Preisvergleich Schweiz – Deutschland

Wer in der Schweiz Zeitschriften aus Deutschland am Kiosk kauft, beginnt schnell zu meckern: Wenn man die Europreise, die da draufstehen, umrechnen würde, dann müsste die Zeitschrift in der Schweiz viel günstiger sein, als sie tatsächlich ist. Unternehmen würden von unfairen Wechselkursen profitieren ist ein Vorwurf, der schnell geäußert wird.

Dieser Vorwurf basiert auf dem Axiom, ein Produkt müsse alle Kundinnen und Kunden zu demselben Preis angeboten werden (im Idealfall der Produktionspreis plus ein moderater Gewinnaufschlag). Dabei stimmt das überhaupt nicht. Wie z.B. die ersten Kapitel von Freakonomics zeigen, sind Billiglinien, Exklusivprodukte sowie Fair Trade-Labels häufig ein Mechanismus, mit dem dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden kann – weil eben Kundinnen und Kunden bereit sind, unterschiedlich viel für das Produkt zu zahlen. Gerade die jammernden Zeitschriftenkaufenden sind ja der Beweis dafür, dass die Strategie der Verlage durchaus vernünftig ist.

Dennoch kann man diese Vorgehensweise als unfair empfinden. Ich würde jedoch empfehlen, eine andere Betrachtungsweise zu wählen. Wer mit deutschen Löhnen vertraut ist, kann schnell berechnen, dass man für einen Euro ungefähr so lange arbeiten muss wie für drei Franken, vielleicht für zwei Franken fünfzig. Wäre es nicht sehr fair, wenn alle Käuferinnen und Käufer gleich lange arbeiten müssten, um sich ein Produkt leisten zu können?

Wer so rechnet, kann einfach deutsche Europreise mit 2.5 oder 3 multiplizieren – und merkt dann schnell, wie teuer das Einkaufen in Deutschland wäre, wenn man das Geld in Deutschland erarbeiten müsste.

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Zusatz: Zu den Löhnen noch die Statistik: 2010 war die Kaufkraft in Deutschland für Vollzeitarbeitende leicht höher als die in der Schweiz. Bezieht man aber die Entwicklung des Eurokurses bis heute ein, so liegt die Schweizer Kaufkraft heute deutlich über der von Deutschland – auch mit den hohen Preisen.

Markt oder Regulierung

Die Diskussionen um die Frankenstärke führen immer wieder um Diskussionen um das Prinzip der Marktes und die Rolle des Staates. Dazu im Folgenden ein kurzer Gedanke.

Märkte haben als Organisationsform einige Vorteile:

  • sie enthalten hohe Freiheitsgrade für viele Beteiligte
  • sie sind meistens effizient
  • sie belohnen meistens Leistung.

Aber auch (staatliche) Regulierungen haben Vorteile:

  • sie sind im Idealfall gerecht
  • sie ermöglichen Planbarkeit und Sicherheit
  • sie sind demokratisch legitimiert, d.h. man kann sich mit Geld keinen Vorteil verschaffen.

Meine ideale Organisationsform würde die Bereiche benennen, welche durch eine Regulierung erfasst werden müssen – und in allen anderen Bereichen den Markt spielen lassen. Für mich wären Chancengleichheit, soziale Sicherheit sowie Sicherheit allgemein die entscheidenden Punkte, welche durch eine Regulierung sichergestellt werden müssten.

Ein zusätzliche paradoxer Punkt ist, dass das Funktionieren des Marktes selbst eine Regulierung bedarf: Marktteilnehmer haben meist großes Interesse daran, Konkurrenz zu verhindern, um von ineffizienten Prozessen profitieren zu können.

Nehmen wir als Beispiel die Währungsgewinne, von welchen Importeure in der Schweiz heute profitieren. Ein besonders stoßendes Beispiel ist die Automobilbranche, welche mit allen Mitteln (insbesondere den Sicherheitsüberprüfungen) verhindert, dass Importe aus dem Ausland möglich sind. Gäbe es hier einen Markt, würden die Preise in der Schweiz sofort sinken; der Staat reguliert hier einen Bereich, der nicht reguliert werden müsste. Warum nicht? Weil die EU beispielsweise sinnvolle Verfahren für die Sicherheitsüberprüfung von Fahrzeugen kennt. Das ist auch ein schönes Beispiel um zu zeigen, dass ein EU-Beitritt nicht generell mehr, sondern in vielen Bereichen weniger Bürokratie bedeutet.

Der Wert von Gütern – zum Wechselkurs Euro-Schweizerfranken

Man kann überall lesen, die Güter in der Schweiz seien zu teuer (z.B. hier), weil ja der Wechselkurs Franken-Euro nun günstigere Importe oder Auslandeinkäufe ermögliche. Zudem ist der Wechselkurs – auch das kann man überall lesen – für die Schweizer Wirtschaft ein großes Problem, so dass Alu Menziken auf die geniale Idee kam, die Steuerrechnung in Euro zu bezahlen (also einfach weniger Steuern zu bezahlen).

Zu diesen Zusammenhängen möchte ich drei Bemerkungen machen:

  1. Wer sich jetzt beklagt, glaubt nicht an den Markt. Der Markt regelt die Wechselkurse von Währungen und den Preis von Gütern. Der Markt reagiert aber nicht auf Wünsche, sondern auf wirtschaftliche Zusammenhänge.
  2. Der Wert von Gütern ist der Preis, bei dem sich eine Käuferin und eine Verkäuferin finden. Wenn also nun viele Niveaprodukte in der Schweiz zu teuer finden, dann kaufen sie sie vielleicht einfach nicht mehr – und so senkt sich der Preis und der Wert.
  3. Andererseits ist ja Geld eine Abkürzung, um Tauschhandel zu vermeiden. Die meisten Menschen produzieren nicht primär Güter, sondern arbeiten. Wenn die Preise in der Schweiz sinken sollen, heißt das nichts anderes, als dass die Arbeit, die in der Schweiz geleistet wird, mehr Wert haben soll. Diese Forderung kann ich nur teilweise nachvollziehen. Die Preise von Gütern bestehen ja zu erheblichen Anteilen auch aus Arbeiten – die Niveaschampoos müssen geliefert, eingeräumt, inventarisiert und verkauft werden. Wenn das in Deutschland in Euro entschädigt wird, ändert das nichts an den Löhnen in der Schweiz.
  4. Eine hübsche Massnahme der Nationalbank hat meines Erachtens noch politisches Potential: Geld zu drucken und allen EinwohnerInnen zu verteilen (z.B. in Form von Checks, die man nur einlösen kann, wenn man etwas kauft).