei Ebenen zu geben, die man unterscheiden muss:

  • der Grund weshalb eine Gebühr erhoben wird, also der Schutz der Urheberrechte der KünstlerInnen (SUISA) oder die Gebühr für öffentlich-rechtliche Medienprogramme (BILLAG)
  • der Modus, mit dem diese Gebühr erhoben und mit dem bestimmt wird, wer sie zu entrichten hat.

Über diese Gründe kann man diskutieren. Ich denke jedoch, dass gerade bei der SUISA die Tatsache, dass eine Gebühr erhoben wird, in der Schweiz eine vernünftige Lösung für Filesharing möglich ist (vernünftig meint hier, dass nicht massenhaft Leute kriminalisiert werden). Ähnliche Lösungen funktionieren beispielsweise auch für Kopierer – auch wenn ich ein Buch kopiere, dessen Verfasser/Herausgeber mir das Kopieren eines Buches nicht erlaubt (also die meisten Bücher), ist das kein Problem: Weil auf jeder Kopie eine Abgabe erhoben wird, welche Verfasser/Herausgeber für ihren Verlust kompensieren. Gleich ist es auch bei der Abgabe auf Leermedien. Störend dabei ist, wie im oben gezeigen Screenshot angemerkt, dass es sein kann, dass doppelte Gebühren erhoben werden: Lade ich die gekaufte CD auf meinen MP3-Spieler oder kopiere ich ein Dokument, das ich selber geschrieben habe – dann werden Gebühren erhoben, die nicht erhoben werden müssten. Um diese Effekte erfassen zu können, müsste man jedoch über detaillierte Statistiken verfügen. Ich behaupte einmal (bis ich eines Besseren belehrt werde): Dieser Effekt ist vernachläßigbar. Damit ist auch schon einiges über den Modus gesagt worden; ich bezweifle, dass es bessere Arten gibt, diese Gebühren einzutreiben. Die Alternative wäre die Kriminalisierung von Filesharing – und ich bezweifle, dass das das Ziel der Piraten sein könnte.

Der Grund, weshalb die BILLAG Gebühren erhebt, müsste differenzierte diskutiert werden. Meiner Meinung nach ist es nicht mehr zeitgemäß, nur für Radio und Fernsehen Gebühren zu erheben (also in diesen Märkten starke staatliche Player zu etablieren, die auch einen Unterhaltungsauftrag haben). Vielmehr müsste der Informationsauftrag gestärkt werden und zwar möglichst unabhängig von der Art der Medien, über die diese Informationen verbreitet werden. (Das ist nur mal eine Skizze, ich habe mich dazu schon oft geäußert.)

Nun noch ein Kommentar zur Art und Weise. In Bezug auf das Internet gilt bei der BILLAG folgende Regelung:Quelle: Billag.ch, 9. Januar 2010

Technisch mag das nicht mehr ganz aktuell sein: Ich kann die Programme von DRS und von SF in einem herkömmlichen Browser ohne das Installieren zusätzlicher Software und eine Registrierung sehen. Das heißt: Gebührenpflichtig sind alle, die das Internet nutzen oder ein Handy haben oder ein Radiogerät oder einen Fernseher oder ein Autoradio oder … Und zwar nicht unter der Bedingung, dass man diese Geräte auch für den Empfang bestimmter Programme nutzt. Und nun frage ich mich: Wer ist eigentlich nicht gebührenpflichtig? Konsequent wäre doch einfach, gar keine Erhebungen mehr zu machen und die Gebühren von allen Haushalten oder aber von allen SchweizerInnen einzufordern.

Kotzen, motzen, helfen – eine Reprise

Alice Gabathuler schreibt in einem Kommentar zu meinem JRZ-Post:

[…] wichtig ist doch, dass etwas getan wird. Während unsere Politiker fleissig Entwicklungshilfegelder sparen, tun viele Leute wenigstens was. Allen einfach nur „Marketing“ oder „sich gut fühlen zu wollen“ zu unterstellen, ist so was von billig. Natürlich geht es auch um PR. Aber wenn sie ihren (guten) Zweck erfüllt: Warum nicht. Federer und Nadal haben über 2 Millionen zusammengebracht. Geld, mit dem man Sinnvolles tun kann.

Kotzt ihr dann ruhig mal weiter. Ich freue mich darüber, dass irgendwo in einer Schule in Afrika ein Kind eine Ausbildung erhält, irgendwo in Asien ein Kind keine Kinderarbeit mehr machen muss.

Und in einem Tweet an mich heißt es:

http://twitter.com/AliceGabathuler/status/17580997134524416

Und das stimmt: Wenn man rein die Wirkung dieser Handlungen anschaut so haben JRZ und Federer vs. Nadal-X-Mas-Edition viel mehr Wirkung als kritische Blogposts, und die Notleidenden kümmert es letztlich nicht, auf welche Art und Weise das Geld gesammelt worden ist, mit dem ihr Leben verbessert wird.

Das aber war nicht meine Perspektive in meinem Post – aber ich will mich nicht wiederholen, sondern zwei Bemerkungen anfügen:

  1. Zum Kotzen finde ich nicht die SchülerInnen, welche für JRZ Kuchen verkaufen oder ihr Taschengeld spenden; und auch nicht die Tennisbegeisterten, welche viel für ein Ticket zahlen und wissen, dass das Geld einem guten Zweck dient. Zum Kotzen finde ich die Marketingmaschine der Swisscom, von Ringier, von SF, von DRS etc., eine Marketingmaschine, welche von Menschen getragen wird, die entweder nicht sehen oder nicht sehen wollen, dass diese Maschine nichts tut, von dem sie sich keinen Mehrwert verspricht. Sprich: Die armen Kinder in Asien und Afrika werden in ihrem Elend dazu benutzt, dass die Leute mehr telefonieren, ein neues Handy kaufen und mehr Medien konsumieren. Und das ist doch zum Kotzen, oder nicht?
  2. Ein Zitat von Adorno aus einem Gespräch mit Arnold Gehlen (vgl. dazu auch diesen Zeit-Essay):

    Ich habe eine Vorstellung von objektivem Glück und objektiver Verzweiflung, und ich würde sagen, daß die Menschen so lange, wie man sie entlastet und ihnen nicht die ganze Verantwortung und Selbstbestimmung zumutet, daß so lange auch ihr Glück in dieser Welt Schein ist.

    Die Menschen werden durch diese Aktionen entlastet – sie haben das Gefühl, es reiche, ein paar Franken zu spenden und Radio zu hören, oder aber sich gemütlich einen Tennismatch anzusehen. Dieses Helfen tut nicht weh und es erlaubt einem, die Augen vor der – auch in der Schweiz präsenten – Not zu verschließen. Dies hat auch »Sie kam und blieb« schon deutlich formuliert:

    Ist es tatsächlich euer Ernst, dass ihr euch solidarisch fühlt, indem ihr… […]

    …bei einer Ersteigerung von einem dekadentem Cüppli-Date mit Mister Schweiz zugunsten von hungernden Kindern mitmacht?
    …in der Mittagspause schnell beim Bundesplatz vorbeigeht und ein 20er-Nötli den Schlitz runterlässt (und die Gelegenheit grad noch rasch nutzt, um mit dem I-Phone die bärtigen Radiohelden und deren C-Klasse-Superstar-Interviewpartner zu fötelen) und dabei die Obdachlosen, an denen ihr vorbeigeeilt seid, wie immer ignoriert (ist ja schon chli unangenehm, Menschen, denen es elend geht, direkt gegenüber zu stehen, dann lieber ein 20er-Nötli für die armen Kinderlein weit weg, deren traurigen Blick ich wegklicken kann, wenn ich grad keine Lust hab)?

Die Obszönität des Helfens – Warum »Jeder Rappen zählt« zum Kotzen ist

Die staatlichen Medien der Schweiz organisieren dieses Jahr zum zweiten Mal einen Spendenaufruf unter dem Titel »Jeder Rappen zählt«. Ziel ist – um es auf den Punkt zu bringen – die ertragreichste Zeit der etablierten Hilfswerke zu nutzen, um ihnen mit einem Medienspektakel, das von den Gebührenzahlenden finanziert wird, die Mittel zu entziehen. Das an sich ist zum Kotzen.

Das ist der Song zu dieser Aktion. Auch der – zum Kotzen.

Und das größte Problem ist die kapitalistische Inszenierung des Helfens. Ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass wir ein Leben auf Kosten anderer Menschen führen, dass wir also nicht helfen können, um noch bessere Menschen zu sein, sondern helfen müssen, wenn wir überhaupt einen Rest Anstand in uns verspüren – sowas liegt jenseits des Horizonts dieser Aktion.

Dazu kann man gut noch einmal Lukas Bärfuss lesen:

Die Motive der Ausbeutung sind nicht kompliziert. Gier ist nicht kompliziert, Verschwendung ist nicht kompliziert, Gleichgültigkeit ist nicht kompliziert. Mord und Vertreibung sind nicht kompliziert. Im Gegenteil: Sie bezeichnen die grösstmögliche Vereinfachung der menschlichen Existenz – die Reduktion auf Gewinn und Verlust. Genauso wenig komplex ist unsere eigene Verstrickung, zum Beispiel in jenes Morden im Kongo, dem grössten Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg. Unsere Interessen liegen offen zutage.

Kompliziert ist alleine die Verwirrung, in die uns diese Mitverantwortung führt. Kompliziert ist, dass wir einsehen, wie ungerecht der Wohlstand verteilt ist und dass wir gleichzeitig kaum bereit sind, etwas daran zu ändern. Kompliziert ist, dass wir unsere eigene Verantwortung abschieben auf ein System. Kompliziert ist, dass wir glauben, Freiheit besitzen zu können.

Oder aber Slavoj Žižek:

Es ist eine Sache zu sagen: «Lasst uns hungernden Kindern helfen.» Etwas ganz anderes aber ist es zu sagen: «Ist es nicht wunderbar, wie gut man sich fühlt, wenn man hungernden Kindern hilft?» Und das hasse ich. Diese Selbstgerechtigkeit. Starbucks verkündet: «Wenn Sie bei uns einen Cappuccino kaufen, ist er teurer, weil Sie nicht nur den Cappuccino kaufen, sondern auch die Ethik, denn ein Teil des Gewinns geht an…»
[…] Schön, dass wir nicht mehr gegen Konsum sein müssen. Konsum selbst wird zum Kampf, für Ökologie, Antirassismus, was auch immer. Diese Verlogenheit hasse ich.

Diese Verlogenheit finde ich bei Unternehmen auch zum Kotzen – kann mir aber vorstellen, dass findige MitarbeiterInnen irgendwie Ideen generieren müssen, mit denen man Kunden noch mehr Geld abknöpfen kann, und wenn man ihnen vorgaukelt, etwas für bedürftige Kinder tun zu wollen. Bei Personen, die solche Aktionen nutzen, um ein paar Follower/Freunde zu generieren, aber noch viel mehr. Ich hätte nicht übel Lust gehabt, auf dieses Angebot mit einem Gegenangebot zu reagieren – denke aber, die Aktion disqualifiziert sich selbst.

Begriffe wie Kotzen verwende ich in diesem Blog sonst selten – ich entschuldige mich dafür. Um es noch einmal festzuhalten: Es geht mir nicht primär um das Motiv, weshalb man hilft. Oder wem man hilft. Sondern um den Eindruck, als sei helfen Teil eines Marketingspiels, Teil unserer Freiheit, Teil unseres Images – und nicht unsere Pflicht. Weil wir nichts von dem, was wir jeden Tag genießen, verdient haben.

 

Das sda-Problem und die Qualität der Medien

Urs Paul Engeler versteht entweder von den politischen Abläufen in der Schweiz wenig – oder tut zumindest journalistisch so. Er ist das beste Beispiel für einen Journalist, der sich willig einer Ideologie unterordnet, um letztlich nicht Texte zu verfassen, welche Probleme reflektieren und analysieren, sondern eine Perspektive transportieren, welche gerade verhindert, dass die Probleme in den Blick genommen werden können.

Worum geht es?

Seit Beginn dieses Jahres gibt es nur noch eine Nachrichtenagentur in der Schweiz, die sda. Aus wirtschaftlichen Überlegungen hat sie ihre Konkurrenz aufgekauft – und so ausgeschaltet. Diese Vorgänge wurden kritisch durchleuchtet und analysiert, insbesondere im Medienmagazin Klartext. Niemand, der etwas von Medien versteht, bestreitet, dass eine Situation mit mehreren Nachrichtenagenturen besser ist als eine Situation mit einer.

Urs Paul Engeler will nun gleich zwei Dinge erreichen:

  1. Er versucht einen Zusammenhang zu erfinden, in dem die Monopolstellung der sda im Kontext einer linken Verschwörung stehen könnte.
  2. Könnte die Monopolstellung der sda auch noch etwas mit Kurt Imhof (»altlink«) zu tun haben, der sich kritisch über die Qualität der Schweizer Medien geäußert hat.

Beides gelingt ihm nicht. Seine Methoden sind denn auch denkbar primitiv: Auf die Person spielen. Imhof und de Weck. Und dann noch ein bisschen von dem, was alle wissen: Medien, SF, Tagi, you name it, nur nicht die Weltwoche: Allesamt links.

Urs Paul Engeler schlägt selbst als Qualitätskriterien für Medien »Debatte und Wettbewerb« vor, wirft Imhof mangelnde Kompetenz sowie einen politischen Bias vor: Die Erwähnung der Minarett-Initiative allein habe für den Vorwurf mangelnder Qualität gereicht. Neben der ironischen Pointe, dass gerade der Wettbewerb dazu geführt hat, dass die sda als Monopolistin dasteht (was würde denn eigentlich Herr Engeler zur Lösung des Problems vorschlagen?), verfehlt er so völlig, was Imhofs Studie beabsichtigt oder geleistet hat. (Da Weltwoche-LeserInnen Fakten weniger bedeuten als stramme bürgerliche Parolen, mag ihm das seine Leserschaft verzeihen.)

Hier sei doch noch kurz zitiert, wie denn das Jahrbuch von Imhof die Minarett-Initiative einbezieht:

Die Qualität öffentlicher Kommunikation bemisst sich hinsichtlich ihrer Forumsfunktionan der Meinungsvielfalt, d.h. der Vielfalt und Relevanz der Akteure und Argumente, die zu dieser Vorlage zur Sprache kommen, an der Begründung und wechselseitigen Berücksichtigung dieser Argumente und an der Vermittlung von Hintergrundinformationen.

Hinsichtlich der Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation bemisst sich die Qualität medienvermittelter Kommunikation an der Art und Weise, wie gesellschaftliche Normen und Werte sowie die Fragen der Zugehörigkeit reflektiert und begründet und damit Vereinseitigungen verhindert werden. Problematisch sind im Fall der Minarettinitiative vor allem Pauschalisierungen in der Wahrnehmung muslimischer Akteure.

Die WAP-Abzocke – die TEDs von SF (auch eine Anleitung)

Die Sportübertragungen des Schweizer Fernsehens blenden regelmäßig Aufforderungen ein, man solle sich an TEDs beteiligen, bei denen auch attraktive Preise verlost würden, beispielsweise ein Auto. Die Teilnahme kann auf zwei Arten erfolgen: Die zweite Möglichkeit muss Usern angeboten werden: Denn man darf nur Gewinnspiele anbieten, wenn eine kostenlose Teilnahmemöglichkeit besteht.

Diese Gewinnspiele (oder TEDs) dienen natürlich als Einnahmequelle für SF. Deshalb wurde und wird ein Weg gesucht, wie man die Gratisteilnahme möglichst unattraktiv gestalten kann. WAP ist dieser Weg: Wer erinnert sich schon an diese Bananenhandys von Nokia, die sowas wie Internet hatten? Genau, das war WAP.

* * *

Und jetzt kommt die Anleitung, wie man in einem normalen Browser (ich gehe mal von Firefox aus) WAP-Links öffnen kann – um so gratis an diesen Gewinnspielen teilzunehmen (Update: Das Problem »Unbekannter Gerätetyp« ist gelöst, danke PcTipp!):

  1. Firefox installieren.
  2. Die Erweiterung wmlbrowser hier installieren.
  3. Die Erweiterung XHTML Mobile Profile installieren.
  4. Die Erweiterung Modify Headers installieren.
  5. Firefox neu starten.
  6. Menu: Extras/Modify Headers – dann:
    Drop Down-Menu oben links: »modify«
    erstes Kästchen: user-agent
    zweites Kästchen: SonyEricssonW810i/R4CE Browser/NetFront/3.3 Profile/MIDP-2.0 Configuration/CLDC-1.1
  7. WAP-Links wie z.B. wap.5gegen5.sf.tv können nun direkt im Browser geöffnet und bearbeitet werden.

* * *

Auch die Idee zu diesem Beitrag ist nicht von mir, sie sei bei Luke herzlich verdankt (siehe Kommentare). (Die Anleitung ist von mir.) Hier der Artikel des Ideengebers – ein Artikel, der nie erschienen ist:

Bis zu 20000 Franken winken den Teilnehmern bei Gewinnspielen in Sendungen des Schweizer Fernsehens SF– etwa in den populären Spielshows «Deal or no Deal» oder «1 gegen 100». Der einfachste Weg um mitzumachen, führt über eine gebührenpflichtige Telefonnummer oder SMS. Kosten pro Versuch: 80 Rappen.
Die Lotteriverordnung verlangt bei solchen Gewinnspielen eine Möglichkeit zur Gratisteilnahme. SF bietet deshalb den Zuschauern an, über WAP mitzuspielen. Nutzen kann das nur, wer ein Handy hat, das sich über WAP ins Internet einwählen kann. Bloss: Viele Mobiltelefone der neusten Generation können mit der veralteten WAP-Technologie nichts mehr anfangen. Wer etwa mit dem iPhone von Apple beim SF gratis mitzocken will, kriegt eine Fehlermeldung. Auch über einen normalen Computer kann man nicht mitspielen.
Der Verdacht liegt nahe: Die Gratisteilnahmemöglichkeit, ist so angelegt, dass sie wenig genutzt wird – und beim Schweizer Fernsehen die Kasse möglichst kräftig klingelt. «Dass Wettbewerbsanbieter eine Gratisteilnahme nur über WAP anbieten, ist unschön,» sagt X X, von der Lotterie- und Wettkommission Comlot. Die Kommission überwacht die Einhaltung der Vorschriften des Lotteriegesetzes.
Das Bundesgericht hat zwar entschieden, dass eine Gratis-Teilnahmemöglichkeit per WAP genügt. Trotzdem sagt X: «So verkommt die Gratisteilnahmemöglichkeit zur Farce. Eine einfache Teilnahmemöglichkeit über Internet wäre wünschenswert.» Z vom Konsumentenschutz doppelt nach: «Das Schweizer Fernsehen als gebührenfinanzierter Sender soll bei Gewinnspielen eine einfache Gratisteilnahmemöglichkeit schaffen, die von allen genutzt werden kann.»
Eine andere Taktik um mit Gewinnspielen Geld zu verdienen, wählt die Zeitung Blick beim aktuellen «Mega-Los-Spiel»: Die Gratisteilnahme ist derart kompliziert, dass kaum einer die Mühe auf sich nehmen dürfte: Wer ohne einen Blick zu kaufen, um die Preise von insgesamt 400000 Franken mitspielen will, muss sich im Internet registrieren. Dann erhält er per SMS einen Code, mit dem er wiederum im Internet eine Losnummer beziehen kann. Nun muss er sich über WAP ein zweites Mal registrieren um wiederum per SMS einen Code zur Gratisteilnahme zu krigen. Diesen Code muss er nun zusammen mit der Losnummer per SMS einsenden. Wer hingegen bereit ist einen Franken zu zahlen, kann mit einer einzigen SMS oder einem Mausklick mitmachen.
X von der Comlot hat für solche Praktiken kein Verständnis: «Weil die Gratisteilnahme derart aufwändig und kompliziert ist, liegt der Anteil an Gratisteilnehmern oft lediglich im Bereich von wenigen Prozenten. Das war nie die Idee des Gesetzgebers.» Wegen des Bundesgerichturteils seien der Comlot aber die Hände gebunden. Wirklich etwas ändern dürfte sich erst mit dem neuen Lotteriegesetz. Doch weil sich die Kantone querlegen, ist die Vorlage seit 2004 sisitert. Mit einem neuen Entwurf wird erst 2011 gerechnet.
Sowohl das Schweizer Fernsehen wie auch die Firma Ringier berufen sich bei ihren Gewinnspielen darauf, dass gemäss Bundesgerichtsurteil eine Gratisteilnahmemöglicheit per WAP ausreicht. N vom SF betont, dass WAP-fähige Handys immer noch weiter verbreitet sind als smartphones. «WAP- Internetseiten sind zudem resistenter gegen Manipulationen als normale Internetseiten.» M von Ringier weist darauf hin, dass die Gratisteilnahme beim Blick-Wettbewerb auch mit den neusten Smartphones möglich sei.
Ob die Unternehmen mit den Gewinnspielen Geld verdienen, wollen sie nicht bekanntgeben.

»Doppelter Kommentar« – die SRG und das kollektive Aufheulen

In einem Blogpost, den mal wohl als Schnellschuss entschuldigen muss, fordert Ronnie Grob »Alternativen« zur SRG in Form von privaten, rechts stehenden Medien, deren Finanzierung er auch gleich thematisiert. Man darf sich gerne fragen, welches private Medium der Deutschschweiz, von der WoZ einmal abgesehen, denn genuin linke Positionen auf ihrer politischen Agenda hat und wird merken: Da wird die Luft dünn. Die SVP bestimmt die Agenda, und wenn man über Burkas sprechen soll, wird über Burkas gesprochen (weitere Beispiele kann man sich gut vorstellen). Auf jeden Fall wollte ich bei Ronnie Grob einen Kommentar hinterlassen, aber siehe da:
Dann halt hier:
1.
Gerade aus einer rechten Perspektive erstaunt das Argument der »Intransparenz« dieser Wahl, wie es in diesem Post unreflektiert von Schawinski übernommen wird (»Papst«). Worum geht es denn hier eigentlich? Soll »das Volk« wählen? Oder ein Gremium Punkte vergeben, die man dann publizieren kann? Wie spielen sich solche Vorgänge z.B. bei der Weltwoche ab, wenn ein neuer Verleger oder Chefredaktor oder Besitzer gesucht wird?
2.
Nur weil viele Leute behaupten, die SRG stünde links, wird es nicht wahrer. Ich nehme nur mal das Beispiel SF: Die NZZ nannte beispielsweise im Dezember 2009 nach einer differenzierten Untersuchung die Arena den »Parteistammtisch der SVP«; generell wird in den politischen Sendungen die Agenda von der SVP bestimmt, kultur-ideologisch vertreten Unterhalter wie Kilchsperger, Turnheer, Fasnacht, Jordi und wie sie alle heißen einen gesunden Pop-Patriotismus kombiniert mit einer Portion sozial-konservativer Familienfreundlichkeit, die einem Bauernzmorge gut anstünden.

Marketing heute – Köppel und die Arena

Roger Köppel diskutiert neu sogar auf der unseeligen Newsnetz-Page des Tagesanzeigers: Und zwar eine Geschichte, welche langweilig wäre, wenn es nicht eine Inszenierung gäbe.

Was ist passiert? Die Arena, welche konsequent Boulevard-Politik macht und sich immer mal wieder in die Schlagzeilen rückt, indem sie ihre Einladungspolitik entweder durch Parteien beeinflussen lässt oder nicht, hat Roger Köppel offenbar ein- und dann wieder ausgeladen. Dieser reagiert – wie zu erwarten war – säuerlich, und erhält von Newsnetz die gebrauchte »Schützenhilfe« in From eines Berichtes, in dem Köppel das Schlusswort erhält und dort die Schweiz nicht nur mit Nordkorea vergleichen kann, sondern sich selber auch gleich als Protofreisinnigen in Szene setzt.

Dann schreibt die Weltwoche, das Internet, die Blogszene und überhaupt eigentlich alle seien auf ihrer Seite, der Tagi schreibt das ab und Köppel diskutiert auch auf der Tages-Anzeiger-Homepage mit. Und alle denken, es gehe um Politik – dabei geht es um die Weltwoche, ihre Auflage, und die Arena, und ihre Zuschauerzahlen. Und um die TA-Media und ihren Shareholdervalue.

Dass es nicht um einen Zensurvorgang geht, nur weil die Sendung im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird, und dass ein neu gewählter Bundesrat sich nicht von einem selbsternannten Experten seine Europapolitik durch populistische Scheinargumentationen zerfleddern lassen will, ist wahrscheinlich allen Beteiligten klar. Und so kann auch auf Köppels Bitte schnell geantwortet werden:

Ich möchte meine Kritiker unter den hier Kommentierenden herzlich einladen, mir direkt Feedback zu geben, was Sie stört/irritiert und was ich an meinen Auftritten oder in der Weltwoche besser machen könnte: Emails bitte an roger.koeppel@weltwoche.ch – Bitte zögern Sie nicht, auch sehr direkte Kritik unverblümt an mich zu richten. Herzlichen Dank, Roger Köppel (Anm. der NN-Redaktion: Es handelt sich hierbei um den echten Roger Köppel)

Hier kommt sie also:
Lieber Roger Köppel
Mich stört an Ihren Auftritten, dass Sie klassischen Bullshit (nach der Theorie von Frankfurt) von sich geben. Sie lügen nicht, sondern ignorieren die Wahrheit. Obwohl Sie es besser wissen, argumentieren Sie verantwortungslos, um damit Geld zu verdienen. Sie bedienen eine Denkform, die aus Einzelfällen Generalisierungen ableitet, welche völlig falsch sind. Ihre Kritik an den Sozialwerken, an der Ausländerpolitik der Schweiz, Ihre Positionen zu Themen wie Jugendkriminalität, Armee, Gewaltverbrechen und Strafrecht ignorieren Fakten, gewichten falsch und ziehen Schlüsse, welche fatale Konsequenzen haben könnten, wenn Sie die demokratische Meinungsbildung zu beeinflussen vermögen. (Von der Wirtschaftspolitik spreche ich nicht – die Verteidigungsreden auf die liberale Position entlarven sich hinsichtlich der Weltwirtschaftskrise selbst…)
Was könnten Sie besser machen? a) Denken Sie mehr nach. b) Schreiben Sie weniger oder gar nichts mehr. c) Behalten Sie den Überblick. d) Stellen Sie sich vor, Sie könnten auch einmal Unrecht haben. e) Vermeiden Sie Vergleiche aller Art. Schreiben Sie, was ist. f) Denken Sie nicht, nur weil Sie allen etablierten Meinungen widersprechen, Sie hätten etwas zu sagen. g) Verbringen Sie Zeit mit Menschen, die nicht privilegiert sind. Das wärs schon ungefähr. Mit freundlichem Gruss, Philippe Wampfler

Und das wärs auch für diesen Blogeintrag. Offenbar sind nicht alle Blogschreiber der Meinung, die Ausladung von Herrn Köppel sei ein Fehler gewesen.