Im Zusammenhang mit der Abstimmung über den Familienartikel kommt es zu Diskussionen über die optimale Betreuung von Kindern. Viele vorgebrachte Argumente basieren auf Kampfbegriffen und unsauberen Vergleichen: KITAs haben nichts mit einem Staat wie der DDR zu tun, es gibt keinen Zwang, Kinder in KITAs betreuen zu lassen und sie werden dort auch nicht mit bestimmten Ideologien indoktriniert. Schon allen der Begriff »Fremdbetreuung« ist polemisch - jedes Kind, das sich nicht selber betreut, wird fremdbetreut. Und die Betreuerinnen (und die wenigen Betreuer) in den KITAs sind verlässliche und wichtige Bezugspersonen für Kinder - keine Fremden.
Der Widerstand gegen staatliche Unterstützung von KITAs ist oft an die Überlegung gekoppelt, dass doch die Eltern entscheiden sollen, wie ihre Kinder betreut werden, weil sie das am besten können. Also müssten alle Optionen finanziell gleich attraktiv sein. Abgesehen davon, dass viele Mittelstandseltern in der Schweiz für die KITA-Betreuung heute mehr bezahlen, als sie an zusätzlichem Nettoeinkommen generieren können, kann man sich die Frage stellen, ob denn Eltern tatsächlich gut darüber entscheiden können, welche Betreuung für ihre Kinder die beste ist.
Was befähigt sie dazu? Die biologische Tatsache, dass sie die Eltern des Kindes sind, wohl nicht. Eher schon die viele Zeit, die sie mit dem Kind verbracht und in der sie es kennen gelernt haben. Aber laufen sie nicht gleichermaßen Gefahr, sich selber zu überschätzen, was ihre pädagogischen Fähigkeiten und ihre Betreuungskompetenz anbelangt? Ist es nicht einfach vermessen zu denken, man könne etwas besser, als ausgebildete Fachleute? Um einen etwas groben Vergleich zu wählen: Wäre das nicht so, als würde ich meine Zähne selber flicken, weil es ja schließlich meine Zähne sind und sie sich in meinem Mund befinden?
Fachleuten zu vertrauen, die in eine professionell geführte Institution eingebunden sind, ist wahrscheinlich nicht besonders dumm. Zumal es Orte sind, an denen Kinder gesund ernährt werden, keine Bildschirmmedien konsumieren und von klein auf lernen, mit anderen Kindern zu interagieren und Sozial- und Selbstkompetenz aufzubauen. Gibt es Eltern, die das ihren Kindern auch ermöglichen können? Selbstverständlich. Aber es gibt viele, die das nicht können oder nicht wollen.
Ich fordere keinen Krippenzwang. Aber ich halte nicht viel von der Annahme, Eltern wüssten automatisch, was das Beste für ihr Kind ist. Vielleicht wissen das Fachleute einfach besser. Und Eltern sollte man dann für ihre Betreuungsaufgaben mit Steuergeld entschädigen, wenn sie bereit sind, sich an pädagogische und verbindliche Standards zu halten.