Ws Blog

Beiträge vom März 2010

Die Rollenverteilung in der Gender-Debatte

März 31, 2010 · 11 Kommentare

Grundsätzlich kann man in der Gender-Backlash-Debatte zwei Typen von Agierenden ausmachen, denen ich zur Illustration noch je eine Journalistin bzw. einen Journalisten zuordne:

Typ 1: Michèle Binswanger - die verunsicherte Frau.
Diesen Typ habe ich in meinem letzten Blogpost schon ausgiebig verhandelt: Eigentlich mit den Grundprinzipien des Feminismus vertraut, gebildet - und dann in einer Phase des Lebens angelangt, wo man sich fragt, wie man sich eigentlich von der eigenen Mutter unterscheidet. Oder wie man sich gegenüber denjenigen Kolleginnen verhält, welche dem Mutterdasein eine berufliche Karriere vorziehen. Oder warum einige Dinge früher anders waren, als man noch so richtig jung war.
Und die einfachste Erklärung: Alles ist halt so, weil es so natürlich ist. Frauen sind so, Männer so; und wenn sies nicht sind, dann stimmt etwas nicht oder es würde ihnen besser gehen, sie wären doch so. Und dann kann es einen schampar verwirren, wenn schwule Männer plötzlich behaarte Brust tragen, wo man doch gemeint hat, »der Mann« müsse sich Haare auf der Brust nun auch entfernen.

Typ 2: Alex Baur - der verletzte Mann.
Das Leben dieses Mannes verläuft nicht so, wie es sollte. Entweder lässt der Erfolg bei den Frauen zu wünschen übrig, und dafür werden Gründe gesucht. Oder aber eine Beziehung ging in die Brüche. Oder eine Scheidung resultierte in einem Sorgerecht für die Frau. Und Unterhaltzahlungen. Und dann sucht man nach Gründen für dieses Unrecht, wittert systematisches Unrecht und findet auch eine Ursache: Den Feminismus.
Nun kann ich grundsätzlich nachvollziehen, dass der juristische Umgang mit Männern (v.a. auch in Bezug auf Kinder und Verantwortung) ungerecht sein kann oder sogar ungerecht ist. Die Gründe dafür liegen aber genau bei den Männern, welche sich vor ihrer Verantwortung drücken, sich nicht um Kinder kümmern und so das Bild eines Mannes hinterlassen haben, der am besten zum Zahlen gezwungen wird. Was ich von solchen Bildern halte, dürfte bekannt sein: Aber wenn man nach einer Ursache sucht, dürfte sie hier zu finden sein.
Zynische Artikel wie diese »Anleitung« von Baur sind dann aber letztlich nur idiotisch (als Kontrast hier die differenzierte Behandlung des Themas durch die NZZ). Das Thema »sexueller Missbrauch« ist nicht eines, welches von politischer Korrektheit verformt worden wäre (wie politische Korrektheit an sich nicht eine Verformung der Realität fordert, sondern ein Erkennen dieser Realität; was aber oft unerwünscht sein kann). Zu sagen (ohne einen Beleg), Frauen würden diesbezüglich oft Sachverhalte erfinden, führt zu einem Generalverdacht gegenüber jedem Opfer - und ist von einer Kurzsichtigkeit und einem intellektuellen Versagen geprägt, das seinesgleichen sucht.
Es ist eine triviale Einsicht, dass Gesagtes und Gedachtes nicht zurückgenommen werden kann und falsche Beschuldigungen perfide sind. Diese aber als eine Art Strategie Frauen und Ausländern zuzuschreiben, ist a) falsch und b) rassistisch und sexistisch.

Aber dafür ist der Backlash ja auch da - dass der Typ 2) wieder unverhohlen rassistisch und sexistisch sein darf und sagen kann, er sage nur die Wahrheit, die einfach tabuisiert werde.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Die Genderdebatte - und Das Magazin

März 29, 2010 · 24 Kommentare

Das Magazin des Tagesanzeigers scheint sich dem Thema Gender annehmen zu wollen - wie das der Tagi mit dem unsäglichen Mamablog schon länger tut. Warum unsäglich? Nehmen wir als Beispiel den neuesten Post:

Ja, wir funktionieren anders. Während Frauen sich geliebt fühlen, wenn Männer ihnen zuhören und auf sie eingehen, fühlt sich der Mann geliebt, wenn die Frau Sex mit ihm will und es geniesst. Über Gefühle redet er aber nicht gern. Ja, er legt es in Konfliktsituationen sogar darauf an, sie zu verbergen. Während wir Frauen über Dinge reden und unsere Gefühle zeigen wollen, schaltet der Mann bei auftauchenden Problemen sofort in den Analysemodus.

Solche Aussagen machen die Schreibenden (hier Michèle Binswanger) immer unter dem Vorbehalt, über Klischee bestens Bescheid zu wissen und diese keinesfalls wiederholen zu wollen, und unter der Annahme, sich auf so etwas wie die Realität zu beziehen. Darüber hinaus haben solche Texte den Anspruch, eine Art Vereinfachung für die Geschlechter zu schaffen: Indem der Mann endlich einsieht, dass er zu keiner anderen Liebe fähig ist als zur sexuellen, hört er auf, immer so verkrampft über Gefühle sprechen zu wollen, ohne es zu können - und indem die Frau merkt, dass Gefühle eine Welt ist, in der nur sie sich auskennt, verschont sie den Mann mit den Themen, für welche eine beste Freundin herhalten muss, und ergo: Ihre Beziehung verbessert sich. Solche Texte (und das schwingt immer mit) befreien uns von einem Hardcorefeminismus, der nicht nur realitätsfremd war (weil eben Männer und Frauen doch unterschiedlich sind, unterschiedlich sein müssen), sondern in seinen Forderungen auch letztlich nicht wünschenswert, denn Frauen wollen ja eigentlich nichts anderes als Mütter sein und Männer nichts anderes als Ernährer.

Ganz ähnlich arbeitet Birgit Schmid in ihrem Artikel über den »Mann als Amateur« im Magazin (und dann, eine Woche später, Roten in ihrer Kolumne). Sie konstruiert (wie auch Binswanger) ein Bild von »der Mann«, der, wenn er denn je wieder zu seinem wahren Kern, seinem inneren Mann zurückfindet, so viel besser wäre als Männer, die meinen, sich in die Domäne von Frauen begeben zu müssen und Gespräche führen oder - Gipfel der Peinlichkeit - Kinderwagen stossen. Mit diesen Männern, den richtigen, wahren, echten, mit denen macht auch Sex endlich wieder Spass, für »die Frau«.

Warum ist das eine unreflektierte, ja eigentlich gar dumme Position? Erstens, weil den so Schreibenden klar ist, welche - für alle Betroffenen äußerst negativen - Ausschlussverfahren Normierungen zur Folge haben - und dennoch gerade wieder so eine Norm schaffen. Was ist denn, wenn ich ein Mann bin, der halt nicht so gern in Lagerfeuer uriniert? Bin ich dann weniger wert? Will »die Frau« sich dann weniger auf mich einlassen? Und was ist, wenn ich gar nicht will, dass sich Frauen auf mich einlassen, sondern auf Männer stehe? Bin ich dann auch kein richtiger Mann. Und was ist mit der Frau, die irgendwie auf Männer steht, welche Bücher lesen?

Zweitens werden hier Bilder kreiert, welche mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. In Texten, welche die Differenz zwischen den Geschlechtern betonen, werden immer gewisse Studien zitiert. Dabei wird nicht beachtet, dass diese Studien gerade solche Ergebnisse erzielen, weil sie von Anfang an annehmen, es gäbe eine Geschlechterdifferenz. Zweitens können diese Studien auch nichts darüber aussagen, inwiefern diese Geschlechterdifferenz das Resultat eines sozialen Normierungsprozesses ist (ich merke als Mann irgendwann, dass der normierte Mann halt gern in Lagerfeuer pisst und fange ergo auch damit an, unabhängig von meinen diesbezüglichen Präferenzen).

Und drittens wäre zu fragen, welche Effekte denn solche Texte erzielen. Implizit versuchen sie wohl einen Schaden gutzumachen, welche »uns« der Feminismus zugefügt hat - und »uns« dazu zu verhelfen, ein zufriedeneres Leben zu führen. Dabei wird ein Bild vom Feminismus entworfen, wie es vielleicht in der CDU der 50er-Jahre wahrgenommen worden ist. Die Grundthese des Feminismus lautet: Sowohl soziale wie auch biologische Geschlechterdifferenzen sind das Resultat eines Konstruktionsvorgangs. Graduelle Unterschiede (bezüglich biologischer Ausstattung, Hormone, Eigenschaften) existieren zwischen den Individuen, nicht aber zwischen zwei mit Geschlechter zu bezeichnenden Gruppen von Menschen.

Und das wäre doch die letztlich befreiende Einsicht. Ich pisse gern in Lagerfeuer, weil ich gerne in Lagerfeuer pisse und nicht weil »der Mann« das gerne tut. Und eine Frau rasiert sich dann die Beine, wenn sie das Gefühl von glatten Beinen schätzt oder sonst einen guten Grund dafür findet - nicht aber, weil sie mit unrasierten Beinen nicht einem Bild von einer unbehaarten Frau entspricht (so viel zur »Natürlichkeit« von Geschlechtermerkmalen).

Und dann, wenn man Das Magazin schon seufzend zur Seite legen will, schreibt Daniel Binswanger doch noch etwas Kluges. Über französischen Feminismus. Und über die Frage, ob sich eine Frau über ihre Rolle als Mutter definieren muss oder soll. Und zeigt uns auf, wie so etwas scheinbar »Natürliches« wie Mutterschaft und Stillen enormen historischen Schwankungen unterliegt (immer mit so genannt wissenschaftlichen Erkenntnissen verbunden, notabene) - und so deutlich macht, wie willkürlich so viel von dem ist, was wir gar nicht mehr überdenken. Wie viel möglich wäre. Danke, Daniel Binswanger.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , ,

Opferschutz - und einige Missverständnisse

März 12, 2010 · 3 Kommentare

Folgende Ausgangslage:

a) Kommentare zu »Die Gehilfin« im Magazin: Das Portrait einer Frau, welchem ihrem Mann dabei behilflich war, sich an seinen Kindern zu vergehen. Reaktion (arg gekürzt): Zu milde Bestrafung, Todesstrafe; beides dezidiert aus einer Frauenperspektive.

b) Profilierung von PolitikerInnen wie Natalie Rickli (hier ihre Vorstösse im Nationalrat) über die Forderung nach generell härteren Strafen für Täter, insbesondere Sexualstraftäter, im Sinne von »Opferschutz«.

c) eine neue Studie über den Hintergrund jugendlicher Straftäter, Artikel in der NZZ vom 12. März dieses Jahres: jugendliche Straftäter wachsen in einem belasteten Umfeld auf, sind psychisch angeschlagen und perspektivenlos - und es gibt für sie keine geeigneten Angebote in der Schweiz.

An diese Ausgangslage möchte ich mit einigen prägnanten Aussagen, welche m.E. als Richtigstellung von Missverständnissen dienen können, anschließen (ich werde Strafrecht als Thema nehmen, nicht spezifisch sexuellen Missbrauch und oder Jugendkriminalität):

  1. Die Wirksamkeit von Strafen wird massiv überschätzt.
    Ich würde sogar bezweifeln, ob Strafen überhaupt eine therapeutische Funktion beanspruchen dürfen. Und darüber hinaus behaupten, dass härtere Strafen gegenüber milderen Strafen keinerlei Vorteil bieten im Rahmen einer Therapie. (Dann gibt es selbstverständlich noch einen gesellschaftlichen Aspekt (krude gesagt: auch wenn es dem Täter nichts nützt, wollen wir ihn halt trotzdem bestrafen, die Strafe nützt den Nicht-Tätern), einen Abschreckungseffekt (der äußerst zweifelhaft ist) und einen Time-Out-Effekt (wir wollen den Täter gar nicht therapieren, sondern ihn so lange wie möglich aus der Gesellschaft ausschließen).
  2. Strafen sind kein Opferschutz.
    Kein Opfer profitiert davon, dass ein Täter in irgendeiner Form bestraft wird. Die Überlegung funktioniert nur unter der Annahme, der Täter sei als Mensch ein Täter und werde ohnehin wieder rückfällig. Diese Art von Menschenbild scheint verbreiteter zu sein, als man denkt - und heißt in der Konsequenz: Menschen können sich nicht ändern.
    Grundsätzlich aber könnte man durchaus Massnahmen für den Opferschutz einführen, z.B. die Hemmschwelle senken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (Psychiater, Fachstellen); oder aber die Gleichstellung der Frau vorantreiben. Insbesondere die SVP und Frau Rickli spielen da ein hässliches Spiel: Zwar will man an einem traditionellen Familienmodell festhalten und den Staat aus der Familie ausschließen, gleichzeitig aber scheint Gewalt in der Familie und gegen Frauen ein wichtiges Thema zu sein. Die beiden Aspekte sind verbunden: Nur Frauen, welche selbständig sind, einem Erwerb nachgehen und vernetzt sind, sind in der Lage, sich gegen Missbrauch zu wehren und Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  3. Das milde Strafrechtssystem der Schweiz bewährt sich.
    Ich verweise dafür auf diesen Artikel - und merke an: Die Beurteilung eines Systems kann nicht über Eindrücke, Einzelfälle und die Berichterstattung in Medien erfolgen, sondern bedarf einer Gesamtschau und eines Vergleichs mit anderen Systemen.
  4. Der Fokus ist falsch: Belastete und Perspektivenlose werden straffällig, nicht Ausländer.
    Die Rede von AusländerInnen verstellt den Blick auf das wirkliche Problem: Straffällig werden Menschen, welche in unserem System nicht aufgehoben sind, denen kein Platz angeboten wird oder für die es keinen Platz gibt, welche auch über Gebühr belastet werden. Diese Positionen werden nun überproportional häufig AusländerInnen zugewiesen; es handelt sich aber nicht um eine spezifische Ausländerproblematik, sondern um eine soziale.
  5. Strafrecht ist eine Aufgabe für Profis.
    Weil jede(r) potentiell Opfer (oder TäterIn) werden könnte, denkt man, eine Meinung genüge, um etwas Substantielles zu dieser Diskussion beitragen zu können. Dabei vergisst man, wie ausgeklügelt ein Strafrechtssystem ist, wie viele Vergehen gegeneinander abgewogen werden müssen, wie wichtig Hintergründe sind, welche Ergebnisse die Geschichte des Strafrechts gebracht hat und und und. Man kann nicht einfach aus einem Eindruck oder einem Gefühl eine theoretische Position entwickeln, aus welcher Gesetze entstehen.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Daten stehlen, Daten sammeln, Daten schützen

März 3, 2010 · 4 Kommentare

Dabei stellt der Schutz der Privatheit – beim Arzt, Anwalt, Beichtvater und eben auch Bankier – ein wesentliches Element des Persönlichkeitsschutzes dar. - NZZ, 6. Februar 2010

Das stellt ein nicht gezeichneter Kommentar der NNZ fest, in dem weiter festgehalten wird, die »finanzielle Privatsphäre« sei ein so hohes Gut, dass es nicht ohne Widerstand preisgegeben werden dürfe.

Dem gegenüber steht die Feststellung der WoZ, bzw. ihrer Autoren Andreas Fagetti und Daniel Ryser:

«Bankgeheimnis» zuerst einmal in Anführungszeichen. Weil das, was jetzt fällt, das ist ja kein Bankgeheimnis im Sinne von Datenschutz, kein Steuergeheimnis. Die aktuellen Ereignisse sind kein Schritt in Richtung George Orwells düsterer Überwachungsutopie «1984», auch wenn der «gläserne Bürger» derzeit gerne warnend bemüht wird. Eine Vernebelung: Hier geht es um Rechtsgleichheit, nicht um die Allmacht des Staates. In der Steuererklärung werden die finanziellen Verhältnisse ohnehin offengelegt. Was aber dieser Tage unter Beschuss steht, ist ein Gesetz, das es zum Beispiel sehr reichen Ausländer Innen erlaubt, Geld am eigenen Fiskus vorbeizuschleusen und in der Schweiz zu deponieren. Zum Schaden des eigenen Staates, zur Freude der Schweiz.

»Finanzielle Privatsphäre« kann ja nur so viel heißen: Niemand darf, ohne mein Einverständnis, wissen, wie viel Geld ich besitze. Ist das - und wenn ja, warum - wirklich ein so zentraler Wert wie meine Privatsphäre hinsichtlich meines Körpers, meiner Gesundheit, meiner Sünden?

Zudem: Ist das wirklich ein Prinzip, das existiert? Für jede Wohnung, die ich bis jetzt mieten wollte, muss ich einen Betreibungsauszug einholen. Ich selber kann ihn erhalten, wenn ich persönlich auf dem Amt vorbeigehe: Alle anderen können aber auch ohne mein Wissen einen Betreibungsauszug von mir einholen, ohne persönlich auftauchen zu müssen. Heißt das, wenn ich betrieben worden bin, verliere ich meine »finanzielle Privatsphäre«?

Dazu kommt diese Rede über Daten. Als ob meine Daten mir »gehörten«. Nehmen wir den einfachen Fall, dass ich ein Gästebuch in einem Hotel unterzeichne. Dann gehört dieser Eintrag sicher nicht mir, ich habe ihn ja hinterlassen, sogar bewusst hinterlassen. Diese Daten müssen auch nicht geschützt werden, schließlich wusste ich ja, was damit passieren kann.

In diese Richtung argumentiert auch ein Feuilletonartikel aus der gestrigen NZZ, in der das Verbot der Vorratsdatensicherung in Deutschland kommentiert wird. Dabei geht es darum, dass der Staat großflächlich und mit Privilegien begonnen hat, Daten zu sammeln, welche dann bei allfälligen Straftaten hätten ausgewertet werden können - was nun vom Verfassungsgericht in Karlsruhe verboten worden ist (Warum gibt es in der Schweiz schon wieder kein Verfassungsgericht? - Ah ja, weil wir gegen Verfassung und Menschenrechte gerne auf »demokratischem« Wege verstossen, ah, stimmt.):

Irritierend bleibt dabei der Gleichmut vieler potenziell Betroffener: Ihnen macht die Preisgabe ihrer Daten entweder nichts aus, oder sie halten sich für souverän genug, die Datensammler mit fingierten Identitäten, mit Maskeraden ihres Egos in den diversen Foren des Internets zum Narren halten zu können. Wir stossen hier auf jene Komplementarität, die Akzeptanz-Verhältnissen sehr oft zugrunde liegt: Zum Datensammeln gehören zwei – der, der sammelt, und der, der es dem Sammler leichtmacht, sei es durch Naivität oder bewusste Schutzlosigkeit. Schwer zu denken gab uns kürzlich auch der Leserbrief eines ehemaligen Datenschutzbeauftragten, der in seiner Zuschrift an die «FAZ» erklärte: «Wir müssen lernen, dass Daten eine wichtige Handelsware sind, dass sie keineswegs dem Betroffenen <gehören> (. . .).»

Zentral ist also dies: Es muss klar zwischen dem Staat und der Wirtschaft unterschieden werden. Der Staat muss Regeln vorgeben und seine Zugriffe auf seine Bürger müssen klar definiert und motiviert sein (z.B. ist die Verletzung der finanziellen Privatheit dann absolut problemlos, wenn es darum geht, demokratisch legitimierte Steuern einzutreiben, deren Basis die finanziellen Verhältnisse jedes einzelnen sind). Die Wirtschaft (und jeder einzelne) darf aber alles tun, was rechtlich möglich ist - und warum nicht: Gerade das »Akzeptanz-Verhältnis« zeigt ja, dass es vielen gar nichts ausmacht. Google sammelt meine Suchanfragen? Ja, das weiss ich. Das haben sie mir auch gesagt, als ich mich registriert habe. Und sie verwerten meine Daten? Auch das haben sie mir gesagt. Ich gebe sie ihnen freiwillig. Wo liegt eigentlich das Problem? Und sie fotographieren meine Strasse? Könnte nicht jeder einfach zu meiner Strasse kommen und sie fotographieren?

Bitte etwas mehr Gelassenheit: Zwar dürfen wir keinen Staat aufkommen lassen, welche zum Datenhamster wird - abgesehen davon ist Datensammlung aber einfach ein sinnvolles, alltägliches Verfahren, dem wir uns willentlich unterziehen. Kein Grund zur Aufregung.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , ,