Warum Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen. Der neue Sexismus.

Im Blog von Sie kam und blieb wird auf das Buch von Natasha Walter, einer der prominentesten britischen Feministinnen, hingewiesen (und auf die Präsentation des Buches am 17. Februar in Bern). Das Buch heißt auf Deutsch Living Dolls. Warum Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen.

Der englische Untertitel heißt: »The return of sexism.« Walters grundlegende These ist, dass der heutige Sexismus durch die Beteiligung der Frauen von einem früheren unterschiedet. Frauen akzeptieren Sexismus (ein Beispiel von Walter ist die Pornographie, welche in den 80er-Jahren auch von Nicht-Feministinnen abgelehnt werden konnte, heute aber eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint) und wählen ihn sogar aktiv.

Die FAZ formuliert das in ihrer Rezension wie folgt:

Was am heutigen Sexismus irritiert und ihn womöglich als solchen unkenntlich macht, ist die Bereitwilligkeit, mit der sich viele Frauen daran beteiligen: Sie hätten ja, heißt es stets, die Wahl. Genau diese Entscheidungsfreiheit bezweifelt Natasha Walter. In Werbung, Filmen, Musik und Medien werde ein ganz bestimmtes Bild der weiblichen Sexualität gefeiert, dem sich junge Frauen nur schwer entziehen könnten – vor allem Frauen aus eher prekären Verhältnissen, denen die Gesellschaft kaum Aufstiegschancen bietet. Es werde ihnen vermittelt, „dass der Weg zur Selbstverwirklichung der Frau unvermeidlicherweise über die Perfektion ihres Körpers führt“.

Im Guardian führt Walter weiter an, dass diese Unvermeidlichkeit das besondere Problem ist – es gibt keine Möglichkeiten für junge Frauen, auszuscheren:

It has become increasingly difficult for young women to opt out of this culture, to take any path other than that which leads inexorably to fake nails, fake tan and, finally, fake breasts. And, if they do, there are ­serious social penalties.

Das Problem ist das Menschenbild, das sich durch das Modeargument der biologischen Determination in den relevanten Gender-Dimension verändert (um nicht zu sagen: zurückgebildet hat):

[Das Problem ist| the objectification of young women, the suggestion that men and women are simply programmed to behave in certain ways, and that inequality is therefore inevitable.

Walter looks at the way that arguments for biological determinism have suddenly multiplied in recent years. She ­delivers a ­convincing critique of the studies that have been used to imply that children are biologically programmed to fit social stereotypes – that boys have a natural love of blue and cars and guns, and that girls have a natural love of pink and prams and dolls.

Dieses Puppenspielen erhält letztlich wieder den Status des »Natürlichen« – und damit, wie de Beauvoir schon 1947 geschrieben hat, werden Frauen zu Puppen, wollen wie Puppen behandelt werden. Walter beschreibt sehr anschaulich, wie diese Natürlichkeit konstruiert wird: Eine Mutter habe ihr geschrieben, ihr Sohn wolle Ballettstunden nehmen. In der Ballettklasse gäbe es aber bisher nur Mädchen, weshalb ihr Sohn »obviously« nicht mitmachen könne. Dieses »obviously« der ersten Mutter wird bei jedem Jungen, der Ballett interessant findet, genau so wiederholt wie bei jedem Mädchen, das kurze Haare haben möchte – und so wird etwas »natürlich«, was es eigentlich nicht wäre.

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