Die Diskussion der Buchpreisbindung, wie sie von Jungen, Piraten und Freiheitsliebenden geführt wird, ist meines Erachtens etwas kurzsichtig, wie ich im letzten Post schon angemerkt habe. Nur weil der Verdacht besteht, die Buchpreisbindung könne im Internet nicht durchgesetzt werden (als ob das Parallelimportverbot für Medikamente im Internet nicht auch durchgesetzt werden könnte und als ob das Verbot von weichen Drogen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen durchgesetzt werden könnten), heißt das noch lange nicht, dass die Buchpreisbindung abzulehnen ist. Auch das Argument, Bücher könnten dadurch teurer werden, greift meines Erachtens nicht: Es ist ja gerade das Ziel der Buchpreisbindung, dass gewisse Bücher teurer werden.
Ich denke aber, es gibt starke Argumente, die gegen eine Buchpreisbindung sprechen. Die möchte ich hier aber zurückstellen und kurz anmerken, welche Leistungen eine Buchhandlung erbringt:
- Sie verkauft Bücher zu bestimmten Preisen.
- Sie stellt Angestellte an, welche Beratung anbieten.
- Sie unterhält ein Lager an sofort verfügbaren Büchern.
Da ich beruflich mit Büchern zu tun habe, beschäftige ich mich regelmässig mit diesen Funktionen. Die Frage ist nun, ob man zugestehen kann, dass der erste Punkt zur Querfinanzierung der 2. und 3. Punkte dienlich sein kann.
Nehmen wir als Beispiel die Buchhandlung meiner Wahl, Klio in Zürich (hinter der Polybahn). Die Buchhändlerinnen, welche bei Klio arbeiten, sind sowohl im akademischen Bereich wie auch im kulturellen sattelfest. Sie lesen das NZZ-Feuilleton und lesen viele, sehr viele Bücher. Und auch wenn die Buchhandlung klein ist: Im Bereich der Philosophie übertrifft ihre Auswahl bei weitem die der Großbuchhandlungen.
Ich gehe also nicht in eine Buchhandlung, weil ich mir den besten Preis für ein Buch verspreche, sondern weil ich damit rechne, dass ich erstens etwas über dieses Buch erfahren kann, es unter Umständen auch ansehen kann - und dass ich zweitens das Buch sofort mitnehmen kann, wenn ich es kaufen möchte. Selbstverständlich kann man sagen, dass ich dafür dann halt einen Preis zu bezahlen habe (in Zürich wohl eher nicht, weil Klio durch die Nähe zur Universität kompetitive Preise anbieten kann; aber auf dem Land und in der Agglomeration sehr wohl) - doch diesen Preis werde ich nicht zahlen können, weil es die Buchhandlungen dann evtl. einfach nicht mehr gibt.
Um noch einmal auf die Bäckereien zurückzugreifen, welche schon oft als Beispiel angeführt worden sind: Wo ist denn die nächste Bäckerei, welche ihre Gipfeli aus Mehl, Wasser und Butter selbst herstellt und nicht einfach Hiestand-Teig in den Ofen schiebt? Und wo muss ich denn am Sonntagmorgen hinfahren, wenn ich für ein Gipfeli meinetwegen auch drei Franken zahlen möchte, wenn es nur selbstgemacht ist? Fazit: Manchmal kann man Dinge auch dann nicht mehr kaufen, wenn man bereit wäre, den Preis zu zahlen. Und eines dieser Dinge könnte qualifizierte Buchberatungsgespräche und eine gute Buchauswahl sein.