Der »Interface-Artist« Johannes P. Osterhoff hat am Anfang dieses Jahres ein bemerkenswertes Projekt gestartet: Er dokumentiert auf einer eigens eingerichteten Website, http://google.johannes-p-osterhoff.com/, alle Suchanfragen, die er dieses Jahr durchführt. Er gelobt Folgendes:
I, Johannes P Osterhoff, shall do a one year performance piece.
The piece is called “Google” and documents all searches I perform with the search engine of the same name.
The performance starts on January 1, 2011 and ends December 31, 2011.
I shall not use undocumented ways to use the search engine Google during this time.
Das ist natürlich ein zeitgemäßes Kunstprojekt (das meine ich ernst) - tatsächlich gibt es diese Daten aber von uns allen.
Da ich meistens Google-Chrome nutze und eigentlich immer bei Google eingeloggt bin, wenn ich etwas suche, kann ich via Google-History (http://www.google.com/history/) meine Suchabfragen alle nachlesen - und mir somit vor Augen führen, welche Daten von mir tatsächlich im Netz hängen bleiben. Eine Übersichtsseite von mir sieht dann so aus (man sieht z.B. sehr schön, zu welchen Zeiten ich jeweils zu googlen beginne…):
Wenn nun diese Suchprotokolle von allen Menschen allen zugänglich wären, lebten wir zumindest teilweise das Postprivacy-Ideal - die Vorstellung, dass die Welt besser wird, wenn es keine Privatsphäre mehr gibt. Das kommentiere ich vorerst mal nicht.
Update: Ich bin nun auch Teil dieser Performance.

Philippe, das übersteigt jetzt schlicht mein Vorstellungsvermögen. Du hast gerade mal 4 Stunden googlefrei pro Tag, und bist häufiger auf mamablog als auf deinem eigenen? Das ist ein krasses Outing:) Postprivacy? Die Suchprotokolle interessieren ja vor allem Werbefirmen und vielleicht die Polizei. - Und wer googelt weiss das. Warum ist dadurch die Welt besser?
(Habe deine Identität ergänzt…)
Ich bin nicht sicher, ob die Statistik klar ist: Ich habe im letzten Jahr in vier Stunden keine Suchanfrage durchgeführt. Also z.B. zwischen zwei und drei Uhr morgens habe ich 2010 Google nie benutzt.
Die einzelnen Suchanfragen (Mamablog) scheinen erstaunlich - dazu muss man aber wohl sagen, dass ich sehr selten die gleichen Suchanfragen mehrmals durchführe und ein Weile lang einige Themen auf dem Mamablog verfolgt habe, weshalb ich auf den mobilen Geräten immer wieder danach gesucht habe…
(Die Frage, ob die Welt ohne Privatsphäre besser wird, überlege ich mir noch eine Weile.)
Und wo sind die unanständigen Suchanfragen. Come on Philippe, ich glaub dir kein Wort…
Darf ich Dich googeln?
Nur zu, gerne!