Finanzierung von Zeitungen und Social Networks: Ein Vorschlag

Am Samstag ist ein Artikel mit Zitaten von mir in der NZZ erschienen. Zunächst war der Artikel nur für zahlende Abonnenten einsehbar, diese können ihn aber mit einem Link für Nicht-Abonnenten freischalten. Einen solchen Link habe ich auf meinem Blog zu Schule und Social Media verwendet und konnte so auf einen Artikel verlinken, für den man eigentlich bezahlen müsste.

Die NZZ arbeitet an einem »metered paywall«, der dann einigen Lesenden verunmöglichen würde, über den Link zum Artikel zu gelangen, ohne ein Abo zu kaufen: Abhängig wäre das von der Anzahl NZZ-Artikel, die sie in diesem Monat schon gelesen haben.

Ich habe die Probleme des »metered paywall« schon einmal diskutiert und möchte hier einen Vorschlag diskutieren: Man zahlt nicht nur für sich, sondern auch für andere.

Wie soll das gehen? Als NZZ-Abonnent erhalte ich beim Verlinken die Möglichkeit anzugeben, wie oft der Link funktionieren soll. Schicke ich ihn per Email an einen Bekannten, der sich für einen Artikel interessiert, wähle ich 1. Will ich ihn per Twitter verbreiten, wähle ich vielleicht 20, bette ich ihn in meinen Blog ein, wähle ich 100. Pro Monat erhalte ich eine bestimmte Anzahl solcher Linkmöglichkeiten, könnte aber mehr dazu kaufen.

So könnte man verhindern, dass eine Liste von Links irgendwo im Internet alle Inhalte freischaltet. Zudem führt man einen Geschenkmechanismus ein, der dazu führt, dass Links als echten Wert angeschaut werden.

»The Invitation«. Alle Rechte bei Bouffants And Broken Hearts.

Ähnlich müsste meines erachtens auch ein kostenpflichtiges Soziales Netzwerk wie App.net oder eine Facebook-Alternative funktionieren. Die andere Finanzierung (über Abonnenten, nicht über Werbung) führt dazu, dass die Nutzer als Kunden im Mittelpunkt stehen und nicht die Werbetreibenden. Gleichzeitig ist die Hürde, einem sochen Netzwerk beizutreten, enorm hoch. Logisch wäre also, dass man die Kostenpflich mit einer Anzahl Einladung koppelt: Wer wechselt, erhält auch 20 Einladungscodes, mit denen man die wichtigsten Kontakte mitnehmen kann – die dann gratis ein exklusives Netzwerk nutzen können und wiederum anderen Menschen animieren könnten, beizutreten.

Unverständlich ist mir, warum Facebook und Twitter nicht schon längst eine oder mehrere Premium-Optionen eingeführt haben, z.B.

  • für Abschalten der Werbung
  • für kompletten Schutz der Privatsphäre
  • für freien Zugang zur API-Schnittstelle mit Drittprogrammen
  • etc.

Damit könnte man von einer Elite mehr Geld einnehmen, als man über die andere Finanzierung erhält – gleichzeitig bleiben diese Menschen da und nutzen eine praktisch funktionsgleiche Plattform weiterhin.

Warum ich kein Internet-Superstar sein möchte – eine Bemerkung zur Funktion von Socialmedia

David Worni erklärt in seinem neuesten Blogpost, wie man »ohne Socialmedia-Burnout« erfolgreich auf Twitter und Facebook aktiv ist: »Unterhaltung mit einem Schuss Mehrwert« – »mehr Erfolg mit weniger Aufwand«. Nun kann man es nicht bestreiten: Worni ist erfolgreich in der Socialmedia-Welt unterwegs. Vor gefühlten Jahren habe ich mich schon einmal kritisch über die Oberflächlichkeit dieses Erfolgs ausgelassen, finde aber die Blogposts nicht mehr in den Untiefen des Internets und möchte auch diese Kritik nicht mehr aufrollen.

Es geht mir vielmehr um die Frage, weshalb man Twitter und Facebook braucht. Meine Grundregel lautet:

Biete deinen Mitlesenden etwas.

Was man ihnen bietet, hängt von den eigenen Interessen und Fähigkeiten ab. Aber man bietet ihnen nichts, indem man die eigene Person in den Mittelpunkt stellt. Die Untersuchung, die feststellt, dass sich Twitter-Benutzer nicht für Tweets interessieren, in denen der persönliche Sandwich-Konsum, Pendelerlebnisse und unangenehme Momente beim Aufstehen dokumentiert werden, überrascht mich nicht. Deshalb würde ich Worni widersprechen, wenn er schreibt:

[Z]eige mal was aus deinem Leben (Foto von dir, deinem Umfeld), man kann sich so besser eine Vorstellung machen, wem man folgt und es stärkt die Beziehung zwischen dir und deinen Followern (es sei denn, die Fotos sind hässlich).

Damit zeigt sich, dass er eine Art persönliche Beziehung zwischen sich und seinen Followern anstrebt. Er will – pointiert gesagt – geliebt werden. Er will ein Superstar sein, auch wenn er mit dem Begriff kokettiert.

Diese Vorstellung stammt für mich aus einer Experimentalphase von Socialmedia, wo man das Gefühl hatte, bei Facebook eine neue Art Freunde zu versammeln, mit denen man dann seine eigene Digitalnativeness abfeiert und sich mit seinen Twitter-Followern zu Tweetups verabredet, wo man Bier trinkt oder Laubsägewettbewerbe abhält. Das Motto: »Wir gehören zusammen, weil wir auf Twitter sind.«

Mein Motto: »Ich will das lesen, was andere schreiben und verlinken – nicht weil sie spannende Personen sind, sondern weil die Texte lesenswert sind.« Twitter ist meine Zeitung, nicht mein Turnverein.

Nun ist klar: Worni kann sein Ding machen und ich meines. Das Konzept der Filtersouveränität bedeutet, dass jeder diese Inhalte bereitstellen kann, die er will – andere filtern dann so, wie sie wollen. Und ich habe auch auf Twitter und Facebook Menschen getroffen, mit denen ich persönlich bekannt sein möchte, die mich als Personen interessieren. Aber ich betrachte mich dann als erfolgreich, wenn Leute mit meinen Inhalten etwas anfangen können, wenn sich Informationen verbreiten, sich Wissen entwickelt. Sie können gerne auch einfach mitlesen, ohne dass ich jemanden als Schmarotzer bezeichnen würde. Meine Ferienfotos zeige ich meinen Freunden und meiner Familie.

Wenn Worni mit der Regel schließt »befolge nie irgendwelche Regeln, die du scheisse findest«, dann würde ich leicht modifiziert sagen:

Befolge nie irgendwelche Regeln, ohne sie ab und zu zu verletzen.

So hats mal in den Flumserbergen ausgehen, als ich da war.

Twitter, nicht Facebook: Social Media privat und beruflich nutzen

Es gibt eine Reihe von Berufen, in denen man viel mit Kundinnen, Patienten, Mandantinnen, Schülerinnen und Studierenden zu tun hat. Social Media bieten sich an, um  niederschwellige Kommunikationsmöglichkeiten zu bieten.

Selbstverständlich kann man in seiner beruflichen Rolle darauf verzichten, im Netz präsent zu sein: Eine Email-Adresse anbieten und damit hat sichs. Ich will nicht für Social Media Werbung machen. Für viele handelt es sich um einen vergnüglichen Zeitvertrieb, viele finden es stressig, so regelmäßig und intensiv zu kommunizieren – und andere unerlässlich.

Aber ich möchte für den vermehrten Einsatz von Twitter plädieren. Twitter hat gegenüber Facebook zwei entscheidende Vorteile:

  1. Erstellt man ein öffentliches Twitter-Profil, dann können die Nachrichten, die man verschickt, auf dem Netz eingesehen werden. Gerade im beruflichen Umfeld heißt das, dass es keine private oder halb-private Kommunikation gibt – ein massiver Vorteil, wie ich finde. [Bei Twitter gibt es die Möglichkeit privater Nachrichten zwar auch, ich nutze die aber nur zum Verschicken von Telefonnummern o.Ä.].
  2. Dadurch muss man auch nicht befreundet sein. Wenn jemand lesen will, was ich schreibe, kann er oder sie das jederzeit anonym hier einsehen. Ich werde es nicht erfahren. Anders bei Facebook: Dort braucht es in den meisten Fällen Freundschaftsanfragen oder Abos, von denen die Publizierenden immer erfahren.

Diese zwei Vorteile sind mit einem massiven Nachteil verbunden: Man darf sich keine Fehler erlauben, gerade weil die Nachrichten öffentlich sind. Ein sinnvolles, halb-privates und halb-berufliches Twitterprofil weist auf interessante Texte hin, enthält Meinungen, zu denen man öffentlich stehen kann, unterhält und vermittelt möglicherweise ein paar Eindrücke aus dem Leben der twitternden Person – aber wiederum: Nur solche, von denen alle wissen können und sollen.

Diese Botschaften können aber alle gelesen und sogar in einer Zeitung zitiert werden, wie ich finde. Dazu hat sich eine interessante Diskussion zwischen Journalisten ergeben, die man hier nachlesen kann.

Timeline in Facebook – so aktiviert man sie und das gibt es zu beachten

Mein Facebook-Profil sieht seit zwei Tagen recht anders aus – ganz hübsch, wie ich finde:

Das Feature nennt sich Timeline und kann hier aktiviert werden.

Grundsätzlich ändert dieses Profil nichts an zwei grundlegenden Tatsachen:

  1. Facebook weiß sehr viel über uns, selbst wenn wir kein Facebook-Profil haben (»man kann nicht nicht bei Facebook sein«).
  2. Man sollte nur das auf Facebook posten, was alle Menschen dieser Welt sehen dürfen und sollen. Ansonsten geht man ein Risiko ein.

Die Timeline-Darstellung enthält aber ein weiteres Problem: Meine Vergangenheit war früher nur über das Scrollen auf dem Wall sichtbar. Um bei einer Person zwei Jahre zurückzublättern, musste man sich längere Zeit durchs Profil klicken, eigentlich war die Vergangenheit Vergangenheit. Mit Timeline wird die Vergangenheit sofort verfügbar, man kann also die peinlichen Lieblingsvideos von anno dazumal sofort wieder ansehen. Daran sollte man denken. Hier also eine Reihe von Tipps:

  1. Man kann sein FB-Profil als eine andere Person ansehen bzw. sehen, wie es für die Öffentlichkeit aussieht, nämlich so:
  2. Man kann einzelne Posts (z.B. Bilder) mit dem Stern oben rechts so hervorheben, dass sie beide Spalten füllen. Das sieht dann so aus:
  3. Man kann bei jedem Eintrag (auch in der Vergangenheit) festlegen, ober er
    a) in der Timeline erscheinen soll
    b) für wen er sichtbar ist
    c) ob er gefeatured wird oder nicht (man kann also breite Bilder auch wieder schmal machen).

Weitere Hinweise finden sich in diesem lesenswerten Post (englisch).

Edit (17. Dezember, 21.30): Und noch eine tolle Möglichkeit, sein Profil zu verschönern, sind diese Beziehungen, die man sich kaufen kann. Jemand tut dann also eine Weile so, als sei er oder sie der Freund oder die Freundin der Käuferin oder des Käufers.

Wozu wir Social Media brauchen

Die Diskussionen um die Frage, welches soziale Netzwerk sich durchsetzen wird, hat etwas ungeheuer Ermüdendes (wie auch Guy Kawasaki, von dem die Grafik stammt, festgehalten hat): Man übertrifft sich in Mutmassungen, entwickelt Zusammenhänge, blickt auf die Vergangenheit zurück – und diskutiert etwas, was letztlich niemand wissen kann und worüber zu diskutieren sich meist nur dann lohnt, wenn man damit Geld verdient. Ich nehme mich nicht aus – auch ich habe my fair share von Spekulationen abgeliefert.

Letztlich kann man sich darauf besinnen, wofür man Social Media eigentlich braucht – um zu sehen, dass man immer wieder andere Dienste einsetzen wird, um diese Funktionen auszuüben. Letztlich wird es auch immer wieder Tendenzen geben, diese Funktionen zu bündeln oder neu zu definieren. Viel ändern dürfte sich daran aber wohl nicht – seit Briefe geschrieben werden, gibt es wohl diese sechs Funktionen. Seit sie hauptsächlich in die digitale Sphäre verlagert worden sind, ändern sich die Dienste schneller, welche man benötigt. Aber etwas wirklich Neues entsteht nicht – auch wenn man Begriffe benutzt, welche klingen, als gäbe es immer wieder etwas Neues.

  1. Wir wollen mit den uns nahe Stehenden kommunizieren.
  2. Wir wollen mit Menschen in Kontakt kommen, von denen wir etwas benötigen.
  3. Wir informieren uns über Geschehnisse in der Welt.
  4. Wir lassen uns unterhalten und unterhalten andere.
  5. Wir wollen Aufmerksamkeit erregen und Aufmerksamkeit verteilen.
  6. Wir wollen zeigen, dass wir dazugehören und Medien- bzw. Technikkompetenz beweisen.

Wenn wir nun zum Schluss doch noch Google Plus als Beispiel nehmen, dann tritt man dort einmal als early adopter bei, um Funktion 6 zu erfüllen: Ich bin dabei. Und nun? – Die Frage ist, ob eine der anderen Funktionen anschlussfähig ist: Werde ich unterhalten? Bekomme ich Aufmerksamkeit? Kann ich Informationen erhalten? Treffe ich die Leute, von denen ich etwas will? Oder die, die mir etwas bedeuten?

Nun könnte man als technikaffiner Mensch denken, dass Google innerhalb von Wochen erreichen muss, dass all das, was ich sonst mit anderen Dienstleistungen tue, auch in Google Plus möglich ist – sprich: Dass alle meine Kontakte auch bei Google Plus sind. Das halte ich aber für falsch. Google kann durchaus auch über eine andere Funktion Menschen ansprechen. Es wird sich letztlich nicht das durchsetzen, was die early adopter adopted haben: Sondern das, womit man das machen kann, was man machen will.

Auch in den Zeiten des Internets dauert es Jahre, bis sich ein Dienst oder eine Technologie durchsetzt. Wie lange ging es, bis man auch ältere Menschen per Mail erreichen konnte? Wie lange ging es, bis es Standard war, dass Menschen ein Mobiltelefon mit sich tragen? Wie lange wird es noch dauern, bis es Standard ist, dass Menschen das Internet mobil nutzen? Wann werden mehr als 10% aller Menschen wissen, was Twitter ist?

Wahrheit und Fiktion in sozialen Netzwerken

Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass wir Menschen immer das für wahr halten, woran wir glauben (möchten): Manchmal ist es erstaunlich, wie schnell sich Halbwahrheiten oder falsche Behauptungen in sozialen Netzwerken verbreiten.

Ein Beispiel ist die Studie, wonach die Nutzer von Internet Explorer dümmer seien als die anderer Browser, andere sind die Beschreibungen der Vorgänge bei aktuellen Ereignissen wie den Plünderungen in England. Generell kann man sagen, dass soziale Netzwerke Wahrheit und Fiktion vermischen – ja vermischen müssen.

Dafür sehe ich eine Reihe von Gründen:

  1. Aufmerksamkeit ist die Währung in sozialen Netzwerken. Aufmerksamkeit generiert man mit erstaunlichen Botschaften – z.B. mit erfundenen.
  2. Soziale Netzwerke basieren auf der Verbreitung von Information. Oft werden Informationen verbreitet, die nicht ganz gelesen wurden und deren Titel die Mitlesenden interessieren könnte. Falsche und halbwahre Informationen können viral verbreitet werden, ohne dass die Masse an Lesenden bzw. Verbreitenden darauf aufmerksam würde.
  3. Soziale Netzwerke sind schnell und aktuell. Die Zeit reicht nicht aus, durch Recherchen etc. zu verifizieren, ob eine Information stimmt.
  4. Soziale Netzwerke schaffen Kommunikation in Gruppen. Auch wenn sie nicht so angelegt sind – meistens informieren sich Gleichgesinnte bei Gleichgesinnten. Wenn man also als Nicht-Explorer-Nutzende hört, dass Explorer-User dumm sind, dann passt das zur Gruppenmeinung und kann verbreitet werden.
  5. Soziale Netzwerke verbinden User, welche sich damit unterhalten (und dabei vor allem scherzen), mit solchen, welche sich ernsthaft informieren wollen bzw. andere informieren wollen. Die Abgrenzung fällt nicht immer leicht – wo beginnt die Ironie bzw. der Witz und wo hört die faktische Information auf?

Selbstverständlich hat man als Nutzer von Social Media die Möglichkeit, sich diesem Problem zu stellen. Der Guardian schlägt – im Zusammenhang mit den Ereignissen in London – acht Möglichkeiten vor, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Twitter (und mit sozialen Medien generell) ermöglichen (ich danke Konrad Weber für den Hinweis auf diesen Artikel):

  1. Augenzeugenberichte nur dann verbreiten, wenn man selber Augenzeuge gewesen ist.
  2. Informationen, die man aus erster Hand hat (z.B. Beobachtung) so präzise wie möglich formulieren.
  3. Davon ausgehen, dass andere User scherzen könnten.
  4. Was passieren könnte ist nicht dasselbe wie das, was passiert ist.
  5. Wenn man Gerüchte erkennt, soll man sie direkt infrage stellen.
  6. Wenn man auf falsche Informationen trifft, soll man sie korrigieren.
  7. Sich überlegen, woher man weiß, dass etwas wahr ist. Nachfragen, recherchieren.
  8. Usern folgen, denen man vertrauen kann.

Google Plus oder Filtersouveränität: Über Redundanz und Selektion in sozialen Netzwerken

Soziale Netzwerke teste ich meist recht früh – habe aber bisher nur zwei genutzt: Twitter und Facebook. Es gibt viele Sprüche, die das Verhältnis von Twitter und Facebook beschreiben, in meinem Fall vernetze ich mich auf Twitter mit Menschen, die ähnliche Themen interessieren, wie mich – und auf Facebook mit den Menschen, die ich persönlich kenne.

Ich versende aber sowohl auf Twitter als auch auf Facebook primär sachliche Diskussionsbeiträge: Meine Blogposts, Links zu anderen Blogs, interessante Beiträge aus Printmedien, ab und zu eher scherzhafte Beiträge. Bisher habe ich Tweets, die ich auch auf Facebook posten wollte, via Selective Tweets an FB gesendet, weniges (z.B. Bilder) nur auf Facebook gepostet und sehr vieles nur auf Twitter. Meine Blogposts werden automatisch auf Twitter und Facebook veröffentlicht, mein Fragenblog publiziere ich über eine FB-Page auf Facebook.

Neu gibt es auch Google Plus. Ich mag Google Plus: Es ermöglich tief schürfende Diskussionen, fühlt sich besser an als Facebook und lässt sich besser bedienen, es scheint zudem geeignet zu sein, andere Webdienste zu integrieren. Kurz: Ich möchte gern aus Facebook aussteigen und Google Plus benutzen.

Mit dem Chrome-Addon Start G+ ist es mir möglich, einen Post auf G+ sowohl auf Twitter als auch auf Facebook zu veröffentlichen. Das scheint mir sehr effizient zu sein – hat aber den Nachteil, dass Kontakte, die ich sowohl auf allen drei Diensten habe, von mir drei Mal dasselbe zu lesen bekommen. Gregor Lüthy meint dazu:

der filter wäre dann wohl, dass man dich bei FB auf ignorieren stellt und dich bei Twitter „entfolgt“. Also sich einfach für einen Kanal entscheidet. Wenn du alle drei Kanäle weiter bedienen willst, müsstest du entweder je Kanal eigene Inhalte senden, oder sonst denselben Inhalt jeweils dem Kanal anpassen; so wie ein klassisches Medienunternehmen dieselben Inhalte jeweils dem Medium (TV, Radio, Print) anpasst.

Wir wären dann bei Michael Seemanns Konzept der Filtersouveränität:

[D]er Andere kann, weil er in unendlichen Quellen mit perfekt konfigurierbaren Werkzeugen hantiert, keinen Anspruch mehr an den Autor stellen – weder einen moralisch-normativen noch einen thematisch-informationellen. Die Freiheit des Anderen, zu lesen oder nicht zu lesen, was er will, ist die Freiheit des Senders, zu sein, wie er will.

Die Frage wäre, ob es diese Filter bereits gibt. In FB gibt es Filter, mit denen es möglich ist, alles, was ich poste, zu ignorieren – und gleichwohl mit mir befreundet zu sein. Auf Twitter kann ich nur Inhalte von Listen lesen und könnte so Konten, die mich nicht interessieren, in die entsprechende Liste verschieben – oder jemanden gleich ganz entfolgen. Filter gibt es auch auf Google Plus.

Fazit: Auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich nicht doch weiterhin nur partielle Redundanzen schaffe und vieles nur auf einem Kanal veröffentliche, theoretisch sollte es unbedenklich sein, darauf zu vertrauen, dass die Lesenden zu filtern verstehen und ich nicht für sie vorfiltern muss. Oder habe ich etwas übersehen?