Ws Blog

Beiträge vom September 2009

WLAN Crazyness - Zeit für Freifunk

September 29, 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

Gestern musste ich am Bahnhof Oerlikon auf den Bus warten und wollte schnell eine Mail beantworten. Nichts liegt näher, als sich verüfgbare Wireless-Netzwerke anzuschauen (bevor man sich dann über Internet-Tethering übers iPhone einloggt):

Abgesehen davon, dass das Benennen einer solchen Station offenbar ein poetisches Verfahren ist, zeigt diese Übersicht schön, wie sinnlos sowas ist. Ein öffentliches, frei zugängliches Netz wäre zumindest in den urbanenen Gegenden der Schweiz die naheliegendste Lösung. Wer dann noch befürchtet, die Strahlung, die von so einem Netz ausginge, nicht ertragen zu können, könnte sich ja mal fragen, wie er mit der Strahlung, die von bestehenden Netzen ausgeht umgeht.

Tatsächlich gibt es eine freifunk.net-Bewegung:

In der Schweiz heißt diese Bewegung openwireless.ch, auf Wikipedia kann man über den idealistischen Hintergrund der Bewegung nachlesen:

Die Vision von Freifunk-Initiativen ist die Verbreitung freier Netzwerke, die Demokratisierung der Kommunikationsmedien und die Förderung lokaler Sozialstrukturen. Durch die Vernetzung ganzer Stadtteile, Dörfer und Regionen möchten die Initiativen der digitalen Kluft [=digital divide] entgegenwirken und freie unabhängige Netzwerkstrukturen aufbauen.

Zu diesem ideologischen Überbau, gegen den nichts einzuwenden ist, gesellen sich zwei pragmatische Lösungen:

  1. Eine staatlich kontrollierte, private Gesellschaft wird beauftragt, als Service Public in der Schweiz flächendeckend frei zugängliches Wireless-Internet bereitzustellen (Sicherheitsvorkehrungen sollen natürlich getroffen werden). Finanzieren könnte man das, indem man z.B. SF den Unterhaltungsauftrag streicht.
  2. Alle hören auf ihren Internetzugang zu verschlüsseln. Das wird in Estland praktiziert, mit dem Resultat, dass man, egal in welchem Ort man gerade ist, frei aufs Internet zugreifen kann. Probleme gibt es damit keine.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Wenn Väter und Töchter… - »Purity Ball«

September 28, 2009 · 1 Kommentar

For Fathers
I (Daughter’s Name)’s Father, choose before to God to war for my daughter’s purity. I acknowledge myself as the authority and protector of my daughter’s virginity, and pledge to be a man of integrity as I lead, guide, and pray over my daughter and her virginity – as the High Priest of my home.
For Virgins
I (Name) pledge my purity to my father, my future/husband and my Creator. I recognize that virginity is my most precious gift to offer to my future husband. I will not engage in sexual activity of any kind before marriage but will keep my thought and my body pure as a very special present for the one I marry.

Solche »Pledges« legen Väter und ihre Töchter (die jüngsten sind vier Jahre alt) an einem so genannten »Purity Ball« ab. Was könnte das sein? Es ist ein »Formal«, d.h. ein Anlass, für den ein in den Augen Amerikaner festlicher Hotelsaal gemietet, dekoriert und von aufgebrezelten Vätern und Töchtern besucht wird, um dort die eigene Reinheit zu feiern. Nein, das ist nicht ein Anlass, der von wenigen Sonderlingen besucht wird - in den USA gibt es jährlich 4000 davon; neuerdings auch für Jungs [Quelle: Time]. Dass sowas gut zu einer Kultur passt, welche Abstinenz für eine poltisiche und erzieherische Massnahme hält, welche zur Prävention von Teenagerschwangerschaften und Ansteckungen mit HIV tauglich sei, versteht sich von selbst. Dass aber Väter eine libidinöse Verbindung mit ihren Töchtern treten sollen, ihnen einen Ring geben, sich zum Hüter ihrer Jungfräulichkeit ernennen - das ist dann doch etwas mehr, als ein durchschnittlicher Europäer verkraften könnte. Einer der Väter sagt: »I never planned to have nine children by seven women« - und das sei der Grund, warum er seinen Töchter nun das Konzept Enthaltsamkeit näher bringen wolle. (Er ist übrigens künstlicher Befruchter von Beruf; wie die Time auch verrät.) (Abgesehen davon ist es etwas schleierhaft, warum Jungfräulichkeit ein Geschenk sein soll und wie und wo Gott genau kommuniziert hat, dass man vor der Ehe keusch sein soll.)

Bevor uns Youtube zeigt, wie so was genau aussieht, noch der Pledge derjenigen, die schon einmal unrein gewesen sind, nun aber in den Stand der Jungfräulichkeit zurückkehren wollen, »secondary virgins«:

For Secondary Virgins (those who have engaged in promiscuous behavior) and wish to recommit themselves to lives of purity)
I (Name) re–pledge my purity to my father, my future/husband and my Creator. I now recognize that virginity is my most precious gift to offer my future husband. I deeply regret and will never again engage in sexual activity of any kind before marriage but will keep my thought and my body pure as a very special present for the one I marry.

Buchen kann man übrigens hier, oder hier.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Clint Eastwood - Koeppel führt ein »Kreuzverhör«

September 24, 2009 · 1 Kommentar

Nach der Kränkung, die Roger Köppel durch die Ausladung aus der Arena erfahren hat, erscheint nun heute in der Weltwoche das große Interview mit Burkhalter. Nein, kein Interview, ein »Kreuzverhör« führen Urs Paul Engeler (zweiter Vorname ausgeschrieben!) und Roger Köppel durch. Sie vertreten wohl in diesem Prozess den »Freisinn« und wollen nun herausfinden, ob sich Didier Burkhalter des Nicht-Freisinns schuldig gemacht hat.

Nach der Lektüre dieses Interviews bewundere ich Burkhalter, nachdem ich zunächst gedacht habe, er sei eine mediokre Wahl (und am Sonntag sogar (hier) eine katholische Predigt mit dem Inhalt Didier Burkhalter gehört habe, was vielleicht zu diesem Eindruck beigetragen hat). Auf die oft abstruse Zusammenhänge beschwörenden Fragen antwortet er rhetorisch sensationell:

Nein, das ist falsch.
Von mir aus können wir nächste Woche zusammen in die «Arena» gehen.
Ich habe das schon intensiv diskutiert.
Sie wollen zu einseitige Antworten.
Es ist komplexer.
Ich muss natürlich aufpassen, was ich sage, weil ich bereits für den Bundesrat spreche.
Das stimmt nicht.
Das glaube ich nicht.
Es stimmt nur zum Teil.
Das ist Polemik.
In dieser Absolutheit würde ich den Satz nicht unterschreiben.
Sie suchen etwas zu weit. Ich bin nicht so komplex.

Die Frage: »Wie freisinnig ist der neue FDP-Bundesrat Didier Burkhalter?« kann, folgt man Koeppel, offenbar an folgenden Punkten gemessen werden:

  1. Viel Staat oder wenig Staat, wobei viel Staat Sozialwerke, wenig Staat keine Sozialwerke heißt.
  2. Banken verkleinern (das sollte wohl ohne Staat gelingen).
  3. Keine Auslandeinsätze des Militärs.
  4. Keine Annäherung an die EU.

Dass das keine freisinnige Haltung ist, sondern der Ausrichtung der Weltwoche entspricht, gibt Burkhalter ganz fein zu verstehen: »Aus dem Sekretariat habe ich vernommen, die «Arena» habe Experten einladen wollen, Sie aber, Herr Köppel, seien kein Experte, sondern fast schon ein Politiker.«

Die wirren Aussagen Köppels zur IV-Vorlage und Ähnlichem können getrost unkommentiert bleiben, wer von »Leistungsgesellschaft« und von einer Ausdehnung des »Begriffs Krankheit« redet, hat wohl zunächst nicht verstanden, dass es bei der Vorlage um eine Sanierung der IV geht und nicht um eine Ausdehung ihrer Zahlungen, und darüber hinaus keine Vorstellung davon, was es heißt, invalide zu sein.

Aber der Schluss des Interviews muss im Wortlaut wiedergegeben werden:

In Interviews haben Sie Ihre Faszination für den Action-Schauspieler Clint Eastwood erwähnt. Eastwood verkörperte mundfaule Revolverhelden, die im Ernstfall das Recht mit der 45er-Magnum durchsetzen. Lebt der Konsenspolitiker Burkhalter mit Eastwood seine tiefsten, unerfüllten Machtfantasien aus?

Sie suchen etwas zu weit. Ich bin nicht so komplex. Eastwoods beeindruckendster Film handelt von den Amerikanern und den Japanern im Zweiten Weltkrieg. Die gleiche Schlacht wird aus doppelter Perspektive erzählt. Dieses Einfühlungsvermögen ist unglaublich.

Köppel (oder Engler) weiß offenbar nicht, dass Eastwood wirklichen Erfolg erst als Regisseur gehabt hat (und auch in den 70er-Jahren eine Rolle gespielt hat). Als ursprünglicher Republikaner und Unterstützer von Nixon hat sich seine politische Haltung gewandelt: Er ist weiterhin gegen zu starke Ausgaben des Staates, aber für Gratismedikamente, ist für persönliche Freiheiten, auch das Recht auf Abtreibung, und als Kriegsgegner aufgetreten. Er ist sogar für moderate Kontrolle im Bereich Waffenbesitz, sagt aber über sich selber, er sei »too individualistic to be either right-wing or left-wing« [Quelle]. Und das ist doch mal eine schöne politische Haltung, die sich Herr Köppel an der Stelle der unsäglichen Sozialismusvergleiche und -vorwürfe mal durch den Kopf gehen lassen könnte.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , ,

»Lässliche Sünden«

September 22, 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

In einer Rezension von Eva Menasses neuem Erzählband, Lässliche Todsünden, heißt es heute in der NZZ:

Damit bestätigen Menasses Texte Beobachtungen des deutschen Soziologen Gerhard Schulze, dem in «Die Sünde» (2006) die Lehre von der Abtötung des Fleisches im Dienste des Seelenheils als Kontrastmittel diente, um den westlichen Lebensstil kenntlich zu machen, und der veränderte Bezugspunkte konstatierte: Heute sündigt man nicht mehr gegen Gott, sondern gegen die anderen oder sich selbst.

Das ist ein interessanter Ausgangspunkt. Schon nur die Frage, was denn eine »lässliche Sünde« sei, gibt einiges her. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es:

Die Sünden sind nach ihrer Schwere zu beurteilen. Die schon in der Schrift erkennbare [Vgl. 1 Joh 6,16-17] Unterscheidung zwischen Todsünde und läßlicher Sünde wurde von der Überlieferung der Kirche übernommen. Die Erfahrung der Menschen bestätigt sie.

Die Todsünde zerstört die Liebe im Herzen des Menschen durch einen schweren Verstoß gegen das Gesetz Gottes. In ihr wendet sich der Mensch von Gott, seinem letzten Ziel und seiner Seligkeit, ab und zieht ihm ein minderes Gut vor.

Die läßliche Sünde läßt die Liebe bestehen, verstößt aber gegen sie und verletzt sie. […]

Eine läßliche Sünde begeht, wer in einer nicht schwerwiegenden Materie eine Vorschrift des Sittengesetzes verletzt oder das Sittengesetz zwar in einer schwerwiegenden Materie, aber ohne volle Kenntnis oder volle Zustimmung übertritt.

Die Definition der schwerwiegenden Sünde (Verstoß gegen 10 Gebote), also der Todsünde, formuliert sehr schön den Zusammenhang zwischen einem Verstoß gegen »das Gesetz Gottes« und der Wirkung, der Zerstörung der »Liebe im Herzen des Menschen«. Während der Theorie von Schulze zu sagen scheint, dass man in der Moderne nicht mehr gegen Gottes Gesetz verstoßen könne, sondern nur noch gegen individuelle oder soziale Normen, also immer noch die »Liebe im Herzen« - entweder bei sich selber oder bei anderen - zerstören könne, unterläuft Manesses Titel den Zusammenhang zwischen der Art des Verstoßes und der Schwere des Vertoßes: Und Todsünden werden läßlich.

Das der interessante Befund. Dazu zwei Bemerkungen:

  1. »Die Erfahrung der Menschen«, so der Katechismus, bestätige die Unterscheidung der Sünden. Und ja - das ist auch ohne Glauben noch so. Sünden, die man vergeben kann, für die man sich entschuldigen kann - sind lässlich. Alle anderen nicht. Und wie ich an dieser Stelle immer wieder betont habe, lässt sich eine Gesellschaft an den Verfahren beurteilen, die sie Umgang mit nicht-lässlichen Sünden entwickelt hat und praktiziert.
  2. Der individuelle oder soziale Bezugrahmen ist für die Beurteilung von Sünden deshalb problematisch, weil er a) zu klein gehalten ist und b) die Natur nicht berücksichtigt. Mit dem Auto anstatt mit dem öffentlichen Verkehr zu fahren scheint wenn überhaupt eine Sünde eine läßliche zu sein. Man verletzt weder sich selber noch einen anderen Menschen - verbraucht aber unnötig Ressourcen und schädigt die Umwelt irreversibel; ohne deswegen moralisch belangt werden zu können (oder sich selber zu belangen).
    Auch die Auslagerung von Armut und Zwangsarbeit und whatnot in Entwicklungsländer erfüllt nicht den Tatbestand einer Sünde: Weil man davon gar nichts mitbekommt und diese Menschen nicht in einem sozialen Bezugsrahmen stehen, dem wir uns verpflichtet fühlen.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , ,

Marketing heute - Köppel und die Arena

September 19, 2009 · 5 Kommentare

Roger Köppel diskutiert neu sogar auf der unseeligen Newsnetz-Page des Tagesanzeigers: Und zwar eine Geschichte, welche langweilig wäre, wenn es nicht eine Inszenierung gäbe.

Was ist passiert? Die Arena, welche konsequent Boulevard-Politik macht und sich immer mal wieder in die Schlagzeilen rückt, indem sie ihre Einladungspolitik entweder durch Parteien beeinflussen lässt oder nicht, hat Roger Köppel offenbar ein- und dann wieder ausgeladen. Dieser reagiert - wie zu erwarten war - säuerlich, und erhält von Newsnetz die gebrauchte »Schützenhilfe« in From eines Berichtes, in dem Köppel das Schlusswort erhält und dort die Schweiz nicht nur mit Nordkorea vergleichen kann, sondern sich selber auch gleich als Protofreisinnigen in Szene setzt.

Dann schreibt die Weltwoche, das Internet, die Blogszene und überhaupt eigentlich alle seien auf ihrer Seite, der Tagi schreibt das ab und Köppel diskutiert auch auf der Tages-Anzeiger-Homepage mit. Und alle denken, es gehe um Politik - dabei geht es um die Weltwoche, ihre Auflage, und die Arena, und ihre Zuschauerzahlen. Und um die TA-Media und ihren Shareholdervalue.

Dass es nicht um einen Zensurvorgang geht, nur weil die Sendung im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird, und dass ein neu gewählter Bundesrat sich nicht von einem selbsternannten Experten seine Europapolitik durch populistische Scheinargumentationen zerfleddern lassen will, ist wahrscheinlich allen Beteiligten klar. Und so kann auch auf Köppels Bitte schnell geantwortet werden:

Ich möchte meine Kritiker unter den hier Kommentierenden herzlich einladen, mir direkt Feedback zu geben, was Sie stört/irritiert und was ich an meinen Auftritten oder in der Weltwoche besser machen könnte: Emails bitte an [email protected] - Bitte zögern Sie nicht, auch sehr direkte Kritik unverblümt an mich zu richten. Herzlichen Dank, Roger Köppel (Anm. der NN-Redaktion: Es handelt sich hierbei um den echten Roger Köppel)

Hier kommt sie also:
Lieber Roger Köppel
Mich stört an Ihren Auftritten, dass Sie klassischen Bullshit (nach der Theorie von Frankfurt) von sich geben. Sie lügen nicht, sondern ignorieren die Wahrheit. Obwohl Sie es besser wissen, argumentieren Sie verantwortungslos, um damit Geld zu verdienen. Sie bedienen eine Denkform, die aus Einzelfällen Generalisierungen ableitet, welche völlig falsch sind. Ihre Kritik an den Sozialwerken, an der Ausländerpolitik der Schweiz, Ihre Positionen zu Themen wie Jugendkriminalität, Armee, Gewaltverbrechen und Strafrecht ignorieren Fakten, gewichten falsch und ziehen Schlüsse, welche fatale Konsequenzen haben könnten, wenn Sie die demokratische Meinungsbildung zu beeinflussen vermögen. (Von der Wirtschaftspolitik spreche ich nicht - die Verteidigungsreden auf die liberale Position entlarven sich hinsichtlich der Weltwirtschaftskrise selbst…)
Was könnten Sie besser machen? a) Denken Sie mehr nach. b) Schreiben Sie weniger oder gar nichts mehr. c) Behalten Sie den Überblick. d) Stellen Sie sich vor, Sie könnten auch einmal Unrecht haben. e) Vermeiden Sie Vergleiche aller Art. Schreiben Sie, was ist. f) Denken Sie nicht, nur weil Sie allen etablierten Meinungen widersprechen, Sie hätten etwas zu sagen. g) Verbringen Sie Zeit mit Menschen, die nicht privilegiert sind. Das wärs schon ungefähr. Mit freundlichem Gruss, Philippe Wampfler

Und das wärs auch für diesen Blogeintrag. Offenbar sind nicht alle Blogschreiber der Meinung, die Ausladung von Herrn Köppel sei ein Fehler gewesen.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Die Antworten - und neue Fragen

September 17, 2009 · 5 Kommentare

Nun habe ich versprochen, diese Fragen zu beantworten, und Versprechen sollte man ja halten, auch wenn schon allein die Tatsache, dass ich das so lange versäumt habe, irgendwie Aufschluss darüber geben könnte, dass ich die Fragen nicht mehr so toll finde. Oder ihre Beantwortung nicht so spassig.

Die Anlage der Fragen zielt völlig auf ein monogames Leben mit einer Partnerin oder einem Partner ab, dem oder der man zwar noch irgendwie treu ist, gleichzeitig aber auch die Schuld dafür gibt, dass man a) Bürofuzzi anstatt Architekt und b) eigentlich auf Adrian Amstutz steht. Somit erfülle ich vielleicht einfach die Voraussetzungen nicht.

Im Folgenden die Antworten auf die Fragen, die ich noch interessant finde:

  1. Was ich besser kann als meine Freunde, ist so tun, als wüsste ich etwas, was ich nicht weiß. Vielleicht täusche ich mich aber.
  2. Ich wollte einmal Journalist werden, als ich schon so alt war, dass dieser Wunsch etwas bedeuten könnte. Und auch heute wäre ich gerne Journalist. Ich bin es nicht geworden, weil ich wahrscheinlich zu bequem bin. Und ich denke, dass ich es so gut könnte, dass man mich dafür bezahlen würde.
  3. Wofür man mich auch noch bezahlen könnte, wäre das Facebook/Twitter/social media-Profil einer prominenten Person zu betreuen. Obwohl: Meine eigenen Tätigkeiten auf Facebook rufen in letzter Zeit vermehrt negative Reaktionen hervor.
  4. Ich bin bei meinen Arbeitskollegen wohl nicht besonders beliebt. Einer der Gründe könnte sein, dass ich immer in einen Computerbildschirm schaue. (War das jetzt eine interessante Antwort?)
  5. Ich kann auf jeden Luxus verzichten (wie jeder Mensch). Ich tu es nicht, weil ich zu bequem bin.
  6. Drogen faszinieren mich schon seit ich 11 bin. Alle Drogen eigentlich. Ich kann stundenlang auf Drogenforen lesen, mit einer Mischung aus Anziehung und Ekel. Und doch - so richtig in Versuchung, mal etwas Koks reinzuziehen, bin ich noch nicht im erntfentesten gekommen.
  7. Charaktereigenschaften überfordern mich. Was ist eine Charaktereigenschaft? Ungeduldig sein? Großszügig sein? Beides bin ich, irgendwie. Und nun soll ich sagen, ob das gut ist oder nicht? Schwierig, schwierig.
  8. Die zwei wichtigsten politischen Themen sind a) dass wir nicht vergessen dürfen, dass unser Wohlstand nicht verdient ist - und eine Sicherung unseres Wohlstandes immer auch bedeutet, dass Armut geduldet wird; und b) dass Ressourcen endlich sind.
    Dafür getan habe ich eigentlich nichts, bisher. Aber darüber nachgedacht.
  9. Zu meiner Nation fallen mir viele Vorurteile ein. Insgeheim erwarte ich vor allem in Deutschland, als Schweizer aufgrund meiner Nationalität mit Sympathie behandelt zu werden. Und bin auch betroffen davon, an ein Leben im Luxus gewöhnt zu sein und mich beim Gedanken zu ertappen, es irgendwie verdient zu haben. Das Problem, zu meinen, wir seien uns selbst genug, kenne ich zum Glück aber nicht.
  10. Keine Ahnung habe ich von Physik. Wiewohl ich mittlerweile sicher bin, dass Physik sehr interessant ist - ich kenne elementare Zusammenhänge nicht und lese regelmäßig nach, was man eigentlich wissen müsste.
  11. Monogamie ist einfach. Alles andere ist komplizierter. Mehr verstehe ich davon allerdings nicht.
  12. Ich glaube wohl an mehr, als ich denke. Um grad beim Denken zu bleiben: Z.B. daran, dass nachdenken etwas bringt. Was nämlich keineswegs selbstverständlich ist und wohl kaum bewiesen werden kann. Nicht nachdenken ist - siehe Monogamie - wohl einfacher.
  13. Ich glaube nicht mehr an Toleranz, in dem Sinne, dass jeder seine eigene Meinung haben darf, unabhängig davon, ob diese Meinung irr oder falsch ist. Toleranz heißt oft, etwas zu dulden, was man nicht dulden sollte.
  14. Angst habe ich vor Hunden. Und Pferden. Und großen Schildkröten. Und Kühen, wenn man ihre Weide überqueren muss.
  15. Bis auf zwei Peridoden von ca. je einem Jahr war in meinem Leben immer die beste Zeit meines Lebens. Auch jetzt. Vor allem jetzt.

Nun habe ich 15 beantwortet, komme mir langweiliger vor denn je - und hänge noch was an. (Wenn jemand eine andere Frage beantwortet haben will, bitte einfach melden; ich versuchs dann, so lange es keine Personen beinhaltet, die auf diesem Blog nichts verloren haben. Diese Woche hat mir jemand gesagt: »Ich würde ja schon auch bloggen, aber die Dinge, die in meinem Leben interessant sind, müssen geheim bleiben.« Das wäre vielleicht ein Leben, das ich auch haben möchte. Für einen Monat.)

Die Fragen stammen aus Glavinics großartigem neuen Roman, Das Leben der Wünsche (S. 219f.):

  1. Wieso ist uns egal, was in Afrika passiert?
  2. Glaubst du an Vorbestimmung? Wieso kriegt der eine AIDS, der andere nicht? Wieso wird die eine reich und ihre Freundin todkrank? Wieso Unfälle? Wieso Glück?
  3. Es gibt eine Zeitmaschine. Du darfst drei Reisen antreten. Jede dauert drei Tage. Wohin fährst du?
  4. Was bedeutet Zufall?
  5. Glaubst du?
  6. Wo ist die Toilette?
  7. Hast du ein Weltbild? Würdest du sagen, du hast ein klares Weltbild?
  8. Glaubst du an Gott?
  9. Gehören Sex und Liebe zusammen?

Man muss die Antworten lesen - sonst wirken die Fragen wieder etwas platt. Und die besten Fragen, so wurde mir vor zwei Woche gesagt, sind immer noch die von Frischs Tagebuch: Fragebogen.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , , , ,

»Denn ihr müßt hart sein und ich muß weich sein, das ist gerecht.« - Mein Lieblingslied

September 11, 2009 · 3 Kommentare

Gestern war ich am Fantoche, habe mir einen internationalen Wettbewerb angesehen und dabei nicht nur einen Lieblingsfilm gefunden, sondern auch ein »melancholisches, umarmendes, aufrechtes Lied«, wie hier hier heißt. Das Lied »Walzerkönig« ist von der Laokoongruppe [myspace-Link], die eigentlich nur aus Karl Schwamberger besteht, der hier auch bloggt. Der Verdacht nährt sich, dass die Aussage eines Freundes, schon sich allein schon aus der Tatsache, dass Nikolai Davydenko Österreicher werden wollte, ableiten lasse, dass er wohl ein Problem habe, bald nicht mehr haltbar ist - und Österreich cool wird. Wer hätte das gedacht.

Laokoongruppe: Walzerkönig

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Auch bei last.fm

September 10, 2009 · 2 Kommentare

Ich weiß, ich schulde den LeserInnen dieses Blogs einen Post. Hier aber mal ein nicht besonders populärer last.fm-Künstler:

Gefahr ist im Verzuge. Es muß schnell und gründlich geahndelt werden, sonst ist es zu spät.

Das Herzchen passt ganz gut dazu: »lieben«. (Und hier noch mein Profil bei last.fm).

P.S.: Da Goebbels noch keine Beschreibung hatte, wurde ich gebeten, eine solche zu verfassen. Gefragt, getan:

Kategorien: Uncategorized

Wer bin ich? - Zum Selbstbeantworten: Hundert Fragen, mit denen man sich besser kennenlernen kann

September 8, 2009 · 8 Kommentare

NZZ Folio Journalist Mikael Krogerus und Roman Tschäppeler, Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur, haben ein Fragebuch veröffentlicht, in dem sich die folgenden 100 Fragen finden, mit denen man sich »besser kennenlernen kann«. Ich habe fast alle schon beantwortet und liste zunächst mal die Fragen auf (ich habe sie aus dem Zeit-Magazin, Nr. 37/2009 abgeschrieben). In einem nächsten Post dann die interessanten Antworten.
Update April 2010: Die Autoren haben auch einen schönen Blog und einen Twitteraccount, auf dem Fragen veröffentlich werden.

  1. An welche zwei Menschen denken Sie in letzter Zeit häufig?
  2. Was können Sie Ihrere Meinung nach besser als die meisten Ihrer Freunde?
  3. Was machen Sie beruflich?
  4. Was wollten Sie werden?
  5. Warum sind Sie es (nicht) geworden?
  6. Neben Ihrem aktuellen Beruf: Welche Tätigkeit beherrschen Sie so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?
  7. Welche ist Ihre wichtigste Charaktereigenschaft in Bezug auf Ihren Beruf?
  8. Können Sie sich besser mündlich oder schriftlich ausdrücken?
  9. Wie oft checken Sie Ihre E-Mails am Tag?
  10. Wären Sie gerne schlanker, beweglicher, ausdauernder oder kräftiger?
  11. Welche Sportart würden Sie gerne beherrschen?
  12. Ihre Lieblingsmedizin?
  13. Etwas, wonach Sie süchtig sind?
  14. Wie oft haben Sie Sex mit Ihrem Partner?
  15. Welches ist der Lieblingsplatz in Ihrer Wohnung?
  16. Wie viele Mahnungen bekommen Sie pro Jahr?
  17. Verdienen Sie mehr als Ihr bester Freund?
  18. Haben Sie schon einmal Steuern hinterzogen?
  19. Wer schuldet Ihnen Geld?
  20. Zwei Komplimente, die Sie oft hören:
  21. Welches bedeutet Ihnen mehr?
  22. Sind Sie bei Ihren Arbeitskollegen beliebt?
  23. Was können Sie aktuell am meisten gebrauchen: Ausdauer, Ruhe, Mut, Fantasie?
  24. Auf welchen Luxus könnte Sie verzichten?
  25. Wieso tun Sie es nicht?
  26. Welche Drogen würden Sie konsumieren, wenn sie keine Nebenwirkungen hätten?
  27. Wie viele Facebook-Freunde haben Sie aktuell?
  28. Wie viele davon würden Sie als Freunde bezeichnen?
  29. An wen haben Sie zuletzt einen persönlichen Brief geschrieben?
  30. Von wem einen erhalten?
  31. Ihre zwei besten Charaktereigenschaften?
  32. Ihre zwei schlechtesten Charaktereigenschaften?
  33. Eine Person, die Sie gern besser kennenlernen würden:
  34. Eine Person, bei der Sie sich entschuldigen müssen:
  35. Eine Person, die Sie aus den Augen verloren haben und an die Sie immer noch denken:
  36. Eine Person, der Sie vertrauen:
  37. Eine Person, auf die Sie stolz sind:
  38. Worin unterscheid sich Ihr heutiger bester Freund von dem aus Ihrer Kindheit?
  39. Auf wessen Freundschaft könnten Sie verzichten?
  40. Warum pflegen Sie sich noch?
  41. Welche Vorurteile fallen Ihnen zu Ihrer Nationalität ein?
  42. Welche treffen auf Sie zu?
  43. Wovon haben Sie überhaupt keine Ahnung?
  44. Etwas, wofür Sie üblicherweise viel Geld ausgeben:
  45. Könnten Sie mit der Hälfte Ihres Einkommens auskommen?
  46. Womit können Sie inzwischen leben, obwohl Sie lange damit gehadert haben?
  47. Womit beschäftigen Sie sich Ihrer Meinung nach zu viel?
    Womit zu wenig?
  48. Wenn Sie ein Kind erwarten, das mit Sicherheit beindert auf die Welt kommt: Wie verhalten Sie sich?
  49. In welchen Punkten belügen Sie sich selbst?
  50. Was würden Sie gerne erlernen?
  51. Was sind die zwei dringlichsten politischen Themen?
  52. Was haben Sie schon dafür getan?
  53. Was müste passieren, damit Sie etwas tun?
  54. In welchem Maße sind Sie patriotisch, und wie drückt sich das aus?
  55. Wann haben Sie zum letzten Mal gewählt?
  56. Schätzen Sie: Wie viel Prozent Ihrer Lebensmittel sind bio?
  57. Werden Sie eher das System ändern oder sich selbst?
  58. Eine Reise, die Sie verändert hat:
  59. Ein Traumziel aus Ihrer Kindheit:
  60. Haben Sie sich diesen Traum erfüllt?
    Wie war es?
  61. Ihre erste Handlung, wenn Sie von Reisen zurückkommen:
  62. Ein Geruch aus Ihrer Kindheit:
  63. Wer war Ihr/e Lieblingslehrer/in, und was genau mochten Sie an ihr/ihm?
  64. Was besitzen Sie seit Ihrer Kindheit:
  65. Was haben Sie von Ihrem Vater in Bezug auf Männer gelernt?
  66. Wie würde Ihr Vater Sie beschreiben?
  67. Was haben Sie von Ihrer Mutter in Bezug auf Frauen gelernt?
  68. Wie würde Ihre Mutter Sie beschreiben?
  69. Was haben Ihre Eltern falsch gemacht?
  70. In welcher Hinsicht finden Sie Ihre Familie besser als andere Familien, die Sie kennen?
  71. Ihr Lieblingsverwandter, früher:
    Heute:
  72. Welche Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie an Ihre große Liebe denken?
  73. In Ihren Beziehungen: War Sie eher der, der liebte, oder der, der geliebt wurde?
  74. Drei Dinge, die Sie an Ihrem Partner schätzen:
  75. Drei Dinge, von denen Sie glauben, dass Ihr Partner sie an Ihnen schätzt:
  76. Was, flauben Sie, wird in Ihrer Beziehung zur größten Herausfroderung?
  77. In welcher Situation fanden Sie Ihren Partner befremdend?
  78. Welche Eigenschaft vermissen Sie am meisten an Ihrem Partner?
  79. Was glauben Sie: Welche Eigenschaft vermisst Ihr Partner an Ihnen?
  80. Was unterscheidet Ihren derzeitigen Partner von Ihrem vorherigen?
  81. Sind Sie öfter verlassen worden, oder haben Sie öfter verlassen?
    Wie erklären Sie sich das?
  82. Welches Ihnen bekannte Paar gefällt Ihnen?
  83. Welches finden Sie unausstehlich?
  84. Welche Art Mann/Frau steht typischerweise auf Sie?
  85. Auf wen stehen Sie?
  86. Ein Wort, das Ihr Sexleben beschreibt:
  87. Was spricht für die Monogamie?
    Was dagegen?
  88. Mit welchem Ihrer engen Freunde könnten Sie sich vorstellen, ins Bett zu gehen?
  89. Eine Situation, in der Sie sich einsam gefühlt haben:
  90. Was machen Sie in zehn Jahren:
    Im besten Fall:
    Im schlimmsten Fall:
  91. Wessen Glück beneiden Sie?
  92. Was macht Sie unglücklich?
  93. Woran glauben Sie, obwohl Sie es nicht beweisen können?
  94. Woran glauben Sie nicht mehr, an das Sie vor zehn Jahren noch geglaubt haben?
  95. Wovor haben Sie Angst?
  96. Wovor haben Sie keine Angst mehr?
  97. Was spricht gegen Selbstmord?
  98. Was ändert sich, wenn Sie sterben?
  99. Was stirbt, wenn Sie sich ändern?
  100. Ist gerade die beste Zeit Ihres Lebens?
    Warum/Warum nicht?

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Sex is sold - Über Freiwilligkeit und das Argument der Tradition

September 7, 2009 · 8 Kommentare

Strassenprostitution (Quelle: Reuters)Was aber wird hinzukommen? Das wird sich entscheiden, wenn ein neues Geschlechtherangewachsen sein wird: ein Geschlecht von Männern, die nie in ihrem Leben in den Fall gekommen sind, für Geld oder andre soziale Machtmittel die Preisgebung einer Frau zu verkaufen, und von Frauen, die nie in den Fall gekommen sind, weder aus irgendwelchen andern Rücksichten als wirklicher Liebe sich einem Mannhinzugeben, noch dem Geliebten die Hingabe zu verweigern aus Furcht vor den ökonomischen Folgen. Wenn diese Leute da sind, werden sie sich den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, daß sie tun sollen; sie werden sich ihre eigne Praxis und ihre danach abgemeßne öffentliche Meinung über die Praxis jedes einzelnen selbst machen - Punktum. Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. (1884)

Der Auslöser für diese Gedanken ist die Tatsache, dass auf dem Strassenstrich in Zürich unhaltbare Zustände herrschen, wie z.B. die NZZ hier mit Hintergründen berichtet. Ungarinnen werden von Zuhältern dazu gezwungen, in der Schweiz zu arbeiten, halten sich oft nur wenige Wochen oder Tage hier auf, weil die Zuhälter der Meinung sind, es sei in der Schweiz viel Geld zu verdienen, was dann aber eben nicht stimmt und dazu führt, dass die Preise so tief gesunken sind, dass sich »Stammprostituierte« am Sihlquai darüber beklagen, der Markt werde kaputtgemacht.

Die Situation ist eine Konsequenz aus zwei Gedankengängen: Erstens, dass der freie Markt zu einem fairen Austausch von Gütern und Dienstleistungen führt, weil alle nur das tun, was sie tun wollen, also Prostitution gar kein Problem ist, da die Frauen ihre Dienstleistungen ja nicht anbieten müssten, aber das offenbar wollen - und zweitens, dass Prostitution moralisch ist.

Zuerst zum zweiten Punkt. Das verwendete Argument ist, dass es Prostitution schon immer gegeben habe und dass ein Verbot von Prostitution Prostituierte und Freier in die Kriminalität drängen würde, obwohl sie einem (aufgrund der Tradition gesehen) natürlichen Bedürfnis nachgehen. Nun ist nicht alles, was es schon immer gegeben hat, moralisch (z.B. Diebstahl), ist etwas, was auf einer so krassen Geschlechterhierarchie basiert, meist problematisch und könnte die Kriminalisierung nicht nur Probleme schaffen, sondern auch Probleme lösen. Doch das nur als Denkanstoss - aufgrund der verfügbaren Berichterstattung zum Thema, in der immer noch das Phantasma der anschaffenden Studentin präsent ist und eine Art Bordellromantik, in der Frauen eine spassige Arbeit ausführen und dann mit viel Geld ein Leben in Saus und Braus führen, präsent sind, kann davon ausgegangen werden, dass Prostutierte dann die besten Rahmenbedingungen erleben, wenn sie eine Art Etablissement mieten können, in dem ihre Sicherheit garantiert ist und gewisse Standards gesetzt sind - und dann tun kann, was sie will.

Dann aber zum ersten Punkt. Wenn das kapitalistische Ideal die freie Befriedigung der Bedürfnisse innerhalb der Voraussetzung ist, dass niemand anderes in seiner Freiheit eingeschränkt wird, dann darf man wohl fragen, ob dieses Ideal unter den Voraussetzungen des Kapitalismus erreicht werden kann. Das Beispiel der Prostitution, selbst wenn man von den Tatsache absieht, dass selbst nach liberaler Denkart ein offenbar viel zu großer Staat nicht in der Lage ist, Menschenhandel zu unterbinden, zeigt auf drastische Weise, was unter dem Deckmantel der Freiwilligkeit passiert: Frauen verkaufen Dienstleistungen, die langfristig mit massiven psychischen und oft auch physischen Schäden verbunden sind. Ob man ein Bedürfnis haben kann, das solche Schäden mit sich zieht, wage ich stark zu bezweifeln - und ganz allgemein die These in den Raum stellen, dass kapitalistische Kaufkraft Abhängigkeiten schafft und so auch Unfreiheit.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , ,