Wird das Leben in der Schweiz weniger sicher?

Die ehrliche Antwort auf die Frage: Wir wissen es nicht.

Das hat verschiedene Gründe:

  1. Die verfügbaren Statistiken zeigen nur kleine Zeiträume und sind vom Bundesamt für Statistik ungenügend aufgearbeitet. Ich habe gestern und heute mehrere Stunden recherchiert und bin zu keinen schlauen Übersichten gelangt.
  2. Die Sicherheit ist oft kein objektiver Wert, der sich aus statistischen Angaben über Delikte ermitteln ließe, sondern hat viel mit dem Sicherheitsempfinden der Menschen zu tun, das sich nicht an objektiven Gegebenheiten orientiert, sondern sich durch die Inszenierung von sicherheitsbezogenen Aspekten (Präsenz von Polizei/Sicherheitsmitarbeitenden, Präsentation in den Medien etc.) beeinflussen lässt.
  3. Statistiken sind in diesem Bereich notorisch unsicher: Wie das Schema des BFS zeigt, werden  nicht gleich viele Straftaten entdeckt und angezeigt.

Bildschirmfoto 2013-08-21 um 20.26.30

Die Tötungsdelikte (inklusive versuchten Delikten) schwanken seit 2000 zwischen 161 und 185 – eine steigende Tendenz ist nicht erkennbar. Das alleine reicht aber nicht für eine Aussage in Bezug auf die Sicherheit aus.

Und so bleibt es beim »Confirmation Bias«: Wer aufgrund seiner Erfahrungen und Wahrnehmungen die Sicherheitslage in der Schweiz für tendenziell schlechter als früher hält, wird sämtliche anderen Indikatoren stärker anzweifeln als die Belege für seine oder ihre Wahrnehmung – und wer andere Meinung ist, wird umgekehrt skeptisch den Argumenten gegenüber sein, die für eine Verschlechterung sprechen.

Eine weitere Rolle spielt das »Mean World Syndrome«, das besagt, dass der häufige Konsum von Berichten über Gewaltakte die Wahrnehmung verzerrt:

Das Fernsehen  liefert keine augenscheinlichen Daten über die Eigennützigkeit oder den Egoismus von Menschen, und doch stellten Gerbner et al. fest, dass Vielseher die reale Welt für erbärmlicher und gefährlicher halten als dies Wenigseher tun. Vielseher sind vorsichtiger, misstrauischer und ängstlicher. So neigen Vielseher bspw. zu der Einstellung, dass man im Umgang mit anderen Menschen nicht vorsichtig genug sein kann und  die meisten Menschen nur an sich selbst dächten. Die Kultivierung des Mean World Syndroms führen Gerbner et al. auch darauf zurück, dass das Fernsehen die Zuschauer zur Opferrolle erzieht. Da Vielseher eine hohe Menge an Verbrechen präsentiert bekommen, lernen sie wie es  ist Opfer zu sein und diese Rolle erscheint ihnen als sehr real und wahrscheinlich.