Die 1:12-Initiative, Roger Federer und Wilt Chamberlain… 

Markus Somm fragt sich in Bezug auf die 1:12-Initiative Folgendes:

Was würde geschehen, wenn der internationale Tennisverband verfügte, dass Federer nur noch zwölf Mal mehr einnehmen darf als der Balljunge? Federer hätte einen anderen Beruf ergriffen – warum nicht Hochbauzeichner oder Gymnasiallehrer? Wertvolle Tätigkeiten, ohne Zweifel, aber woraus hätten mehr Leute einen Nutzen gezogen? […]

Federer, der Tennisspieler, hat mehr Menschen eine Freude bereitet als Federer, der Lehrer. Deshalb wünschen sie, Federers Triumphe am Fernsehen mitzuverfolgen, weswegen die Fernsehanstalten dank hohen Einschaltquoten mit Werbe-Spots viel Geld verdienen, wenn sie Tennis-Spiele übertragen. Und deshalb sind sie bereit, für die Übertragungsrechte den Tennisveranstaltern Millionen zu überweisen, was wiederum diesen erlaubt, Federer so viel zu zahlen, ansonsten er gar nicht aufschlagen würde, sondern lieber Kantonsschüler unterrichtete. […] Niemand zahlt einem anderen freiwillig einen überrissenen Lohn.

Tatsächlich – würde Roger Federer oft in der Schweiz spielen, müsste er nach der Annahme der Initiative seine Bezüge wohl drastisch kürzen (nicht nur, weil beim Swiss Indoors in Basel gerne ungarische Leiharbeiter zu Hungerlöhnen eingesetzt werden). Federer wird oft auch als Beispiel angeführt, weil er selber ja auch ein Team beschäftigt und beispielsweise seinem Physiotherapeuten »nur« einen Zwölftel seiner eigenen Bezüge auszahlen dürfte.

Was ist genau Somms Argument? Federer übe seinen Beruf nur deshalb aus, weil er damit so viel verdienen würde. Eine Obergrenze von ca. 500’000 Franken, wie sie die 1:12-Initiative für die meisten großen Unternehmen in der Schweiz einführen würde, hätte verhindert, dass Federer Tennis spielt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Allgemein: Die völlige Lohnfreiheit führt zu einer optimalen Zuordnung von Menschen zu Berufen.

Das darf man getrost bezweifeln. Dario Cologna ist wie Federer ein Ausnahmetalent. Sabrina* auch. Sie arbeitet in einer Kinderkrippe; leitet eine Gruppe, bildet Lehrfrauen aus, fördert die ihr anvertrauten Kinder, nimmt Inputs von Eltern auf und vermittelt ihnen pädagogisch sinnvoll die Bedürfnisse und Leistungen ihrer Kinder. Ihre Arbeit erfreut Woche für Woche 20 Menschen, die sich wohl fühlen und ihre Zukunft mit Zuversicht in Angriff nehmen können. Dario Cologna verdient wohl etwa so viel wie ein Gymnasiallehrer und Sabrina einen Drittel davon. Ihr Lohn hat kaum etwas mit ihrer Motivation, ihren Beruf auszuüben, zu tun.

Roger Federer und die 12 Balljungen und -mädchen.

Roger Federer und die 12 Balljungen und -mädchen.

Relevanter scheint mir die Überlegung, die Robert Nozick in Bezug auf Wilt Chamberlain angestellt hat. Um sie auf Federer zu übertragen: Angenommen, alle Menschen verdienen gleich viel oder ihre Löhne bewegen sich in einer gerechten Bandbreite. Nun spielt Roger Federer eine Exhibition im Stade de Suisse und 50’000 Zuschauerinnen und Zuschauer möchten je 100 Franken dafür bezahlen, ihn spielen zu sehen. Er erhält die Hälfte der Einnahmen, also 2.5 Millionen. Was ist daran ungerecht, wenn Menschen freiwillig anderen Geld geben und die es annehmen?

Nichts. Theoretisch ist es unnötig und gefährlich, wenn der Staat sich in Transaktionen einmischt, die freie Menschen miteinander abschließen. Niemand muss ins Stade de Suisse und alle können abschätzen, was sie dort erleben werden.

Aber die Angestellten von Unternehmen sind nicht Roger Federer: Ihre Leistung lässt sich nicht messen, niemand weiß, was man von ihnen konkret erwarten kann und sie erhalten das Geld nicht von Menschen, die es ihnen geben wollen, sondern über komplexe Entschädigungssysteme, bei denen die Vorgesetzten sicher stellen, dass sie selber möglichst hoch entschädigt werden und bereit sind, die Systeme entsprechend anzupassen.

Kurz: Die 1:12-Initiative würde Unternehmen helfen, wirtschaftlicher zu operieren. Dass Lohn generell mit Motivation verbunden ist, ist ein Mythos.

(Ich selber stelle eine Reinigungsfachkraft an, um meine Wohnung putzen zu lassen. Damit habe ich lange gezögert, weil ich grundsätzlich nicht einsehe, warum jemand für mich die Arbeit machen soll, die ich selber nicht gerne mache. Ich zahle ihr etwas mehr als die Hälfte von dem, was ich in dieser Zeit verdienen würde. Ist das gerecht?) 

*Name geändert… 

Intermezzo: Jakob Hlasek, »a Nazi male model«

Immer wieder merkt man, was für Texte man schon länger hätte lesen sollen. Dazu gehören die Reportagen von David Foster Wallace. Eben: Darauf aufmerksam werden, wenn der gute Mann sich erhängt hat, ist recht uncool, weil es dann alle werden. Aber immerhin findet man dann, was man schon immer mal über die beiden Vorgänger von Roger Federer lesen wollte (und der geheime Wunsch, dass mehr Leute grundlos als Nazis bezeichnet würden, erfüllt sich auch gleich):

Still, even most main-draw players are obscure and unknown. An example is Jakob Hlasek 11 a Czech who is working out with Marc Rosset on one of the practice courts this morning when I first arrive at Stade Jarry. I notice them and go over to watch only because Hlasek and Rosset are so beautiful to see — at this point, I have no idea who they are. They are practicing ground strokes down the line — Rosset’s forehand and Hlasek’s backhand — each ball plumb-line straight and within centimeters of the corner, the players moving with compact nonchalance I’ve since come to recognize in pros when they’re working out: The suggestion is of a very powerful engine in low gear. Jakob Hlasek is six foot two and built like a halfback, his blond hair in a short square Eastern European cut, with icy eyes and cheekbones out to here: He looks like either a Nazi male model or a lifeguard in hell and seems in general just way too scary ever to try to talk to. His backhand is a one-hander, rather like Ivan Lendl’s, and watching him practice it is like watching a great artist casually sketch something. I keep having to remember to blink. There are a million little ways you can tell that somebody’s a great player — details in his posture, in the way he bounces the ball with his racket head to pick it up, in the way he twirls the racket casually while waiting for the ball. Hlasek wears a plain gray T-shirt and some kind of very white European shoes. It’s midmorning and already at least 90 degrees, and he isn’t sweating. Hlasek turned pro in 1983, six years later had one year in the top ten, and for the last few years has been ranked in the sixties and seventies, getting straight into the main draw of all the tournaments and usually losing in the first couple of rounds. Watching Hlasek practice is probably the first time it really strikes me how good these professionals are, because even just fucking around Hlasek is the most impressive tennis player I’ve ever seen 12. I’d be surprised if anybody reading this article has ever heard of Jakob Hlasek. By the distorted standards of TV’s obsession with Grand Slam finals and the world’s top five, Hlasek is merely an also-ran. But last year, he made $300,000 on the tour (that’s just in prize money, not counting exhibitions and endorsement contracts), and his career winnings are more than $4 million, and it turns out his home base was for a time Monte Carlo, where lots of European players with tax issues end up living.
[Den ganzen Text findet man hier: http://www.esquire.com/features/sports/the-string-theory-0796#ixzz0UIH3HyN8]

So sieht Hlasek im Übrigen aus und ungefähr das macht er heute (wenn heute 2007 wäre):

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»Here’s my key / philosophy« – DJ Bobo Top 10

Es gab eine Zeit, in der DJ Bobo der bekannteste Schweizer war. Es war eine schöne Zeit, bevor Tennisspielerinnen zu koksen anfingen und Tennisspieler Interviews in vier Sprachen gaben, nebenher Zwillinge zeugten und wie beiläufig gedopte Spanier, aufmüpfige Serben und freche Schotten in die Schranken wiesen.
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In dieser Zeit gab es auch noch gute Songtexte, an die ich beim versehentlichen Hören einer populären Musikstation vor kurzem aufmerksam geworden bin:

Und da überkam es mich: Die 10 besten Formulierungen aus DJ Bobos gesammelten Werken müssen kompiliert werden, im Stil von »feel the bassline feel the groove
the beat the bass the lyrics are fine«. Voilà. (Alles gecopypasted…)

  1. Everybody loves to dance with another summer romance.
  2. ‚Cause you know when I flow and I show you so.
  3. You gotta check this out yo la da di.
  4. Then we are coming to an end like you understand / That I’m a party men did the best I can
  5. HE HAD THE KEY-WORD / FOR EVERYTHING SHE FELT / SO IT DIDN’T TAKE LONG / TILL HE GOT HER NAILED
  6. Planet earth is our place / Insanity is lost in space / A world of dreams is what we share  / Where honesty is in the air
  7. How could I be so mean to you  / Please let me know, what I can do  / I feel ashamed, I was such a fool / Hope it’s not too late, I was trying to be cool
  8. Tolerance is the key to make a better start / I’ve been waiting for my lessons of life  / And I’ve learned everything has always two sides
  9. It doesn’t matter what kind of race / When we pray for freedom
  10. What has happened to paradise in motion or paralysed / Isolation, immigration frustration all over the nation  / We’ve been waisting most of our time  / just talking about things and that’s no sign  / Recognize – the advice it is more than only an exercise.