Für ein allgemeines Krawattenverbot in der Schweiz

Als Gründer von Facebook-Gruppen trete ich nur bei wirklich wichtigen Anliegen in Erscheinung, so z.B.
Nun aber habe ich zum dritten Mal die mühsamen Schritte durchlaufen, die es braucht, um eine FB-Gruppe zu gründen: Voilà.
Hier die wichtigsten Argumente:
1.
Krawatten sind ein französisch-kroatischer Import und als solches mit der Schweizer Tradition der funktionalen und schlichten Kleidung und unserer Kultur unvereinbar.
2.
Niemand trägt freiwillig Krawatten, vielmehr handelt es sich um eine subtile Form von Zwang durch das Wirtschaftssystem, insbesondere Banken. Schlingen um den Hals sind unbequem und tangieren die Menschenwürde in erheblicher Art und Weise. Man muss den so unterdrückten Männern helfen, ein individuellen Ausdruck durch Kleidung zu finden – Krawatten verhindern das in jeder Form.
3.
Ein Verbot von Krawatten schränkt keinerlei Freiheiten ein, zumal niemand Krawatten für irgendetwas braucht; sie sind generell nutzlos.
4.
Krawatten sind für ihre Träger und für die Öffentlichkeit gefährlich. Man hat schon viel über die Gefährlichkeit von Capes an Anzügen von Superhelden gesprochen, genau so gefährlich sind Krawatten: Wie leicht verfängt sich eine in einer Zugtüre und führt zum Schleiftod ihres Trägers, wie oft wurden unschuldige Menschen unzüchtig von Krawatten berührt.
Mit einem Verbot von Krawatten macht die Schweiz einen wichtigen Schritt in Richtung auf die Besinnung auf die eigene Kultur und Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen in der Schweiz.
Für die Idee  sei Andreas Kyriacou Dank ausgesprochen!

Aufgaben – und mal wieder Facebook und Feminismus

Immer wieder werde ich von LeserInnen meines Blogs gefragt, warum ich denn in Foren und in den Kommentarfunktionen mit Leuten diskutiere, die erstens kaum zu einer Diskussion bereit scheinen, weil sie sich eine Meinung gebildet haben, die auch kaum einer Diskussion würdig sei. Ein viel bessere Antwort, als ich sie geben könnte, habe ich heute in einer längeren Rede von Jürgen Habermas gefunden, an deren Ende er schreibt:

Der Intellektuelle soll ungefragt, also ohne Auftrag von irgendeiner Seite, von dem professionellen Wissen, über das er beispielsweise als Philosoph oder Schriftsteller […] verfügt, einen öffentlichen Gebrauch machen. Ohne unparteiisch zu sein, soll er sich im Bewusstsein seiner Fallibilität äussern. Er soll sich auf relevante Themen beschränken, sachliche Informationen und möglichst gute Argumente beisteuern, er soll sich also bemühen, das beklagenswerte diskursive Niveau öffentlicher Auseinandersetzungen zu verbessern. […] Und er darf den Einfluss, den er mit Worten erlangt, nicht als Mittel zum Machterwerb benutzen, also «Einfluss» nicht mit «Macht» verwechseln. In öffentlichen Ämtern hören Intellektuelle auf, Intellektuelle zu sein.
Dass wir an diesen Massstäben meistens scheitern, ist nicht erstaunlich; aber das kann die Massstäbe selbst nicht entwerten. Denn die Intellektuellen, die ihresgleichen so oft bekämpft und totgesagt haben, dürfen sich eines nicht erlauben – zynisch zu sein.

In diesem Sinne drei kurze Bemerkungen:

  1. Facebook und Social Media als Garanten für Meinungsäußerungsfreiheit?
    Durch diesen Artikel in der FAZ am Sonntag bin ich auf die Gedanken von Evgeny Morozov gestossen, der in diesem längeren Gespräch mit Clay Shirky in der FAZ einen kritischen Blick auf den Umgang mit sozialen Medien wie Twitter in autoritären Staaten wirft. Das Gespräch ist sehr differenziert und eine lohnende Lektüre, welche die verbreitete These, die Protestaktionen im Iran hätten von Twitter profitiert oder seien gar darauf zurückzuführen, zumindest hinterfragt, wenn nicht gar widerlegt (und die meisten Leute, welche ich kenne, wissen von Twitter wenig mehr als eben diese These). Hier einige Zitate aus dem Gespräch:
    .»Sollten wir uns nicht auch fragen, ob das Netz die Menschen empfänglicher für nationalistische Botschaften macht? Oder ob es eine gewisse – hedonistisch gefärbte – Ideologie befördern könnte, die die Menschen faktisch mehr denn je von einem sinnvollen politischen Engagement abhält? Verhilft es in autoritären Staaten sogar bestimmten nichtstaatlichen Kräften zur Macht, die nicht unbedingt auf Demokratie und Freiheit hinarbeiten? Dies alles sind schwierige Fragen, die wir nicht beantworten können, wenn wir uns nur darauf konzentrieren, wer während einer Protestwelle einen Machtzuwachs verzeichnet – der Staat oder die Demonstranten.«
    .»Wie Robert Putnam gezeigt hat, schafft Sozialkapital Werte für Menschen innerhalb eines Netzwerks, während es den Menschen außerhalb des Netzwerks Nachteile bringt. Ich glaube nicht, dass Kommunikationsfreiheit automatisch zu prowestlichen Regierungen führt.«
    .»Ich bin ebenfalls nicht sicher, ob Blogger so großartige Symbole für regierungskritische Kampagnen sind. Die gewöhnlichen unpolitischen Menschen, über die wir sprechen, die, die am Ende den Mut aufbringen, auf die Straße zu gehen und die Staatsgewalt herauszufordern: Diese Menschen müssen von Leuten angeführt werden, die bereit sind, mutig für ihre Sache einzutreten, sich zu opfern, ins Gefängnis zu gehen und die nächsten Havels, Sacharows oder Solschenizyns zu werden.«
  2. Facebook und Privatheit.
    Die NZZ bzw. Joachim Güntner greifen in einem längeren Artikel mal wieder das Klischee auf, wonach Facebook einen Bereich der Privatsphäre verletze, der absoluten Schutz genießen müsse, und Menschen mit einem Profil einer diffusen Bedrohung ausgeliefert seien, welche sie einmal (z.B. bei einem Jobwechsel) einholen werde. Güntner fragt dann aber bezeichnenderweise: »wird der Leser Goffmans nicht auch bei Facebook manches interpersonelle Ritual wiederfinden, das der Soziologe beschrieb, als er von der Knüpfung und Belebung sozialer Kontakte handelte? Das Ritual der Bestätigung etwa, mit dem wir eine Äusserung einer Person oder auch eine Änderung in ihrer Lebenssituation quittieren – Glückwünsche, Lob, Neckereien, Beileid, Herstellung von Eintracht im Gespräch über Nichtigkeiten.« Und die Antwort ist natürlich: Ja, er wird. Facebook dient zur Pflege von Kontakten, und genau so wie wir im richtigen Leben Kontakte pflegen, indem wir interagieren und anderen Leute Dinge über uns mitteilen, genau so tut man das auf Facebook. Wer darauf einwenden will, dass die Daten bei Facebook aber für die Ewigkeit gespeichert und sich meiner Kontrolle (Daten entziehen sich eigentlich immer meiner Kontrolle) entziehen, soll einmal 5 Personen seiner Wahl googlen – und sich mal überlegen, wie brisant denn das im Extremfall sein könnte, was man über diese Personen herausfindet.
  3. Feminismus.
    Heute bin ich mal wieder – Sibylle Berg sei Dank – über den dämlichsten Schweizer gestolpert: René Kuhn. Der hat als neuestes Projekt ein Konzept entwickelt, das er »Antifeminismus« nennt. Der Mann denkt dermassen verworren, dass zu seinen Ergüssen nicht viel gesagt werden muss. Beängstigend ist aber sein Verständnis von Feminismus, gegen den er sich wendet: Er versteht Feminismus als eine Bewegung, welche erstens Frauen mit Privilegien ausstatten (und Männer in der Folge diskriminieren) wolle und zweitens Geschlechterrollen einführen wolle, welche unnatürlich seien (weil Frauen nichts wollen als eine Familie und Männer dafür bestimmt sind, zu arbeiten und Politik zu betreiben).
    Diese verquere Definition, die natürlich nicht auf Quellen beruht (Kuhn zitiert einmal de Beauvoir und einmal Schwarzer, aber völlig aus dem Kontext gerissen), ist verbreiteter als man denken könnte. Kaum jemand kann sich heute als Feministin bezeichnen, ohne mitleidig belächelt (weil Frauen dürfen ja schon alles) oder angefeindet zu werden (»die ist einfach verbittert, weil sie keinen Mann gefunden hat«).
    Dazu vielleicht nur zwei Gedanken:
    a) Feminismus heißt, zu erkennen, dass Geschlecht aus einer biologischen und einer sozialen Komponente besteht und Rollen veränderbar sind und aufgelöst werden sollen – dass es generell keine Rolle spielen darf, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist.
    b) Die Schweiz ist – beispielsweise hinsichtlich der Möglichkeit für eine Frau, Karriere und Familie miteinander zu verbinden – in Sachen Gleichberechtigung und Frauenrechte im Vergleich mit den meisten europäischen Staaten extrem rückständig.

Filter- und Redundanzprobleme: Oder die Buzz – Twitter – 4sq – Facebook – Frage

Nun gibt es also noch Buzz, und ich muss kein Konto einrichten, sondern kann mit meinem Gmail-Account gleich loslegen. Gesagt, gebuzzt: Und gleich auch noch Twitter eingebunden.

Nun passierte also das: Ich wurde bei Foursquare Mayor von irgendwas. — Gut, vielleicht ein paar Begriffserklärungen vorweg:

Buzz: Die Möglichkeit von Google, andereren Usern zu kommunizieren, was man grad so denkt, fühlt, liest etc.

Foursquare: Mobile Applikation (z.B. auf iPhone), die per GPS erlaubt an gewissen Orten (die man selbst erstellen kann) »einzuchecken«, d.h. anderen Usern mitzuteilen, dass man gerade dort ist. Warum würde man das tun? Um Beispielsweise Tipps zu diesem Ort abgeben und lesen zu können, oder weil man zu viel Zeit hat, oder weil man grad ein iPhone hat. Wer am meisten einen Ort besucht hat, wir dessen Mayor.

Twitter: Darauf bin ich hier schon mal eingegangen.

Also, zurück zum Beispiel: Ich werde Mayor. Diese Tatsache wird automatisch per Twitter weiterverbreitet, mein Twitterfeed wird automatisch in Buzz eingefügt – und wenn ich will sogar automatisch auch in Facebook.

Wer nun mich also auf Foursquare, Twitter, Facebook und Buzz verfolgt, liest vier Mal dasselbe. Wer nur an einem Ort mein Freund ist, nur einmal.

Wie soll man mit dem Problem umgehen?

Bisher ist mir keine Lösung bekannt. Prominente Social-Media-Experten raten, generelle Verknüpfungen auszuschalten (z.B. Sascha Lobo). Die Frage wäre dann: Wofür brauche ich Twitter – Buzz – Facebook? Warum will ich drei verschiedene Medien brauchen? Wie sortiere ich genau meine Botschaften?

Als das scheint mir noch klärungsbedürftig. Irgendwann werden wir wohl nur noch etwas brauchen: Und ich tippe mal auf Google. Oder wir können wegfiltern, was wir nicht lesen wollen.

#Twitter – Eine Anleitung und eine Bilanz

Es ist der 12. März 2009. Schon lange habe ich von diesem Twitter-Ding gehört, nie genau verstanden, wozu man es brauchen könnte, und nun beginne ich also damit. Wie ich schon mit

  • Hattrick
  • MSN (heute Windows Live)
  • Bloggen
  • RSS-Reader
  • Facebook

begonnen habe: Mal sehen, ob das was taugt. Was also taugt Twitter?

Eine Anleitung

Man braucht:

  1. Einen Account auf Twitter.com, meiner heißt http://twitter.com/kohlenklau, weil ich mich früher schon einmal mit phwampfler angemeldet habe und und und.
  2. Ein mobiles Gerät, auf dem man entweder per Browser oder (besser) per Applikation auf Twitter zugreifen kann, in meinem Fall Tweetie. (Nach Versuchen mit anderen Apps.)
  3. (fakultativ) Auf dem Laptop oder Desktop ein Tool, mit dem man auf Twitter zugreifen kann (damit man im Browser nicht immer ein Fenster offen halten muss); ich benutze nun auch Tweetie, habe aber auch Twitter für Growl installiert, so dass ich alle Tweets angezeigt bekomme (mühsam, mit der Zeit, da der ganze Bildschirm gefüllt wird, wenn man den Computer aufweckt.)

Man macht damit:

  1. Man schreibt Tweets, d.h. Meldungen mit einer Länge von 140 Zeichen. Man kann sie sich als eine Art öffentliche SMS vorstellen, obwohl man auch private Nachrichten verschicken kann. Optional kann man vom mobilen Gerät aus Geotags anhängen, d.h. Koordinaten des momentanen Aufenthaltsortes, Bilder und sogar Videos. Der ganze Dienst wird auch Microblogging genannt, die Tweets werden verstanden als Blogposts im kleinen Umfang. Zusätzlich kann man eine Art Indexsystem benutzen, indem man Begriffe mit einem Hashtag kennzeichnet, wie #twitter im Titel dieses Posts. Üblich sind Links auf größere Texte, z.B. Blogposts, welche mit Mikrolinks verlinkt werden (z.B. TinyURL oder bit.ly) – um Zeichen zu sparen. Zum Inhalt der Tweets weiter unten.
  2. Die Tweets werden von Followers gelesen, also von Leuten, welche meine Tweets abonniert haben und sie angezeigt bekommen. Man kann sich direkt an einen Follower richten, indem man ihn mit @dougthehead in den Tweet aufnimmt.
  3. Man selber ist natürlich auch Follower und abonniert so die Tweets anderer Twitternden. (Falls man sich fragt, was twittern eigentlich heißen soll: Zwitschern. Deshalb tauchen auch Comicvögel häufig auf.)  Diese Tweets liest man dann; verbreitet sie weiter, indem man sie re-tweetet (Syntax: »RT @kohlenklau …« wobei … für den Inhalt des Originaltweets steht) oder antwortet mit @kohlenklau darauf.

Philippe Wampfler (kohlenklau) on Twitter

Und was bringt das?

Welche Funktionen hat Twittern bzw. das Lesen von Tweets?

  1. Unterhaltung und Öffentlichkeit. Man twittert Witze, Kuriositäten und Beobachtungen aus dem Alltag, demonstriert seine Medienkompetenz, bleibt im Gespräch. Gleichzeitig veröffentlicht man viele (harmlose) Aspekte seines Privatlebens, genau so, wie man das mit einer Facebook-Statusmeldung tut (man kann natürlich Tweets auch automatisch als FB-Statusmeldung anzeigen lassen, m.E. am besten mit Selective  Twitter Status).
  2. Publizieren von Informationen. Als Blogger twittert man jeden neuen Blogeintrag (auch hier gibt es Tools, WordPress kann das automatisch, zuvor habe ich Twitterfeed benutzt).  Zeitungen twittern ihre Meldungen mit Links zu den Artikeln (z.B. twitter.com/nzz), aber auch Homepages, Firmen etc. benutzen Twitter als Social-Media-Anbindung, über die Kunden und Interessierte informiert werden. Als Leser kann man also so den RSS-Reader eigentlich ersetzen.
  3. (Zielgerichtete Kommunikation). Die Klammern deuten an, dass diese Funktion eingeschränkt genutzt wird und funktioniert. Beispielsweise hat twitter.com/phogenkamp schon per Twitter jemanden gesucht, der zu einer bestimmten Zeit vom Stauffacher zum Bahnhof fährt – und auch gefunden. Man könnte so eine Art ortsgebundene Kommunikation ermöglichen, man kann auch nach Tweets aus einer bestimmten Region suchen und sich die auf einer Karte anzeigen lassen. Andererseits könnte man eine Art SMS an mehrere Menschen versenden, z.B. eine Einladung.

Offene Fragen

Ob sich der Aufwand lohnt, wage ich im Moment zu bezweifeln. Wenn man Vergnügen an derlei Dingen hat, sich ab und zu von Tweets ablenken lassen will – dann schon. Sonst kaum. Folgende Fragen sind für mich noch offen:

  1. Wie schafft man es, den richtigen Twittern zu followen – und wie tut man das? Twitter hat Listen eingeführt, mit denen man mehr Leute finden sollte, die interessante Tweets posten. Aber schon nur das Followen von 50 Twittern wird enorm zeitraubend und unübersichtlich – wenn man denn alle Tweets liest. Andererseits: Was bringt das Lesen, wenn man es selektiv tut? Wie oft aber soll man es tun? Etc.
  2. Filterfunktionen. Twitter müsste Informationen filtern lassen, so dass man nur liest, was man lesen will (ähnlich wie Facebook das tut). Unklar ist, ob das technisch möglich ist?
  3. Wie twittert man richtig? Was interessiert die Follower? Soll man – wie twitter.com/thomashutter – redundant twittern und Tweets wiederholen, oder nicht? Soll man sich eine Linie zulegen und seriös twittern, oder indiskret (wie twitter.com/promiskuitaet) oder nur privat, oder alles mischen?

Und ein Tipp

http://twitter.com/SibylleBerg – Sibylle Berg mag ich ohnehin, aber sie twittert auch sensationell. Und hier noch ein toller Text von ihr:

Die Antworten – und neue Fragen

Nun habe ich versprochen, diese Fragen zu beantworten, und Versprechen sollte man ja halten, auch wenn schon allein die Tatsache, dass ich das so lange versäumt habe, irgendwie Aufschluss darüber geben könnte, dass ich die Fragen nicht mehr so toll finde. Oder ihre Beantwortung nicht so spassig.

Die Anlage der Fragen zielt völlig auf ein monogames Leben mit einer Partnerin oder einem Partner ab, dem oder der man zwar noch irgendwie treu ist, gleichzeitig aber auch die Schuld dafür gibt, dass man a) Bürofuzzi anstatt Architekt und b) eigentlich auf Adrian Amstutz steht. Somit erfülle ich vielleicht einfach die Voraussetzungen nicht.

Im Folgenden die Antworten auf die Fragen, die ich noch interessant finde:

  1. Was ich besser kann als meine Freunde, ist so tun, als wüsste ich etwas, was ich nicht weiß. Vielleicht täusche ich mich aber.
  2. Ich wollte einmal Journalist werden, als ich schon so alt war, dass dieser Wunsch etwas bedeuten könnte. Und auch heute wäre ich gerne Journalist. Ich bin es nicht geworden, weil ich wahrscheinlich zu bequem bin. Und ich denke, dass ich es so gut könnte, dass man mich dafür bezahlen würde.
  3. Wofür man mich auch noch bezahlen könnte, wäre das Facebook/Twitter/social media-Profil einer prominenten Person zu betreuen. Obwohl: Meine eigenen Tätigkeiten auf Facebook rufen in letzter Zeit vermehrt negative Reaktionen hervor.
  4. Ich bin bei meinen Arbeitskollegen wohl nicht besonders beliebt. Einer der Gründe könnte sein, dass ich immer in einen Computerbildschirm schaue. (War das jetzt eine interessante Antwort?)
  5. Ich kann auf jeden Luxus verzichten (wie jeder Mensch). Ich tu es nicht, weil ich zu bequem bin.
  6. Drogen faszinieren mich schon seit ich 11 bin. Alle Drogen eigentlich. Ich kann stundenlang auf Drogenforen lesen, mit einer Mischung aus Anziehung und Ekel. Und doch – so richtig in Versuchung, mal etwas Koks reinzuziehen, bin ich noch nicht im erntfentesten gekommen.
  7. Charaktereigenschaften überfordern mich. Was ist eine Charaktereigenschaft? Ungeduldig sein? Großszügig sein? Beides bin ich, irgendwie. Und nun soll ich sagen, ob das gut ist oder nicht? Schwierig, schwierig.
  8. Die zwei wichtigsten politischen Themen sind a) dass wir nicht vergessen dürfen, dass unser Wohlstand nicht verdient ist – und eine Sicherung unseres Wohlstandes immer auch bedeutet, dass Armut geduldet wird; und b) dass Ressourcen endlich sind.
    Dafür getan habe ich eigentlich nichts, bisher. Aber darüber nachgedacht.
  9. Zu meiner Nation fallen mir viele Vorurteile ein. Insgeheim erwarte ich vor allem in Deutschland, als Schweizer aufgrund meiner Nationalität mit Sympathie behandelt zu werden. Und bin auch betroffen davon, an ein Leben im Luxus gewöhnt zu sein und mich beim Gedanken zu ertappen, es irgendwie verdient zu haben. Das Problem, zu meinen, wir seien uns selbst genug, kenne ich zum Glück aber nicht.
  10. Keine Ahnung habe ich von Physik. Wiewohl ich mittlerweile sicher bin, dass Physik sehr interessant ist – ich kenne elementare Zusammenhänge nicht und lese regelmäßig nach, was man eigentlich wissen müsste.
  11. Monogamie ist einfach. Alles andere ist komplizierter. Mehr verstehe ich davon allerdings nicht.
  12. Ich glaube wohl an mehr, als ich denke. Um grad beim Denken zu bleiben: Z.B. daran, dass nachdenken etwas bringt. Was nämlich keineswegs selbstverständlich ist und wohl kaum bewiesen werden kann. Nicht nachdenken ist – siehe Monogamie – wohl einfacher.
  13. Ich glaube nicht mehr an Toleranz, in dem Sinne, dass jeder seine eigene Meinung haben darf, unabhängig davon, ob diese Meinung irr oder falsch ist. Toleranz heißt oft, etwas zu dulden, was man nicht dulden sollte.
  14. Angst habe ich vor Hunden. Und Pferden. Und großen Schildkröten. Und Kühen, wenn man ihre Weide überqueren muss.
  15. Bis auf zwei Peridoden von ca. je einem Jahr war in meinem Leben immer die beste Zeit meines Lebens. Auch jetzt. Vor allem jetzt.

Nun habe ich 15 beantwortet, komme mir langweiliger vor denn je – und hänge noch was an. (Wenn jemand eine andere Frage beantwortet haben will, bitte einfach melden; ich versuchs dann, so lange es keine Personen beinhaltet, die auf diesem Blog nichts verloren haben. Diese Woche hat mir jemand gesagt: »Ich würde ja schon auch bloggen, aber die Dinge, die in meinem Leben interessant sind, müssen geheim bleiben.« Das wäre vielleicht ein Leben, das ich auch haben möchte. Für einen Monat.)

Die Fragen stammen aus Glavinics großartigem neuen Roman, Das Leben der Wünsche (S. 219f.):

  1. Wieso ist uns egal, was in Afrika passiert?
  2. Glaubst du an Vorbestimmung? Wieso kriegt der eine AIDS, der andere nicht? Wieso wird die eine reich und ihre Freundin todkrank? Wieso Unfälle? Wieso Glück?
  3. Es gibt eine Zeitmaschine. Du darfst drei Reisen antreten. Jede dauert drei Tage. Wohin fährst du?
  4. Was bedeutet Zufall?
  5. Glaubst du?
  6. Wo ist die Toilette?
  7. Hast du ein Weltbild? Würdest du sagen, du hast ein klares Weltbild?
  8. Glaubst du an Gott?
  9. Gehören Sex und Liebe zusammen?

Man muss die Antworten lesen – sonst wirken die Fragen wieder etwas platt. Und die besten Fragen, so wurde mir vor zwei Woche gesagt, sind immer noch die von Frischs Tagebuch: Fragebogen.