Wie ich wähle – social media und die Nationalratswahlen 2011

Auf Politnetz beteilige ich mich gerade an einer spannenden Diskussion über die Frage, ob social media 2011 einen Einfluss auf die Nationalratswahlen habe. Meine Meinung: Nein.

2011 entscheidet Social Media nicht darüber, ob jemand gewählt wird oder nicht. Dass Social Media wichtig ist, ist m.E. auch im Marketing-Bereich eine self fulfilling prophecy, mit der BeraterInnen Geld verdienen, die sie aber nicht belegen können.
Social Media basiert auf Content, und dieser Content muss immer auch webbasiert sein. Diesen Content zu erstellen – das braucht viel Zeit. Man kann nicht einfach ein FB-Profil erstellen und hoffen, dass dann 10’000 Leute „like“ drücken und man Barack Obama wird. Ein FB-Profil braucht Inhalte, also Medienberichte, Videos, Blogposts etc. – auf die dann „Freunde“ reagieren können, mit denen dann ein Dialog entsteht.
Es wäre schön, die Politik in der Schweiz wäre 2011 abhängig von Themen, Inhalten und Diskussion. De facto entscheiden aber noch immer die Parteien und die Listenplatzierungen über Wahl oder Nicht-Wahl.
Ich schlage eine Untersuchung vor, die doch Politnetz gleich übernehmen könnte: Ich einem einigermaßen großen Kanton (z.B. Aargau) werden alle Kandidierenden bezüglich Social Media-Einsatz eingestuft, z.B. als „engagiert“, „präsent“ und „nicht-präsent“. Interessant wäre dann zu sehen, ob die „engagierten“ mehr Plätze gegenüber ihren Listenplätzen gut machen als die „nicht-präsenten“. Ich würde wetten: Das wird nicht der Fall sein.

Darauf hat Andreas Amsler geantwortet und behauptet, »Politik in der Schweiz ist abhängig von Themen, Meinungen und Köpfen […] genau in dieser Reihenfolge«.

Deshalb möchte ich kurz darlegen, wie ich wähle – und behaupten, dass sehr viele Menschen diesem Schema folgen:

  1. Aussortieren der nicht-wählbaren Parteien.
  2. Die restlichen Listen auf bekannte Personen durchsuchen: Unsympathische streichen, sympathische wählen.
  3. Die restlichen Stimmen verteilen sich auf:
    a) Smartspider-Übereinstimmungen
    b) Biographische Fakten wie Beruf (ich wähle z.B. ungern JuristInnen und gern HandwerkerInnen), Alter (lieber jung, aber nicht zu jung), Geschlecht (lieber Frauen als Männer).

Social media spielt  beim Punkt 2. eine Rolle: Ich kenne wählbare Personen von ihren Twitteraktivitäten. Aber ich bin eine Ausnahme: Ich kenne in meinem Real-Life-Umfeld keine Menschen, welche Twitter aktiv nutzen und nur wenige, die überhaupt wissen, was Twitter ist. Und die Chance, mir unsympathisch zu werden – trotz großem social media-Engagement – ist ebenfalls gegeben.