Antje Schrupp stellt in einem interessanten Blogpost folgende Thesen zur Diskussion:
- Es ist nicht ergiebig, nach dem Unterschied zwischen dem Denken/Handeln »der Männer« und »der Frauen« zu fragen - weil dadurch das Verhältnis von »normal« (Männer) und »anders« (Frauen) reproduziert wird.
- Ergiebiger ist es, Differenzen zwischen den Denk- und Handlungsweisen der verschiedenen Frauen zu untersuchen - weil damit Frauen »als politisch handelnde Individuen« gesehen werden.
- Die Leugnung einer Differenz zwischen Männern und Frauen (»darauf kommt es heute nicht mehr an«) führt aus männlicher Sicht dazu »das Normal-sein für normal zu halten«, umgekehrt aus weiblicher Sicht damit zu leben, »dass das Anders-sein das Normale ist«.
Diese Thesen gefallen mir. Sie lassen sich leicht auch auf andere soziale Ausschlussmechanismen übertragen (beispielsweise den Umgang mit der LGBT-Minderheit, wo es auch fruchtbarer ist, die verschiedenen Haltungen bspw. von Lesben und Schwulen zu diskutieren, als eine gemeinsame schwullesbische Perspektive zu konstruieren).
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In den Kommentaren zu diesem Post formuliert Frau Stricktier dann eine radikale Kritik am männlichen Bloggen:
Blogs die mir gefallen sind selten monothematisch, aber sehr häufig von Menschen geschrieben, die durch ihre spezielle Sicht auf die Dinge etwas in mir auslösen, das ich nur mit familiar beschreiben kann.
Warum? Weil mich die Art und Weise anspricht, wie über Dinge geschrieben wird, weil ich gerne bei Anke lese, was wie wieder gekocht hat und bei Frau Elise, wie ihre Spülmaschine abgebrannt ist. Oder bei der vorspeisenplatte mitstaune, wie viele tausend Kilometer am Tag sie schon wieder geschwommen ist und bei HappySchnitzel, wie sie in Berlin ankommt.
Weil ich nicht andauernd KrawallTexte/Kommentare lesen will über das böse/liebe Google, das böse/tolle Streetview, die bösen/altmodischen/hinterwäldlerischen Holzmedien und das liebe liebe liebe Internet.
Oder über die böse böse böse Politik, die unwissenden/ungebildeten Politiker. Dieses Betroffenheitsgeschrei „seht her, ICH habe eine Ungerechtigkeit entdeckt, jetzt habt mich bitte alle lieb dafür, dass ICH sie benenne und seht her wie ICH mich einsetze (für euch) und das sogar ins INTERNET reinschreibe.“Und siehe da: mein Reader hat sich im Laufe der Zeit enorm verweiblicht.
Der zweitletzte hier zitierte Abschnitt gefällt mir sehr - man darf sich fragen, weshalb man bloggt, wenn es immer nur darum geht, die eigene Zugehörigkeit zu den digital natives zu betonen und darzulegen, wie modern/kritisch/nicht-spießig man selbst denkt. Aber das ist einerseits geschenkt, andererseits möchte man wohl manchmal auch etwas aussprechen, was andere aussprechen: Weil es einen beschäftigt.
Aber worüber ich gestaunt habe, ist dass die Konsequenz der Verweiblichung von Frau Stricktiers Feedreader: Sie liest Posts übers »Kochen«, über eine »Spülmaschine«, körperliche Ertüchtigung und einen Umzug. Da kann man sich dann aber schon fragen: Ist das jetzt nicht etwas gar nahe am Klischee - und nicht etwas fern von einer politischen Funktion des Bloggens? Dabei muss Politik nicht heißen, dass man sich auf das bezieht, worüber »PolitikerInnen« sprechen und nachdenken…
