Abschluss der Burkaverbotswoche: Odds and Ends

So, vorerst sei einmal genug über eine Verbotsidee gesagt. Verwiesen sei allerdings noch auf:

  1. die exzellenten Artikel von Jonas Schaible zur rechtlichen Willkür, die Justizministerin Widmer-Schlumpf anstrebt, einerseits und zur (fehlenden) Logik hinter den Verbotsargumenten andererseits
  2. den von Schaible verlinkten Post von Felix Neumann zur »Burka der anderen«, aus dem ich eine Perle zitieren möchte:

    Eine sehr koloniale Vorstellung: Der Buschneger soll seine Blöße bedecken, die Frau vom Muselman ihr Haar entblößen.

  3. auf die Zensur auf Alexander Müllers Seite Daily Talk, zu deren heuchlerischem und falschen Beitrag ich gerne einen Kommentar hinterlassen hätte - der allerdings zwei Mal nicht freigegeben worden ist (vielleicht liegt es daran, dass Müller selbst Krawatten trägt oder an dem Gewicht, das er einer »liberalen Grundhaltung« und der »freien Meinungsäußerung« zugesteht):

[Zur Erläuterung: Das Argument »ich will in 'unserem' Land x nicht sehen, also unterstütze ich ein Verbot von x« stammt von Müller selbst und wurde von mir einfach adaptiert. Es ist so schlicht und brauchbar.]

Für ein allgemeines Krawattenverbot in der Schweiz

Als Gründer von Facebook-Gruppen trete ich nur bei wirklich wichtigen Anliegen in Erscheinung, so z.B.
Nun aber habe ich zum dritten Mal die mühsamen Schritte durchlaufen, die es braucht, um eine FB-Gruppe zu gründen: Voilà.
Hier die wichtigsten Argumente:
1.
Krawatten sind ein französisch-kroatischer Import und als solches mit der Schweizer Tradition der funktionalen und schlichten Kleidung und unserer Kultur unvereinbar.
2.
Niemand trägt freiwillig Krawatten, vielmehr handelt es sich um eine subtile Form von Zwang durch das Wirtschaftssystem, insbesondere Banken. Schlingen um den Hals sind unbequem und tangieren die Menschenwürde in erheblicher Art und Weise. Man muss den so unterdrückten Männern helfen, ein individuellen Ausdruck durch Kleidung zu finden - Krawatten verhindern das in jeder Form.
3.
Ein Verbot von Krawatten schränkt keinerlei Freiheiten ein, zumal niemand Krawatten für irgendetwas braucht; sie sind generell nutzlos.
4.
Krawatten sind für ihre Träger und für die Öffentlichkeit gefährlich. Man hat schon viel über die Gefährlichkeit von Capes an Anzügen von Superhelden gesprochen, genau so gefährlich sind Krawatten: Wie leicht verfängt sich eine in einer Zugtüre und führt zum Schleiftod ihres Trägers, wie oft wurden unschuldige Menschen unzüchtig von Krawatten berührt.
Mit einem Verbot von Krawatten macht die Schweiz einen wichtigen Schritt in Richtung auf die Besinnung auf die eigene Kultur und Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen in der Schweiz.
Für die Idee sei Andreas Kyriacou Dank ausgesprochen!

Die Freiheit, die wer meint? - über links und rechts oder über rasierte Beine und Burkas

Es gibt zwei gängige Vorurteile gegenüber »Linken« (die generell in einer Art Ideologiehaft genommen werden: »Weil du x findest, bist du konsequenterweise ein Linker, und es gibt einen anderen Linken, der findet y, also findest du auch y, und y geht ja wohl gar nicht…«):

  • sie wollen deshalb einen starken resp. großen Staat, weil sie damit dessen BürgerInnen bevormunden wollen
  • dies ist Teil ihrer generellen Strategie, alles besser als andere zu wissen, und ihnen, also den anderen - ergo - vorschreiben zu wollen, was für sie das beste ist

Dadurch, so die Konsequenz dieser Kritik an »Linken«, sind sie bereit, die Freiheit der BürgerInnen beliebig einzuschränken (je nach Niveau der Diskussion folgt dann der Hinweis auf den Gulag o.Ä.).

Beliebte Beispiele sind dabei das Rauchverbot in Restaurant (mit dem Argument, das Restaurant gehöre schließlich dem Wirt und er dürfe also bestimmen, was er mit seinem Eigentum tun darf, also es beispielsweise berauchen zu lassen) sowie das Verbot von herkömmlichen Glühbirnen (das Argument kann leicht abgewandelt übernommen werden, hier eine gar poetische Eloge auf die Glühbirne aus der NZZ). Dabei, so dann der letzte Vorwurf an die Linke, werden wissenschaftliche Studien herangezogen, die per se zweifelhaft sind, weil

  • Intellektuelle, insbesondere linke Intellektuelle, sagen, was sie sagen, nur deshalb, weil ihnen, das, was sie sagen, etwas nützt - kurz: Intellektuelle, die nicht rechte Haltungen vertreten, sind generell unglaubwürdig und korrupt.

Die sich so gegen eine Linke abgrenzende Rechte hingegen kann leicht zu einem Blick in den Spiegel aufgefordert werden: Zwar möchten sie gerne weiterhin energieineffiziente Glühbirnen brennen lassen und in Restaurants rauchen und sehen in entsprechenden Verboten eine Bedrohung ihrer Freiheit, haben aber ihrerseits kein Problem, Ausländern die Einreise, den Aufenthalt, die Arbeitsgenehmigung oder das Stimm- und Wahlrecht zu verweigern (ohne allerdings ihrerseits entsprechende Verbote in anderen Ländern zu akzeptieren), stimmen gerne mal gegen Parallelimporte und sind auch nicht bereit, den Bauern die Freiheit zu gewähren, den Milchpreis unabhängig vom Staat festzulegen - oder den Konsumenten.

Darüber hinaus haben dann sich selber freiheitlich nennende Kreise kein Problem, Bekleidungs- und Turmverbote zu unterstützen, Leute präventiv oder unwiderruflich einzusperren, den Konsum von Alkohol, den Aufenthalt im Freien und vieles mehr zu verbieten - mit Argumenten, die denen von Bundesrätin Widmer-Schlumpf gleichen:

Die Freiheit einer Burka-Trägerin hört dort auf, wo sich andere dadurch bedrängt oder verunsichert fühlen. [Quelle: Tagi]

Wer auch immer sich durch »andere« bedrängt, verunsichert, bedroht, irritiert fühlt, scheint so einen guten Grund zu haben, die Freiheit dieser Leute radikal einzuschränken.

Es bleiben deshalb im Grunde zwei Gruppierungen übrig, welche einen unbedingten Begriff von Freiheit vertreten: Eine tendenziell anarchistische, welche insbesondere auch die Freiheit fordert, ein Risiko eingehen zu dürfen und können, Lebensräume zu haben, in denen Leben ab- und jenseits von Regeln möglich ist - und eine libertäre, für die Freiheit bedeutet, unbeschränkt über sein Eigentum verfügen und wirtschaftlich aktiv sein zu dürfen. Beide dieser Gruppierungen sind extreme.

Zu wünschen wäre, das Thema gäbe auch für die Mainstream-Politik zu reden - und zwar im Sinne einer positiven Freiheit, bei der nur deshalb über ihre Begrenzungen gesprochen wird, um diese Begrenzungen einzureissen; nicht aber, um diese Begrenzungen zum Anlass zu nehmen, alles Störende und Provozierende an der Freiheit der Menschen - und damit diese Freiheit selbst - eliminieren zu wollen.

Wer auch immer nach Verboten verlangt und gewillt ist, die Freiheit einer bestimmten Gruppe zu beschneiden, sollte sich sehr gut überlegen, ob er bzw. sie auch bereit wäre, sich die eigene Freiheit in ähnlicher Art und Weise beschneiden zu lassen. Wer also die Burka verbieten möchte, könnte sich fragen: Würde ich auch rasierte Beine verbieten wollen? Make-Up? Schuhe mit Absatz?

Und um die Klammer zu schließen, welche am Anfang geöffnet worden ist: Der Vorwurf an die Linke, eine Diktatur ihrer Meinung anzustreben, ist gerade deshalb lächerlich, weil a) jede Diskussion aus dem Austausch von Argumenten besteht, bei denen ein Gesprächspartner jeweils der Ansicht ist, seine seien die besseren, ob links oder recht und weil b) egal welche Meinung die Linke vertreten mag, diese nur dann zu einer verbindlichen Regelung führt, wenn die entsprechenden, demokratisch legitimierten politischen Organe diese Meinung mittragen. Ein weiteres Beispiel, wie manipulativ die populistische Rechte mit dem Konzept der »Demokratie« umgeht.

Burka-Verbot: Ein Argumentarium

Fellow-Blogger Flo hat einen erhellenden Blogpost zum Thema verfasst und darin ein Argumentarium gegen ein Verbot von Burkas in der Schweiz entwickelt, das ich zusammenfassen und ergänzen möchte (Flos Post enthält aber Pointen, die unbedingt im Original gelesen werden sollen und hier nicht abgedruckt werden):

  • systematisches Argument: Spezialrecht (e.g. Minarette, Burkas) gehört nicht in die Bundesverfassung
  • populistisches Argument: es wird Politik auf Kosten extremster Minderheiten betrieben, mit denen man keine WählerInnen verärgern kann, die aber keinerlei Nutzen für diese WählerInnen generiert
  • Ressourcenargument: das politische System setzt seine Ressourcen für Anliegen ein, die keine Probleme lösen, und belastet dadurch sich selber und den Verwaltungsapparat (der, so monieren die gleichen Kreise, ineffizient arbeite), vgl. dazu auch meine Stellungnahme auf Politnetz
  • Freiheitsargument: [nicht von Flo, von mir, siehe unten] Freiheit kann nur entstehen, wenn Freiheiten gewährt werden und wenn man eine Kultur der Freiheit entwickelt; nicht aber durch Verbote irgendwelcher Art (zudem geht es ja offenbar auch darum, möglichst gute Personenkontrollen und Videoüberwachungen durchzuführen, also generell nicht um Freiheit, sondern Kontrolle und Disziplinierung); selbstverständlich auch im Kontext von Religionsfreiheit.

Das Argumentarium kann gerne erweitert werden.

Zusatz am 6. Mai: Diesen exzellente Kommentar von Niklaus Nuspliger aus NZZ will nicht niemandem vorenthalten.

Burka-Verbot: Danke, Aargau, auch für dieses relevante Thema

Man könnte die Schweizer Demokraten schon vergessen haben: Alle ihre Qualitäten und Tugenden wurden von der SVP aufgenommen und weiterentwickelt. Aber es gibt Lebenszeichen: René Kunz, Schweizerdemokrat aus Reinach, Aargau, schaffte es, dass folgender Direktbeschluss heute im Grossen Rat in Aarau gefasst worden ist:

0513 Antrag auf Direktbeschluss René Kunz, SD, Reinach, betreffend Einreichung einer Standesinitiative für ein nationales Burka-Verbot im öffentlichen Raum; Einreichung und schriftliche Begründung

Von René Kunz, SD, Reinach, wird folgender Antrag auf Direktbeschluss eingereicht:

Text:
Der Grosse Rat möge in einer Standesinitiative die Bundesversammlung einladen, ein nationales Burka-Verbot im öffentlichen Raum zu beschliessen.

Begründung:
Die Ganzkörperverschleierung der Frau hat keine religiöse Bedeutung, sondern ist ein äusserliches Zeichen, welches die Herabsetzung, Diskriminierung und den Identitätsverlust der Betroffenen beinhaltet. Einer total verschleierten Frau werden somit gar in unserer freiheitlich demokratischen Welt die elementarsten Freiheitsrechte vorenthalten. Diese Frau hat nicht einmal ein „Gesicht“. Sie lebt in einem „Gefängnis“, in welches sie meist hineingeboren wurde. In diesem Kontext kann davon ausgegangen werden, dass das Tragen einer Burka auch als Machtsymbol, d.h. die Dominanz des Mannes über die Frau angesehen werden muss.

Wenn die Ganzkörperverhüllung als Mittel der Unterdrückung der Frau angewandt wird, geraten die von der schweizerischen „Charta für die Rechte der Frauen“ geforderten Frauenrechte in Gefahr. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau und somit auch entsprechende Menschenrechte dürfen jedoch nicht einer dogmatischen Ideologie wegen geopfert werden.

Verhüllte Frauen im öffentlichen Raum lassen sich mit unseren hiesigen Traditionen und Wertvorstellungen nicht vereinbaren. Die Problematik einer Ganzkörperverhüllung zeigt sich auch in einer modernen Gesellschaft ganz krass. Wie sollen z.B. polizeiliche Personenkontrollen im Strassenverkehr oder an der Landesgrenze durchgeführt werden? Kann eine verhüllte Frau im Verkaufs- oder Beratungsbereich beruflich tätig sein? Auf mögliche Gefahren, welche von verhüllten Personen ausgehen könnten – die Behörden wissen ja nicht einmal, wer in diesen Kleidern steckt – möchte ich hier nicht genauer eingehen. Da hilft auch eine Überwachungskamera im öffentlichen Raum nichts mehr!

Durch ein nationales Burka-Verbot werden weder die Religionsfreiheit noch das Diskriminierungsverbot verletzt. Somit bleibt auch die Ausübung einer jeden anerkannten Religionspraktik – ohne Ganzkörperverschleierung – gewährleistet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sogar der „Verein von Ex-Muslimen“ ein Verbot des Ganzkörperschleiers unterstützt!

Hinweis: Bekanntlich gilt seit Dezember 2009 in Grenchen ein Burka-Verbot, wo komplett verhüllte Personen von den Behörden nicht mehr bedient werden.

Grundsätzlich interessiert mich, wer die 33 vernünftigen Grossräte im Aargau gewesen sind, die sich den 89 unvernünftigen entgegengestellt haben. Da diese Information aber noch nicht verfügbar ist, möchte ich ein paar Punkte der Begründung herauspflücken und zu Bedenken geben:

  • Warum überlasst man »in unserer freiheitlichen demokratischen Welt« nicht den Frauen selbst, wie sie sich anziehen möchten - und gesteht ihnen auch die Freiheit zu, sich warum auch immer zu verhüllen?
  • Woher weiss René Kunz aus Reinach, ob die Burka eine religiöse Bedeutung - und welche, allenfalls - hat?
  • Hilft ein Verbot bei der Bekleidung, Frauen der Selbstbestimmung zuzuführen?
  • Wissen die Behörden (und sollen sie das?) bei allen Menschen, »wer in diesen Kleidern steckt«?
  • Finde nur ich diesen Satz ironisch? »Somit bleibt auch die Ausübung einer jeden anerkannten Religionspraktik – ohne Ganzkörperverschleierung – gewährleistet.«
  • Sollte man allenfalls auch Alkoholkonsum in der Schweiz komplett verbieten, weil gewisse Religionen ihre Anhänger resp. ihre Amtsträge dazu zwingen, Alkohol zu trinken - und sollte man dann sagen, damit sei die Religionsfreiheit nicht tangiert, weil »die Ausübung einer jeden anerkannten Religionspraktik - ohne Alkoholkonsum - gewährleistet« sei? Und dann auch noch das Tragen von Kreuzen, das Wachsenlassen von Bärten etc.?
  • Und was ist genau daran bemerkenswert, dass ein Verein der »Ex-Muslime« ein solches Verbot unterstützt? Wie geil finden die »Ex-Katholiken« eigentlich den Papst?

Grundsätzlich stört mich, dass sich erstens hier Leute heuchlerisch für Frauen einsetzen, welche sonst gegen Frauenrechte an allen Fronten kämpfen, und dass zweitens mit Verboten eine Form von Freiheit erreicht werden soll, welche man durch diese Verbote gerade verhindert, und dass drittens Muslime wöchentlich als Sündenböcke für ein diffuses Gefühl von Bedrohung hinhalten müssen - ohne dass es dafür gute Gründe gibt.

1112 Game for iPhone - Episode 2 Walkthrough

For my walkthrough for Episode 1 I keep getting a lot of hits.

I was actually working on a walkthrough for Episode 2, when I found this complete walkthrough by Flakessp - I think I won’t need to write another one.

Here are a few general hints:

  • the scenes and possible interaction will change in the course of the game - you will find objects later on that weren’t there in the beginning
  • always click on green words and use them as conversation topics
  • you can die - that means the game can be over, that is, however, not a reason to worry: you can go back to the scene right before your death and try again
  • generally: everything that can be done once can be done again, so again: no reason to worry

I will gladly answer questions posted in comments.

For regular readers of my blog: 1112 is a unique adventure game for the iPhone. It so far consists of two Episodes, i.e. parts. More information can be found on TouchArcade.

Die Boulevardisierung der Islamophobie

In der Schweiz herrschen ideale Voraussetzungen für islamophobe Hetze: Eine Abstimmung wurde gewonnen, mit der man es den Muslimen einmal so richtig gezeigt hat, und zudem wird ein Schweizer in einem muslimischen Land festgehalten. Jede Art von anti-islamischer Stimmungsmache würde einen fruchtbaren Boden finden, doch allein: So weit man sucht, man findet keine negativen Erscheinungen des Islams. Man beschwört zwar Burkas herauf (»Da, eine Burka!« titelt der Tagi), aber man sieht keine, man rechnet mit Terroranschlägen, nach der Abstimmung sowieso, aber keine Terroristen interessieren sich für die Schweiz, und auch sonst passiert nicht das, womit man beim Islam offenbar ständig rechnen muss: Einführung einer neuen Rechtsordnung, Zwangsverheiratung sämtlicher Frauen, religiöse Diktatur, Tötung aller Ungläubigen und Ähnliches. Passiert einfach nicht. Aber irgendwie wissen doch die sich völlig rational gebenden Islamkritiker, dass da irgendwo eine Art Parallelgesellschaft lauert, dass Zwangsverheiratungen an der Tagesordnung sind und gerade wenn man eben nichts davon mitbekommt, die Gefahr am größten ist.

Was also tun, wenn man die Islamophobie noch etwas anheizen will? Richtig: Ihr ein Gesicht geben, wie das das Boulevard schon seit Urzeiten tut. Man gehe wie folgt vor:

  1. Man suche einen Muslim, der a) etwas durchgeknallt aussieht, b) etwas durchgeknallt ist und c) das Rampenlicht sucht.
  2. Man hieve ihn durch ein islamophobes Hetzblatt (die Weltwoche) ins Rampenlicht, so dass dann staatliche Medien (die Arena) nachziehen und letztlich die Sonntagspresse den Steilpass aufnimmt.
  3. Der Öffentlichkeit ist klar, dass es a) den radikalen Islamismus in der Schweiz gibt, b) Islamist und Muslim Synonyme sind und c) jeder, der an den Koran glaubt, die Menschenrechte mit Füssen tritt und lieber heute als morgen eine Frau steinigt.
  4. Man kann die Story beliebig erweitern und zur Kampagne ausbauen: Eine »Konvertitin« taucht ab und auf, die natürlich einer »Gehirnwäsche« unterzogen worden sein muss (Tagi), weil wer würde schon freiwillig zum Islam konvertieren, zudem lebt sie in »muslimischer Käfighaltung«, wie die Weltwoche weiss.

Dazu kann dann abschließend (das Muster dürfte klar geworden sein: man hat keine relevanten Sachverhalte, also spielt man auf den Mann und die Frau) die Weltwoche zitiert werden, die zu Blancho schreibt:

Wer den Studenten und zweifachen Familienvater ohne Einkommen finanziert, ist unklar.

Was mir daran gefällt, ist, dass ebenso unklar ist, wer den »Journalisten und einfachen Familienvater« Roger Köppel finanziert (und damit auch das Hetzblatt Weltwoche) - und warum das nicht transparent gemacht werden kann, wie hier (NZZ), hier (Tagi) und früher schon (2007) in Blogs (Netzwertig von Ronnie Grob u.a.) nachzulesen war.

Like This!

Meine Page 1998 - Geocities-izer

Meinen Blog gibt es nun doch schon seit fast dreieinhalb Jahren - aber nicht genug lange, um noch im Geocities-Design dahergekommen zu sein. Das soll nachgeholt werden (draufklicken, es gibt auch Ton und alles):

Wer das selber für eine andere Homepage machen möchte: Geocities-izer.

1. Mai - Symptom unserer Zeit

Der »Tag der Arbeit« fällt dieses Jahr auf einen Samstag. »Schade«, werde sich viele ArbeitnehmerInnen denken, »dann habe ich ja gar nicht frei.« Damit ist schon angedeutet, was das Problem mit diesem Tag ist; einige weitere Aspekte sollen hier angedeutet werden:

  1. Bewusstsein für die Bedeutung von Arbeit.
    In der Schweiz (und in vielen anderen Industrieländern) fehlt ein Bewusstsein davon, welche Auswirkungen Arbeit auf unsere Lebensqualität hat. Ein Leben ohne Arbeit ist in den Köpfen der SchweizerInnen ein leeres Leben. Die Möglichkeit, weniger zu arbeiten, ist verbunden mit dem Gefühl einer Entwertung. Anliegen wie Bedingungsloses Grundeinkommen werden allenfalls mit einem müden Lächeln quitiert - für umsetzbar oder gar wünschenswert hält sie kaum jemand.
  2. Kapitalismus überwinden - ein Ungedanke.
    Das neue SP-Parteiprogramm (hier ein lesenswerter Blogpost bei Nichtsistklar dazu) enthält ihn noch einmal: Den Gedanken an die Möglichkeit, der Kapitalismus könnte »überwindbar« sein. Dieser Gedanke ist eigentlich verboten - an Möglichkeiten zu denken, wie denn der Kapitalismus und in welche Richtung überwunden werden könnte (und warum), darf man sich gar nicht erlauben, denn: Sowjetunion, gar nicht geklappt, unzufrieden, DDR, geh doch nach Havanna, wenn’s dir hier nicht passt.
    Dabei dürfte man sich doch einmal fragen, warum wir in einem System leben, in dem:
    a) man alleine dadurch, dass man Geld besitzt, Geld verdient
    b) es Menschen gut geht, wenn es anderen schlecht geht
    c) Menschen pro Jahr so viel verdienen wie 1000 oder 10’000 oder 100’000 andere - die hart arbeiten
  3. Gewalt an der Demo.
    Worüber man hingegen gerne wird diskutieren werden, sind so genannte »linke Chaoten«, welche unschuldigen Coiffeuren die Fensterscheibe zerschlagen, weil sie wohlstandsverwahrlost sind, unser Bildungssystem verweiblicht ist und die Justiz nur kuschelt, anstatt die harte Hand auszufahren. Bequem ist es, mit solchen Scheinwahrheiten darüber hinwegzusehen, dass
    a) Sicherheit zwar wünschenswert ist, ein Mehr an Sicherheit aber immer auf Kosten der Freiheit geht (vgl. Zygmunt Baumann) - und es vielleicht verkraftbar ist, wenn am 1. Mai ein paar Scheiben in Bruch gehen
    b) wir in einem System leben, in dem Widerstand gegen das System nicht möglich ist, weil nichts außerhalb des Systems ist - oder, wenn das zu abstrakt ist: Wie äußern Jugendliche, Secondos und Migranten ein Unbehagen an einem System, in dem nur die Leute etwas zu sagen haben, die das System akzeptieren und tragen? Gewalt kann also auch gelesen werden als Zeichen für eine Ohnmacht, sich zu artikulieren - und daher eine andere Besorgnis erregen als die um den Coiffeur, der eine neue Scheibe braucht.
    c) Medien PolitikerInnen dazu einladen, Ein-Satz-Lösungen zu postulieren, wo es solche nicht geben kann. Wer denkt, man könne sinnvolle Lösungsvorschläge zu juristischen oder pädagogischen Problemen als knappe Maxime raushusten, ist wohl kaum dazu befähigt, sich eine Meinung zu bilden. Genauso wird die Diskussion über Umzug, Fest und Krawalle am ersten Mai eine ziemlich sinnleere sein, die nur darin mündet, dass alle gerne sagen, wie man es besser machen könnte, niemand es aber selber besser machen möchte, sondern gerne anderen dabei zusieht, wie sie scheitern.
  4. Bürgerlich werden…
    …ist leider keine Option, wie auch Constatin Seibt in seinem lesenswerten Artikel bilanzieren muss.

Und hier noch zwei Links zum Thema:

Pedro Lenz’ Partitur (WoZ) und ein Text auf dem Monde Dimplomatique-Archiv vom letzten Jahr: »Ich bin sozial unruhig« von Mathias Greffrath.

Aufgaben - und mal wieder Facebook und Feminismus

Immer wieder werde ich von LeserInnen meines Blogs gefragt, warum ich denn in Foren und in den Kommentarfunktionen mit Leuten diskutiere, die erstens kaum zu einer Diskussion bereit scheinen, weil sie sich eine Meinung gebildet haben, die auch kaum einer Diskussion würdig sei. Ein viel bessere Antwort, als ich sie geben könnte, habe ich heute in einer längeren Rede von Jürgen Habermas gefunden, an deren Ende er schreibt:

Der Intellektuelle soll ungefragt, also ohne Auftrag von irgendeiner Seite, von dem professionellen Wissen, über das er beispielsweise als Philosoph oder Schriftsteller […] verfügt, einen öffentlichen Gebrauch machen. Ohne unparteiisch zu sein, soll er sich im Bewusstsein seiner Fallibilität äussern. Er soll sich auf relevante Themen beschränken, sachliche Informationen und möglichst gute Argumente beisteuern, er soll sich also bemühen, das beklagenswerte diskursive Niveau öffentlicher Auseinandersetzungen zu verbessern. […] Und er darf den Einfluss, den er mit Worten erlangt, nicht als Mittel zum Machterwerb benutzen, also «Einfluss» nicht mit «Macht» verwechseln. In öffentlichen Ämtern hören Intellektuelle auf, Intellektuelle zu sein.
Dass wir an diesen Massstäben meistens scheitern, ist nicht erstaunlich; aber das kann die Massstäbe selbst nicht entwerten. Denn die Intellektuellen, die ihresgleichen so oft bekämpft und totgesagt haben, dürfen sich eines nicht erlauben - zynisch zu sein.

In diesem Sinne drei kurze Bemerkungen:

  1. Facebook und Social Media als Garanten für Meinungsäußerungsfreiheit?
    Durch diesen Artikel in der FAZ am Sonntag bin ich auf die Gedanken von Evgeny Morozov gestossen, der in diesem längeren Gespräch mit Clay Shirky in der FAZ einen kritischen Blick auf den Umgang mit sozialen Medien wie Twitter in autoritären Staaten wirft. Das Gespräch ist sehr differenziert und eine lohnende Lektüre, welche die verbreitete These, die Protestaktionen im Iran hätten von Twitter profitiert oder seien gar darauf zurückzuführen, zumindest hinterfragt, wenn nicht gar widerlegt (und die meisten Leute, welche ich kenne, wissen von Twitter wenig mehr als eben diese These). Hier einige Zitate aus dem Gespräch:
    .»Sollten wir uns nicht auch fragen, ob das Netz die Menschen empfänglicher für nationalistische Botschaften macht? Oder ob es eine gewisse - hedonistisch gefärbte - Ideologie befördern könnte, die die Menschen faktisch mehr denn je von einem sinnvollen politischen Engagement abhält? Verhilft es in autoritären Staaten sogar bestimmten nichtstaatlichen Kräften zur Macht, die nicht unbedingt auf Demokratie und Freiheit hinarbeiten? Dies alles sind schwierige Fragen, die wir nicht beantworten können, wenn wir uns nur darauf konzentrieren, wer während einer Protestwelle einen Machtzuwachs verzeichnet - der Staat oder die Demonstranten.«
    .»Wie Robert Putnam gezeigt hat, schafft Sozialkapital Werte für Menschen innerhalb eines Netzwerks, während es den Menschen außerhalb des Netzwerks Nachteile bringt. Ich glaube nicht, dass Kommunikationsfreiheit automatisch zu prowestlichen Regierungen führt.«
    .»Ich bin ebenfalls nicht sicher, ob Blogger so großartige Symbole für regierungskritische Kampagnen sind. Die gewöhnlichen unpolitischen Menschen, über die wir sprechen, die, die am Ende den Mut aufbringen, auf die Straße zu gehen und die Staatsgewalt herauszufordern: Diese Menschen müssen von Leuten angeführt werden, die bereit sind, mutig für ihre Sache einzutreten, sich zu opfern, ins Gefängnis zu gehen und die nächsten Havels, Sacharows oder Solschenizyns zu werden.«
  2. Facebook und Privatheit.
    Die NZZ bzw. Joachim Güntner greifen in einem längeren Artikel mal wieder das Klischee auf, wonach Facebook einen Bereich der Privatsphäre verletze, der absoluten Schutz genießen müsse, und Menschen mit einem Profil einer diffusen Bedrohung ausgeliefert seien, welche sie einmal (z.B. bei einem Jobwechsel) einholen werde. Güntner fragt dann aber bezeichnenderweise: »wird der Leser Goffmans nicht auch bei Facebook manches interpersonelle Ritual wiederfinden, das der Soziologe beschrieb, als er von der Knüpfung und Belebung sozialer Kontakte handelte? Das Ritual der Bestätigung etwa, mit dem wir eine Äusserung einer Person oder auch eine Änderung in ihrer Lebenssituation quittieren – Glückwünsche, Lob, Neckereien, Beileid, Herstellung von Eintracht im Gespräch über Nichtigkeiten.« Und die Antwort ist natürlich: Ja, er wird. Facebook dient zur Pflege von Kontakten, und genau so wie wir im richtigen Leben Kontakte pflegen, indem wir interagieren und anderen Leute Dinge über uns mitteilen, genau so tut man das auf Facebook. Wer darauf einwenden will, dass die Daten bei Facebook aber für die Ewigkeit gespeichert und sich meiner Kontrolle (Daten entziehen sich eigentlich immer meiner Kontrolle) entziehen, soll einmal 5 Personen seiner Wahl googlen - und sich mal überlegen, wie brisant denn das im Extremfall sein könnte, was man über diese Personen herausfindet.
  3. Feminismus.
    Heute bin ich mal wieder - Sibylle Berg sei Dank - über den dämlichsten Schweizer gestolpert: René Kuhn. Der hat als neuestes Projekt ein Konzept entwickelt, das er »Antifeminismus« nennt. Der Mann denkt dermassen verworren, dass zu seinen Ergüssen nicht viel gesagt werden muss. Beängstigend ist aber sein Verständnis von Feminismus, gegen den er sich wendet: Er versteht Feminismus als eine Bewegung, welche erstens Frauen mit Privilegien ausstatten (und Männer in der Folge diskriminieren) wolle und zweitens Geschlechterrollen einführen wolle, welche unnatürlich seien (weil Frauen nichts wollen als eine Familie und Männer dafür bestimmt sind, zu arbeiten und Politik zu betreiben).
    Diese verquere Definition, die natürlich nicht auf Quellen beruht (Kuhn zitiert einmal de Beauvoir und einmal Schwarzer, aber völlig aus dem Kontext gerissen), ist verbreiteter als man denken könnte. Kaum jemand kann sich heute als Feministin bezeichnen, ohne mitleidig belächelt (weil Frauen dürfen ja schon alles) oder angefeindet zu werden (»die ist einfach verbittert, weil sie keinen Mann gefunden hat«).
    Dazu vielleicht nur zwei Gedanken:
    a) Feminismus heißt, zu erkennen, dass Geschlecht aus einer biologischen und einer sozialen Komponente besteht und Rollen veränderbar sind und aufgelöst werden sollen - dass es generell keine Rolle spielen darf, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist.
    b) Die Schweiz ist - beispielsweise hinsichtlich der Möglichkeit für eine Frau, Karriere und Familie miteinander zu verbinden - in Sachen Gleichberechtigung und Frauenrechte im Vergleich mit den meisten europäischen Staaten extrem rückständig.