Nun habe ich versprochen, diese Fragen zu beantworten, und Versprechen sollte man ja halten, auch wenn schon allein die Tatsache, dass ich das so lange versäumt habe, irgendwie Aufschluss darüber geben könnte, dass ich die Fragen nicht mehr so toll finde. Oder ihre Beantwortung nicht so spassig.
Die Anlage der Fragen zielt völlig auf ein monogames Leben mit einer Partnerin oder einem Partner ab, dem oder der man zwar noch irgendwie treu ist, gleichzeitig aber auch die Schuld dafür gibt, dass man a) Bürofuzzi anstatt Architekt und b) eigentlich auf Adrian Amstutz steht. Somit erfülle ich vielleicht einfach die Voraussetzungen nicht.
Im Folgenden die Antworten auf die Fragen, die ich noch interessant finde:
- Was ich besser kann als meine Freunde, ist so tun, als wüsste ich etwas, was ich nicht weiß. Vielleicht täusche ich mich aber.
- Ich wollte einmal Journalist werden, als ich schon so alt war, dass dieser Wunsch etwas bedeuten könnte. Und auch heute wäre ich gerne Journalist. Ich bin es nicht geworden, weil ich wahrscheinlich zu bequem bin. Und ich denke, dass ich es so gut könnte, dass man mich dafür bezahlen würde.
- Wofür man mich auch noch bezahlen könnte, wäre das Facebook/Twitter/social media-Profil einer prominenten Person zu betreuen. Obwohl: Meine eigenen Tätigkeiten auf Facebook rufen in letzter Zeit vermehrt negative Reaktionen hervor.
- Ich bin bei meinen Arbeitskollegen wohl nicht besonders beliebt. Einer der Gründe könnte sein, dass ich immer in einen Computerbildschirm schaue. (War das jetzt eine interessante Antwort?)
- Ich kann auf jeden Luxus verzichten (wie jeder Mensch). Ich tu es nicht, weil ich zu bequem bin.
- Drogen faszinieren mich schon seit ich 11 bin. Alle Drogen eigentlich. Ich kann stundenlang auf Drogenforen lesen, mit einer Mischung aus Anziehung und Ekel. Und doch - so richtig in Versuchung, mal etwas Koks reinzuziehen, bin ich noch nicht im erntfentesten gekommen.
- Charaktereigenschaften überfordern mich. Was ist eine Charaktereigenschaft? Ungeduldig sein? Großszügig sein? Beides bin ich, irgendwie. Und nun soll ich sagen, ob das gut ist oder nicht? Schwierig, schwierig.
- Die zwei wichtigsten politischen Themen sind a) dass wir nicht vergessen dürfen, dass unser Wohlstand nicht verdient ist - und eine Sicherung unseres Wohlstandes immer auch bedeutet, dass Armut geduldet wird; und b) dass Ressourcen endlich sind.
Dafür getan habe ich eigentlich nichts, bisher. Aber darüber nachgedacht. - Zu meiner Nation fallen mir viele Vorurteile ein. Insgeheim erwarte ich vor allem in Deutschland, als Schweizer aufgrund meiner Nationalität mit Sympathie behandelt zu werden. Und bin auch betroffen davon, an ein Leben im Luxus gewöhnt zu sein und mich beim Gedanken zu ertappen, es irgendwie verdient zu haben. Das Problem, zu meinen, wir seien uns selbst genug, kenne ich zum Glück aber nicht.
- Keine Ahnung habe ich von Physik. Wiewohl ich mittlerweile sicher bin, dass Physik sehr interessant ist - ich kenne elementare Zusammenhänge nicht und lese regelmäßig nach, was man eigentlich wissen müsste.
- Monogamie ist einfach. Alles andere ist komplizierter. Mehr verstehe ich davon allerdings nicht.
- Ich glaube wohl an mehr, als ich denke. Um grad beim Denken zu bleiben: Z.B. daran, dass nachdenken etwas bringt. Was nämlich keineswegs selbstverständlich ist und wohl kaum bewiesen werden kann. Nicht nachdenken ist - siehe Monogamie - wohl einfacher.
- Ich glaube nicht mehr an Toleranz, in dem Sinne, dass jeder seine eigene Meinung haben darf, unabhängig davon, ob diese Meinung irr oder falsch ist. Toleranz heißt oft, etwas zu dulden, was man nicht dulden sollte.
- Angst habe ich vor Hunden. Und Pferden. Und großen Schildkröten. Und Kühen, wenn man ihre Weide überqueren muss.
- Bis auf zwei Peridoden von ca. je einem Jahr war in meinem Leben immer die beste Zeit meines Lebens. Auch jetzt. Vor allem jetzt.
Nun habe ich 15 beantwortet, komme mir langweiliger vor denn je - und hänge noch was an. (Wenn jemand eine andere Frage beantwortet haben will, bitte einfach melden; ich versuchs dann, so lange es keine Personen beinhaltet, die auf diesem Blog nichts verloren haben. Diese Woche hat mir jemand gesagt: »Ich würde ja schon auch bloggen, aber die Dinge, die in meinem Leben interessant sind, müssen geheim bleiben.« Das wäre vielleicht ein Leben, das ich auch haben möchte. Für einen Monat.)
Die Fragen stammen aus Glavinics großartigem neuen Roman, Das Leben der Wünsche (S. 219f.):
- Wieso ist uns egal, was in Afrika passiert?
- Glaubst du an Vorbestimmung? Wieso kriegt der eine AIDS, der andere nicht? Wieso wird die eine reich und ihre Freundin todkrank? Wieso Unfälle? Wieso Glück?
- Es gibt eine Zeitmaschine. Du darfst drei Reisen antreten. Jede dauert drei Tage. Wohin fährst du?
- Was bedeutet Zufall?
- Glaubst du?
- Wo ist die Toilette?
- Hast du ein Weltbild? Würdest du sagen, du hast ein klares Weltbild?
- Glaubst du an Gott?
- Gehören Sex und Liebe zusammen?
Man muss die Antworten lesen - sonst wirken die Fragen wieder etwas platt. Und die besten Fragen, so wurde mir vor zwei Woche gesagt, sind immer noch die von Frischs Tagebuch: Fragebogen.