Grundsätzlich kann man in der Gender-Backlash-Debatte zwei Typen von Agierenden ausmachen, denen ich zur Illustration noch je eine Journalistin bzw. einen Journalisten zuordne:
Typ 1: Michèle Binswanger - die verunsicherte Frau.
Diesen Typ habe ich in meinem letzten Blogpost schon ausgiebig verhandelt: Eigentlich mit den Grundprinzipien des Feminismus vertraut, gebildet - und dann in einer Phase des Lebens angelangt, wo man sich fragt, wie man sich eigentlich von der eigenen Mutter unterscheidet. Oder wie man sich gegenüber denjenigen Kolleginnen verhält, welche dem Mutterdasein eine berufliche Karriere vorziehen. Oder warum einige Dinge früher anders waren, als man noch so richtig jung war.
Und die einfachste Erklärung: Alles ist halt so, weil es so natürlich ist. Frauen sind so, Männer so; und wenn sies nicht sind, dann stimmt etwas nicht oder es würde ihnen besser gehen, sie wären doch so. Und dann kann es einen schampar verwirren, wenn schwule Männer plötzlich behaarte Brust tragen, wo man doch gemeint hat, »der Mann« müsse sich Haare auf der Brust nun auch entfernen.
Typ 2: Alex Baur - der verletzte Mann.
Das Leben dieses Mannes verläuft nicht so, wie es sollte. Entweder lässt der Erfolg bei den Frauen zu wünschen übrig, und dafür werden Gründe gesucht. Oder aber eine Beziehung ging in die Brüche. Oder eine Scheidung resultierte in einem Sorgerecht für die Frau. Und Unterhaltzahlungen. Und dann sucht man nach Gründen für dieses Unrecht, wittert systematisches Unrecht und findet auch eine Ursache: Den Feminismus.
Nun kann ich grundsätzlich nachvollziehen, dass der juristische Umgang mit Männern (v.a. auch in Bezug auf Kinder und Verantwortung) ungerecht sein kann oder sogar ungerecht ist. Die Gründe dafür liegen aber genau bei den Männern, welche sich vor ihrer Verantwortung drücken, sich nicht um Kinder kümmern und so das Bild eines Mannes hinterlassen haben, der am besten zum Zahlen gezwungen wird. Was ich von solchen Bildern halte, dürfte bekannt sein: Aber wenn man nach einer Ursache sucht, dürfte sie hier zu finden sein.
Zynische Artikel wie diese »Anleitung« von Baur sind dann aber letztlich nur idiotisch (als Kontrast hier die differenzierte Behandlung des Themas durch die NZZ). Das Thema »sexueller Missbrauch« ist nicht eines, welches von politischer Korrektheit verformt worden wäre (wie politische Korrektheit an sich nicht eine Verformung der Realität fordert, sondern ein Erkennen dieser Realität; was aber oft unerwünscht sein kann). Zu sagen (ohne einen Beleg), Frauen würden diesbezüglich oft Sachverhalte erfinden, führt zu einem Generalverdacht gegenüber jedem Opfer - und ist von einer Kurzsichtigkeit und einem intellektuellen Versagen geprägt, das seinesgleichen sucht.
Es ist eine triviale Einsicht, dass Gesagtes und Gedachtes nicht zurückgenommen werden kann und falsche Beschuldigungen perfide sind. Diese aber als eine Art Strategie Frauen und Ausländern zuzuschreiben, ist a) falsch und b) rassistisch und sexistisch.
Aber dafür ist der Backlash ja auch da - dass der Typ 2) wieder unverhohlen rassistisch und sexistisch sein darf und sagen kann, er sage nur die Wahrheit, die einfach tabuisiert werde.
