Serien, die ich schaue – Teil 3

Vor eineinhalb Jahren habe ich die Liste der Serien, die ich schaue, weitergeführt und neue Serien kommentiert. Nach meinem Vortrag vom Januar über Serien  und einem Beitrag von Ronnie Grob in der Medienwoche ist es Zeit, die Liste wiederum zu ergänzen.

Zuerst die Liste mit den Serien, die ich fertiggeschaut habe oder immer noch sehen – und von denen ich restlos überzeugt bin. Je weiter oben, desto besser, meiner Meinung nach. Alle erwähnten Serien habe ich in den bisherigen Posts schon einmal vorgestellt (Teil 1 oder Teil 2).

  1. The Wire.
  2. Breaking Bad.
  3. The Sopranos.
  4. Justified.
  5. Boardwalk Empire.
  6. Sons of Anarchy.
  7. The Shield.
  8. The West Wing.
  9. Six Feet Under.
  10. Treme.
  11. Eastbound & Down.
  12. Arrested Development.
  13. Curb Your Enthusiasm.
  14. United States of Tara.
  15. Hung.

Gesehen habe ich zudem folgende Serien, sie überzeugen mich aber nicht vollständig – entweder waren die ersten Staffeln besser, die Serie wurde repetitiv oder eingestellt. Die fett markierten sind aber meiner Meinung nach empfehlenswert:

Damages – Mad Men – In Treatment – Weeds – Stromberg – Californication – How I Met Your Mother – Deadwood – Türkisch für Anfänger – Homicide – Lost – Two and a Half Men – Entourage – True Blood – 24 – The Chicago Code – Blue Bloods – White Collar – The Office (US) – Terriers – Community – Running Wilde – Rubicon – Modern Family – The Event – Flash Forward – Dexter – Leverages – Lights OutLuck

Neu dazu gekommen sind folgende Shows, die ich auch wieder bewerte –  ***** steht für die Qualität von »The Wire« und * für eine Serie, die nicht einmal ich schauen würde:

        1. Bored to Death. ****(*)
          Drei Männer leiden an ihrem Dasein – auf sehr hohem Niveaus. Zwischen einem langweiligen Leben mit Cocktails, Affären und Small Talk schieben sich plötzlich Film Noir Elemente und Detektivgeschichten. Sehr lustiger Nonsense.
        2. Game of Thrones. ****
          Die ganz grosse Fantasy-Kiste von HBO. Ist alles drin, was man erwarten würde, wenn HBO Lord of the Rings als Serie machte: Großartige Außenaufnahmen, Sex, Gewalt und eine epische Geschichte mit enorm vielen Charakteren. Braucht etwas Zeit zum reinzukommen, lohnt sich aber. Fantasy ist nicht so mein Favorit.
        3. Homeland. *****
          Ein atemberaubender Thriller. 24, einfach raffiniert.
        4. New Girl. ***
          Sitcom mit Zooey Deschanel. Mehr gibts nicht zu sagen: Sitcoms sind öde, die Scherze absehbar und rezykliert, Deschanel aber einzigartig.
        5. The Killing. ****(*)
          Leider habe ich erst den Anfang der zweiten Staffel gesehen. Killing erzählt einen Krimi als Serie. Die Geschichte erfährt viele unerwartete, aber auch unglaubhafte Wendungen und wird langsam, in düsteren Bildern erzählt. Hier meine Würdigung in einem Blogpost.
        6. The Newsroom. ****
          Aaron Sorkin hat eine neue Serie. Der Autor von West Wing ist bekannt für schnelle und witzige Dialoge – die immer auf Kosten des Realismus gehen. Mir persönlich zu viel Pathos und Drama, zu episodisch erzählt. Aber immer unterhaltsam.
        7. Shameless. ****(*)
          Shameless zeigt die amerikanische Unterschicht: Ein Leben in Armut und mit Schmerzen – aber ein lebenswertes Leben. Eine Großfamilie weiß sich trotz zwei völlig verantwortungslosen, egoistischen Eltern zu helfen. Manchmal dramatisch, manchmal lustig, manchmal aber zu überdreht. Der Trailer zeigt noch eine andre Seite der Show:
        8. Parks and Recreation. ****
          Eine Serie, die schon länger läuft. Sie zeigt den Büroalltag in der amerikanischen Verwaltung als Mockumentary. Teilweise sehr lustig, gibt aber auch einige Durchhänger. Es lohnt sich aber, bis zur zweiten Staffel vorzudringen – der Charakter der Hauptfigur wurde aus Publikumswunsch recht stark umgeschrieben.
        9. Girls. ***(*)
          Wie New Girl stark von der Hauptdarstellerin, Lena Dunham, abhängig. Dunham ist authentischer, schräger und beunruhigender als Deschanel; die Serie aber mässig gut geschrieben, was sich sowohl in Dialogen wie auch in der Geschichte zeigt.
        10. Revenge. ***
          Kämpfe mich momentan etwas durch, obwohl mich die Idee angesprochen hat: Eine junge Frau will die noble Gesellschaft in den Hamptons das Fürchten lehren, um ihren Vater zu rächen. Das Ganze verliert etwas an Schwung und will jedes Details jedem Zuschauer verständlich machen – was seriengewohnte Menschen schnell nervt.
        11. Episodes. *****
          Einer meiner momentanen Favoriten. Ein britisches Paar dreht in Hollywood eine Serie, in der Matt LeBlanc, der sich selber spielt, eine Hauptrolle erhalten muss. Die Schauspieler sind großartig, die Ironie unübertroffen, der britische Humor rundet alles ab.
        12. Bobs Burgers. *****
          Wer hintersinnige Cartoons mag – das ist etwas vom besten, was man derzeit sehen kann. Die Figuren sind perfekt, die Stimmen passen und der Humor lässt einen Tränen lachen. Aber natürlich alles sehr episodisch.

Ebenfalls reingeschaut habe ich bei:

The Walking Dead – Louie – House of Lies – The Firm – Longmire

Für ein Urteil müsste ich noch mehr sehen. So, und nun widme ich mich Sherlock – der wohl wichtigsten Leerstelle auf meiner Liste…

Wie immer freue ich mich über Hinweise in den Kommentaren.

Zum Ende von Mag20

Mag20 war ein Magazin-Experiment: Jede Woche wurden die 20 Artikel gedruckt, die auf Social Networks am meisten Empfehlungen erhielten. Keine Redaktion mischte sich ein, die Community allein war für die Qualität und Selektion der Beiträge verantwortlich. Sechs Hefte wurden so gedruckt, ein erstes erscheint noch nach einem anderen Prinzip. Auch ich beteiligte mich an diesem Experiment und habe so vier Beiträge publiziert (1, 2, 3, 4 – alle pdf), ein fünfter wäre am nächsten Freitag erschienen.

Wäre. Heute kündigte der Gründer und Betreiber von Mag20, Markus Bucheli, einen »Betriebsunterbruch« an. Auf unbestimmte Zeit würde das Projekt unterbrochen, dies »nach Absprache mit allen involvierten Geschäftspartnern«. Man darf spekulieren, warum die Geschäftspartner und Bucheli dem Experiment nur sechs Wochen Zeit gegeben haben. Mitte August schrieb Nick Lüthy in der Medienwoche unter dem Titel »Gesicherter Start ins Ungewisse«:

Medienexperimente scheitern oft deshalb, weil man ihnen zu wenig Zeit gibt. Damit es Mag20 nicht auch so ergeht, hat Georges Bindschedler das Portemonnaie geöffnet.

Offenbar war der Start nicht gesichert – oder die Partner wie Bindschedler änderten ihre Meinung. Schon im Medienwochen-Artikel merkte Bindschedler an, es bestünde die Gefahr, dass »[…] die Community keine kritische Grösse erreicht, [dann] bestimmen ein paar wenige, was 50′000 Leute lesen sollen.«

Tatsächlich: Beim Heft, das nächsten Freitag hätte gedruckt werden sollen, haben nur gerade die beliebtesten drei Beiträge mehr als 100 Empfehlungen bekommen. Texte wie der des emeritierten Banking Professors Hans Geiger über die Bedeutung des Finanzplatzes Schweiz wurden weniger als 20 Mal weiterempfohlen. Es bestimmten also wenige, was im Heft stand, die Auswahl könnte man auch zufällig nennen. Oft gab eine Empfehlung den Ausschlag, ob ein Text gedruckt wurde und damit ein viel größeres Publikum erreichte. Das ist eines der Probleme bei diesem Experiment.

Damit verbunden wäre die Bildung einer Community: Zwar entstand auf Twitter so etwas wie eine kleine Gemeinschaft von Mag20-Autorinnen und -Autoren, die aber auch einem rauen Gegenwind ausgesetzt waren. Nicht nur Andreas Gossweiler kritisierte die anbiedernden Bemerkungen zu verlinkten Beiträgen, auch Dani Fels war in seinem Fazit eher harsch:

Die Kritik trifft aber ein Kernproblem: Ich beschloss nach der ersten aktiven Woche beim Projekt, meine Texte nur noch so promoten, wie ich das auch mit Texten auf meinen Blogs mache. Ohne Werbung schaffte ich es aber Woche für Woche problemlos unter die Top20 – mein Netzwerk ist bzw. war groß genug. Wenn die persönlichen Netzwerke entscheiden, welche Texte gedruckt werden, dann ist das nicht die Idee eines Crowdsourcing-Projekts, finde ich. Eine Community von Lesenden und Schreibenden, die gemeinsam die besten oder attraktivsten Texte auswählt: Das gab es bei Mag20 (noch) nicht.

Ein weiteres Problem ist wohl die Rolle der Medienpartner, die nicht davon ausgehen können, dass ihre Beiträge wirklich auch gedruckt werden. Zudem wurde Blogwerk eher unangenehm in Szene gesetzt durch die Partnerschaft mit Mag20, auch die liberale Zeitschrift Schweizer Monat steht politisch eher schräg zur Ausrichtung von Mag20.

Dazu kommen gewisse Qualitätsprobleme: In der aktuellen Ausgabe (Nr. 7) findet sich z.B. ein Artikel von Rita Angelone, der nicht nur schon auf zwei Blogs publiziert worden ist (dieangelones.ch, blog.wireltern.ch), sondern zudem in weiten Teilen einfach eine Übersetzung eines englischen Artikels ist, der in den Quellen ohne Link angegeben wird; ein Text einer Schülerin über ihr Handy, der faktische Fehler enthält; sowie ein esoterischer NLP-Text von Yves Hönger. (Daneben standen aber natürlich auch sehr interessante, tiefgründige Texte – und damit meine ich nicht meinen…)

Diese Qualitätsprobleme schlagen sich auf das angestrebte Zielpublikum nieder: Immer wieder habe ich die Leute im Bus beim Lesen von Mag20 beobachtet – und ich war mir nie sicher, ob die wirklich das in den Händen halten, was sie lesen wollen. Die (ästhetisch zweifelhaften) Cover zeigten immer schöne Menschen, man erwartete wohl eine Art Schweizer Illustrierte, der Inhalt waren bunt gemischte Texte zu verschiedensten Themen auf allen Stil- und Niveauebenen.

Natürlich, kann man nun sagen, es war als Experiment gedacht. Aber vieles hätte man vorhersehen können. Wer sowas wie Mag20 aufzieht, muss einen Businessplan für ein Jahr haben. Nach sechs Wochen aufzugeben bedeutet, man hätte gar nicht anfangen müssen. Zu erwarten, die Werbekunden würden in wenigen Tagen ein solches Projekt genügend stützen, damit es keine Verluste einfährt, traue ich Markus Bucheli nicht zu.

Zudem – und das wird auch in den Kommentaren angemerkt – müsste die Community früher informiert werden, wenn das Experiment abgebrochen wird. »Wer gedruckt wird, hat einen Prestigegewinn gegenüber den Autoren, deren Werke nur auf der Internetseite sichtbar sind«, schrieb Gossweiler in seinem Blog.. Diesen Prestigegewinn nahm man den Autorinnen und Autoren, die in der vergangenen Woche beliebte Texte geschrieben haben.

* * *

Man könnte sich fragen, warum ich als etablierter Blogger überhaupt bei Mag20 mitmache. Dazu drei Antworten: Erstens ist es sehr reizvoll, die eigenen Gedanken gedruckt zu sehen. Müller hat, so finde ich, zumindest psychologisch recht. Zweitens wollte ich das Experiment richtig erleben, sehen, was passiert, was möglich ist, mitgestalten. Und drittens schreibt man andere Texte, wenn man nicht sein Stammpublikum, sondern die Mitpassagiere im Bus adressiert. Das hat mich herausgefordert – und deshalb finde ich es schade, dass es das Heft nicht mehr gibt.

Das Paywall-Problem

Wenn Verlage beispielsweise Inhalte von Tageszeitungen online anbieten, haben sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten, damit Geld zu verdienen:

  1. Werbung
  2. Kostenpflicht: Leserinnen und Leser dafür bezahlen lassen.

Beide funktionieren – aber nicht gut genug. Das heißt: Online-Angebote ergänzen heute das Print-Angebot, das immer weniger rentabel wird (oder gar nicht mehr ist), die dafür entstandenen Texte werden online noch einmal verwertet.

Da nun Leserinnen und Leser aufgrund von besseren und mobileren digitalen Lesegeräten die Online-Lektüre als echte Alternative zur gedruckten Zeitung betrachten, gefährdet das Online-Angebot den Verkauf von Printprodukten. Das hat drei gute Gründe:

  1. Artikel erscheinen online häufig früher.
  2. Artikel sind online kostenlos.
  3. Online können Artikel aus beliebig vielen Medien gelesen werden.

Der logische Schluss scheint eine Paywall zu sein: Damit man Artikel online lesen darf, muss man dafür zahlen. Das aktuell favorisierte Modell heißt »metered paywall«. Es wird favorisiert, weil es die New York Times scheinbar erfolgreich einsetzt und es ein Kompromiss zu sein scheint. Es funktioniert nämlich so: Jeder Leser darf eine bestimmte Anzahl Online-Artikel aus der New York Times monatlich gratis lesen (z.B. 20), danach wird er aufgefordert, ein Online-Abo zu lösen. Die Idee ist die: Das Teilen von Artikeln ist immer noch möglich, aber nicht mehr unbeschränkt. Interessierte Leserinnen und Leser haben einen Anreiz, ein Abo zu lösen.

Perimeter Institute, Ontario. (Wikimedia Commons)

Dieses Modell will die NZZ momentan einführen. Das Modell ist meiner Meinung nach aus folgenden Gründen problematisch (vgl. auch diesen Artikel von Guy Tasaka dazu):

  1.  Wo setzt man die Grenze? 
    20 Artikel sind recht viel. Die meisten Menschen stossen per soziales Netzwerk auf Artikel und lesen weniger als 20 Artikel monatlich – sie merken nicht einmal, dass es eine Paywall gibt und haben also auch keinen Anreiz, Geld zu bezahlen.
    Setzt man die Grenze tiefer, dann stossen die meisten Menschen auf den Paywall und empfinden ihn ähnlich wie einen unmetered Paywall: Als Abschreckung und Grund dafür, Artikel nicht mehr zu verlinken oder anzuklicken.
  2. Wie reagieren Menschen auf metered Paywalls?
    Wer auf einen Artikel klickt, den aber aus bestimmten Gründen nicht direkt lesen kann, tut meistens zwei Dinge: Entweder versucht er, die Sperre zu umgehen – oder aber er bricht den Leseversuch ab. Die wenigsten Menschen zücken die Kreditkarte und zahlen.
  3. Technische Probleme
    Ich nutze eine Reihe von Geräten an einer Reihe von Standorten, um Zeitungsartikel zu lesen. Gilt nun die Grenze für jedes Gerät und jeden Standort – oder ist es technisch möglich, mich als User zu identifizieren?
    Kann ich Links aus mobilen Applikationen wie Twitter, Facebook etc. anklicken oder wird das verhindert?
  4. Gratisverwertung
    Es ist für Verlage attraktiv, beliebte Artikel zugänglich zu machen, weil man damit Werbeeinnahmen generieren kann. Die FAZ und die NZZ verzögern heute die Online-Publikation etwas: Die zahlenden Kunden können Artikel früher lesen als die Gratisleser. Gleichwohl besteht die Gefahr, dass zahlende Kunden sich betrogen vorkommen: Weil es möglich ist, über die metered Paywall oder die verzögerte Publikation die Artikel, für die sie bezahlen, kostenlos lesen zu können.

Dieses letzte Problem stellt sich schon heute, wie folgender Tweet zeigt:

Wenn es beispielsweise über Twitter möglich ist, Artikel im großen Stil zugänglich zu machen, wie das der Twitter-Account @KueddeR tut, dann erkennt man, dass die zahlenden Online-Kunden der NZZ und des Tages-Anzeiger nur für Benutzerfreundlichkeit zahlen, nicht aber für Inhalte. Damit kehrt man eigentlich wieder zum traditionellen Geschäftsmodell der Zeitungen zurück: Anzeigen decken die Kosten für Inhalte, Abo- und Verkaufseinnahmen die für Druck und Logistik.

Nur kann man das den Kunden heute schwer schmackhaft machen: Viele Tools erleichtern die Lektüre von Twitter-Links und kaum jemand ist bereit, nur deshalb zu zahlen, weil eine App nett aussieht.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Das Abo-Modell basiert auf der Vorstellung, jemand wolle alle Artikel aus einer bestimmten Zeitung lesen und dafür auch bezahlen. Das funktioniert allenfalls bei den für Qualität bekannten Marken – in der Schweiz also für die NZZ und allenfalls für Publikationen mit einem eingeschränkten Zielpublikum. Man müsste eine Möglichkeit anbieten, dass Leserinnen und Leser für 10 Artikel zahlen könnten – mit einem Klick.

Und es bleibt ein letztes Problem: Texte lassen sich heute nicht mehr »einsperren«. Versucht man es trotzdem, dann werden sie entweder ignoriert oder »befreit«: Jemand kopiert sie raus und publiziert sie auf einer externen Plattform, wo die Werbeeinnahmen an Dritte gehen und der Zugriff problemlos möglich ist.

Newsportale und Kommentare – ein Vorschlag

Jeder und jedem Online-Medienutzenden der Schweiz ist klar, dass Kommentare auf Newsportalen eine schwierige Angelegenheit sind: Selten beziehen sich die Kommentierenden auf die konkreten Inhalte der Artikel, sie beabsichtigen meistens, einen eigenen Standpunkt durchzusetzen und die Diskussion wird sehr schnell unübersichtlich und nimmt eine Eigendynamik an – was dazu führt, dass das Lesen der Kommentare für Lesende keinen Mehrwert bietet. Exemplarisch steht dafür der Mamablog von Newsnetz – dessen Diskussionen sich innerhalb einer Community abspielt, welche ausschließlich mit sich selbst beschäftigt ist (und nicht mit den Themen). [Vgl. auch meinen Durchschnittswähler-Blog.]

Die Medienwoche hat sich in zwei Artikeln damit auseinandergesetzt und Zitate von Verantwortlichen aufbereitet: »Jeden Tag Krawall« und »Wenn der Leser ausrastet«. Fazit: Die Kommentare verursachen viel Arbeit und wenig Befriedigung, bringen aber wertvolle Klicks, weil Kommentierende Seiten immer wieder aufrufen. Zudem machen die Artikel klar, dass nur Lesen und Löschen von Kommentaren keine adäquate Bearbeitung darstellt, für mehr die Zeit aber nicht reicht.

Meiner Meinung nach müssten Newsportale deshalb unter ihren LeserInnen mit »Powerusern« zusammenarbeiten – gut informierten Menschen, welche ihre Positionen gut formulieren können und die Perspektiven der Portale ergänzen können. Die Kommentare dieser Poweruser würden dann stets zuoberst angezeigt (u.U. mit der Möglichkeit, dass auch andere Kommentare nach oben gevotet werden können). Ein solches System könnte bewirken, dass die ersten Kommentare (die den Lesenden gleich angezeigt werden) sowohl einen Mehrwert beinhalten als auch den Eindruck erwecken, dass hier eine gehaltvolle Diskussion geführt wird, an der sich nur beteiligen kann, wer wirklich etwas zu sagen hat (und nicht »Krawall« machen will).

Um noch ein konkretes Beispiel anzufügen: Gawker.com hat einen Featured-Thread, bei dem eine Diskussion angeboten wird, der User aber zusätzlich auch alle Diskussionen anzeigen lassen kann. Das fände ich eine großartige Möglichkeit. Vgl. z.B. hier.