Gedanken zum Tag der Frau

Ronnie Grob hat Recht. Ein Tag nützt wenig. Und doch kann er zum Anlass genommen werden, mal wieder zu sagen, weshalb es so einen Tag vielleicht doch noch braucht.

  1. In den letzten Jahren wird Geschlecht vermehrt wieder als etwas Biologisches gedacht – mit fatalen Konsequenzen. Sozial vermittelt und erworbene Fähigkeiten und Eigenschaften werden auf genetische Ursachen reduziert. Damit werden Geschlechterrollen als etwas Vorgegebenes und Unveränderliches betrachtet: Wenn Mädchen von Natur aus gerne mit Puppen spielen, mit sprachlichen Fähigkeiten und Verständnis gesegnet sind, Konkurrenz ablehnen und Kompromisse suchen, so wird ihnen die Möglichkeit abgesprochen, sich in der heutigen Berufswelt durchzusetzen und politische Verwantwortung zu übernehmen. Der Blick wird dann abgezogen von den sozialen Problemen, welchen Frauen daran hindern, Beruf und Familie zu verbinden, Karriere zu machen, Politik zu betreiben – erfolgreich zu sein.
  2. Die Biologisierung führt auch zu einer verstärkten Normierung. Diese Normierung betrifft besonders den Körper der Frau. Er ist den Blicken der Gesellschaft ausgesetzt und muss Anforderungen genügen. Er ist exponiert, wird aber in einer neuen Prüderie gleichzeitig auch versteckt. Frauen und Mädchen wollen nicht schlank sein, sie müssen schlank sein.
  3. Viele Frauen sind Opfer männlicher Gewalt. Nicht alle Männer sind Täter. Nicht alle Sexualität ist gewaltsam. Aber das hat auch kaum jemand ernsthaft behauptet. Aber männliche Sexualität ist in vielen Vorstellungen mit Gewaltvorstellungen vermengt, Gewalt an Frauen ist eine gesellschaftliche Realität, die zu wenig Aufmerksamkeit erhält.
  4. Die Bewegung, welche sich für die Frauen einsetzt, der Feminismus, ist völlig diskreditiert. Die Bewegung schein in ihren Zielen lächerlich zu sein, ihre prominenten Vertreterinnen sind keine Identifikationsfiguren mehr und ihre Inhalte werden verknappt auf die Projektion, Frauen wollten Männer dominieren und die Macht an sich reißen.
  5. Die Männerbewegung erhält für Anliegen Aufmerksamkeit, welche an Ausmass und Bedeutung mit den Anliegen der Frauenbewegung nicht vergleichbar ist. Man kann Unrecht schlecht miteinander vergleichen: Aber wenn man immer wieder hören muss, wie benachteiligt Männer bei Scheidungen werden und wie wenig Männer das gemeinsame Sorgerecht für ihre Kinder bekommen, so vergisst man vielleicht, wie viele Frauen sich in unerträglichen Situationen befinden, bevor sie sich scheiden lassen, wie viele Frauen kein Geld von den Männern erhalten, die die Väter ihrer Kinder sind und wie viele Frauen alleine für ihre Kinder sorgen müssen, ohne das so geplant und gewollt zu haben.
  6. Die ganze Diskussion ist auch verheterosexualisiert: Es wird generell angenommen, eine Frau brauche einen Mann und ein Mann eine Frau. Die Annahme ist falsch. Es ist nicht einmal klar, was eine Frau und ein Mann denn genau sind.
  7. Zum Schluss eine Forderung: Wir sollten weniger von Geschlechtern reden und mehr von Menschen. Diese Menschen schlüpfen in Rollen. Sie haben Körper. Sie verwandeln sich. Sie arbeiten. Sie haben Familien. Sie gehören zu Familien. Sie mögen einige Dinge und andere nicht. Sie tun Gutes und Böses.
Frauen boxen am Strand, 1920. Quelle: http://flysongbird.blogspot.com/

Frauen boxen am Strand, 1920. Quelle: http://flysongbird.blogspot.com/

Zwei empfehlenswerte Text zum Tag der Frau:

    1. Pia Horlacher im Medienspiegel zu Geschlechter-Debatten.
    2. Ein Blogpost von Nadine Lantzsch auf ihrem Blogs Medienelite (CC BY-NC 3.0):

Ihr Lieben, wie jedes Jahr ist der 8. März der Tag, an dem uns mitgeteilt, dass Gleichberechtigung ein nahezu erreichtes Ziel ist und deshalb werden Blumen an die Gattinnen, Freundinnen, Kolleginnen verteilt, der Chef lässt die Mama mal eher nach Hause, die Medien räumen dem Thema mal einen Platz ein (weil es sich so gehört), ein großzügiger Chefredakteur sagt großmännische Sätze wie “das mit demLohnausgleich, das kommt bald, nur Geduld”, eine Frau darf im Fernsehen erzählen, wie schlimm das Patriarchat auch für Männer ist und irgendeine wird wieder nicht umhin kommen zu sagen: “Ich bin keine Feministin, aber…” – Nehmt das nicht hin, lasst euch nicht abspeisen mit hohlen Phrasen und kleinen wie großen Gesten! Dieser Tag ist ein Tag wie jeder andere auch: Denn täglich findet sexualisierte und häusliche Gewalt statt, werden Selbstbestimmungsrechte über den eigenen Körper, die eigene Sexualität, die eigenen Grenzen ignoriert und verletzt, müssen Menschen in Armut leben, werden ausgebeutet, an der Verwirklichung ihres eigenes Lebensglückes gehindert und wie eine Ware behandelt. Heute ist nicht nur ein Tag, um darauf hinzuweisen, sich widerständig mit den herrschenden Verhältnissen zu zeigen und das Label Feminismus ohne Abgrenzungen gegen die dreckigen, emanzenhaften, männerhassenden und verbitterten Feminist_innen zu benutzen, sondern sich solidarisch mit all jenen zu zeigen, die aus diesen Gründen verbittert, frustriert und wütend sind. Heute ist der Tag, an dem ihr feiern solltet, dass jeden Tag überall Kämpfe gegen Unterdrückung stattfinden, die noch lange nicht vorbei sind! Wir sind wütend und stolz darauf! Einen wunderschönen Frauenkampftag euch allen, bleibt schmutzig! ♥

18 thoughts on “Gedanken zum Tag der Frau

  1. Reblogged this on Mama hat jetzt keine Zeit… und kommentierte:
    Wir hätten ihn fast vergessen, den Tag der Frau.
    Stolperfalle Nummer Eins ist und bleibt die Mutterschaft und daran arbeiten wir nach wie vor: Nicht die Mutter gehört zum Kind, sondern das Kind zur Mutter. Unabhängig davon, ob die Motocrossfahrerin, Bürokauffrau oder Ärztin ist! Lösungen müssen her, damit nicht nur Kinder, sondern vor allem auch ihre Mütter artgerecht gehalten werden können und nicht zwischen Windeln und Abwaschmaschine verblöden müssen, nur weil ein obsoletes System sie dazu zwingt.

  2. > Stolperfalle Nummer Eins ist und bleibt die Mutterschaft und daran arbeiten wir
    > nach wie vor: Nicht die Mutter gehört zum Kind, sondern das Kind zur Mutter.

    Ähhmmm. So bleibt’s aber bei der Stolperfalle.
    Anders werden könnte es, wenn die Formulierung sich ändern würde in “sondern das Kind zu den Eltern” oder sogar zu “sondern das Kind zu verlässlichen Bezugspersonen”.

    • Fussnote nicht mitgekommen ;-)
      “Der Begriff “Mutter” wurde hier aus statistischen Gründen anstelle von “Hauptbetreuungsperson eines Säuglings” verwendet.”

  3. Wampfler hat wohl gestern Abend auch auf ARTE den Tag der Frau begangen. Ich fand es interessant bis unerträglich. Interessant den historischen Hintergrund zusammengefasst präsentiert zu bekommen – unerträglich die verzerrte Perspektive… Abgelöscht hat es mir, als “Männerrechtler” (einige sympathische Misogyne und manche abstrusen Typen) “präsentiert” wurden und ihre Kritik an der frauenzentrierten Rechtsprechung kommentarlos in Bilder von geschlagene, misshandelte und ermordete Frauen übergingen.

    Ich finde es nach wie vor skandalös, dass EXPLIZIT in Gesetzen nur Männer diskriminiert werden:
    - höheres Rentenalter (trotz kürzerer Lebensspanne der Männer!!)
    - müssen Militärdienst leisten (& im Kriegsfall werden Männer geopfert)
    - im Scheidungsfall Unterhaltszahlungen & Sorgerecht zu Ungunsten der Männer

    Bald dazukommen werden:
    - Quotenregelungen in Führungspositionen und evt. Politik.

    Ja – es gibt Frauen, denen Gewalt durch Männer widerfährt. Nur gibt es ebensoviele Männer denen Gewalt durch Männer/Frauen widerfährt – es sind vermutlich sogar hauptsächlich Männer die unter Gewalt durch Männer zu leiden haben… Nachweislich schlechter gestellt sind allein Männer durch oben genannte sexistische Tatbestände.

    Über die demokratische Macht der Frauen muss ich gar nichts weiter sagen – Frauen stellen die Mehrheit an stimmberechtigten Bürgern.

    Die Männerbewegung erhält für Anliegen Aufmerksamkeit, welche an Ausmass und Bedeutung mit den Anliegen der Frauenbewegung nicht vergleichbar ist. Man kann Unrecht schlecht miteinander vergleichen

    Wie bitte? Also ist die schwarz-auf-weiss vorliegende Diskriminierung von Männern vor dem Gesetz also gar nicht weiter erwähnenswert… o.K. …??

    Es wird generell angenommen, eine Frau brauche einen Mann und ein Mann eine Frau. Die Annahme ist falsch

    Ja das ist offensichtlich so… Auch Schwule und Lesben dürfen gerne homosexuell glücklich werden. Wer nimmt den “generell” etwas anderes an? (Abgesehen von katholisch-innerschweizerischen Hinterwäldler)

    Es ist nicht einmal klar, was eine Frau und ein Mann denn genau sind.

    Also das müsstest du mir etwas ausführen. Ich verstehe unter Mann: “Ein Mann ist ein männliches Tier der zur Familie der Menschenaffen gehörenden Art Homo sapiens”, Wobei hier “männlich” den Träger der spermienproduzierenden Gonaden meint. Unter Frau: “Eine Frau ist ein weibliches Tier der zur Familie der Menschenaffen gehörenden Art Homo Sapiens”. Wobei hier “weiblich” den Träger der oocytenbildenden Gonaden meint.

    Nebenbei ist es natürlich auch bezeichnend, dass unsere Sprache die Gesetzeslage widerspiegelt: “Mann” kommt von männlich – als der Geschlechtszugehörigkeit. Analog stünde (und stand ursprünglich auch) “Weib” – von weiblich – dazu. Stattdessen hat sich “Frau” als Begriff eingebürgert – “Frau” bezeichnet aber ein adliges “Weib” und “Herr” würde eigentlich als analoge Bezeichnung dazu stehen. -> “Mann” ist abwertend; “Frau” ist eine Adeligung…

    Die Bewegung, welche sich für die Frauen einsetzt, der Feminismus, ist völlig diskreditiert.

    Die Bewegung hat sich aber selber ins Abseits gespielt – zuletzt wieder einmal durch Frau Schwarzer im Kachelmannprozess! Allerdings ist die Gleichsetzung von Schwarzer und Feminismus ein echtes Problem der Bewegung.
    Der Feminismus (und besonders die “Genderbewegung”) diskreditiert sich aber hauptsächlich durch das Festhalten am UNHALTBAREN “blank slate” (auch hier war Schwarzer – mit bewussten Unterschlagungen im Falle Bruce Reimer Federführend!).

    PS Ich habe jetzt nur meine Kontraposition – um der Akzentuierung willen – festgehalten.

    • 1.) Ich habe nicht gesagt, die existierende Diskriminierung von Männern solle keine Beachtung finden oder sei nicht schlimm. Vielmehr habe ich festgehalten, das Leid, das diese Diskriminierung schaffe, sei kleiner als das Leid, das die Diskriminierung der Frauen schaffe – und es erhalte im Verhältnis zu viel Aufmerksamkeit in den letzten Monaten. Daran halte ich fest.
      2.) »Generell« nehmen die meisten Menschen an, die Welt sei eine heterosexuelle. Selbst die wenigen prominenten Homosexuellen führen Beziehungen nach heterosexuellen Normen, in Medien und Kultur gilt Heterosexualität als Grundvoraussetzung.
      3.) Okay: Männer haben also spermienproduzierende Gonaden. Und Frauen Oozyten.
      a) Was ist also mit Menschen, die weder Spermien noch Oozyten produzieren?
      b) Wissen wir bei unseren Mitmenschen, ob sie denn Spermien und Oozyten produzieren, bevor wir sie als »Frau« oder »Mann« kennzeichnen? Leiten wir ihre Geschlechtszugehörigkeit nicht vielmehr von ganz anderen Faktoren ab?
      4.) Das etymologische Argument ist recht verzerrt: Du gehst von Bedeutungen aus, die längst Geschichte sind. Das Wortfeld »Frau« und das Wortfeld »Mann« haben sich historisch enorm gewandelt und wandeln sich weiterhin. Da Diskriminierungen entdecken zu wollen, würde auch umgekehrt Schlüsse ergeben, die m.E. wenig produktiv sind. (z.B. Mädchen)
      5.) Die Bewegung hat sich nicht nur selbst »ins Abseits gespielt«. Der Feminismus wird nicht von Alice Schwarzer definiert. Und selbst wenn Schwarzer fragwürdige Positionen vertritt, so ändert das nichts an ihren Verdiensten und richtigen Aussagen. Im Interview mit Köppel sagte sie der Weltwoche 2006: »Frauen und Männer werden Menschen. Sie holen sich die geraubte Hälfte zurück: «weibliche» Eigenschaften auch für Männer und «männliche» auch für Frauen. Wo ist das Problem?«. Das sei ihr Ziel. Da kann man wenig dagegen haben, oder?
      Nur, weil es Figuren wie Schwarzer gibt, heißt es nicht, dass die Bemühungen des Feminismus lächerlich oder unnötig wären.

    • Nun ich finde eine in Gestzestexte gefasste Diskriminierung immer schlimmer als eine vage wahrgenommen oder behauptete Diskriminierung. Deshalb war die Emanzipation und der Kampf für Frauenrechte so immens wichtig – vor dem Gesetz sollen wir doch Menschen sein, alle gleich.
      In der Gesellschaft sind wir aber nicht alle gleich: Männer und Frauen unterscheiden sich (natürlich nicht so wie von dir karikiert: “Die Mädchen sind schlecht in Mathe; die Buben tun sich schwer mit Fremdsprachen”). Um nur mal ein klares, drastisches Beispiel zu nennen: Ist dir schon aufgefallen, dass es etwa 1000 Mal mehr weibliche Prostituierte gibt als Männliche? Denkst du wirklich, dass es an der Erziehung liegt, dass es für weibliche Prostituierte die x-Fach grössere Nachfrage gibt?
      Zu 3): Ich habe die Definitionen von “Hengst” und “Stute” auf den Menschen angepasst, um deine Reaktion abzupassen. Offenbar ist es bei Pferden kein Problem die relativ seltenen Fälle von infertilen Individuen zu handhaben. Selbstverständlich sind wir darauf evoluiert “weiblich” und “männlich” mit genügend hoher Trefferquote mit approximierenden Verfahren zu erkennen – schliesslich hängt unser Fortpflanzungserfolg davon ab (soviel zu b).
      Zu 4): Das war nur eine kleine Provokation wegen der vom Feminismus geforderten (und nun auch durchgesetzten) geschlechtergerechten Sprache. Wirklich geschlechtergerecht wäre es eben nur, wenn man auch auf Begriffe wie “Mann” verzichten würde und den zur “Frau” gehörenden Gegenbegriff “Herr” benutzen würde – dafür hat sich aber noch keine Feministin eingesetzt…
      Zu 5): Ich hatte es schon selber gesagt: Es ist ein echtes Problem der Bewegung, dass all zu oft (wie durch mich…) Feminismus mit Schwarzer gleichgesetzt wird. Und ich bin auch mit dir einverstanden, dass die Frau Grosses und Wichtiges geleistet hat – und dies auch nicht durch ihre Missgriffe an Wert verliert.
      Mein Punkt war aber jener der nach wie vor verbreiteten Vorstellung des “blank slates” in der Genderbewegung. Psychologische und biologische Erkenntnisse widerlegen diesen aber ganz klar. Auf mich wirkt es oft so, als ob weite Teile des Feminismus entweder bewusst antidarwinistisch ist oder die Implikationen von Evolution und Vererbung nicht versteht (ein generelles Unterschätzen des biologischen Erbes; und wie gesagt: Ich bin nicht auf diese Verkürzungen und Verzerrungen wie “Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus” aus.).

      • Der Punkt ist der: Natürlich gibt es biologische Faktoren, welche Geschlechterrollen beeinflussen. Aber es gibt daneben eine Reihe weiterer Faktoren. Dass es viele weibliche Prostituierte gibt, ist nicht einfach biologisch determiniert. Auch soziale, wirtschaftliche etc. Faktoren spielen eine große Rolle. –
        Ich finde, die Bewertung einer Diskriminierung sollte von ihre Auswirkungen abhängen – aber wie gesagt: Das ändert nichts daran, dass die von dir genannten Punkte geändert werden sollen. Das Problem dabei: Viele Männer verhindern eine Abschaffung des Wehrdienstes und durch ihre Passivität in der Kindererziehung auch eine besser Lösung bei Scheidungen. (Eine schlaue Quote ist geschlechtsunabhängig und fordert, dass in Führungsposition kein Geschlecht mit weniger als x% vertreten werden soll…)

  4. Ich kann Wampfler auch nicht folgen. Woher hat er das alles?
    1) Wer denkt Geschlecht neuerdings biologisch? Ich verstehe auch beim x-ten Durchlesen nicht ganz, was er damit sagen will. Und, wer genau spricht den Frauen die Möglichkeit ab, sich in der Berufswelt durchzusetzen und politische Verantwortung zu übernehmen? Die Männer? Die Medien? Die Gesellschaft? Die CEOs? Die Parteipräsidenten? Die SVP?
    Alle Frauen, die sich in der Berufswelt durchgesetzt haben und oder politische Verantwortung tragen, werden sich bedanken, wenn sie das lesen. Den fatalen Konsequenzen ein Schnippchen geschlagen (wenn man Zeitung liest, weiss man, dass die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung läuft).
    Bitte ein paar soziale Probleme aufzählen, die Frauen daran hindern, erfolgreich zu sein.
    2) Was genau heisst: “Er ist exponiert, wird aber in einer neuen Prüderie gleichzeitig auch versteckt.”? Neue Prüderie? Erklären bitte. Wollen nicht schlank sein? Wieso nicht? Wer sagt, sie müssen schlank sein? Die Männer?
    3) männliche Sexualität ist in vielen Vorstellungen mit Gewaltvorstellungen vermengt
    Das mag sein, aber ist es objektiv gerechtfertigt? Wie viele sind es denn, die Gewalt an Frauen ausüben? Zahlen bitte. Was heisst mehr Aufmerksamkeit? Medienberichte? Strafen? Aufklärung? Wieso sind denn so viele Männer gewalttätig und wieso nimmt das die Gesellschaft nicht wahr?
    4) Wer diskreditiert? (Gleiche Aufzählung wie bei Punkt 1)
    5) Wer reicht in der Regel die Scheidung ein? Und warum? Welche “unerträglichen Situationen” sind gemeint? “Geplant” – was heisst das?
    6) Die aktuellen Bestrebungen und Diskussionen zeigen eigentlich das Gegenteil. Es gibt verschiedene Ansichten, aber der Trend ist klar. (“verheterosexualisiert” – Anwärter auf das Unwort des Jahres 2012?)
    7) Ja, das hat etwas. Reden wir doch von Menschen.
    Der ganze Text kommt mir anachronistisch im höchsten Masse vor. Vielleicht nimmt es eine zukünftige Entwicklung vorweg. Was tun wir Menschen dagegen?

    • Ich möchte Ihnen das Denken nicht abnehmen. Wenn Sie keine Lust haben, sich mit diesen Fragen tiefgründig auseinanderzusetzen, wundert es mich, dass Sie einen so langen Kommentar posten. Wie dem auch sei – ich beantworte mal 1). Vielleicht klärt sich dann einiges.
      1) Das muss nicht eine Person oder eine Gruppe von Personen tun. Das tun wir alle gemeinsam. Es ist gesellschaftlich gesehen die einfachste Option, die bequemste, der Mainstream. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Es gibt wohl verschiedene Faktoren: Machtansprüche von Männern, viel Forschung im Bereich der Genetik und Neurowissenschaften, Verunsicherung etc.
      Was ist gemeint mit biologischem Denken? Man spricht über das Verhalten von Mädchen und Knaben in der Schule. Sofort argumentiert man, dass die Schule den Eigenschaften von Mädchen besser entspreche, denen von Knaben nicht. Weil Knaben eben z.B. so und so sind, und Mädchen so und so. Und dieses »so und so« ist Biologie.
      Nehmen wir nun als Beispiel die tiefe Quote von weiblichen Führungskräften und oder die tieferen Löhne von Frauen.
      a.) Es gibt keine strukturellen Hindernisse/Vorgaben, welche diese Situation herbeiführen.
      b.) Also gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, Frauen nehmen eine soziale Rolle ein, die sie z.B. in Verhandlungen benachteiligt und sie beruflich nicht so erfolgreich werden lässt wie Männer – oder es sind biologische Einflüsse, die determinieren, dass Frauen diese Nachteile auf sich nehmen müssen.
      c.) Wenn nun, wie ich behaupte, die biologische Erklärung gesellschaftlich akzeptierter ist als die soziale, so verhindert das, dass die Frauen die nötigen Skills lernen könnten, um die Benachteiligung aufzuheben.
      Die Frauen, die sich beruflich durchgesetzt haben, müssen sich nicht bedanken und haben auch kein Problem mit dem, was ich schreibe. Ich behaupte nicht, Frauen könnten das nicht – im Gegenteil.
      Zum Schluss noch ein Zitat der umstrittenen Frau Schwarzer: »Gene, Hormone, Hirnhälften – das alles sind einzelne Elemente eines grossen Bündels von Faktoren, die uns prägen. Aber kein einzelner dieser Faktoren determiniert den Menschen. Alles ist im Fluss. Wissen Sie, für mich ist diese ganze neu aufflammende Biologismus-Debatte einfach die westliche Variante des islamischen Fundamentalismus. In beiden Fällen geht es um Angst vor Freiheit und Verantwortung – und die Flucht in ewige, unverrückbare Gewissheiten. Und nicht zufällig geht es auch beide Male um die Gewissheit, dass Männer Männer bleiben – und Frauen Frauen.«

      • Danke für die Antwort. Ich frage nicht, weil ich nicht denken will, sondern weil ich nicht nachvollziehen kann, wie Sie auf diese Aussagen kommen.
        Ich kann es ganz kurz machen: Was sie behaupten, stimmt einfach nicht. Es mag in der Schweiz noch teilweise so sein (Benachteiligung in Lohnfragen und Karriere), aber das ist sehr bald Geschichte. Das war gestern. Heute ist schon anders und morgen wird es nochmals anders sein.
        Haben Sie den Artikel von Frau Weber gelesen? ( http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Abgehaengt/story/13667911?track )
        Und nochmals: Wie kommen Sie zu Ihren Schlüssen? Welche Fakten belegen diese Einschätzungen?

      • Ich kanns auch kurz machen: Doch, meine Aussagen stimmen. Der Artikel von Frau Weber bezieht sich auf gewisse Städte in den USA, nicht auf die Situation in der Schweiz und nicht auf die USA, sondern auf Städte. Dazu vergleicht die Statistik Männer und Frauen eines bestimmten Alters – entscheidend ist der Vergleich von Männern und Frauen mit denselben Qualifikationen und Aufgaben. Zu sagen, morgen wird alles anders sein, scheint mir ein äußerst schwaches Argument. Im Nationalrat gibt es konstant wenig Frauen, ebenso in den Führungsetagen. Da ändert sich im Moment nichts. Der Anteil ist in der Schweiz in den letzten 10 Jahren um von 11% auf 15% gestiegen. Wenn das Tempo beibehalten wird, wird die Gleichstellung erst im nächsten Jahrhundert erreicht: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/regionen/thematische_karten/gleichstellungsatlas/erwerbsarbeit_und_beruf/fuehrungspositionen.html

  5. Irgendwie wird es immer schmaler hier….
    Na gut, im Sinne eines Versuches zur Versachlichung: Wir können über Statistiken, Trends und Prognosen streiten so lange wir wollen, wir werden kaum weiterkommen.
    Einverstanden: Es ist noch nicht so, wie es sein sollte (Frauenquoten in Politik und Wirtschaft). Aber wer soll das ändern? Und wer verhindert das? Und bitte konkret – nicht: Wir alle. Ich verhindere nichts in dieser Richtung. Ich wüsste nicht, warum.
    Mein Eindruck ist, dass beide Geschlechter (in der Annahme, dass die meisten Menschen dem einen oder anderen zugehören) verunsichert sind. Was erwarten wir vom anderen Geschlecht? Wie wollen wir miteinander umgehen? Die Emanzipation, oder das, was wir als solche bezeichnen, hat viele Fortschritte gebracht, aber auch viele neue Probleme geschaffen. Man kann das abschätzig als “Scharmützel” und “Geplapper” abtun, wie Frau Horlacher, aber im Interesse einer sich entwickelnden (und zwar möglichst in positiver, vertikaler Richtung) Gesellschaft, müssen wir uns m.E. damit befassen. Die Betroffenheit, so scheint es mir, verteilt sich ziemlich gleichmässig auf Frauen wie Männer, d.h. Ihre Analyse ist eine mögliche Sichtweise, wird aber der Gesamtheit der Problematik nicht gerecht. Wir haben die gesetzlichen Voraussetzungen weitestgehend geschaffen, dass Frauen genau das erreichen können, was sie möchten, Eignung und Wille vorausgesetzt. Probleme gibt es, weil die Biologie/Genetik (absolut wertfrei und geschlechtsunabhängig gemeint) nicht einfach ausgeblendet werden kann und in ganz vielen Bereichen ein ernsthaftes Problem mit unserer Lebensweise und unserer Gesellschaftsform hat. Einfach die “armen” Frauen als Opfer und die “bösen” Männer als Täter darzustellen, hilft dabei nicht. Ok, das war jetzt etwas unsachlich, aber ehrlich, genau diesen Eindruck hat Ihr Blog bei mir gemacht.

    • Natürlich kann Biologie/Genetik nicht ausgeblendet werden. Aber es handelt sich dabei nur um ein Teil eines Bündels von entscheidenden Faktoren, zu denen auch soziale gehören. »Täter« gibt es für mich nur in konkreten Handlungszusammenhängen. Die problematische Konstellation wird aber tatsächlich von uns allen verursacht: Wie gehen wir z.B. mit einer Mutter um, die nach vier Monaten Schwangerschaftsurlaub wieder zu arbeiten beginnt? Übergeben wir ihr verantwortungsvolle Aufgaben? Befördern wir sie? Wer betreut Kinder in Beziehungen: Die Männer und die Frauen? Die Männer auch, aber hauptsächlich die Frauen? Nur die Frauen? Und warum? Diese Fragen betreffen viele von uns – und es gibt noch viel mehr. Tatsache ist, dass in der Schweiz nur rund 10% aller Väter an Werktagen ihre Kinder betreuen. Und da kann man schon Statistiken irgendwie diffus kritisieren: Das ist die Realität. Und zu sagen: Mit dieser Realität habe ich nichts zu tun, die Gesetze sind ja richtig – das ist doch etwas naiv. Wir alle haben Erwartungen, auch an die Geschlechter. Und an ihnen können wir arbeiten.

      • Ich weiss nicht, ob “wir” ihr verantwortungsvolle Aufgaben übergeben oder sie befördern. Meine Frau konnte nach ihren drei Schwangerschaften mit der gleichen Verantwortung weiterarbeiten wie vorher. Und wieso sind 10% schlecht? Müssten es mehr sein? Und – immer die gleiche Frage – wer verhindert das? Sind das nicht einfach individuelle Entscheide, die die Menschen in ihren Lebenssituationen treffen? Was habe ich mit dieser Realität zu tun? Was müsste sich denn Ihrer Meinung nach konkret ändern, damit das “besser” wird?

  6. Pingback: Was sich ändern muss | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

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