Beiträge vom Juli 2010
Nachdem ich gestern zum Thema Transparenz gebloggt habe, lese ich nun heute ausnahmsweise einen Weltwoche-Kommentar und muss ihn kurz kommentieren.
Man stellt sich den Ablauf so vor:
- Redaktionssitzung bei der Weltwoche.
- Auf dem Programm: Wikileaks. (Dokumente. Afghanistan. Allgemeine Meinung in der Tagespresse: Wikileaks wird ein neuer Medienplayer. Erstaunliche Dokumente. Kaum zu überblicken, muss man mal auswerten. Differenzierte Analyse - Kritik an Amerikanern und Vorbehalte gegen Veröffentlichung (Gefährdung von Menschenleben).)
- »Da müssen wir was machen - aber sowas von Weltwoche-Style: Einfach mal gegen den Strich, das Thema.«
- Urs Gehringer - dessen Arbeitsweise bereits andernorts kritisch beleuchtet wurde - meldet sich: »Da lässt sich was machen, so richtig auf die Schnelle. Nein, die Dokumente müssen wir nicht lesen, das haben ja andere Zeitungen schon gemacht. Wir schreiben dort einfach was ab und spielen noch ein bisschen auf den Mann, dieser, wie heißt der nochmal, Assange von Wikileaks, da graben wir schon noch ein paar Leichen auf seiner Wikipedia-Seite aus.«
- Er »recherchiert«, sprich, er liest diesen Artikel, übersetzt Teile ins Deutsche und liest bei Wikipedia nach.
Update: Und übernimmt so 1:1 US-Propaganda.
- Dann haut er in die Tasten. Ob das, was da steht, richtig ist, interessiert niemanden - Hauptsache, es ist nicht das, was vernünftige Menschen denken. Und Hauptsache, es ist pro-amerikanisch.
Konkret steht dann da Folgendes:
Assange ist Freibeuter in den Datenmeeren der Mächtigen, von einer Mission getrieben, die Machenschaften der Potentaten zu «demaskieren» und sabotieren.
Das ist, was hinter der »Maskerade« steckt - aber genau das würde wohl Assange selber auch unterschreiben.
Diesen Frühling editierte er ein 38-minuten Video von einem US-Helikopter-Angriff im Irak, verknappte es auf eine 17-minuten Version, welche die Crew als Mörder eines unschuldigen Mannes präsentierte. Das Ganze versah er mit dem Titel «Collateral Murder».
Tatsächlich hat Wikileaks das Video mit diesem Titel veröffentlicht - der allerdings so reißerisch gar nicht ist. Aber auf der entsprechenden Seite ist das Originalvideo (ungeschnitten) und die gekürzte Version zu sehen: Von einer Manipulation kann nicht die Rede sein.
Ronnie Grob bringt in einem Kommentar zum Ausdruck, wie verquer der besagte Kommentar selbst innerhalb dem Weltwoche-Denken selbst daherkommt:
Diese Story steht witzigerweise zwischen „Professor Zensor“ und „Indiskretionen - Fluch oder Segen?“ - in beiden wird Offenheit gefordert und Zensur verdammt.
Aber beim US-Militär soll alles anders sein? Und Wikileaks furchtbar unverantwortlich?
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Viele Video kann man auf dem Netz ansehen - ohne dass die Option angeboten wird, eine Datei runterzuladen. Dennoch möchte man das Video vielleicht in eine Präsentation einbinden und wäre froh um eine Datei: Wie geht man vor? (Disclaimer: Die LeserInnen dieses Posts müssen selber abklären, ob diese Vorgehensweisen in ihrem Land legal sind.)
- Der einfache Fall sind Seiten wie youtube: Dort ermöglicht beispielsweise KeepVid online den Download der entsprechenden, teilweise schon konvertieren Datei (Flash-Video entspricht .flv-Dateien, KeepVid bietet auch .mp4 an).
- Alternativ kann man die Seite auch in ein Download-Tool wie den jDownloader einfügen: Er »scannt« die Seite und bietet alle möglichen Files zum Download an (also beispielsweise HD- und Standard-Qualität.
- Gewisse Seiten sind aber etwas schwieriger zu »knacken«, so in meinem Fall die Konzertmitschnitte von Arte, z.B. Papperlapapp von Marthaler in Avignon. In diesem Fall muss man einen so genannten rtmp-Stream »catchen« können. Dabei gibt es zwei Probleme:
a) man braucht dafür eine Software, die beste ist wohl RTMPDump, bei der aber schon das Installieren ohne Terminal-Kenntnisse schwierig ist
b) man muss einen Link für den rtmp-Stream finden, der oft versteckt ist (im Falle von Arte ist er auf der angegeben Seite auch im Quellcode nicht zu finden).
Als einzige Lösung ist mir bisher der Replay Media Catcher bekannt. Das Tool entdeckt Videos, die im Browser laufen, und kann sie aufnehmen. Da rtmp-Streams keine Dateien sind, kann man sie nicht sofort runterladen, sondern muss warten, bis das ganze Video abgespielt ist. Den Replay Media Catcher gibts leider nur für Windows - obwohl ich mit Wine kurz rumgespielt habe, bin ich dann doch vom Mac auf einen Windows-Laptop umgestiegen, um das File zu erstellen.
Für weitere Hinweise in den Kommentaren bin ich dankbar.
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Um meine Blogposts zu archivieren (wer weiß, wenn das Internet neu gestartet wird), habe ich sie als Buch ausdrucken lassen. Dabei habe ich zwei Systeme ausprobiert:
- BlogBooker.com
Der Dienst ist gratis und verbindet sich auf der Webseite mit Blogger/Wordpress/Livejournal (braucht jemand heute noch Livejournal?) und bietet dann ein ansehliches (aber nicht schönes) pdf zum Download an, in dem auch alle Bilder integriert sind. So sieht dies in meinem Fall aus: Blog-Ausdruck, [pdf 9.4 MB].
- Blurb.com
Blurb bietet ein Tool zum Download an, das dann die xml-Datei des Blogs importiert (eigentlich kann die xml-Datei als Backup angesehen werden, wenn man sie runterlädt, hat man alles gespeichert).
Das Tool enthält viele Optionen und ermöglicht ein sauberes Layout, das man allerdings nur brauchen kann, wenn man bei Blurb ein Buch bestellt - ansonsten sieht man im pdf-Ausdruck immer ein Wasserzeichen »For proofing only…«. Das Blurb-pdf von meinem Blog ist dann 600 MB groß.
Fazit: Wenn man eine handliche Datei ohne Download eines Programms erstellen will, empfiehlt sich Variante 1.
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Transparenz halte ich grundsätzlich für wertvoll. Egal wie man etwas macht - man soll darlegen, wie man es macht, damit andere es nachvollziehen können.
Generell in Bezug auf Löhne: Nehmen wir als Beispiel einen Fussballverein. Der handelt mit jedem Spieler und seinem Agenten in zähen Verhandlungen Löhne, Prämien etc. aus - und zwar geheim. Warum ändert ein Verein nicht diese Politik und sagt: Wir bezahlen für Anforderungsprofil A 250k p.a. plus diese Prämien, für Anforderungsprofil B 150k und für Anforderungsprofil C 80k. Wer will bei uns spielen?
Genau so könnten auch Firmen operieren - die öffentliche Hand tut das bei ehemaligen Beamten (z.B. Lehrpersonen) auch. Wenn ich es richtig verstehe, ist der Grund, warum Löhne in Firmen nicht transparent gemacht werden, der, dass man dadurch auf Marktschwankungen reagieren kann. Sind Arbeitskräfte gesucht, so können kurzfristig höhere Löhne bezahlt werden, sind Arbeitsplätze gesucht, können tiefere Löhne vereinbart werden. Wären die Löhne transparent, würden alle für gleiche Anforderungen gleich hohe Löhne fordern - was aber ja eigentlich gerecht wäre, oder? (Nebenbei könnte man dasProblem lösen, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden.)
* * *
Die Veröffentlichung verschiedenster Dokumente durch Wikileaks, welche die letzte Woche medienwirksam inszeniert worden ist (exemplarisch sei die Präsentation durch den Guardian genannt), stellt nun aber die Frage (natürlich gibt es viele andere Vorfälle, welche diese Frage ebenfalls aufwerfen, z.B. die neueste Fichenaffäre):
Kann/soll es in einer Demokratie Dokumente geben, welche von der Öffentlichkeit nicht eingesehen werden können oder dürfen? Und was wäre ein Kriterium dafür?
Wenn ich die Frage brainstorme, fallen mir folgende Aspekte ein:
- Transparenz kann innerhalb einer Gruppe herrschen, welche die Öffentlichkeit vertritt - e.g. innerhalb einem gewählten Parlament, dass stellvertretend für die Bevölkerung sicherstellt, dass alles mit rechten Dingen zu und her geht.
- Einsehbar müssen Dokumente sein, die meine persönlichen Daten beinhalten (Strafregister, Betreibungsauszug, Krankenakten etc.).
- Wenn man ein Kriterium festlegt (e. g. »nationale Sicherheit«), dann kann dieses Kriterium dazu benutzt werden, um Dokumente geheim zu halten, die nicht geheim gehalten werden sollten.
- Man würde in jedem Fall eine Meta-Transparenz erwarten: Dass klar gemacht wird, in welchem Fall wie Transparenz verhindert wird in einem demokratischen Staatsgefüge.
* * *
Google Trends scheint nun aber ein Problem gerade durch die Transparenz zu verursachen: So genannte Content-Farms (Link via Fefe) erstellen »Content«, also Texte, die nur deshalb geschrieben werden, um bei Google-Suchanfragen häufig gefunden zu werden (»How to Massage a Dog That Is Emotionally Stressed«) - ohne dass die VerfasserInnen eine Ahnung vom Thema hätten oder auch nur anstrebten, einen guten Text zu schreiben. So also vermüllt Google das Netz - indem es nicht mehr Inhalte absucht, sondern die Erstellung von sinnlosen Inhalten provoziert, weil die gefundenen Texte mit Werbung zu Geld gemacht werden können, ebenfalls über Google.
Würde Google keine Trends publizieren, könnte man nicht darauf reagieren und sie fürs Werbegeschäft ausnutzen…
* * *
Ich schließe. Ein Fazit fällt mir nicht ein - außer dass die Dinge immer etwas komplizierter sind, als man denken könnte. Und als man es sich wünschen würde.
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Die SVP verschickt in diesen Tagen eine Zeitung, die sie nur deshalb finanzieren kann, weil die Schweiz bezüglich Transparenz in Bezug auf die Finanzierung von politischen Parteien und Exponenten auf einem Niveau ist, das man ungefähr so zusammenfassen könnte: Schweizer Politik kann man kaufen.
Auf jeden Fall sollte man die Chance nutzen und für einmal auf Post von der SVP auch reagieren. Wie?
Erstens: Die richtigen Fakten kennen.
- Die Gründe für den Anstieg der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz:
a) Der Schweizer Arbeitsmarkt braucht AusländerInnen, um die Arbeit zu verrichten, welche SchweizerInnen nicht verrichten wollen.
b) Die Schweiz bürgert von den hier wohnhaften Ausländern im Vergleich mit anderen Ländern am wenigsten ein (2008 2.8%).
- Die Folgen des hohen Ausländeranteils in der Schweiz sind mehrheitlich positiv - v.a. in Bezug auf die Wirtschaft.
- Probleme bei der »Integration« (der Begriff missfällt mir, weil er impliziert, Ausländer müssten so werden wie »SchweizerInnen« sind, was dann letztlich auf die Trennung von Müll ausläuft, viel eher geht es um eine für beide Seiten angenehme Form des Zusammenlebens entstehen auf zwei Seiten - Integration ist nicht ein einseitiger Prozess. Die Probleme der Integration können an Deutschen sehr schön aufgezeigt werden: Deutsche, die in der Schweiz leben, verfügen über einen kulturellen Hintergrund, der mit dem der Schweiz praktisch deckungsleich ist. Dennoch fällt es ihnen sehr schwer, sich zu integrieren - obwohl sie sich sehr aktiv darum bemühen…
(Siehe diesen schönen Post bei Nicht ist klar., der verdeutlich, wie wenig es ein »wir« und ein »sie« geben kann und soll…)
- Sozialwerke werden besonders belastet durch Personen in tiefen sozialen Schichten ohne Aufstiegsperspektiven, Personen mit schlechter Ausbildung, mit geringen Einkommen und mit Arbeitsplätzen, die mit starker körperlicher Belastung verbunden sind - und nicht durch »Ausländer«. Das wirtschaftliche Wohlergehen vieler SchweizerInnen erfordert, dass diese Positionen und Berufe von anderen Menschen, also AusländerInnen eingenommen werden - die deshalb auch die Sozialwerke beanspruchen, die aber gerade für diese Fälle geschaffen worden sind.
- Den Ausländeranteil wie die SVP (»Zeitung«, S. 6) ohne Einbürgerungen und mit Grenzgängern zu berechnen, ist absolut lächerlich. Ohne Einbürgerungen wäre der Ausländeranteil in der Schweiz 100%.
- Einbürgerungen werden heute absolut willkürlich und ungleich gehandhabt. Das Prinzip, dass eine Gemeinde bestimmt, wer SchweizerIn werden darf, verletzt elementare Ansprüche auf Rechtsgleichheit. Beschwerderechte sollten eher ausgebaut denn reduziert werden. (Noch einmal: Die Schweiz bürgert extrem wenige Ausländer ein, siehe Punkt 1.)
- Einbürgerungen sind wesentlicher Bestandteil einer vernünftigen »Integrations«politik: Wenn AusländerInnen »dazugehören« wollen, gestalten sie eine Gemeinschaft mit. Die Einbürgerung ist nicht mit Vorteilen verbunden.
- Die Kriminalitätsrate von AusländerInnen wird undifferenziert vermitteln - siehe hier für genaue Hintergründe. Oft werden AusländerInnen mitgezählt, die Delikte begehen, welche nur von AusländerInnen begangen werden können…
- Wer denkt, Asylsuchende lebten in der Schweiz komfortabel, kann mal einen Monat in der Stadt Zürich mit 422.- leben (14.- pro Tag, also ungefähr ein McDonalds-Menu pro Tag):
Der Grundbedarf für eine Person in einem Drei-Personen-Haushalt beträgt Fr. 422.- pro Monat. Der Grundbedarf beinhaltet Ausgabeposten wie Nahrungsmittel, Bekleidung, Verkehrsauslagen, Körperpflege, Haushalt. Nicht inbegriffen sind die Wohnungsmiete, die Wohnnebenkosten sowie die medizinische Grundversorgung. [Quelle]
Zweitens: Richtig ankreuzen.
Wer sich mit den Postulaten und »Lösungsvoschlägen« der SVP (welche die Kampagne von Stuttgart aus durchführt) ernsthaft beschäftigt, kann nur zu einem Schluss kommen:
Drittens: Konstruktives Feedback geben.
AusländerInnen sollten in der Schweiz als PartnerInnen behandelt werden: Sie sollten mitbestimmen und mitreden dürfen, wenn es um Probleme oder Scheinprobleme geht, welche sie betreffen. Nur so können echte Lösungen gefunden werden.
Die SVP sollte sich vor Augen halten, dass die Schweiz mehr von AusländerInnen profitiert, als die AusländerInnen von der Schweiz.
Viertens: Andere Leute informieren.
Sprechen Sie Leute, welche Probleme mit AusländerInnen anprangern, darauf an, woher sie ihre Informationen beziehen, welche AusländerInnen sie kennen und informieren Sie sie.
Fünftens: Warum eine Anleitung, wo doch alle »BürgerInnen« für sich selber denken können?
Weil die Schweizer Medienlandschaft sich die Agenda von der SVP diktieren lässt, weil sie von den Inseraten der SVP abhängig sind. Das Geld von Blocher, Frey und co. ermöglicht der SVP-Führung, eine populistische und unternehmensfreundliche Politik zu erkaufen.
Sechstens: Punkte zweitens bis viertens sehr oft wiederholen… (auch online) /via David.
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Das Internet - so kann man etwas salopp sagen - ist nicht mehr so sexy wie einst. Wer »im Internet« ist, ist nicht woanders, tut nichts »Reales« und vermutlich was Ungutes - wenn man all das ernst nimmt, was man so über soziale Netzwerke, Google, Datenschutz und überhaupt hört (die sinnlose Auflistung ist gewollt: sie zeigt, wie wenig differenziert man über »Internet« spricht). Dann kommen noch die Geschichten dazu, bei denen 11-Jährige vom Internet mit dem Tode bedroht werden.
Folglich kommen staatliche Organe auf zwei bemerkenswerte Ideen:
- Das Netz ausschaltbar machen. So argumentiert beispielsweise der Bund Deutscher Kriminalbeamter:
„Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes können sich ähnlich verheerend auswirken wie atomare Angriffe.“ Deshalb bedürfe es eines „Reset-Knopfs für das Internet“, mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne. [Quelle: Netzpolitik.org]
- Eine Ausweispflicht für das Internet einführen. Auch hier ist wieder der BDK ganz vorne mit dabei, aber auch in der Schweiz gibt es Bemühungen, mit der SuisseID eine staatlich geprüfte Identität fürs Internet einzuführen.
Man kann nun beide Vorschläge diskutieren - gemeinsam ist ihnen, dass es um die Rolle des Staates im Umgang mit dem Internet geht. Diese Rolle soll, geht es nach vielen PolitikerInnen und JournalistInnen, größer werden.
Im Gegensatz dazu stehen zwei Dokumente, die mir viel weitsichtiger und tiefgründiger erscheinen - und Probleme nicht ignorieren, sondern zusätzlich echte Lösungsansätze diskutieren. Das erste sind die 42 finalen Thesen zum Internet von Marcel-André Casasola Merkle, die durchaus auch eine vergnügliche Lektüre sind, das zweite die Forderungen für ein lebenswertes Netz vom Chaos Computer Club (CCC). Daraus seien die »Thesen zur Netzpolitik« zitiert:
Thesen zur Netzpolitik
- Netzzugang ist ein Grundrecht und Bedingung für die Teilnahme am kulturellen und politischen Leben
- Nutzen des Netzes kann sich nur entfalten, wenn die Netzneutralität garantiert ist
- IT-Großprojekte der öffentlichen Hand nach sinnvollen Kriterien vergeben
- Öffentliche Daten transparent handhaben
- Klare Absage an Softwarepatente
- Urheberrechtgesetzgebung modernisieren
- Zugangsprovider haften nicht für die Daten ihrer Kunden
- Private Daten besser schützen
- Recht auf Anonymität etablieren
- Profilbildung über Menschen verhindern
- Whistleblower-Schutz verbessern
Dazu möchte ich nur eine Bemerkung machen: Grundsätzlich scheint mir beides nachvollziehbar - die Forderung nach einer Ausweispflicht, damit man beispielsweise auch per Internet abstimmen kann und beim Abschluss von Kaufverträgen eine gewisse Sicherheit hat UND die Forderung nach dem Recht auf Anonymität im Netz. Gerade diese beiden Positionen scheinen aber kaum vereinbar zu sein - wenn es nämlich Ausweise gibt, welche »seriöse« Seite würde dann darauf verzichten, die einzusehen - und was könnte man dann anonym noch tun?
* * *
Daran schließt eine Diskussion an, die ich für außerordentlich wichtig halte: Die Rolle von Frauen im Internet. Grundsätzlich könnte man ja denken, dass gerade durch die Semi-Anonymität das Geschlecht im Internet zu einem Faktor geworden ist, den man vernachlässigen kann. Die ersten Phasen intensiver Internetnutzung in der Adoloszenz habe ich zu einem großen Teil damit verbracht, mich auf Chats als Frau auszugeben (ich bin keine, bevor es zu Verwechslungen kommt) - mit dem Resultat, dass mir klar geworden ist, wie wenig wir intuitiv wahrnehmen, dass ein Internetprofil nichts mit der wirklichen Welt zu tun haben muss.
Die Diskussion, die ich meine, lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen (und in diesem Emma-Artikel nachlesen):
- Das Netz wird in allen Belangen mindestens zur Hälfte von Frauen genutzt (auch was das Verfassen von Blogs etc. betrifft.)
- In der öffentlichen Wahrnehmung (Blogcharts, Twittercharts etc.) dominieren Männer das Netz.
- Sexismus 2.0 bedeutet, dass Kompetenz im Bezug auf Technik und Internet nur Männern zugeschrieben wird.
- Sexismus 2.0 bedeutet auch, dass sich Frauen in Kommentaren beschimpfen lassen müssen, wie das sonst nur Nazis über sich ergehen lassen müssen (»Suchen Sie sich einen Mann und sitzen Sie nicht vor technischen Gerätschaften wie dem Computer.«)
- Auch wenn das Internet »post-gender« sein könnte (also die Geschlechterrollen keine Rolle mehr spielen könnten) - ist es zu stark mit der wirklichen Welt verflochten und Teil davon, als dass die Probleme des Geschlechterverhältnisses nicht auch aufs Internet übergreifen könnten.
- Das Problem scheint zu sein, dass Sexismus sich im Netz verstärkt.
- Die Lösung des Problems scheint zu sein, dass sich Frauen vernetzen und ihren Status als Expertinnen betonen.
(Als Beispiel noch die Schweizer Twittercharts, Woche 29:
1. @mcschindler - PR 2.0-Expertin, 11. @sufranke - Corporate Communications-Expertin, 12. @rhinnen - Informatikerin und Experint von Online-Marketing. Und dann kommen mit @shibby und @sphings zwei Frauen, die sich nicht primär als Web/Technik-Expertinnen hervortun.)
Tipps zum Weiterlesen zu dieser Thematik: Der Blog von Anne Roth und die Seite von Antje Schrupp.
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Ich nutze Twitter immer weniger, um die originellen Scherze origineller Zeitgenossen und Zeitgenossinnen abzurufen (»originell« war tatsächlich ironisch gebraucht), immer mehr hingegen um Leuten zu folgen, welche interessante Artikel verlinken.
So bin ich über zwei Studien gestolpert, deren Ergebnisse ich für mitteilenswert halte:
- Kaffee/Koffein und unser Gehirn /via Jörg Marx
Lifehacker fasst ein Buch (»Buzz« von Stephen Braun) zur Auswirkung von Koffein auf unser Gehirn zusammen. Fazit: Wenn man die ganze Chemie beiseite lässt, wirkt Koffein bei regelmäßigem Konsum schnell nicht mehr (ca. nach zwei Wochen), obwohl es sehr schnell abhängig macht (Entzugserscheinungen nach 12-24 Stunden). Kaffetrinkende trinken meist Kaffee, um die Entzugserscheinungen (Kopfschmerzen) zu lindern, nicht um in der Leistung gefördert zu werden (mit Koffein kann man, allgemein gesagt, Routinearbeiten schneller erledigen).
Die ideale Strategie wäre, Kaffee nur dann zu trinken, wenn man seine Wirkung brauchen kann - im Alltag aber Koffein zu meiden.
- Der Wert der Privatsphäre /via Jeff Jarvis
Wie das Handelsblatt mit Verweis auf die entsprechende Studie [pdf] des Wissenschaftszentrums Berlin vermeldet, ist
a) 75% aller Menschen die Privatsphäre wichtig, sie erachten sie als schützenswert
b) sind 92% aller Menschen nicht bereit, für den Schutz der Privatsphäre etwas zu zahlen
c) sind 50% aller Menschen in ihren Handlungen der Privatsphäre gegenüber indifferent, d.h. sie schützen ihre Privatsphäre nicht, auch wenn sie es kostenlos könnten.
Fazit: Der Staat kann sich beim Schutz der Privatsphäre derjenigen Menschen, die ihre Privatsphäre gar nicht schützen wollen (obwohl sie es eigentlich für wichtig halten), etwas zurücknehmen.
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Wie der Beobachter meldet, kann man mit dem Dienst von Pressdisplay die wichtigen Schweizer Zeitungen (u.a. die NZZ, die NZZ am Sonntag, den Tages Anzeiger, die Bilanz, Finanz und Wirtschaft) komplett im Internet und auf dem iPad oder iPhone lesen (dafür gibt es die Anwendung PressReader [iTunes-Link]; die Anwendung gibts aber auch für Blackberry und Windows Mobile - also für alle mobilen Geräte, praktisch).
Pressdisplay bietet eine Economy-Option an, die pro Monat $10 kostet - also rund 120 Franken pro Jahr. Der Beobachter schreibt dazu:
Doch Newspaper Direct hat die Möglichkeiten der digitalen Vermarktung der Produkte konsequenter umgesetzt als die Schweizer Verlage. Auch der neue Leiter Digitale Medien bei der NZZ, Peter Hogenkamp, bezeichnet das Angebot als «in der Tat zu günstig». Kein Wunder: Allein für die Online-Ausgabe der NZZ müssen Leser heute 368 Franken im Jahr bezahlen, wenn sie das Abo bei der NZZ kaufen. Bei News paper Direct erhalten sie für 120 Dollar noch eine Sonntagszeitung nach Wahl dazu.
Offenbar meinten die Schweizer Verlage, die Newspaper Direct würde nur den Druck ihrer Zeitungen in Hotels anbieten - der Vertrag erlaubt aber offenbar auch die Distribution übers Internet.
Ich habe das Abo gelöst und bin begeistert. Hier noch ein Screenshot der Anwendung auf dem iPad:
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Weil ich grad in meinem Dashboard herumwühle, poste ich auch gleich was - dann fühlt sich der Abend an, als habe ich was erledigt.
- Die 8-bit-Landkarten auf die ich über Fefes Blog gestoßen bin, sind der Hammer. [Im übrigen ein Blog mit eigenem Wikipedia-Eintrag.]
- Es ist irgendwie Sommerloch: Auf meinem Blog. Und sonst. Und die WM ist auch vorbei.
- „Das Fragebuch“ von Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler führt zu einigen Klicks auf einen meiner Blogposts (mit Suchanfragen wie »Fragen zum kennen lernen«)- deshalb hier noch der Hinweis, dass man sehr viele der Fragen auf dem Twitter-Account des Fragebuchs nachlesen kann: http://twitter.com/fragebuch (man muss nicht selber twittern und auch nicht wissen, was das ist, um sich die Fragen ansehen zu können).
- Hier habe ich mal erklärt, wie Twitter funktioniert.
- Ich habe seit längerem einen Flattr-Button. Flattr klingt wie eine gutschweizerische Ohrfeige, meint aber ungefähr das Gegenteil: jemandem schmeicheln. Schmeicheln tut man mit Geld - wer selber bei Flattr einzahlt, kann auch geflattrt werden und entsprechend auch Einnahmen verbuchen. (Nicht, dass das erwähnt werden müsste - meine Flattr-Einnahmen sind lächerlich und ich werde das Ding bald wieder abschalten. Dies auch deshalb, weil in der Debatte pro und contra Flatter mich die contra-Seite bei weitem mehr überzeugt (in Person von Sascha Lobo) als die pro-Seite (in Person von Ronnie Grob). Kurz gefasst: Zwar bin ich bereit, für Content zu zahlen - aber den Content, den ich hier bereitstelle, erstelle ich bewusst gratis.
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Liebevoll »Quölli« gerufen, irgendwie schweizerisch, irgendwie echt, CO2-kompensiert, pro specie rara Braugerste und doch dort, wo in Zürich der Bär steppt; aber auch bei Coop souverän platziert - das Appenzeller Bier hat eine Nische besetzt, welche die großen Bierfirmen geöffnet haben (insbesondere mit dem Carlsberg-Flop an der EM 2008). So soll Marketing wohl gehen - keine großen Kampagnen, und doch omnipräsent, irgendwie die logische Wahl, wenn man ein 10-Pack kaufen geht.
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