Die angeregten Diskussionen über die Frage, ob es in der Schweiz »Leitblogger« (Frauen schienen zunächst allenfalls mitgemeint zu sein), provozieren mich noch zu einem kurzen Kommentar. Die Liste von Claude Longchamp in Ehren - für meinen Platz bedanke ich mich -, die Definition, was den Leitbloggende ausmacht, ist recht klar:
Der A-Blogger entspricht dem Meinungsführer nach Paul Felix Lazarsfeld, indem er Nachrichten und Informationen an andere weiter gibt. Durch seine Auswahl an Themen füllt er in der Blogosphäre ferner die Funktion des Gatekeepers aus, die in der Welt der traditionellen Massenmedien dem Journalisten zukommt. Diese A-Blogs beschäftigen sich zumeist mit öffentlichen Themen und werden dann auch Filter- und Knowledge-Blogs genannt. […] Als messbares Kriterium für die Einordnung als Alpha-Blogger dient vor allem die Zahl der Zugriffe oder Besucher. In der Regel kann von einem A-Blogger gesprochen werden, wenn die Zugriffszahlen über denen der vergleichbaren traditionellen Massenmedien liegen.
Clemens Schuster hat diese Definition von Wikipedia übernommen. Sie lässt sich verdichten: Leitblogs können Themen setzen, die von der Öffentlichkeit und anderen Medien als relevant angeschaut werden. Ich habe vor gut einem Jahr kurz zusammengetragen, welche Blog-Geschichten als relevant bezeichnet werden können. Mein damaliges Fazit:
Es gibt zwar Geschichten in Blogs, die relevant sind – die jedoch in den hier diskutierten Fällen von einer Expertin, einigen Journalisten, einem Politiker und von PR-Profis verfasst worden sind. Es gibt kein Beispiel aus den letzten zwei Jahren, bei denen ein klassischer Blogger ein Thema aufgegriffen hat, das bedeutsam war.
Das Fazit gilt auch heute noch. Natürlich könnten wir jetzt noch das Statistik-Spiel spielen. Ich erreiche mit meinen beiden Blogs, die ich enorm intensiv betreue, zwischen 500-1000 Leserinnen und Leser pro Tag (an gewissen Tagen sind es mehr). Das reicht nicht, um in irgend einer Form mit »traditionellen Massenmedien« mitzuhalten. Ich habe z.B. #Aufschrei enorm schnell meiner Meinung nach auch differenziert rezipiert, wurde aber nicht von traditionellen Medien gelesen - das Thema hat auf anderen Wegen seinen Platz in der Medienwelt gefunden.
Aber vielleicht gehe ich zu stark von meiner Perspektive aus und übersehe Blogs, die in der Lage sind, Themen zu besetzen…

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