Relevante Geschichten aus Schweizer Blogs

  1. Die Frage, ob Blogs in der Schweiz für den Journalismus relevant sind, hängt meiner Meinung nach davon ab, ob Blogs Resonanz erzeugen können – d.h. ob sie Debatten auslösen, Reaktionen provozieren und für reichenweitenstarke Medien interessante Inhalte produzieren.
    Diese Frage habe ich in einer kurzen Anfrage auf Twitter aufgeworfen und mit Storify bearbeitet. (Die Petardengeschichte habe ich bewusst außen vor gelassen – ihre Resonanz gründet m.E. alleine in der Beschwerde beim Presserat.)
  2. phwampfler
    Gesucht:
    Geschichten aus Schweizer Blogs, die Resonanz erhalten haben (z.B. in anderen Medien, Debatten ausgelöst etc.).
    Ab 2010 z.B.
    Wed, May 16 2012 11:35:53
  3. Selbstverständlich gibt es zunächst zwei Definitionsprobleme: Was ist genau ein »Schweizer Blog« und was meint man damit, eine Geschichte erhalte »Resonanz«? Beide Fragen habe ich kurz angedacht:
  4. phwampfler
    @julianschmidli @ivinfo @jeduta Relevanz heißt für mich: Erzeugt Reaktionen. Gibt es 10 Bloggeschichten, die 2011 Resonanz erzeugt haben?
    Wed, May 16 2012 11:27:31
  5. Fazit: Blogger sind in einem gewissen Sinne Amateure – und Resonanz heißt, dass in irgend einer beschreibbaren Form darauf reagiert worden ist (außerhalb des Blogs und damit verbundenen sozialen Netzwerke).
  6. aline_wanner
    @phwampfler Vom fröhlichen Sesselrücken und einer Punktlandung http://arlesheimreloaded.ch/vom-frohlichen-sesselrucken-und-einer-punktlandung/ zum beispiel die landete in der baz
    Wed, May 16 2012 11:50:34
  7. ManfredMessmer
    @aline_wanner @phwampfler lokalteil BaZ, AZ-BZ, Sonntag zb. Fraktionsewchsel im Landrat und andere :-)
    Wed, May 16 2012 12:03:14
  8. Das wohl treffendste Beispiel ist der Blog von Manfred Messmer. Er zeigt, dass eine erfahrene, gut informierte und sehr engagierte Person zumindest lokal (und lokal heißt immerhin: im Raum Basel) Geschichten anbieten kann, welche von etablierten Lokalmedien aufgenommen und übernommen werden.
  9. Ein ähnliches Beispiel: Die Betreiber des Blogs »Nation of Swine« sind engagierte Journalisten, die einige Nischen abdecken, die sonst wenig Aufmerksamkeit erfahren. Sie erhalten so auch Informationen, die sie auf ihrem Blog publizieren und so ebenfalls lokal aufgegriffen werden.
  10. KueddeR
    @phwampfler Es gab die Story über die träumende Schweizer „Astronautin“, die weiterverfolgt wurde vom Tagi und drr Journi Preis dafür bekam.
    Thu, May 17 2012 10:11:31
  11. Diese Geschichte ist nicht gleich gelagert: Ein Blogpost vom Januar 2010 wurde im August von Mauricie Thiriet im Tages Anzeiger aufgegriffen und mit weiteren Recherchen vertieft. Der Blogpost wurde nicht erwähnt, war aber sicher ausschlaggebend für die Geschichte um die Lehrerin Barbara Burtscher, die sich als potentielle Astronautin ausgab, obwohl dies weit von der Wahrheit entfernt war.
  12. Auch hier handelt es sich um eine Geschichte von einem Profi: David Bauer ist ein vielseitiger Journalist, der sich Gedanken zur Musikförderung in der Schweiz macht und einen Blick auf das Erfolgsmodell Sophie Hunger geworfen hat, der über 130 Kommentare erhalten hat und damit eine tiefschürfende Diskussion ausgelöst hat.
  13. ivinfo
    @phwampfler Ironischerweise fällt mir dazu ausgerechnet die Batz/Neininger-Urheberrechtsdiskussion ein.
    Wed, May 16 2012 11:45:46
  14. cloudista
    @phwampfler natürlich der Blog von @ConstSeibt , worauf ihn dann #Schawinski ins Radio einlud. Und der Blog zu #Bausparen von @BatzMonika
    Wed, May 16 2012 11:58:33
  15. Monika Bütler ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der HSG in St. Gallen – ihre Blogposts werden in der NZZ am Sonntag abgedruckt. Aus diesen Gründen kann man also zunächst nicht davon sprechen, dass es sich um einen Blog handelt, viel eher um ein Portfolio, wo Bütler ihre Texte präsentiert. Allerdings geht es gerade im Fall Neiniger um eine Debatte, die durch einen Blogpost von Bütler ausgelöst worden ist – der wiederum eine Reaktion auf einen ungefragt und verändert in den Schaffhauser Nachrichten abgedruckten Text von Bütler (ebenfalls ein Blogpost) zum Bausparen ist.
  16. agossweiler
    @phwampfler EIn Beispiel für Resonanz: Dieses Blogpost http://bit.ly/JQp3NI wurde 2011 vom Radio aufgegriffen http://bit.ly/JijDOX
    Thu, May 17 2012 03:15:33
  17. Hier wird eine Beobachtung eines bloggenden Journalisten vom Konsumentenschutzmagazin Espresso vom Schweizer Radio aufgenommen.
  18. Der ehemalige Präsident der Pirtatenpartei, Denis Simonet, hat mit zwei Anliegen, die er per Blogpost angerissen hat, eine Reaktion etablierter Medien hervorgerufen. Die Piratenpartei ist gerade das politische Gefäss, das Blogposts und Twitter als Medium nutzt, um politische Anliegen zu vermitteln – und damit darauf angewiesen ist, damit Reaktionen hervorzurufen.
  19. Zum Schluss auch ein sehr webaffines Thema: Die Frage, wie man mit »Shitstorms« umgeht, also negativen Reaktionen in Sozialen Netzwerken. Die schöne Grafik vom Feinheit-Team wurde bei einem Tagungsreferat vorgestellt und danach für den Blog ausgearbeitet – und hat so viele Reaktionen provoziert.

    Fazit
  20. phwampfler
    @Jeduta @thbenkoe @mazluzern Ehrlich gesagt haben Blogs in der Schweiz keine journalistische Relevanz.
    Wed, May 16 2012 10:23:14
  21. Ich bleibe bei meinem Urteil. Es gibt zwar Geschichten in Blogs, die relevant sind – die jedoch in den hier diskutierten Fällen von einer Expertin, einigen Journalisten, einem Politiker und von PR-Profis verfasst worden sind. Es gibt kein Beispiel aus den letzten zwei Jahren, bei denen ein klassischer Blogger ein Thema aufgegriffen hat, das bedeutsam war.
    Das heißt nicht, das Blogs kein sinnvolles Medium sein können – sie können die eigene Arbeit dokumentieren, können wichtige Kommentare enthalten oder als Gefäss für Diskussionen in den Kommentaren dienen. Aber journalistische Relevanz genießen sie in der Schweiz nicht.
    Das ist oft schade – es gibt sehr gute Bloggeschichten, die aber oft einseitig und nur angedacht sind. Gleichzeitig erhalten sie nicht die nötige Aufmerksamkeit, es gibt kaum Medien, die auf Blogs verlinken.
    Und eine letzte Bemerkung: Ich denke, die Schweizer »Alphablogger« haben der Schweiz ein problematisches Blogkonzept vorgelebt. Sie betrieben Lifestyle-, Technik- und Erlebnisblogs, sie waren das Tummelfeld für das Kind im Manne. Bloggen war etwas, womit man Spass haben sollte oder womit man zeigen sollte, wie viel Spass man sonst so hat. Es waren Wohlfühlblogs, in denen allenfalls ein wenig Konsumentenschutz betrieben worden ist. Das ist wohl ein Grund dafür, warum sich Blogs im journalistischen Bereich in der Schweiz nicht behaupten können.