Warum ich kein Internet-Superstar sein möchte – eine Bemerkung zur Funktion von Socialmedia

David Worni erklärt in seinem neuesten Blogpost, wie man »ohne Socialmedia-Burnout« erfolgreich auf Twitter und Facebook aktiv ist: »Unterhaltung mit einem Schuss Mehrwert« – »mehr Erfolg mit weniger Aufwand«. Nun kann man es nicht bestreiten: Worni ist erfolgreich in der Socialmedia-Welt unterwegs. Vor gefühlten Jahren habe ich mich schon einmal kritisch über die Oberflächlichkeit dieses Erfolgs ausgelassen, finde aber die Blogposts nicht mehr in den Untiefen des Internets und möchte auch diese Kritik nicht mehr aufrollen.

Es geht mir vielmehr um die Frage, weshalb man Twitter und Facebook braucht. Meine Grundregel lautet:

Biete deinen Mitlesenden etwas.

Was man ihnen bietet, hängt von den eigenen Interessen und Fähigkeiten ab. Aber man bietet ihnen nichts, indem man die eigene Person in den Mittelpunkt stellt. Die Untersuchung, die feststellt, dass sich Twitter-Benutzer nicht für Tweets interessieren, in denen der persönliche Sandwich-Konsum, Pendelerlebnisse und unangenehme Momente beim Aufstehen dokumentiert werden, überrascht mich nicht. Deshalb würde ich Worni widersprechen, wenn er schreibt:

[Z]eige mal was aus deinem Leben (Foto von dir, deinem Umfeld), man kann sich so besser eine Vorstellung machen, wem man folgt und es stärkt die Beziehung zwischen dir und deinen Followern (es sei denn, die Fotos sind hässlich).

Damit zeigt sich, dass er eine Art persönliche Beziehung zwischen sich und seinen Followern anstrebt. Er will – pointiert gesagt – geliebt werden. Er will ein Superstar sein, auch wenn er mit dem Begriff kokettiert.

Diese Vorstellung stammt für mich aus einer Experimentalphase von Socialmedia, wo man das Gefühl hatte, bei Facebook eine neue Art Freunde zu versammeln, mit denen man dann seine eigene Digitalnativeness abfeiert und sich mit seinen Twitter-Followern zu Tweetups verabredet, wo man Bier trinkt oder Laubsägewettbewerbe abhält. Das Motto: »Wir gehören zusammen, weil wir auf Twitter sind.«

Mein Motto: »Ich will das lesen, was andere schreiben und verlinken – nicht weil sie spannende Personen sind, sondern weil die Texte lesenswert sind.« Twitter ist meine Zeitung, nicht mein Turnverein.

Nun ist klar: Worni kann sein Ding machen und ich meines. Das Konzept der Filtersouveränität bedeutet, dass jeder diese Inhalte bereitstellen kann, die er will – andere filtern dann so, wie sie wollen. Und ich habe auch auf Twitter und Facebook Menschen getroffen, mit denen ich persönlich bekannt sein möchte, die mich als Personen interessieren. Aber ich betrachte mich dann als erfolgreich, wenn Leute mit meinen Inhalten etwas anfangen können, wenn sich Informationen verbreiten, sich Wissen entwickelt. Sie können gerne auch einfach mitlesen, ohne dass ich jemanden als Schmarotzer bezeichnen würde. Meine Ferienfotos zeige ich meinen Freunden und meiner Familie.

Wenn Worni mit der Regel schließt »befolge nie irgendwelche Regeln, die du scheisse findest«, dann würde ich leicht modifiziert sagen:

Befolge nie irgendwelche Regeln, ohne sie ab und zu zu verletzen.

So hats mal in den Flumserbergen ausgehen, als ich da war.

Twitter, nicht Facebook: Social Media privat und beruflich nutzen

Es gibt eine Reihe von Berufen, in denen man viel mit Kundinnen, Patienten, Mandantinnen, Schülerinnen und Studierenden zu tun hat. Social Media bieten sich an, um  niederschwellige Kommunikationsmöglichkeiten zu bieten.

Selbstverständlich kann man in seiner beruflichen Rolle darauf verzichten, im Netz präsent zu sein: Eine Email-Adresse anbieten und damit hat sichs. Ich will nicht für Social Media Werbung machen. Für viele handelt es sich um einen vergnüglichen Zeitvertrieb, viele finden es stressig, so regelmäßig und intensiv zu kommunizieren – und andere unerlässlich.

Aber ich möchte für den vermehrten Einsatz von Twitter plädieren. Twitter hat gegenüber Facebook zwei entscheidende Vorteile:

  1. Erstellt man ein öffentliches Twitter-Profil, dann können die Nachrichten, die man verschickt, auf dem Netz eingesehen werden. Gerade im beruflichen Umfeld heißt das, dass es keine private oder halb-private Kommunikation gibt – ein massiver Vorteil, wie ich finde. [Bei Twitter gibt es die Möglichkeit privater Nachrichten zwar auch, ich nutze die aber nur zum Verschicken von Telefonnummern o.Ä.].
  2. Dadurch muss man auch nicht befreundet sein. Wenn jemand lesen will, was ich schreibe, kann er oder sie das jederzeit anonym hier einsehen. Ich werde es nicht erfahren. Anders bei Facebook: Dort braucht es in den meisten Fällen Freundschaftsanfragen oder Abos, von denen die Publizierenden immer erfahren.

Diese zwei Vorteile sind mit einem massiven Nachteil verbunden: Man darf sich keine Fehler erlauben, gerade weil die Nachrichten öffentlich sind. Ein sinnvolles, halb-privates und halb-berufliches Twitterprofil weist auf interessante Texte hin, enthält Meinungen, zu denen man öffentlich stehen kann, unterhält und vermittelt möglicherweise ein paar Eindrücke aus dem Leben der twitternden Person – aber wiederum: Nur solche, von denen alle wissen können und sollen.

Diese Botschaften können aber alle gelesen und sogar in einer Zeitung zitiert werden, wie ich finde. Dazu hat sich eine interessante Diskussion zwischen Journalisten ergeben, die man hier nachlesen kann.

Timeline in Facebook – so aktiviert man sie und das gibt es zu beachten

Mein Facebook-Profil sieht seit zwei Tagen recht anders aus – ganz hübsch, wie ich finde:

Das Feature nennt sich Timeline und kann hier aktiviert werden.

Grundsätzlich ändert dieses Profil nichts an zwei grundlegenden Tatsachen:

  1. Facebook weiß sehr viel über uns, selbst wenn wir kein Facebook-Profil haben (»man kann nicht nicht bei Facebook sein«).
  2. Man sollte nur das auf Facebook posten, was alle Menschen dieser Welt sehen dürfen und sollen. Ansonsten geht man ein Risiko ein.

Die Timeline-Darstellung enthält aber ein weiteres Problem: Meine Vergangenheit war früher nur über das Scrollen auf dem Wall sichtbar. Um bei einer Person zwei Jahre zurückzublättern, musste man sich längere Zeit durchs Profil klicken, eigentlich war die Vergangenheit Vergangenheit. Mit Timeline wird die Vergangenheit sofort verfügbar, man kann also die peinlichen Lieblingsvideos von anno dazumal sofort wieder ansehen. Daran sollte man denken. Hier also eine Reihe von Tipps:

  1. Man kann sein FB-Profil als eine andere Person ansehen bzw. sehen, wie es für die Öffentlichkeit aussieht, nämlich so:
  2. Man kann einzelne Posts (z.B. Bilder) mit dem Stern oben rechts so hervorheben, dass sie beide Spalten füllen. Das sieht dann so aus:
  3. Man kann bei jedem Eintrag (auch in der Vergangenheit) festlegen, ober er
    a) in der Timeline erscheinen soll
    b) für wen er sichtbar ist
    c) ob er gefeatured wird oder nicht (man kann also breite Bilder auch wieder schmal machen).

Weitere Hinweise finden sich in diesem lesenswerten Post (englisch).

Edit (17. Dezember, 21.30): Und noch eine tolle Möglichkeit, sein Profil zu verschönern, sind diese Beziehungen, die man sich kaufen kann. Jemand tut dann also eine Weile so, als sei er oder sie der Freund oder die Freundin der Käuferin oder des Käufers.

Wozu wir Social Media brauchen

Die Diskussionen um die Frage, welches soziale Netzwerk sich durchsetzen wird, hat etwas ungeheuer Ermüdendes (wie auch Guy Kawasaki, von dem die Grafik stammt, festgehalten hat): Man übertrifft sich in Mutmassungen, entwickelt Zusammenhänge, blickt auf die Vergangenheit zurück – und diskutiert etwas, was letztlich niemand wissen kann und worüber zu diskutieren sich meist nur dann lohnt, wenn man damit Geld verdient. Ich nehme mich nicht aus – auch ich habe my fair share von Spekulationen abgeliefert.

Letztlich kann man sich darauf besinnen, wofür man Social Media eigentlich braucht – um zu sehen, dass man immer wieder andere Dienste einsetzen wird, um diese Funktionen auszuüben. Letztlich wird es auch immer wieder Tendenzen geben, diese Funktionen zu bündeln oder neu zu definieren. Viel ändern dürfte sich daran aber wohl nicht – seit Briefe geschrieben werden, gibt es wohl diese sechs Funktionen. Seit sie hauptsächlich in die digitale Sphäre verlagert worden sind, ändern sich die Dienste schneller, welche man benötigt. Aber etwas wirklich Neues entsteht nicht – auch wenn man Begriffe benutzt, welche klingen, als gäbe es immer wieder etwas Neues.

  1. Wir wollen mit den uns nahe Stehenden kommunizieren.
  2. Wir wollen mit Menschen in Kontakt kommen, von denen wir etwas benötigen.
  3. Wir informieren uns über Geschehnisse in der Welt.
  4. Wir lassen uns unterhalten und unterhalten andere.
  5. Wir wollen Aufmerksamkeit erregen und Aufmerksamkeit verteilen.
  6. Wir wollen zeigen, dass wir dazugehören und Medien- bzw. Technikkompetenz beweisen.

Wenn wir nun zum Schluss doch noch Google Plus als Beispiel nehmen, dann tritt man dort einmal als early adopter bei, um Funktion 6 zu erfüllen: Ich bin dabei. Und nun? – Die Frage ist, ob eine der anderen Funktionen anschlussfähig ist: Werde ich unterhalten? Bekomme ich Aufmerksamkeit? Kann ich Informationen erhalten? Treffe ich die Leute, von denen ich etwas will? Oder die, die mir etwas bedeuten?

Nun könnte man als technikaffiner Mensch denken, dass Google innerhalb von Wochen erreichen muss, dass all das, was ich sonst mit anderen Dienstleistungen tue, auch in Google Plus möglich ist – sprich: Dass alle meine Kontakte auch bei Google Plus sind. Das halte ich aber für falsch. Google kann durchaus auch über eine andere Funktion Menschen ansprechen. Es wird sich letztlich nicht das durchsetzen, was die early adopter adopted haben: Sondern das, womit man das machen kann, was man machen will.

Auch in den Zeiten des Internets dauert es Jahre, bis sich ein Dienst oder eine Technologie durchsetzt. Wie lange ging es, bis man auch ältere Menschen per Mail erreichen konnte? Wie lange ging es, bis es Standard war, dass Menschen ein Mobiltelefon mit sich tragen? Wie lange wird es noch dauern, bis es Standard ist, dass Menschen das Internet mobil nutzen? Wann werden mehr als 10% aller Menschen wissen, was Twitter ist?

Wahrheit und Fiktion in sozialen Netzwerken

Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass wir Menschen immer das für wahr halten, woran wir glauben (möchten): Manchmal ist es erstaunlich, wie schnell sich Halbwahrheiten oder falsche Behauptungen in sozialen Netzwerken verbreiten.

Ein Beispiel ist die Studie, wonach die Nutzer von Internet Explorer dümmer seien als die anderer Browser, andere sind die Beschreibungen der Vorgänge bei aktuellen Ereignissen wie den Plünderungen in England. Generell kann man sagen, dass soziale Netzwerke Wahrheit und Fiktion vermischen – ja vermischen müssen.

Dafür sehe ich eine Reihe von Gründen:

  1. Aufmerksamkeit ist die Währung in sozialen Netzwerken. Aufmerksamkeit generiert man mit erstaunlichen Botschaften – z.B. mit erfundenen.
  2. Soziale Netzwerke basieren auf der Verbreitung von Information. Oft werden Informationen verbreitet, die nicht ganz gelesen wurden und deren Titel die Mitlesenden interessieren könnte. Falsche und halbwahre Informationen können viral verbreitet werden, ohne dass die Masse an Lesenden bzw. Verbreitenden darauf aufmerksam würde.
  3. Soziale Netzwerke sind schnell und aktuell. Die Zeit reicht nicht aus, durch Recherchen etc. zu verifizieren, ob eine Information stimmt.
  4. Soziale Netzwerke schaffen Kommunikation in Gruppen. Auch wenn sie nicht so angelegt sind – meistens informieren sich Gleichgesinnte bei Gleichgesinnten. Wenn man also als Nicht-Explorer-Nutzende hört, dass Explorer-User dumm sind, dann passt das zur Gruppenmeinung und kann verbreitet werden.
  5. Soziale Netzwerke verbinden User, welche sich damit unterhalten (und dabei vor allem scherzen), mit solchen, welche sich ernsthaft informieren wollen bzw. andere informieren wollen. Die Abgrenzung fällt nicht immer leicht – wo beginnt die Ironie bzw. der Witz und wo hört die faktische Information auf?

Selbstverständlich hat man als Nutzer von Social Media die Möglichkeit, sich diesem Problem zu stellen. Der Guardian schlägt – im Zusammenhang mit den Ereignissen in London – acht Möglichkeiten vor, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Twitter (und mit sozialen Medien generell) ermöglichen (ich danke Konrad Weber für den Hinweis auf diesen Artikel):

  1. Augenzeugenberichte nur dann verbreiten, wenn man selber Augenzeuge gewesen ist.
  2. Informationen, die man aus erster Hand hat (z.B. Beobachtung) so präzise wie möglich formulieren.
  3. Davon ausgehen, dass andere User scherzen könnten.
  4. Was passieren könnte ist nicht dasselbe wie das, was passiert ist.
  5. Wenn man Gerüchte erkennt, soll man sie direkt infrage stellen.
  6. Wenn man auf falsche Informationen trifft, soll man sie korrigieren.
  7. Sich überlegen, woher man weiß, dass etwas wahr ist. Nachfragen, recherchieren.
  8. Usern folgen, denen man vertrauen kann.

Google Plus oder Filtersouveränität: Über Redundanz und Selektion in sozialen Netzwerken

Soziale Netzwerke teste ich meist recht früh – habe aber bisher nur zwei genutzt: Twitter und Facebook. Es gibt viele Sprüche, die das Verhältnis von Twitter und Facebook beschreiben, in meinem Fall vernetze ich mich auf Twitter mit Menschen, die ähnliche Themen interessieren, wie mich – und auf Facebook mit den Menschen, die ich persönlich kenne.

Ich versende aber sowohl auf Twitter als auch auf Facebook primär sachliche Diskussionsbeiträge: Meine Blogposts, Links zu anderen Blogs, interessante Beiträge aus Printmedien, ab und zu eher scherzhafte Beiträge. Bisher habe ich Tweets, die ich auch auf Facebook posten wollte, via Selective Tweets an FB gesendet, weniges (z.B. Bilder) nur auf Facebook gepostet und sehr vieles nur auf Twitter. Meine Blogposts werden automatisch auf Twitter und Facebook veröffentlicht, mein Fragenblog publiziere ich über eine FB-Page auf Facebook.

Neu gibt es auch Google Plus. Ich mag Google Plus: Es ermöglich tief schürfende Diskussionen, fühlt sich besser an als Facebook und lässt sich besser bedienen, es scheint zudem geeignet zu sein, andere Webdienste zu integrieren. Kurz: Ich möchte gern aus Facebook aussteigen und Google Plus benutzen.

Mit dem Chrome-Addon Start G+ ist es mir möglich, einen Post auf G+ sowohl auf Twitter als auch auf Facebook zu veröffentlichen. Das scheint mir sehr effizient zu sein – hat aber den Nachteil, dass Kontakte, die ich sowohl auf allen drei Diensten habe, von mir drei Mal dasselbe zu lesen bekommen. Gregor Lüthy meint dazu:

der filter wäre dann wohl, dass man dich bei FB auf ignorieren stellt und dich bei Twitter “entfolgt”. Also sich einfach für einen Kanal entscheidet. Wenn du alle drei Kanäle weiter bedienen willst, müsstest du entweder je Kanal eigene Inhalte senden, oder sonst denselben Inhalt jeweils dem Kanal anpassen; so wie ein klassisches Medienunternehmen dieselben Inhalte jeweils dem Medium (TV, Radio, Print) anpasst.

Wir wären dann bei Michael Seemanns Konzept der Filtersouveränität:

[D]er Andere kann, weil er in unendlichen Quellen mit perfekt konfigurierbaren Werkzeugen hantiert, keinen Anspruch mehr an den Autor stellen – weder einen moralisch-normativen noch einen thematisch-informationellen. Die Freiheit des Anderen, zu lesen oder nicht zu lesen, was er will, ist die Freiheit des Senders, zu sein, wie er will.

Die Frage wäre, ob es diese Filter bereits gibt. In FB gibt es Filter, mit denen es möglich ist, alles, was ich poste, zu ignorieren – und gleichwohl mit mir befreundet zu sein. Auf Twitter kann ich nur Inhalte von Listen lesen und könnte so Konten, die mich nicht interessieren, in die entsprechende Liste verschieben – oder jemanden gleich ganz entfolgen. Filter gibt es auch auf Google Plus.

Fazit: Auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich nicht doch weiterhin nur partielle Redundanzen schaffe und vieles nur auf einem Kanal veröffentliche, theoretisch sollte es unbedenklich sein, darauf zu vertrauen, dass die Lesenden zu filtern verstehen und ich nicht für sie vorfiltern muss. Oder habe ich etwas übersehen?

Für ein allgemeines Krawattenverbot in der Schweiz

Als Gründer von Facebook-Gruppen trete ich nur bei wirklich wichtigen Anliegen in Erscheinung, so z.B.
Nun aber habe ich zum dritten Mal die mühsamen Schritte durchlaufen, die es braucht, um eine FB-Gruppe zu gründen: Voilà.
Hier die wichtigsten Argumente:
1.
Krawatten sind ein französisch-kroatischer Import und als solches mit der Schweizer Tradition der funktionalen und schlichten Kleidung und unserer Kultur unvereinbar.
2.
Niemand trägt freiwillig Krawatten, vielmehr handelt es sich um eine subtile Form von Zwang durch das Wirtschaftssystem, insbesondere Banken. Schlingen um den Hals sind unbequem und tangieren die Menschenwürde in erheblicher Art und Weise. Man muss den so unterdrückten Männern helfen, ein individuellen Ausdruck durch Kleidung zu finden – Krawatten verhindern das in jeder Form.
3.
Ein Verbot von Krawatten schränkt keinerlei Freiheiten ein, zumal niemand Krawatten für irgendetwas braucht; sie sind generell nutzlos.
4.
Krawatten sind für ihre Träger und für die Öffentlichkeit gefährlich. Man hat schon viel über die Gefährlichkeit von Capes an Anzügen von Superhelden gesprochen, genau so gefährlich sind Krawatten: Wie leicht verfängt sich eine in einer Zugtüre und führt zum Schleiftod ihres Trägers, wie oft wurden unschuldige Menschen unzüchtig von Krawatten berührt.
Mit einem Verbot von Krawatten macht die Schweiz einen wichtigen Schritt in Richtung auf die Besinnung auf die eigene Kultur und Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen in der Schweiz.
Für die Idee  sei Andreas Kyriacou Dank ausgesprochen!

Aufgaben – und mal wieder Facebook und Feminismus

Immer wieder werde ich von LeserInnen meines Blogs gefragt, warum ich denn in Foren und in den Kommentarfunktionen mit Leuten diskutiere, die erstens kaum zu einer Diskussion bereit scheinen, weil sie sich eine Meinung gebildet haben, die auch kaum einer Diskussion würdig sei. Ein viel bessere Antwort, als ich sie geben könnte, habe ich heute in einer längeren Rede von Jürgen Habermas gefunden, an deren Ende er schreibt:

Der Intellektuelle soll ungefragt, also ohne Auftrag von irgendeiner Seite, von dem professionellen Wissen, über das er beispielsweise als Philosoph oder Schriftsteller […] verfügt, einen öffentlichen Gebrauch machen. Ohne unparteiisch zu sein, soll er sich im Bewusstsein seiner Fallibilität äussern. Er soll sich auf relevante Themen beschränken, sachliche Informationen und möglichst gute Argumente beisteuern, er soll sich also bemühen, das beklagenswerte diskursive Niveau öffentlicher Auseinandersetzungen zu verbessern. […] Und er darf den Einfluss, den er mit Worten erlangt, nicht als Mittel zum Machterwerb benutzen, also «Einfluss» nicht mit «Macht» verwechseln. In öffentlichen Ämtern hören Intellektuelle auf, Intellektuelle zu sein.
Dass wir an diesen Massstäben meistens scheitern, ist nicht erstaunlich; aber das kann die Massstäbe selbst nicht entwerten. Denn die Intellektuellen, die ihresgleichen so oft bekämpft und totgesagt haben, dürfen sich eines nicht erlauben – zynisch zu sein.

In diesem Sinne drei kurze Bemerkungen:

  1. Facebook und Social Media als Garanten für Meinungsäußerungsfreiheit?
    Durch diesen Artikel in der FAZ am Sonntag bin ich auf die Gedanken von Evgeny Morozov gestossen, der in diesem längeren Gespräch mit Clay Shirky in der FAZ einen kritischen Blick auf den Umgang mit sozialen Medien wie Twitter in autoritären Staaten wirft. Das Gespräch ist sehr differenziert und eine lohnende Lektüre, welche die verbreitete These, die Protestaktionen im Iran hätten von Twitter profitiert oder seien gar darauf zurückzuführen, zumindest hinterfragt, wenn nicht gar widerlegt (und die meisten Leute, welche ich kenne, wissen von Twitter wenig mehr als eben diese These). Hier einige Zitate aus dem Gespräch:
    .»Sollten wir uns nicht auch fragen, ob das Netz die Menschen empfänglicher für nationalistische Botschaften macht? Oder ob es eine gewisse – hedonistisch gefärbte – Ideologie befördern könnte, die die Menschen faktisch mehr denn je von einem sinnvollen politischen Engagement abhält? Verhilft es in autoritären Staaten sogar bestimmten nichtstaatlichen Kräften zur Macht, die nicht unbedingt auf Demokratie und Freiheit hinarbeiten? Dies alles sind schwierige Fragen, die wir nicht beantworten können, wenn wir uns nur darauf konzentrieren, wer während einer Protestwelle einen Machtzuwachs verzeichnet – der Staat oder die Demonstranten.«
    .»Wie Robert Putnam gezeigt hat, schafft Sozialkapital Werte für Menschen innerhalb eines Netzwerks, während es den Menschen außerhalb des Netzwerks Nachteile bringt. Ich glaube nicht, dass Kommunikationsfreiheit automatisch zu prowestlichen Regierungen führt.«
    .»Ich bin ebenfalls nicht sicher, ob Blogger so großartige Symbole für regierungskritische Kampagnen sind. Die gewöhnlichen unpolitischen Menschen, über die wir sprechen, die, die am Ende den Mut aufbringen, auf die Straße zu gehen und die Staatsgewalt herauszufordern: Diese Menschen müssen von Leuten angeführt werden, die bereit sind, mutig für ihre Sache einzutreten, sich zu opfern, ins Gefängnis zu gehen und die nächsten Havels, Sacharows oder Solschenizyns zu werden.«
  2. Facebook und Privatheit.
    Die NZZ bzw. Joachim Güntner greifen in einem längeren Artikel mal wieder das Klischee auf, wonach Facebook einen Bereich der Privatsphäre verletze, der absoluten Schutz genießen müsse, und Menschen mit einem Profil einer diffusen Bedrohung ausgeliefert seien, welche sie einmal (z.B. bei einem Jobwechsel) einholen werde. Güntner fragt dann aber bezeichnenderweise: »wird der Leser Goffmans nicht auch bei Facebook manches interpersonelle Ritual wiederfinden, das der Soziologe beschrieb, als er von der Knüpfung und Belebung sozialer Kontakte handelte? Das Ritual der Bestätigung etwa, mit dem wir eine Äusserung einer Person oder auch eine Änderung in ihrer Lebenssituation quittieren – Glückwünsche, Lob, Neckereien, Beileid, Herstellung von Eintracht im Gespräch über Nichtigkeiten.« Und die Antwort ist natürlich: Ja, er wird. Facebook dient zur Pflege von Kontakten, und genau so wie wir im richtigen Leben Kontakte pflegen, indem wir interagieren und anderen Leute Dinge über uns mitteilen, genau so tut man das auf Facebook. Wer darauf einwenden will, dass die Daten bei Facebook aber für die Ewigkeit gespeichert und sich meiner Kontrolle (Daten entziehen sich eigentlich immer meiner Kontrolle) entziehen, soll einmal 5 Personen seiner Wahl googlen – und sich mal überlegen, wie brisant denn das im Extremfall sein könnte, was man über diese Personen herausfindet.
  3. Feminismus.
    Heute bin ich mal wieder – Sibylle Berg sei Dank – über den dämlichsten Schweizer gestolpert: René Kuhn. Der hat als neuestes Projekt ein Konzept entwickelt, das er »Antifeminismus« nennt. Der Mann denkt dermassen verworren, dass zu seinen Ergüssen nicht viel gesagt werden muss. Beängstigend ist aber sein Verständnis von Feminismus, gegen den er sich wendet: Er versteht Feminismus als eine Bewegung, welche erstens Frauen mit Privilegien ausstatten (und Männer in der Folge diskriminieren) wolle und zweitens Geschlechterrollen einführen wolle, welche unnatürlich seien (weil Frauen nichts wollen als eine Familie und Männer dafür bestimmt sind, zu arbeiten und Politik zu betreiben).
    Diese verquere Definition, die natürlich nicht auf Quellen beruht (Kuhn zitiert einmal de Beauvoir und einmal Schwarzer, aber völlig aus dem Kontext gerissen), ist verbreiteter als man denken könnte. Kaum jemand kann sich heute als Feministin bezeichnen, ohne mitleidig belächelt (weil Frauen dürfen ja schon alles) oder angefeindet zu werden (»die ist einfach verbittert, weil sie keinen Mann gefunden hat«).
    Dazu vielleicht nur zwei Gedanken:
    a) Feminismus heißt, zu erkennen, dass Geschlecht aus einer biologischen und einer sozialen Komponente besteht und Rollen veränderbar sind und aufgelöst werden sollen – dass es generell keine Rolle spielen darf, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist.
    b) Die Schweiz ist – beispielsweise hinsichtlich der Möglichkeit für eine Frau, Karriere und Familie miteinander zu verbinden – in Sachen Gleichberechtigung und Frauenrechte im Vergleich mit den meisten europäischen Staaten extrem rückständig.

Filter- und Redundanzprobleme: Oder die Buzz – Twitter – 4sq – Facebook – Frage

Nun gibt es also noch Buzz, und ich muss kein Konto einrichten, sondern kann mit meinem Gmail-Account gleich loslegen. Gesagt, gebuzzt: Und gleich auch noch Twitter eingebunden.

Nun passierte also das: Ich wurde bei Foursquare Mayor von irgendwas. — Gut, vielleicht ein paar Begriffserklärungen vorweg:

Buzz: Die Möglichkeit von Google, andereren Usern zu kommunizieren, was man grad so denkt, fühlt, liest etc.

Foursquare: Mobile Applikation (z.B. auf iPhone), die per GPS erlaubt an gewissen Orten (die man selbst erstellen kann) »einzuchecken«, d.h. anderen Usern mitzuteilen, dass man gerade dort ist. Warum würde man das tun? Um Beispielsweise Tipps zu diesem Ort abgeben und lesen zu können, oder weil man zu viel Zeit hat, oder weil man grad ein iPhone hat. Wer am meisten einen Ort besucht hat, wir dessen Mayor.

Twitter: Darauf bin ich hier schon mal eingegangen.

Also, zurück zum Beispiel: Ich werde Mayor. Diese Tatsache wird automatisch per Twitter weiterverbreitet, mein Twitterfeed wird automatisch in Buzz eingefügt – und wenn ich will sogar automatisch auch in Facebook.

Wer nun mich also auf Foursquare, Twitter, Facebook und Buzz verfolgt, liest vier Mal dasselbe. Wer nur an einem Ort mein Freund ist, nur einmal.

Wie soll man mit dem Problem umgehen?

Bisher ist mir keine Lösung bekannt. Prominente Social-Media-Experten raten, generelle Verknüpfungen auszuschalten (z.B. Sascha Lobo). Die Frage wäre dann: Wofür brauche ich Twitter – Buzz – Facebook? Warum will ich drei verschiedene Medien brauchen? Wie sortiere ich genau meine Botschaften?

Als das scheint mir noch klärungsbedürftig. Irgendwann werden wir wohl nur noch etwas brauchen: Und ich tippe mal auf Google. Oder wir können wegfiltern, was wir nicht lesen wollen.

#Twitter – Eine Anleitung und eine Bilanz

Es ist der 12. März 2009. Schon lange habe ich von diesem Twitter-Ding gehört, nie genau verstanden, wozu man es brauchen könnte, und nun beginne ich also damit. Wie ich schon mit

  • Hattrick
  • MSN (heute Windows Live)
  • Bloggen
  • RSS-Reader
  • Facebook

begonnen habe: Mal sehen, ob das was taugt. Was also taugt Twitter?

Eine Anleitung

Man braucht:

  1. Einen Account auf Twitter.com, meiner heißt http://twitter.com/kohlenklau, weil ich mich früher schon einmal mit phwampfler angemeldet habe und und und.
  2. Ein mobiles Gerät, auf dem man entweder per Browser oder (besser) per Applikation auf Twitter zugreifen kann, in meinem Fall Tweetie. (Nach Versuchen mit anderen Apps.)
  3. (fakultativ) Auf dem Laptop oder Desktop ein Tool, mit dem man auf Twitter zugreifen kann (damit man im Browser nicht immer ein Fenster offen halten muss); ich benutze nun auch Tweetie, habe aber auch Twitter für Growl installiert, so dass ich alle Tweets angezeigt bekomme (mühsam, mit der Zeit, da der ganze Bildschirm gefüllt wird, wenn man den Computer aufweckt.)

Man macht damit:

  1. Man schreibt Tweets, d.h. Meldungen mit einer Länge von 140 Zeichen. Man kann sie sich als eine Art öffentliche SMS vorstellen, obwohl man auch private Nachrichten verschicken kann. Optional kann man vom mobilen Gerät aus Geotags anhängen, d.h. Koordinaten des momentanen Aufenthaltsortes, Bilder und sogar Videos. Der ganze Dienst wird auch Microblogging genannt, die Tweets werden verstanden als Blogposts im kleinen Umfang. Zusätzlich kann man eine Art Indexsystem benutzen, indem man Begriffe mit einem Hashtag kennzeichnet, wie #twitter im Titel dieses Posts. Üblich sind Links auf größere Texte, z.B. Blogposts, welche mit Mikrolinks verlinkt werden (z.B. TinyURL oder bit.ly) – um Zeichen zu sparen. Zum Inhalt der Tweets weiter unten.
  2. Die Tweets werden von Followers gelesen, also von Leuten, welche meine Tweets abonniert haben und sie angezeigt bekommen. Man kann sich direkt an einen Follower richten, indem man ihn mit @dougthehead in den Tweet aufnimmt.
  3. Man selber ist natürlich auch Follower und abonniert so die Tweets anderer Twitternden. (Falls man sich fragt, was twittern eigentlich heißen soll: Zwitschern. Deshalb tauchen auch Comicvögel häufig auf.)  Diese Tweets liest man dann; verbreitet sie weiter, indem man sie re-tweetet (Syntax: »RT @kohlenklau …« wobei … für den Inhalt des Originaltweets steht) oder antwortet mit @kohlenklau darauf.

Philippe Wampfler (kohlenklau) on Twitter

Und was bringt das?

Welche Funktionen hat Twittern bzw. das Lesen von Tweets?

  1. Unterhaltung und Öffentlichkeit. Man twittert Witze, Kuriositäten und Beobachtungen aus dem Alltag, demonstriert seine Medienkompetenz, bleibt im Gespräch. Gleichzeitig veröffentlicht man viele (harmlose) Aspekte seines Privatlebens, genau so, wie man das mit einer Facebook-Statusmeldung tut (man kann natürlich Tweets auch automatisch als FB-Statusmeldung anzeigen lassen, m.E. am besten mit Selective  Twitter Status).
  2. Publizieren von Informationen. Als Blogger twittert man jeden neuen Blogeintrag (auch hier gibt es Tools, WordPress kann das automatisch, zuvor habe ich Twitterfeed benutzt).  Zeitungen twittern ihre Meldungen mit Links zu den Artikeln (z.B. twitter.com/nzz), aber auch Homepages, Firmen etc. benutzen Twitter als Social-Media-Anbindung, über die Kunden und Interessierte informiert werden. Als Leser kann man also so den RSS-Reader eigentlich ersetzen.
  3. (Zielgerichtete Kommunikation). Die Klammern deuten an, dass diese Funktion eingeschränkt genutzt wird und funktioniert. Beispielsweise hat twitter.com/phogenkamp schon per Twitter jemanden gesucht, der zu einer bestimmten Zeit vom Stauffacher zum Bahnhof fährt – und auch gefunden. Man könnte so eine Art ortsgebundene Kommunikation ermöglichen, man kann auch nach Tweets aus einer bestimmten Region suchen und sich die auf einer Karte anzeigen lassen. Andererseits könnte man eine Art SMS an mehrere Menschen versenden, z.B. eine Einladung.

Offene Fragen

Ob sich der Aufwand lohnt, wage ich im Moment zu bezweifeln. Wenn man Vergnügen an derlei Dingen hat, sich ab und zu von Tweets ablenken lassen will – dann schon. Sonst kaum. Folgende Fragen sind für mich noch offen:

  1. Wie schafft man es, den richtigen Twittern zu followen – und wie tut man das? Twitter hat Listen eingeführt, mit denen man mehr Leute finden sollte, die interessante Tweets posten. Aber schon nur das Followen von 50 Twittern wird enorm zeitraubend und unübersichtlich – wenn man denn alle Tweets liest. Andererseits: Was bringt das Lesen, wenn man es selektiv tut? Wie oft aber soll man es tun? Etc.
  2. Filterfunktionen. Twitter müsste Informationen filtern lassen, so dass man nur liest, was man lesen will (ähnlich wie Facebook das tut). Unklar ist, ob das technisch möglich ist?
  3. Wie twittert man richtig? Was interessiert die Follower? Soll man – wie twitter.com/thomashutter – redundant twittern und Tweets wiederholen, oder nicht? Soll man sich eine Linie zulegen und seriös twittern, oder indiskret (wie twitter.com/promiskuitaet) oder nur privat, oder alles mischen?

Und ein Tipp

http://twitter.com/SibylleBerg - Sibylle Berg mag ich ohnehin, aber sie twittert auch sensationell. Und hier noch ein toller Text von ihr: