Gestern haben Andreas Kyriacou und Adriano Mannino auf FB diesen Test gepostet, den ich im Anschluss an einige feministische Themen gerne aufnehme.
Der Test misst nicht die Qualität eines Filmes, sondern wie Frauen in ihm dargestellt werden. Er wird bestanden, wenn alle drei Fragen mit »ja« beantwortet werden können:
- Im Film kommen mindestens zwei Frauen vor (die einen Namen haben).
- Sie reden auch miteinander.
- Sie reden über ein anderes Thema als einen Mann.
Der Test stammt aus einem Comic-Strip von Alison Bechdel aus der Serie »Dykes to Watch Out For« (»Lesben, auf die man aufpassen muss«) mit dem Titel »The Rule«:
Der Test wird in folgendem Video ausgeführt:
Auf einer speziellen Seite wird Buch geführt: Welche Filme bestehen den Test und an welchem Kriterium scheitern sie?
Nehmen wir ein paar Filme des letzen Jahres, die den Test nicht bestehen:
- The Artist erfüllt allenfalls Teil 1.
- Die Abenteuer von Tim und Struppi erfüllt allenfalls Teil 1.
- The Girl with the Dragon Tattoo erfüllt nur Teil 1.
- Cars 2 erfüllt allenfalls Teil 2, sicher Teil 1. Teil 3 nicht.
- Ides of March erfüllt sicher Teil 1, Teil 3 sicher nicht.
- Drive besteht alle drei Tests - auch wenn das einzige Gespräch in der Frage besteht, wie es der anderen Person gehe. Antwort: »Fine.« Gespräch fertig.
Also: Bitte mal darauf achten, ob die Filme, die wir schauen, diesen Test erfüllen. Und sich dann überlegen, an wen sich diese Filme wohl richten.
Hier noch die diesjährigen Oskars im Test:
die selbe frage kann man sich auch zu büchern stellen. ich frag mich jetzt mal, was das ganze soll. es ist nun im status quo vielleicht einfach so, dass männer interessantere rollen haben.
Du meinst damit, die Filme bilden einfach die Realität ab?
Wäre mir da nicht so sicher. - Ich finde es als Mann erstaunlich, dass mir das nicht regelmäßig auffällt, sondern ich es als gegeben hinnehme.
Meine Reaktion auf den Bechdel-Test war gerade auch: Warum ist mir das nicht aufgefallen?
Ich äussere mich ja gerne hin und wieder auch leicht “Frauen-Kritisch”… Dieses Beispiel lässt mich aber meine eigene Blindheit in diesen Belangen direkt spüren. Beunruhigend - irgendwie.
Gefällt mir. Ein weiteres Kriterium wäre noch:
Ist die Frau am Ende des Films noch am Leben?
Denn wenn es Tote gibt stirbt oft zuerst die weibliche Hauptfigur, ‘the lady must die’.
(So ziemlich immer bei Almodovar zB.)
Elisabeth Bronfen hat sich damit in ‘Over her Dead Body’ auseinandergesetzt.
Der Vorteil von Männern ist eben, dass Status bei ihnen sexy ist. Das schlägt sich auch in ihren Rollen nieder.
ich habe das hier aus damals aktuellen Anlass mal für Harry Potter durchgespielt:
http://allesevolution.wordpress.com/2010/11/19/warum-ist-harry-potter-mannlich/
Das ist meiner Meinung nach in vielen Filmen so: Würde man die Geschlechter einfach austauschen, dann würden die Rollen nicht mehr stimmig wirken.
Pingback: »Luck« - eine sensationelle Serie (und noch einmal der Bechdel-Test) | Warum alles auch ganz anders sein könnte.
Danke für den Text! Eine semi-related Anmerkung “Dykes to watch out for” meint glaub ich eher sowas wie “…vor denen man sich in Acht nehmen muss” (und gleichzeitig natürlich “…auf die man achten sollte”). Aber im englischen funktioniert diese Doppeldeutigkeit einfach besser ;)
“All you need to make a film is a girl and a gun” Jean-Luc Godard
Als Requisite also immer gern gesehen …