Das Problem der Antifeministen - und Antifeministinnen

Über Michèle Binswanger habe ich mich schon mehrmals ausgelassen - und nehme ihren gestrigen Kommentar zum Widerstand gegen Antifeministen zum Anlass, schnell das Problem dieser Bewegung darzustellen. Binswangers Hauptaussage, dass ein Unterdrücken einer missliebigen Meinung antidemokratisch sei, kann ich dabei unterschreiben: Antifeministen und Antifeministinnen dürfen ausdrücken, was immer sie ausdrücken wollen. Nur gilt es natürlich auch für alle - Zitat Binswanger - »Anti-Antifeministen«: Auch sie dürfen alle Methoden benutzen, um ihre Haltung auszudrücken, alle Methoden, die auch allen anderen Interessensgruppen zur Verfügung stehen.

Das Problem, also ganz knapp, ist der Feminismus als Projektionsfläche. Nicht nur verstehen die Vertreter des Antifeminismus nicht, inwiefern der Feminismus ein Fortschritt gewesen ist (nämlich in der Lösung einer gesellschaftlichen Rolle von einem als natürlich bezeichneten Geschlecht), sondern sie tun auch so, als könnte man diesen Fortschritt rückgängig machen. Nun ist es unmöglich eine gemachte Erkenntnis wieder zu vergessen - und so ist das auch auf einer gesellschaftlichen und kulturellen Ebene.

Binswanger ist, und ich nehme an, darauf bezieht sich auch Bobby California, gesteht auf einer inhaltlichen Ebene der Bewegung ein echtes Anliegen zu:

Die Gleichberechtigung ist stetig vorangeschritten und es ist tatsächlich an der Zeit, dass man sich darüber Gedanken macht, inwiefern Frauen noch benachteiligt werden, oder ob es nicht auch Bereiche gibt, in denen eine Gegenemanzipation der Männer angezeigt wäre. Stichwort tiefere Lebenserwartung und höhere Selbstmordrate bei Männern, die härtere Beurteilung von Männern vor Gericht, ihre Benachteiligung in Familien- und Sorgerechtsfragen, Frauengewalt und Männerdiskriminierung.

Das Problem dabei ist meiner Meinung nach, dass sich eine solche Bewegung nicht als »Gegenemanzipation« verkaufen sollte und sich nicht gegen einen selbst konstruierten Feminismus wenden sollte (selbst in radikalsten Formen hat der Feminismus nicht eine Benachteiligung von Männern gefordert).

Folgendes wäre einer solchen Bewegung zu wünschen:

  1. Einen wachen Blick auf die Realitäten, in denen Frauen heute in vielen Bereichen des Lebens nicht die gleichen Chancen haben wie Männer (beispielsweise lassen sich berufliche Entwicklung und das Mutter-Sein in vielen westeuropäischen Ländern nicht vereinen; man jammert über teure Krippenplätze und sagt sich: »Es lohnt sich ja gar nicht, dass die Mutter noch arbeiten geht.« - anstatt zu sagen: »Es lohnt sich ja gar nicht, dass der Vater 100% arbeitet.«).
  2. Eine Orientierung an den Knackpunkten, die Binswanger anspricht: Sorgerechtsfragen, juristische Benachteiligung, Selbstmordrate, auf einer abstrakteren Ebene: ein negativ geprägtes Männerbild.
  3. Konkrete Vorschläge zum Umgang mit diesen Problem und ihren Ursachen (beispielsweise dem Ideal eines souveränen, unabhängigen, starken Mannes).

Es sind keine einfachen Probleme und es gibt dafür keine einfachen Lösungen - die Orientierung am Feminismus suggeriert fatalerweise aber gerade beides.

P.S.: Ihr Bild auf Newsnetz, Frau Binswanger…