Wie offen bin ich?

Gestern habe ich diese Seite auf Twitter gepostet. Sie stellt einfache Fragen zum Verhältnis zu LGBTQ-Menschen, z.B.:

Stört es dich, dass dieser Junge seine beiden Mütter liebt?
a) ja
b) ein wenig
c) gar nicht.

Es kamen schnell ähnliche Reaktionen auf meinen Link:

Zunächst dachte ich, okay, klar: Wer sich Gedanken über Normen macht, der oder dem ist sofort klar, es geht um Menschen, die ihr Leben so leben, wie sie sich wohlfühlen. Was kann daran falsch sein und warum sollte mich das stören?

Diese rationale Grundeinsicht wird aber von Gefühlen begleitet. Diese Gefühle - die ich vor allem im Bereich der Intersexualität kenne - kann man wohl als Irritation bezeichnen. Diese Irritation bewirkt bei mir eine Verunsicherung: Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll, oder ich denke mehr darüber nach.

Ich mag die Irritation nicht. Gerne würde ich ohne sie leben und Menschen ganz »natürlich« als Menschen behandeln. Aber das gelingt mir nicht immer. Grund dafür mag meine Sozialisation sein, ich weiß es nicht. Die Irritation führt bei mir nicht dazu, Begegnungen oder Erfahrungen zu vermeiden, im Gegenteil: Gerne würde ich sie loswerden, etwas gegen sie tun.

Aber ich denke, es ist problematisch, wenn wir vorgeben, wir seien alle tolerant und aufgeschlossen und kennten diese Irritation nicht. Versteckt und verdrängt hat sie meiner Meinung nach mehr Kraft, als wenn man über sie spricht und nachdenkt. Entscheidend scheint mir: Die Irritation geht nicht von den Menschen aus, auf die ich sie projiziere, sondern von mir. Es ist mein Problem, das ich lösen muss.