Die Blogger-Generationen – und die Frage, was aus der ersten Generation geworden ist

Gestern habe ich den Tweet zitiert und gefragt, ob sich das in der Schweiz auch so verhalte:

Ich habe zwei Reaktionen erhalten:

Natürlich will ich jetzt auch nicht beurteilen, aus wem »etwas geworden« ist. Gemeint ist damit wohl: Hat sich aus diesen Blogs etwas entwickelt? Sind die Betreiber zu Autoritäten geworden, zu einer Kraft neben den Medien?

»Ich verstehe mich als Entertainer ohne thematische Scheuklappen«, ließ sich Christian Leu vor zwei Jahren in einer Geschichte über die Schweizer Blog-Szene zitieren. Genau das war wohl die erste Generation von Bloggerinnen und Bloggern in der Schweiz. Haben sich daraus Plattformen mit Relevanz entwickelt? Gibt es Themen ausser Technologie, Mode, Fankultur und vielleicht Medienkritik, bei denen Blogs das »go-to«-Medium sind? Ich denke nicht.

Bloggen ist in der Schweiz ein Hobby – und verschwindet zunehmend hinter Social Media. Man schreibt Blogtexte, wenn Gedanken zu lang werden für Twitter. Der Austausch und die Vernetzung findet dann aber immer dort statt. Insofern würde ich dem Tweet-Autor für meine Generation, das ist wohl die dritte, durchaus Recht geben.

Manchmal habe ich den Eindruck, ich operiere in einem Vakuum. Ich bin wohl einer der aktivsten und engagiertesten Blogger der Schweiz – ich habe alleine in diesem Jahr schon über 300 Blogposts verfasst. Ab und zu ergibt sich eine Diskussion, ich werde darauf angesprochen oder es entsteht eine Twitter-Debatte. Aber eine Blogosphäre gibt es nicht, als Informationsmedium werden Blogs nicht genutzt, journalistisch ernst genommen werden sie auch nicht – sonst würde ein Weltwoche-Autor nicht eine Woche brauchen, um zu merken, dass er in der SMD-Datenbank als Autor eines anonym publizierten Artikels angegeben wird.

Fazit: Ich will nicht jammern. Es ist wohl einfach so. Und damit will ich niemandem zu nahe treten. Natürlich ist aus den Herren Leu, Lüthi und Brühwiler etwas geworden. Aber hängt das mit ihrer Tätigkeit als Blogger zusammen? Und haben sich ihre Blogs entwickelt? Die Diskussion ist eröffnet.

Relevante Geschichten aus Schweizer Blogs

  1. Die Frage, ob Blogs in der Schweiz für den Journalismus relevant sind, hängt meiner Meinung nach davon ab, ob Blogs Resonanz erzeugen können – d.h. ob sie Debatten auslösen, Reaktionen provozieren und für reichenweitenstarke Medien interessante Inhalte produzieren.
    Diese Frage habe ich in einer kurzen Anfrage auf Twitter aufgeworfen und mit Storify bearbeitet. (Die Petardengeschichte habe ich bewusst außen vor gelassen – ihre Resonanz gründet m.E. alleine in der Beschwerde beim Presserat.)
  2. phwampfler
    Gesucht:
    Geschichten aus Schweizer Blogs, die Resonanz erhalten haben (z.B. in anderen Medien, Debatten ausgelöst etc.).
    Ab 2010 z.B.
    Wed, May 16 2012 11:35:53
  3. Selbstverständlich gibt es zunächst zwei Definitionsprobleme: Was ist genau ein »Schweizer Blog« und was meint man damit, eine Geschichte erhalte »Resonanz«? Beide Fragen habe ich kurz angedacht:
  4. phwampfler
    @julianschmidli @ivinfo @jeduta Relevanz heißt für mich: Erzeugt Reaktionen. Gibt es 10 Bloggeschichten, die 2011 Resonanz erzeugt haben?
    Wed, May 16 2012 11:27:31
  5. Fazit: Blogger sind in einem gewissen Sinne Amateure – und Resonanz heißt, dass in irgend einer beschreibbaren Form darauf reagiert worden ist (außerhalb des Blogs und damit verbundenen sozialen Netzwerke).
  6. aline_wanner
    @phwampfler Vom fröhlichen Sesselrücken und einer Punktlandung http://arlesheimreloaded.ch/vom-frohlichen-sesselrucken-und-einer-punktlandung/ zum beispiel die landete in der baz
    Wed, May 16 2012 11:50:34
  7. ManfredMessmer
    @aline_wanner @phwampfler lokalteil BaZ, AZ-BZ, Sonntag zb. Fraktionsewchsel im Landrat und andere :-)
    Wed, May 16 2012 12:03:14
  8. Das wohl treffendste Beispiel ist der Blog von Manfred Messmer. Er zeigt, dass eine erfahrene, gut informierte und sehr engagierte Person zumindest lokal (und lokal heißt immerhin: im Raum Basel) Geschichten anbieten kann, welche von etablierten Lokalmedien aufgenommen und übernommen werden.
  9. Ein ähnliches Beispiel: Die Betreiber des Blogs »Nation of Swine« sind engagierte Journalisten, die einige Nischen abdecken, die sonst wenig Aufmerksamkeit erfahren. Sie erhalten so auch Informationen, die sie auf ihrem Blog publizieren und so ebenfalls lokal aufgegriffen werden.
  10. KueddeR
    @phwampfler Es gab die Story über die träumende Schweizer „Astronautin“, die weiterverfolgt wurde vom Tagi und drr Journi Preis dafür bekam.
    Thu, May 17 2012 10:11:31
  11. Diese Geschichte ist nicht gleich gelagert: Ein Blogpost vom Januar 2010 wurde im August von Mauricie Thiriet im Tages Anzeiger aufgegriffen und mit weiteren Recherchen vertieft. Der Blogpost wurde nicht erwähnt, war aber sicher ausschlaggebend für die Geschichte um die Lehrerin Barbara Burtscher, die sich als potentielle Astronautin ausgab, obwohl dies weit von der Wahrheit entfernt war.
  12. Auch hier handelt es sich um eine Geschichte von einem Profi: David Bauer ist ein vielseitiger Journalist, der sich Gedanken zur Musikförderung in der Schweiz macht und einen Blick auf das Erfolgsmodell Sophie Hunger geworfen hat, der über 130 Kommentare erhalten hat und damit eine tiefschürfende Diskussion ausgelöst hat.
  13. ivinfo
    @phwampfler Ironischerweise fällt mir dazu ausgerechnet die Batz/Neininger-Urheberrechtsdiskussion ein.
    Wed, May 16 2012 11:45:46
  14. cloudista
    @phwampfler natürlich der Blog von @ConstSeibt , worauf ihn dann #Schawinski ins Radio einlud. Und der Blog zu #Bausparen von @BatzMonika
    Wed, May 16 2012 11:58:33
  15. Monika Bütler ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der HSG in St. Gallen – ihre Blogposts werden in der NZZ am Sonntag abgedruckt. Aus diesen Gründen kann man also zunächst nicht davon sprechen, dass es sich um einen Blog handelt, viel eher um ein Portfolio, wo Bütler ihre Texte präsentiert. Allerdings geht es gerade im Fall Neiniger um eine Debatte, die durch einen Blogpost von Bütler ausgelöst worden ist – der wiederum eine Reaktion auf einen ungefragt und verändert in den Schaffhauser Nachrichten abgedruckten Text von Bütler (ebenfalls ein Blogpost) zum Bausparen ist.
  16. agossweiler
    @phwampfler EIn Beispiel für Resonanz: Dieses Blogpost http://bit.ly/JQp3NI wurde 2011 vom Radio aufgegriffen http://bit.ly/JijDOX
    Thu, May 17 2012 03:15:33
  17. Hier wird eine Beobachtung eines bloggenden Journalisten vom Konsumentenschutzmagazin Espresso vom Schweizer Radio aufgenommen.
  18. Der ehemalige Präsident der Pirtatenpartei, Denis Simonet, hat mit zwei Anliegen, die er per Blogpost angerissen hat, eine Reaktion etablierter Medien hervorgerufen. Die Piratenpartei ist gerade das politische Gefäss, das Blogposts und Twitter als Medium nutzt, um politische Anliegen zu vermitteln – und damit darauf angewiesen ist, damit Reaktionen hervorzurufen.
  19. Zum Schluss auch ein sehr webaffines Thema: Die Frage, wie man mit »Shitstorms« umgeht, also negativen Reaktionen in Sozialen Netzwerken. Die schöne Grafik vom Feinheit-Team wurde bei einem Tagungsreferat vorgestellt und danach für den Blog ausgearbeitet – und hat so viele Reaktionen provoziert.

    Fazit
  20. phwampfler
    @Jeduta @thbenkoe @mazluzern Ehrlich gesagt haben Blogs in der Schweiz keine journalistische Relevanz.
    Wed, May 16 2012 10:23:14
  21. Ich bleibe bei meinem Urteil. Es gibt zwar Geschichten in Blogs, die relevant sind – die jedoch in den hier diskutierten Fällen von einer Expertin, einigen Journalisten, einem Politiker und von PR-Profis verfasst worden sind. Es gibt kein Beispiel aus den letzten zwei Jahren, bei denen ein klassischer Blogger ein Thema aufgegriffen hat, das bedeutsam war.
    Das heißt nicht, das Blogs kein sinnvolles Medium sein können – sie können die eigene Arbeit dokumentieren, können wichtige Kommentare enthalten oder als Gefäss für Diskussionen in den Kommentaren dienen. Aber journalistische Relevanz genießen sie in der Schweiz nicht.
    Das ist oft schade – es gibt sehr gute Bloggeschichten, die aber oft einseitig und nur angedacht sind. Gleichzeitig erhalten sie nicht die nötige Aufmerksamkeit, es gibt kaum Medien, die auf Blogs verlinken.
    Und eine letzte Bemerkung: Ich denke, die Schweizer »Alphablogger« haben der Schweiz ein problematisches Blogkonzept vorgelebt. Sie betrieben Lifestyle-, Technik- und Erlebnisblogs, sie waren das Tummelfeld für das Kind im Manne. Bloggen war etwas, womit man Spass haben sollte oder womit man zeigen sollte, wie viel Spass man sonst so hat. Es waren Wohlfühlblogs, in denen allenfalls ein wenig Konsumentenschutz betrieben worden ist. Das ist wohl ein Grund dafür, warum sich Blogs im journalistischen Bereich in der Schweiz nicht behaupten können.

Warum Angestellte von Medienunternehmen keine Blogs betreiben

Meine Meinung zur Bedeutung von Blogs in der Schweiz hängt damit zusammen, dass Blogs, die von bezahlten Journalistinnen und Journalisten verfasst werden, meiner Meinung nach keine Blogs sind. Selbstverständlich gibt es oft gelesene »Blogs« auf den Plattformen von Newsnet – so z.B. der exzellente neue »Blog« von Constatin Seibt, Deadline – und die lösen auch Diskussionen aus, präsentieren attraktive Themen und sind eine Bereicherung für das Internet.

Dennoch sind es nur Blogs in Anführungszeichen. Blogger reden für sich. Wenn sie »ich« sagen, meinen sie sich selbst als Privatperson. Sie sprechen nicht in einer Rolle als Angestellte oder Angestellter eines Medienunternehmens, sie orientieren sich an den eigenen Meinungen, Interessen, Erfahrungen. Sie schreiben aus verschiedenen Gründen ins Internet – aber nicht primär deshalb, um Geld zu verdienen. Sie diskutieren mit ihren Leserinnen und Lesern – und lassen nicht Kommentare auf ihre Post niederprasseln, die von Praktikantinnen und Praktikanten noch halbwegs gelesen werden können. Sie nehmen sich den Themen an, die sie selbst interessieren. Sie sind verantwortlich für ihren Content – er gehört ihnen, kann gelöscht werden, verändert, bewegt.

Qualitätsverbesserung – ein Vorschlag für Blogs

In den letzten Tagen habe ich viele Reaktionen auf meine Arbeit als Blogger bekommen. Darunter war auch Kritik – mit der ich mich hier kurz auseinandersetzen möchte.

Einen Blog zu führen bietet jedem Menschen an einem Computer die Möglichkeit, seine Gedanken der Welt mitzuteilen. Wenige der Bloggenden, die ich kenne, recherchieren dabei in der Welt außerhalb des Internets, sie nehmen kein Telefon in die Hand und sprechen nicht mit Betroffenen. Vielmehr lesen Sie (Online-)Zeitungen und verfassen Kommentare, die sie dann in ihren Blogs auch zur Diskussion stellen.

Das ist grundsätzlich kein Problem: Eine Meinung darf man äußern und jede Diskussion auf einem Blog bietet die Möglichkeit zur Diskussion wichtiger Themen und zu einer Meinungsbildung.

Gleichzeitig führt ein Blog einen auch in Versuchung, Personen direkt anzugreifen und sie mit Vorwürfen zu konfrontieren, auf die sie nicht direkt reagieren können. Das habe ich in der Vergangenheit schon mehrmals gemacht.

In der Richtlinie 3.8 des schweizerischen Presserats heißt es:

Aus dem Fairnessprinzip und dem ethischen Gebot der Anhörung beider Seiten («Audiatur et altera pars») leitet sich die Pflicht der Journalistinnen und Journalisten ab, Betroffene vor der Publikation schwerer Vorwürfe anzuhören. Deren Stellungnahme ist im gleichen Medienbericht kurz und fair wiederzugeben. […] Der von schweren Vorwürfen betroffenen Partei muss nicht derselbe Umfang im Bericht zugestanden werden wie der Kritik. Aber die Betroffenen sollen sich zu den schweren Vorwürfen äussern können.

An diese Richtlinie könnten sich Blogs ohne großen Aufwand halten. Ich schlage deshalb bei Vorwürfen an eine Partei und oder eine Institution vor (die Idee ist von einem Kommentar abgekupfert):

  1. Die Betroffenen über den (geplanten oder bereits veröffentlichten) Blogpost informieren und sie um eine Stellungnahme bitten.
  2. Diese Anfrage im Blogpost vermerken.
  3. Den Blogpost dann mit einer fairen Wiedergabe der Stellungnahme zu updaten.
Damit ist es weiterhin möglich, spontan zu bloggen – das aber fairer und qualitativ besser zu tun. Ich werde fortan so vorgehen.

 

Enzensbergers Medientheorie der 70er-Jahre. Und Jay Rosen zu Blogger vs. Journis.

Ich habe gerade wieder Enzensbergers Medientheorie Baukasten zu einer Theorie der Medien (pdf) von 1970 gelesen. Enzensberger analysiert den Umgang mit Medien aus sozialistischer Perspektive und von Brechts Radiotheorie her – und formuliert einige Erkenntnisse, die auch heute noch höchst lesenwert sind:

Die neuen Medien sind ihrer Struktur nach egalitär. Durch einen einfachen Schaltvorgang kann jeder an ihnen teilnehmen; die Programme selbst sind immateriell und beliebig reproduzierbar. Damit stehen die elektronischen im Gegensatz zu älteren Medien wie dem Buch oder der Tafelmalerei, deren exklusiver Klassencharakter offensichtlich ist. […]

Die neuen Medien sind aktions- und nicht kontemplativ, augenblicks- und nicht traditionell orientiert. Ihr Zeitverhältnis ist dem der bürgerlichen Kultur, die Besitz will, also Dauer, am liebsten Ewigkeit, völlig konträr. Die Medien stellen keine Objekte her, die sich horten und versteigern ließen. Sie lösen »geistiges Eigentum« schlechthin auf und liquidieren das »Erbe«, das heißt, die klassenspezifische Weitergabe des immateriellen Kapitals. […]

Denn die Aussicht darauf, daß mit Hilfe der Medien in Zukunft jeder zum Produzenten werden kann, bliebe unpolitisch und borniert, sofern diese Produktion auf individuelle Bastelei hinausliefe. Die Arbeit an den Medien ist als individuelle immer nur insofern möglich, als sie gesellschaftlich und damit auch ästhetisch irrelevant bleibt. Die Diapositiv-Serie von der letzten Urlaubsreise kann hierfür als Muster gelten. Eben darauf haben es selbstverständlich die vorherrschenden Marktmechanismen abgesehen.

Blickt man von dieser Theorie aus auf Blogs, so können sie als eine Einlösung der Möglichkeiten betrachtet werden, die Enzensberger anspricht: Es handelt sich um aktionsorientierte, egalitäre Medienformen (man schaue sich z.B. an, wie Russland versucht, Blogger unter Druck zu setzen und gerade diese egalitäre Funktion zu unterdrücken).

Dennoch sind Blogs dem Vorwurf ausgesetzt, »unpolitisch und borniert« das Resultat von »individuelle[r] Bastelei« zu sein. Das ist – um diese Debatte noch einmal aufzugreifen, auch Teil der Abgrenzung der Journalisten »Bobby California« gegenüber »den Bloggern«: Journalisten arbeiteten in einem Kollektiv und für das Kollektiv – während Blogger alleine und nur für sich arbeiteten.

Meine Haltung ist die: Blogger und Journalisten tun nicht dasselbe. Blogger brauchen Journalisten – und umgekehrt. Der erste Teil leuchtet eher, weil weniger Blogger intensive Recherchen betreiben können und so oft Beiträge aus traditionellen Medien in ihre Posts einbeziehen. Aber der zweite Teil ist gleich wahr: Gerade in einer Zeit der Medienkonzentration und der direkten wirtschaftlichen Beeinflussung von Medieninhalten schaffen Blogs einen Raum, der eine größere Meinungs- und Themenvielfalt ermöglicht. (Damit ist nicht gesagt, dass alle Bloggenden diese Meinungs- und Themenvielfalt pflegen – genau so wenig wie damit gesagt ist, dass Journalisten generell intensiv recherchieren. Es gibt weder »die Journis« noch »die Blogger« – aber das dürfte klar sein.)

Jay Rosen geht in einem Vorlesungsmanuskript weiter: Er bezeichnet Blogger und Journalisten als jeweils »each other’s ideal “other”«:

Spitting at bloggers is closely related to gazing at your own reflection, and falling in love with it all over again. […] Ask bloggers why they blog and they might say: because big media sucks! But they will almost never say: I AM YOUR REPLACEMENT. This fantasy of replacement comes almost exclusively from the journalist’s side, typically connected to fears for a lost business model. […]

By raging at newspaper editors, bloggers manage to keep themselves on the “outside” of a system they are in fact a part of. Meaning: It’s one Internet, folks. The news system now incorporates the people formerly known as the audience. Twitter and Facebook are hugely powerful as distributors of news.

Rosen nennt fünf Aspekte genannt, welche die traditionellen Medien in Stress versetzen:

  1. Anzeigeneinbruch und wirtschaftliche Schwierigkeiten
  2. Monopolverlust des Printjournalismus aufgrund des Internets
  3. auch die Leser produzieren Texte und werden »mächtig«
  4. Information bewegt sich nicht nur vom Produzenten zum Konsumenten, sondern auch vom Konsumenten zum Konsumenten
  5. Autoritäts- und Vertrauensverlust der Printmedien.

Rosen schließt anschließend wie folgt:

For people in the press, bloggers vs. journalists is an elaborate way of staying the same, of refusing to change, while permitting into the picture some of the stressful changes I have mentioned. A shorter way to say this is: it’s fucking neurotic.

(Damit will ich mich mit dieser Debatte nicht länger aufhalten, es sei denn, »Bobby California« oder andere möchten meinen Post kommentieren. Dann hätte ich noch eine Frage: Was erwartest du als ideales Resultat dieser Diskussion von mir, Bobby? – Um die Frage von meiner Seite gleich zu beantworten: Ich würde mir erhoffen, dass du Einsicht formulieren kannst, dass eine pauschale Herabminderung aller Blogger und aller Blogs weder angemessen noch produktiv ist – genau so wenig wie es produktiv wäre, alle Journalisten in den gleichen Topf zu werfen. Und ich würde mir auch erhoffen, einmal einen, drei oder neun deiner offenbar hervorragenden, mühevoll erstellten Texte lesen zu können, die dir schlaflose Nächte bereiten. Aber vielleicht habe ich das schon, ohne es zu wissen.)

Ein Herz für Blogs – meine Blogempfehlungen

Heute ist der große Ein-Herz-für-Blogs-Tag (den gabs schon drei Mal, ohne dass ich dabei war, heute aber – mit mir):

 

 

 

Es ist ganz einfach: Man erwähnt, welche Blogs man mag und warum man sie mag. Und plötzlich finden ganz viele Leute ganz viele neue interessante Blogs. Und das sollen sie ja.

Ich wähle deshalb auch bewusst eher unbekannte Blogs aus – mit einer Ausnahme, die kommt ganz zum Schluss.

Entsorgungskalender: entsorgungskalender.wordpress.com

Mariana und Konrad trennen sich jeden Tag von einem Gegenstand – und sagen uns auch, warum sie das tun. Die Idee ist zwar nicht neu, aber es gibt heute ja keine Ideen mehr, die ganz neu wären. Und so einen Blog könnten wir alle ganz gut gebrauchen, weil auch wir Lockenstäbe haben, obwohl unsere Haare für Locken nicht gemacht sind.

Nichts ist klar: nichtsistklar.wordpress.com

Es gibt generell zu viele Menschen, für die alles ziemlich klar ist. Kim betrachtet die Fugen des Zeitgeschehens und eröffnet so einen Raum für Diskussionen, zu denen man immer wieder gern zurückkehrt: Weil interessante Menschen interessante Dinge geschrieben haben (mich nehme ich da gerne aus…)

Claudio Sprenger: claudiosprenger.com

In Regeln, wie Twitter zu gebrauchen ist, steht immer wieder, man solle auch Menschen folgen, die andere Standpunkte verträten als man selbst (oder gar das Medium anders benutzen als man es selbst tut). Claudio Sprenger hat in den meisten Sachfragen eine zu meiner Meinung diametral verschiedene Haltung – und doch lese ich seine Posts regelmäßig, weil er argumentiert, auf Einwände entgegnet und ein sehr sorgfältiger politischer Blogger ist.

Deus Ex Machina [FAZ]: faz-community.faz.net/blogs/deus

Das ist die besagte Ausnahme: Die FAZ-Blogs werden natürlich von allen gelesen und bedürfen der geringen Aufmerksamkeit, die ich für sie generieren kann, nicht. Aber je stärker in der Schweiz eine Online-Boulevardisierung stattfindet, desto öfters sollte man sich im digital nicht ganz so weit entfernten nördlichen Nachbarland umsehen. Bei der FAZ schreiben hervorragende AutorInnen das Deus Ex Machina-Blog: Lange Texte, die ich immer ausdrucke und mit Genuss beim Pendeln lese.

Und nun erwarte ich andere Blogempfehlungen…

Wie schießt man einen Penalty richtig?

Der Vorwurf an Blogs, mal wieder von Blog-Kritiker Bobby California geäußert, Printmedien nicht zu ersetzen, sondern nur wiederzukäuen, was diese schreiben, mag auf den ersten Blick auch auf diesen Beitrag zutreffen. Kaum schreibt die NZZ was über Penalties, nehme ich das Thema auf. Natürlich wusste ich schon was über Spieltheorie und Penalties und natürlich werde ich mich hüten, den Artikel wiederzukäuen – und doch sehe ich nicht wirklich, was das Problem daran sein soll, einen Hinweis auf einen Artikel zu garnieren oder mit einem Kommentar zu diesem Artikel zu garnieren: Schließlich will ich mit diesem Blog kein Geld verdienen und habe auch nicht den Anspruch, dass ihn die Leute statt der NZZ abonnieren sollen. (Zudem zeigt gerade dieser Artikel, dass die NZZ momentan neben der WoZ das einzige Schweizer Printmedium ist, für das man bezahlen sollte.)

* * *

Das gesagt zum Problem: Wie sollte man einen Penalty schießen? Grundsätzlich – so:

Der klassische Panenka war der entscheidende Penalty im Finale der EM 1976 – und offenbar der erste Penalty der so in die Mitte geschossen worden ist.

Die Spieltheorie des Penalties besagt:

(1) Der Schütze und die Torwart sollten eine Strategie wählen, bei der ihre Trefferquote unabhängig von der Richtung ihrer Richtungswahl ist.

Grund: Gäbe es eine Seite, bei der z.B. der Schütze sicherer wäre, dann könnte der Torwart diese Asymmetrie ausnutzen.

(2) Idealerweise wird die Richtung vor dem Schuss zufällig gewählt, wobei u.U. gewisse Richtungen mit höherer Wahrscheinlichkeit vertreten sein sollen.
(2a) Insbesondere die so genannt »natürliche« Seite sollte von einem Schützen häufiger gewählt werden (natürlich = die Seite des Fusses, mit dem er schießt).

Dann nämlich kann verhindert werden, dass eine Strategie für die Analysten des gegnerischen Teams erkennbar wird. Die Studien von Ignacio Palacio-Huerta zeigen, dass besonders erfolgreiche Spieler (er nennt Buffon und Zidane) sich gerade so verhalten, als würden sie die Richtung zufällig wählen.

(3) Wie diese Studie zeigt, wir die Mitte als Option von Torwarten offenbar systematisch unterschätzt und sollte häufiger in Betracht gezogen werden.

Und vielleicht zum Schluss noch eine sehr allgemeine Bemerkung, die bei diesen Untersuchungen eines »Nullsummenspiels« (Torwart und Spieler können gleich viel verlieren bzw. gewinnen – und immer wenn der eine verliert, gewinnt der andere) oft vergessen geht:

(4) Wenn man nicht aufs Tor schießt, trifft man sicher nicht.