Wie man in einer Woche zu 3500 Hits kommt – eine Kurzanalyse

Mein SOPA-Post war in den letzten Tagen recht erfolgreich – für meine Verhältnisse. Schon am ersten Tag habe ich recht viele Leserinnen und Leser mit dem Artikel erreicht, danach erlosch das Interesse, wie das üblich ist. Diese Woche wurde der Artikel aber noch einmal stark verbreitet, so dass ich gestern über 1’200 Hits bekommen habe.

Wie kommen 3’500 Leute auf die Idee, einen Blogpost zu lesen?

  1. Durch eine Reihe von Links auf anderen Blogs (wohl rund 10), am prominentesten die Blogs von Blogwerk, die den Link alle gepostet haben und der Blog kotzendes-einhorn.de.
    Total Hits über Bloglinks: Rund 200.
  2. Über die Verbreitung via Twitter und Facebook: WordPress gibt an, der Link sei über 300 Mal getwittert worden, Topsy meint, über 150 Mal. Auf Facebook wurde der Artikel etwas weniger häufig verbreitet, aber gleichwohl sicher über 100 Mal.
    Total Hits über Social Media: Rund 2400.
  3. In der Google-Suche wird mein Post wird im Durchschnitt  in den Top 10 Ergebnissen für »SOPA« angezeigt.
    Total Hits über Suchmaschinen: Rund 600.
  4. Direktzugriffe auf meine Seite und Abonnements (Email, RSS):
    Total Hits: Rund 300.

Alle diese Zahlen basieren auf Analyse-Tools, aber auch auf Rundungen und Schätzungen.

Eine letzte Bemerkung noch zu den Hits über Twitter: Peter Hogenkamp schätzt, dass man 3% der Follower erreiche, die einen Tweet mit einem Link lesen. Ich habe wohl rund 1200 Hits über Twitter erhalten. Zurückgerechnet hätte ich also 40’000 Follower erreicht. Davon hat alleine @haekelschwein über 16’000, die restlichen 150 Twitterer zusätzlich also 24’000 weitere. Dürfte ungefähr hinkommen. Fazit wäre also: Ein Link wird auf Twitter in rund 3% der Fälle angeklickt. Von meinen rund 900 Follower klicken also knapp 30 einen Link an, den ich twittere.

SOPA kurz erklärt

SOPA steht für einen amerikanischen Gesetzesentwurf, der den reißerischen Titel »Stop Online Piracy Act« trägt. Der Gesetzesentwurf ist von großer Bedeutung für das Funktionieren des Internets im Allgemeinen, nicht nur in den USA. Die demokratische Abgeordnete Zoe Lofgren sagt, das Gesetz würde »das Ende des Internets, wie wir es kennen« bedeuten.

Was ist das Problem?
Man kann SOPA mit einem Vergleich verstehen: Es wäre, als würde man ein Geschäft schließen, in dem jemand etwas gestohlen hat. Konkret: Wenn eine Webseite Inhalte enthält, die möglicherweise Urheberrechte verletzen, werden Suchmaschinen, Soziale Netzwerke und Werbekunden dieser Seite aufgefordert, ihre Verbindung zur Seite einzustellen – sofern nicht bewiesen werden kann, dass keine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Zudem wird ins Adressierungssystem des Internets eingegriffen, so dass die Seite auf herkömmliche Art und Weise nicht mehr erreichbar ist.

Wenn also eine Seite in der Schweiz Inhalte anbietet, die in der Schweiz legal sind, nicht aber in den USA, so kann Google und Twitter und Facebook daran gehindert werden, auf diese Seite zu verlinken und die Seite könnte auch aus der Schweiz schwer abrufbar sein.

Wer ist dafür, wer dagegen?
Lamar Smith, der das Gesetz entworfen hat, vertritt vor allem die Unterhaltungsindustrie und die Pharmabranche. Die Unterhaltungsindustrie verhindert im Moment erfolgreich, dass die amerikanischen Fernsehsender über das Gesetz und seine Auswirkungen berichten und wendet viel Geld auf, um ihre Interessen zu schützen. Sie denkt insbesondere, Filesharing und der Download von Filmen und Computerspielen könnte mit SOPA gestoppt werden. (Es gilt anzumerken, dass die Unterhaltungsindustrie heute schon jedes beliebige Video von Youtube entfernen lassen kann, ohne nachweisen zu müssen, dass es Urheberrechte verletzt.)

Gegen das Gesetz sind die großen Player im Internet: Facebook, Google, Twitter, Wikipedia. Ihre Dienstleistungen können verboten werden, wenn sie nicht effiziente Massnahmen entwickeln, um Websiten schnell zu blockieren. Weil letztlich Links auf bestimmte Seiten in Facebook, Twitter, Google und Wikipedia nicht mehr anzeigbar wären, spricht man bei diesem Gesetz von Zensur, die sich ähnlich auswirken könnte, wie der chinesische Firewall, mit dem eine ganze Reihe von Inhalten so geblockt werden, dass es in China darauf keinen Zugriff mehr gibt.

Was passiert nun?
Die Abstimmung im Kongress wurde immer wieder vertragt, es ist noch nicht klar, wann die Abstimmung stattfindet. Es gibt das Gerücht, am 18. Januar würden große Websiten ein Blackout durchführen, also nichts anzeigen als den Hinweis, man soll Kongressabgeordnete darauf aufmerksam machen, dass sie gegen SOPA stimmen sollten. Bisher scheint nur Reddit sich verpflichtet zu haben, in Bezug auf Wikipedia gibt es eine große Diskussion, in Italien wurde Wikipedia im letzten Oktober aus ähnlichen Gründen abgeschaltet.

Was ist das Besondere an SOPA?
SOPA ist der Versuch, mittels amerikanischer Gesetzgebung auf nicht-amerikanische Unternehmen und Webseiten Einfluss zu nehmen. Aufgrund der Abhängigkeit von US-basierten Firmen scheint das sehr gut möglich zu sein, das Internet könnte sich massiv verändern und zwar global. Es scheint zudem unwahrscheinlich, dass die Gesetzgebungen in Bezug auf Meinungsfreiheit im Internet in anderen technologisch avancierten Ländern gelockert werden würde.