Geschlechterquote statt Frauenquote

Die viel diskutierte Frauenquote in bestimmten Bereichen des politischen oder beruflichen Lebens geht implizit schon von einer Diskriminierung der Frau aus. Eine Quote ist deshalb ein sinnvolles Instrument, weil es Verantwortliche dazu zwingt, über die Kategorie Geschlecht nachzudenken, sie sichtbar macht – und damit auch Privilegien und Diskriminierungen. Idealerweise funktionierte das in Bezug auf alle Kategorien und alle Geschlechter (es gibt nicht nur zwei…). Aber um mal bei der eng gefassten Frage der Frauenquote zu bleiben: Was spricht eigentlich dagegen, sie als Geschlechterquote zu formulieren?

Beide Geschlechter müssen mit einem Anteil von mindestens 10/20/30/40/49% im Gremium X vertreten sein?

Eine solche Quote kann man gerne auch ausdehnen, auch auf Berufe, in denen Frauen dominieren oder solche, die nicht mit hohem Status und Gehalt verbunden sind.

Man darf sich gerne fragen, was passieren würde, wenn 10% der Angestellten einer Kinderkrippe Männer sein müssten, oder 10% der auf einer Baustelle Arbeitenden Frauen. Meiner Meinung nach wäre der Effekt äußerst heilsam und würde die Rollenprobleme, die unsere Gesellschaft auch nach Jahrzehnten feministischen Diskurses nicht ansatzweise lösen konnte, recht schnell aufbrechen.

Die Umsetzbarkeit der Frauenquote

In einem Kommentar zu meinem letzten Post wurde angemerkt, eine Frauenquote sei nicht umsetzbar, vor allem für KMUs. Ich möchte deshalb skizzieren, wie sich eine Quote umsetzen ließe.

Von mir aus könnte man die Quoten auf AHV-Arbeitgeberbeiträge beschränken. Innert fünf Jahren dürften in jedem Lohnband maximal 60% der Beiträge von einem Geschlecht stammen, andernfalls würde eine Strafgebühr (ähnlich der militärischen Ersatzpflicht fällig). Diese wird zurückbezahlt, wenn die Obergrenze (auf die ganze Zeit bezogen) wieder unterschritten wird. Selbstverständlich gäbe es Ausnahmeregelungen für Lohnbänder mit nur einer Angestellten.
(5 Jahre und 60% sind Werte, die man überdenken könnte).

Die Quote wäre so keine Frauenquote mehr – sondern eine Geschlechterquote.

Update 7. Februar: Mein Vorschlag wäre mit einem langfristigen gesellschaftlichen Wandel verbunden. Arbeitgebende müssten dazu ermuntert werden, attraktive Jobs für alle Menschen anzubieten. Der Gleisbauer (um ein Beispiel aus den Kommentaren zu verwenden) müsste nicht nur Frauen einstellen, sondern zusehen, dass Frauen auch so ausgebildet werden, dass sie diesen Job verrichten können. Es ist ja nicht von der Natur aus so bestimmt, dass nur Männer körperliche Arbeit verrichten können und nur Frauen andere Menschen pflegen.

Eine Bemerkung zur Frauenquote

Für einmal verweise ich nicht auf die Newsnetz-Diskussion zur Frauenquote, sondern auf ein sensationelles Interview, in dem Leo Fischer, Titanic Chefredaktor, sagt:

Wie andere führende Medienhäuser glauben wir, dass eine Quote mehr schadet als nützt. Wir wollen weiterhin bei der Besetzung offener Stellen lieber Sympathie, nackte Willkür und Kumpanei entscheiden lassen können als die planwirtschaftlichen Wahnvorstellungen einer Frau von der Leyen.

Satire beiseite. Diese Stammtisch- oder Pausenraumdiskussion über Frauenquoten geht von folgendem Argument aus:

  1. Angestellt werden die Mitarbeitenden mit den besten Qualifikationen.
  2. Das Geschlecht spielt bei Anstellungen keine Rolle.
  3. Ergo führt eine Frauenquote dazu, dass schlechter qualifizierte Frauen besser qualifizierten Männern vorgezogen werden.

Selbstverständlich sind die Prämissen 1. und 2. zweifelhaft. Um nur ein Beispiel zu nennen: Frauen sind, sobald sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, potentielle Mütter und also auch ein potentielles Risiko für einen Arbeitgeber, weil sie einen Mutterschaftsurlaub beanspruchen könnten. Folglich wäre es nicht undenkbar, dass ein schlechter qualifizierter 30-Jähriger einer besser qualifizierten 30-Jährigen vorgezogen wird.

Frauenquoten dienen dazu, eine offene oder versteckte Diskriminierung zu korrigieren. Umgekehrt könnten Männerquoten dazu dienen, dass bestimmte Berufe aufgewertet werden (z.B. Pflegeberufe oder Kinderbetreuung).