Ein Tweet von Marcel Baur inspiriert mich, kurz zu erklären, wie in den USA der Präsident - oder eine Präsidentin, allenfalls einmal - gewählt wird:
gehört das Wahlsystem der USA zur Allgeminbildung, oder darf man als Unwissender auch einfach das Resultat entgegennehmen? #uswahl—
Marcel Baur (@marcel_baur) November 05, 2012
Ich vereinfache so weit, wie ich das für zulässig halte.
- Der Nominierungsprozess.
Die beiden großen Parteien, die Republikaner und die Demokraten, können in jedem Staat Vorwahlen abhalten, bei denen unter mehreren Kandidierenden gewählt wird. Es geht dabei darum, einen Kandidaten zu küren, der sich dann mit einem Kandidaten fürs Vize-Präsidium zusammentut (dieser Zusammenschluss kann oft dazu führen, dass der Kandidat sich innerhalb der Partei durchsetzen kann).
Die Nominierung durch die Parteien ist grundsätzlich nicht gesetzlich geregelt, die Parteien können eigene Verfahren anwenden. - Die Wahl.
Gewählt werden grundsätzlich die Elektoren, nicht die Präsidentschaftskandidaten selbst - auch wenn das auf dem Wahlzettel nicht so aussieht. Rechtlich werden in jedem Staat Wahlfrauen und -männer (Elektoren) bestimmt, die dann wiederum den Präsidenten wählen. Jeder Staat kann das Wahlprozedere selbst festlegen - bundesweit ist nur bestimmt, dass die Wahl der Elektoren am »Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfinden muss«. Das ist 2012 der 6. November 2012.
Die meisten Staaten verwenden folgende Regelung: Die Partei mit der relativen Mehrheit der Stimmen erhält alle Elektorenstimmen des Staates. D.h. es geht letztlich darum, genügend Staaten zu gewinnen, um auf 270 Elektorenstimmen (von 538) zu kommen. (Nebraska und Maine verwenden einen anderen Modus.)
Grundsätzlich wird morgen nicht der Präsident und der Vize-Präsident bestimmt, sondern den Elektoren eine Empfehlung mitgegeben. - Das Electoral College.
41 Tage nach der Wahl wählen die Elektoren den Präsidenten und den Vize-Präsidenten. Sie sind grundsätzlich in ihrer Wahl frei, können also von der Wahl in ihrem Staat abweichen. Das hat aber die Wahl noch nie beeinflusst und geschieht nur selten.
Einige interessante Aspekte:
- Es ist möglich, bundesweit mehr Wahlanteile zu erhalten, aber die Wahl zu verlieren. Al Gore erreichte z.B. 2000 48.4% der Stimmen, George W. Bush 47.9%. Bush erhielt aber 271 Elektorenstimmen und wurde zum Präsidenten gewählt.
- Das heißt auch, dass die nationalen Prognosen beschränkten Wert haben. Wichtig sind Prognosen, die sich auf die Elektorenstimmen beziehen - das wird aber rechnerisch sehr schwierig. Im New York Times-Blog versucht Nate Silver, diese Daten zu interpretieren (siehe Bild unten).
- Ein Unentschieden tritt dann ein, wenn keiner der Kandidierenden 270 Stimmen erreicht. Dann bestimmt der Kongress einen geschäftsführenden Präsidenten, der Senat einen Vize-Präsidenten.
- Es wählen rund 60% der Wahlberechtigten, also über 100 Millionen Menschen. Ausgeschlossen sind Nicht-US-BürgerInnen sowie Gefängnisinsassen bzw. auf Bewährung Entlassene; teilweise werden aber auch BürgerInnen ausgeschlossen, die ihre Identität nicht mit einem Personalausweis nachweisen können oder sich nicht korrekt registriert haben.
Zum Schluss ein lustiger Werbespot, mit dem Obamas Marketing-Team die Menschen zum Stimmen anhalten will: