Schule und Social Media

Ich habe ein neues Projekt: eine Seite, auf der ich Ideen, Projekte, theoretische Überlegungen, Erfahrungen und Tipps zu Schule und Social Media publiziere, man findet sie hier. Mittelfristig würde ich gerne auch Schulen in diesem Themengebiet beraten oder kleine Kurse durchführen, genauere Pläne gibts aber noch nicht.

Ich würde mich freuen über:

  • die Lektüre dieses Blogs
  • Gastbeiträge
  • Themen- und Ideenvorschläge
  • Kommentare
  • Likes auf der Facebook-Seite.

Danke im Voraus!

Dieser Blog feiert Geburtstag: Er wird 5.

Bildquelle: Flickr, stephenliveshere - CC BY-NC-ND 2.0

Morgen vor 5 Jahren habe ich die ersten Posts für diesen Blog geschrieben. Ich möchte mich nicht lange damit aufhalten, das zu feiern – sondern einfach ein paar Bemerkungen zu diesem Jubliäum machen:

  1. Warum führe ich einen Blog? Was bezwecke ich damit?
    Mein Blog ist eine Art Gedankentagebuch. Ich interessiere mich für viele Dinge – und vergesse auch vieles schnell wieder. Ich habe mir angewöhnt, Fragen, denen ich nachgehe, kurz zu notieren – und andere einzuladen, sie mitzudenken. Diese Debatten, die so hier aber auch in den Kommentarspalten an anderen Orten entstehen, sind mir sehr wichtig: Ich diskutiere sehr gerne intensiv und finde so – fast zu jeder Zeit und fast zu jedem Thema spannende Gesprächspartnerinnen und -partner. Zudem bin ich, wie mir vor einigen Monaten jemand gesagt hat, eine »strongly opinionated person« – ich habe zu fast allem eine recht pointierte Meinung – für die ein Blog natürlich ein ideales Gefäss ist.
  2. Was hat das Bloggen bisher gebracht?
    Eigentlich nichts. Es ist ein reines Hobby. Ich habe mir Meinungen gebildet und Texte darüber geschrieben. Ich mache mir nicht die Illusion, damit die Welt zu verbessern oder Missstände zu korrigieren. Letztlich bewirkt das Bloggen ein wenig digitale Aufmerksamkeit – die aber ganz schnell wieder weg sein kann.
    Ich habe inhaltlich natürlich viele Erkenntnisse gewonnen – gerade auch im Austausch. Bewusst wurde mir auch, wie groß die Chance ist, Texte dynamisch zu gestalten – sie zu verbessern, zu präzisieren, zu aktualisieren. Eine Chance, die vor allem das Internet bietet.
  3. Was hat sich verändert, seit ich blogge?
    Bei der Einrichtung der Timeline wurde mir bewusst, dass ich erst ein gutes Jahr nach dem Blogstart Facebook beigetreten bin (Januar 2008), noch einmal ein gutes Jahr später (März 2009) habe ich zu twittern begonnen. Heute nehme ich die Medienwelt fast ausschließlich via Twitter wahr – ich lese praktisch keine gedruckten Zeitungen mehr. Ich habe viele Leute übers Internet kennen gelernt und tausche mich regelmäßig mit ihnen in verschiedenen Foren aus. Sowohl das Bloggen wie auch Facebook und Twitter haben einen Hype durchlebt und hinter sich gelassen – das empfinde ich als Entlastung: Solche Kommunikationsformen sollten nicht mit Inhalten gefüllt werden, weil das angesagt ist; sondern weil man darin einen Nutzen erkennen kann.
  4. Wie hat sich mein Blog verändert?
    Zunächst aktualisiere ich das Layout immer mal wieder – die WordPress-Themes werden immer hübscher und eine optische Veränderung suggeriert aber und an auch eine inhaltliche Frische, die vielleicht gar nicht vorhanden ist…
    Inhaltlich gabs wohl ungefähr drei Phasen in meinem Blog: Eine Versuchsphase, in der ich von privaten Bildern über Restaurantkritiken und wahllosen Rants alles gepostet habe; dann eine eher aggressive-politische Phase, in der ich auch mit persönlichen Angriffen operiert habe und mittlerweile eine dritte Phase, in der ich versuche, meine Meinung kundzutun – diese Meinung aber differenziert zu belegen und auch einzuordnen, ohne zu polemisch werden zu müssen. Dabei liegt mir daran, die Posts nicht zu lange zu halten.
  5. Wer liest meinen Blog?
    Mein Blog findet auf verschiedenen Wegen zu Leserinnen und Lesern: Auf FB, Twitter und per RSS- oder Email-Abonnements erreiche ich mehr oder weniger regelmäßige Lesende, meistens zwischen 50 und 100, die einen Post innert 48 Stunden nach Publikation lesen. Einige Posts sind aber langlebig und erreichen über Suchmaschinen jeden Tag einige Personen (auch in Übersetzungen über Google-Translate), so dass momentan an einem normalen Tag rund 600 Personen Texte auf meinem Blog lesen, seit meinem Wechsel auf WordPress vor gut zwei Jahren hatte ich schon 280’000 Besucher auf meinem Blog.

So bleibt mir, allen Beteiligten, Leserinnen, Lesern und Kommentierenden zu danken – bloggen macht wegen euch Spass, auch wenn man das meinen Themen nicht immer anmerkt…

Empfehlenswerte Schweizer Blog

Wie einige Lesende wissen, bin ich Kantilehrer. Bloggen ist mein Hobby und eine private Angelegenheit – in diesem Post möchte ich aber meinen Beruf und mein Hobby verbinden. Ich starte im neuen Schuljahr ein Blogprojekt mit zwei Klassen (wer sich für Details interessiert, findet einen Entwurf meiner Vorbereitung hier als pdf).

Für dieses Projekt suche ich Schweizer Beispiele von ausgezeichneten Blogs und habe deshalb auf Twitter, Google+ und Facebook danach gefragt, welches denn eurer Meinung nach 2011 das beste Blog der Schweiz ist:

Ich werde hier die eingegangenen Antworten publizieren, jeweils mit der Begründung. Ich berücksichtige alle meiner Meinung nach ernsthaften Beiträge, weitere können gerne in den Kommentaren gepostet werden, ich werde hier regelmäßig aktualisieren.

Wie in den Kommentaren angemerkt, ist es verfehlt, von den besten Blogs zu sprechen. Es handelt sich einfach um Empfehlungen.

Von anderen vorgeschlagen:

Selbstnominiert:

Anleitung: Blog als Buch ausdrucken

Um meine Blogposts zu archivieren (wer weiß, wenn das Internet neu gestartet wird), habe ich sie als Buch ausdrucken lassen. Dabei habe ich zwei Systeme ausprobiert:

  1. BlogBooker.com
    Der Dienst ist gratis und verbindet sich auf der Webseite mit Blogger/Wordpress/Livejournal (braucht jemand heute noch Livejournal?) und bietet dann ein ansehliches (aber nicht schönes) pdf zum Download an, in dem auch alle Bilder integriert sind. So sieht dies in meinem Fall aus: Blog-Ausdruck, [pdf 9.4 MB].
  2. Blurb.com
    Blurb bietet ein Tool zum Download an, das dann die xml-Datei des Blogs importiert (eigentlich kann die xml-Datei als Backup angesehen werden, wenn man sie runterlädt, hat man alles gespeichert).
    Das Tool enthält viele Optionen und ermöglicht ein sauberes Layout, das man allerdings nur brauchen kann, wenn man bei Blurb ein Buch bestellt – ansonsten sieht man im pdf-Ausdruck immer ein Wasserzeichen »For proofing only…«. Das Blurb-pdf von meinem Blog ist dann 600 MB groß.
  3. bloxp.com
    Wie hier dargestellt, lässt sich mit dem Tool problemlos ein eBook aus einem Blog erstellen. [Zusatz vom März 2013]

Fazit: Wenn man eine handliche Datei ohne Download eines Programms erstellen will, empfehlen sich Varianten 1 oder 3.

Die Angst vor der kommenden Diktatur

»Hast du keine Angst, dass wir in 10 Jahren in einer Diktatur leben und den Herrschenden dann deine politischen Ansichten bekannt sind, weil du sie auf dem Internet publizierst?«, wurde ich diese Woche beim Bier gefragt. Die Frage war eine Secondhand-Frage und der Erfinder der Frage muss, so wollen wir annehmen, Züge von Paranoia aufweisen. Dennoch hat mich die Frage nicht losgelassen.

Sie enthält, so denke ich, zwei Komponenten:

  • Ist es denkbar, dass wir (=WesteuropäerInnen) dereinst in einer Diktatur leben?
  • Muss ich mich mit dem Äußern von Ansichten und Einstellungen zurückhalten, weil mir das in der Zukunft schaden könnte?

Die erste Frage ist kaum zu verneinen. Es war in Wien 1910 wohl auch nicht denkbar, dass man einst in einer Diktatur leben würde, und in Budapest wohl noch weniger, dass sich die Diktaturen gleich die Hand reichen werden. Die Massnahmen, die verhindern, dass Demokratien zu Diktaturen werden, verblassen wohl vor den Massnahmen, mit denen Diktatoren bereit sind, Demokratien zu beseitigen. Zudem scheinen wirtschaftliche Interessen für Menschen immer vor politische Freiheit zu kommen – und die Aussicht auf wirtschaftliche Prosperität wird wohl so lange es Menschen gibt einen Anreiz schaffen, Unfreiheit zu ertragen und zu ermöglichen.

Damit wären wir bei der zweiten Frage. Hier ist die Antwort wohl eher nein. Natürlich würden wir denken, eine 15-jährige, die eine eugenische Phase durchlebt, sollte sich zurückhalten, die Abtreibung aller in ihren Augen minderwertigen Lebensformen in einem Blog zu propagieren, wenn sie dereinst eine spannende Stelle finden will. Aber ein erwachsener Mensch, dessen Ansichten sich in einem nicht-extremistischen Spektrum bewegen, der mit sich diskutieren lässt, eine gewisse geistige Flexibilität aufweist – der sollte von seinem Recht, seine Meinung äußern zu dürfen, wohl Gebrauch machen können. Sollte mir das dereinst schaden – dann werde ich dafür die Verantwortung übernehmen müssen.

Die Vorstellung, dass mir aber alles, was ich jetzt tue, schaden könnte (vielleicht verlangt die Diktatur von uns auch, dass wir alle einen Blog betreiben, und setzt drakonische Strafen für all die aus, die sich im Internet zurückhalten), ist dermassen lähmend, dass ich mich ihr momentan noch verweigern muss.

Payback – Frank Schirrmacher und die brave new digital world

Es gibt einen Grad von Unterdrückung, der als Freiheit empfunden wird. – Heiner Müller, Quelle

In seinem an die Payback-Karte angelehnten Titel – in der Schweiz müsste das Buch »Cumulus« heißen und darf nicht mit dem brillanten Essay von Atwood über den Umgang mit Schuld und Schulden verwechselt werden – beklagt der konservative deutsche Denker Frank Schirrmacher, der (post)-moderne Mensch sei nicht mehr Herr, sondern Knecht der digitalen Arbeitsmethoden. Während er glaube, den Computer zu benutzen – benutzt der Computer eigentlich den Menschen, um es pointiert auszudrücken.

Schirrmacher führt mehrere Argumente ins Feld:

  1. Die Benutzung von Computern verändert uns physisch. Neurologische Prozesse führen zu einer Anpassung unserer Kognition an die Vorgehensweise von Rechnern, insbesondere erwerben wir die Fähigkeit zum Multitasken. Schirrmacher beschreibt im Abschnitt »Mein Kopf kommt nicht mehr mit«, dass er sich unkonzentriert fühle und vergesslich geworden sei – und wertet diese Veränderung somit negativ.
  2. Die ständige Nutzung von digitalen Medien führt zu einer Unterdrückung der Menschen, welche sie glücklich als Freiheit erleben. Wer im Internet etwas sucht, findet auch – und meint, gefunden zu haben, was gesucht worden ist. Freier Wille wird suggeriert – tatsächlich wird aber durch mächtige Instanzen gesteuert, was man findet. Auch die totale Individualität digitaler Welten (iTunes sucht das Musikprogramm, das mir als Individuum entspricht) ist nichts als die Kontrollübernahme durch diese digitalen Welten (iTunes bestimmt, was mir als Individuum zu entsprechen hat).
  3. Die mangelnden Filter im Internet führen zu einem ständig ablaufenden Entscheidungsprozess, was wichtig/unwichtig oder relevant/irrelevant sei. Diese Entscheidungen überfordern den Menschen, Sie führen zu einer »Ich-Erschöpfung« (Roy Baumeister; Entscheidungen zu fällen ist für Menschen ein Kraftakt, siehe hier). Es sei zu fordern, dass Informationen dem Hirn unterzurodnen seien – und nicht die Hirnaktivität den Informationen.
  4. Es gibt einen »digitalen Darwinismus«: »fittest« heißt heute, am besten an die Informationen angepasst, als bestinformiert, und zwar nicht im Sinne von »wichtigen«/»relevanten« Informationen, sondern den Informationen, welche nach dem »Mätthäus-Effekt« als wichtig erscheinen.

Nun wird Schirrmacher zwar als konservativer Vordenker sofort breit und grundsätzlich positiv rezensiert vom Feuilleton, erfährt aber sofort auch Kritik der »digital natives«, der Menschen, welche mit dem Internet groß geworden sind. Diese Kritik ist sehr aufschlussreich, zeigt sie doch, wie Recht Schirrmacher eigentlich hat: Tim Cole moniert, Schirrmacher sei ein »digitaler Xenophobe«, der deswegen nicht mehr mitkomme, weil er keine Ahnung von der digitalen Welt hat. Damit nimmt er ein Argument auf, das in Technologiedebatten, wie die Zeit-Rezension erhellend anmerkt, seit einigen Jahren zu einer »self-evident truth« geworden ist: Wer technische Innovationen kritisiert, versteht sie nicht, sonst würde er sie nicht kritisieren (sehr verbreitet in der Gamer-Community: Wer Killerspiele verbieten will, hat noch nie welche gespielt oder nicht richtig, denn sonst würde er Spiele nicht verbieten wollen). Weiter schreibt Cole, Schirrmacher habe ein falsches Menschenbild, weil sich Menschen nicht beeinflussen liessen und sehr gut zwischen relevanten und irrelevanten Informationen unterscheiden können; um dann ein interessanten Evolutionsargument anzufügen:

Und Schirrmacher hat zweitens keine Ahnung von Evolution. Er kann – oder will – nicht erkennen, dass Homo Sapiens sich in den vergangenen Jahrtausenden stets und immer wieder einer veränderten Kommunikations- und Informationsumgebung anpassen musste, und dass er es ganz gut gemacht hat.

Die Informationsumgebung wird also eine natürliche Umgebung gesehen, an die sich der Mensch anzupassen hat – und nicht mehr als eine kulturell erschaffene Umwelt, welche auch verändert werden könnte (im Rahmen einer Anpassung, vielleicht). Die digitale Welt ersetzt also eine selektive Natur: Was nichts anderes als eines von Schirrmachers Argumenten ist, dass sich der Mensch der Technik untergeordnet hat und weiter unterordnen wird.

Soviel zur Kritik der Kritik, die mir im Moment noch sehr dünn erscheint. Nun aber zur Kritik an Schirrmacher noch meine Begegnung mit seinem neuen Buch:

  1. Ich lese meine Tweets (nicht Tweeds, ein offenbar peinlicher Schreibfehler in Schirrmachers Buch) und stosse auf diesen von @Zeitonline_all:
  2. Ich lese auf meinem iPhone unterwegs die Zeit-Rezension.
  3. Ich lese auf meinem Laptop auf dem Weg zur Arbeit (nächster Tag) die Renzension in der Süddeutschen Zeitung sowie Blogeinträge zu Payback.
  4. Ich drucke wichtige Texte aus und bearbeite sie mit dem Bleistift, ich lese sie also linear, wie Schirrmacher eine seiner Meinung nach gefähredete Tätigkeit bezeichnet:
  5. Ich schreibe den Blogpost, ohne auch nur in dem Buch gelesen zu haben.

Das mag nun problematisch erscheinen, hat aber auch Vorteile, es ist ein modernes Vorgehen. Es scheint mir ausgewogen, mehrperspektivisch zu sein, es ist eine effiziente Art zu Arbeiten, welche nicht obeflächlich ist, aber oberflächlich sein könnte. Und nebenbei habe ich Tweets gelesen, welche völlig sinnlos und irrelevant waren und auch solche Blogeinträge; ich verfüge aber über eine relativ gute Filterkompetenz.

Fazit: Das Diktat der Technik ist eine realistische Gefahr. Die Technik kann aber auch gegen sich selbst gewendet werden oder dazu benutzt werden, die drohende Gefahr zu mildern oder abzuwenden, weniger, aber wichtigere Entscheidungen von uns zu verlangen. Und die Technik hat uns nicht zur Konsumenten und Rezipienten gemacht, sondern auch zu Produzenten (wie ich hier). Steven Pinker, der amerikanische Populärpsychologe, hat gesagt, man solle, wenn man das Internet (Facebook etc.) kritisiere, mal darüber nachdenken, worüber man denn bei einem Abendessen am Familientisch so rede:

I mention this because so many discussions of the effects of new information technologies take the status quo as self-evidently good and bemoan how intellectual standards are being corroded (the ‚google-makes-us-stoopid‘ mindset). They fall into the tradition of other technologically driven moral panics of the past two centuries, like the fears that the telephone, the telegraph, the typewriter, the postcard, radio, and so on, would spell the end of civilized society.

#Twitter – Eine Anleitung und eine Bilanz

Es ist der 12. März 2009. Schon lange habe ich von diesem Twitter-Ding gehört, nie genau verstanden, wozu man es brauchen könnte, und nun beginne ich also damit. Wie ich schon mit

  • Hattrick
  • MSN (heute Windows Live)
  • Bloggen
  • RSS-Reader
  • Facebook

begonnen habe: Mal sehen, ob das was taugt. Was also taugt Twitter?

Eine Anleitung

Man braucht:

  1. Einen Account auf Twitter.com, meiner heißt http://twitter.com/kohlenklau, weil ich mich früher schon einmal mit phwampfler angemeldet habe und und und.
  2. Ein mobiles Gerät, auf dem man entweder per Browser oder (besser) per Applikation auf Twitter zugreifen kann, in meinem Fall Tweetie. (Nach Versuchen mit anderen Apps.)
  3. (fakultativ) Auf dem Laptop oder Desktop ein Tool, mit dem man auf Twitter zugreifen kann (damit man im Browser nicht immer ein Fenster offen halten muss); ich benutze nun auch Tweetie, habe aber auch Twitter für Growl installiert, so dass ich alle Tweets angezeigt bekomme (mühsam, mit der Zeit, da der ganze Bildschirm gefüllt wird, wenn man den Computer aufweckt.)

Man macht damit:

  1. Man schreibt Tweets, d.h. Meldungen mit einer Länge von 140 Zeichen. Man kann sie sich als eine Art öffentliche SMS vorstellen, obwohl man auch private Nachrichten verschicken kann. Optional kann man vom mobilen Gerät aus Geotags anhängen, d.h. Koordinaten des momentanen Aufenthaltsortes, Bilder und sogar Videos. Der ganze Dienst wird auch Microblogging genannt, die Tweets werden verstanden als Blogposts im kleinen Umfang. Zusätzlich kann man eine Art Indexsystem benutzen, indem man Begriffe mit einem Hashtag kennzeichnet, wie #twitter im Titel dieses Posts. Üblich sind Links auf größere Texte, z.B. Blogposts, welche mit Mikrolinks verlinkt werden (z.B. TinyURL oder bit.ly) – um Zeichen zu sparen. Zum Inhalt der Tweets weiter unten.
  2. Die Tweets werden von Followers gelesen, also von Leuten, welche meine Tweets abonniert haben und sie angezeigt bekommen. Man kann sich direkt an einen Follower richten, indem man ihn mit @dougthehead in den Tweet aufnimmt.
  3. Man selber ist natürlich auch Follower und abonniert so die Tweets anderer Twitternden. (Falls man sich fragt, was twittern eigentlich heißen soll: Zwitschern. Deshalb tauchen auch Comicvögel häufig auf.)  Diese Tweets liest man dann; verbreitet sie weiter, indem man sie re-tweetet (Syntax: »RT @kohlenklau …« wobei … für den Inhalt des Originaltweets steht) oder antwortet mit @kohlenklau darauf.

Philippe Wampfler (kohlenklau) on Twitter

Und was bringt das?

Welche Funktionen hat Twittern bzw. das Lesen von Tweets?

  1. Unterhaltung und Öffentlichkeit. Man twittert Witze, Kuriositäten und Beobachtungen aus dem Alltag, demonstriert seine Medienkompetenz, bleibt im Gespräch. Gleichzeitig veröffentlicht man viele (harmlose) Aspekte seines Privatlebens, genau so, wie man das mit einer Facebook-Statusmeldung tut (man kann natürlich Tweets auch automatisch als FB-Statusmeldung anzeigen lassen, m.E. am besten mit Selective  Twitter Status).
  2. Publizieren von Informationen. Als Blogger twittert man jeden neuen Blogeintrag (auch hier gibt es Tools, WordPress kann das automatisch, zuvor habe ich Twitterfeed benutzt).  Zeitungen twittern ihre Meldungen mit Links zu den Artikeln (z.B. twitter.com/nzz), aber auch Homepages, Firmen etc. benutzen Twitter als Social-Media-Anbindung, über die Kunden und Interessierte informiert werden. Als Leser kann man also so den RSS-Reader eigentlich ersetzen.
  3. (Zielgerichtete Kommunikation). Die Klammern deuten an, dass diese Funktion eingeschränkt genutzt wird und funktioniert. Beispielsweise hat twitter.com/phogenkamp schon per Twitter jemanden gesucht, der zu einer bestimmten Zeit vom Stauffacher zum Bahnhof fährt – und auch gefunden. Man könnte so eine Art ortsgebundene Kommunikation ermöglichen, man kann auch nach Tweets aus einer bestimmten Region suchen und sich die auf einer Karte anzeigen lassen. Andererseits könnte man eine Art SMS an mehrere Menschen versenden, z.B. eine Einladung.

Offene Fragen

Ob sich der Aufwand lohnt, wage ich im Moment zu bezweifeln. Wenn man Vergnügen an derlei Dingen hat, sich ab und zu von Tweets ablenken lassen will – dann schon. Sonst kaum. Folgende Fragen sind für mich noch offen:

  1. Wie schafft man es, den richtigen Twittern zu followen – und wie tut man das? Twitter hat Listen eingeführt, mit denen man mehr Leute finden sollte, die interessante Tweets posten. Aber schon nur das Followen von 50 Twittern wird enorm zeitraubend und unübersichtlich – wenn man denn alle Tweets liest. Andererseits: Was bringt das Lesen, wenn man es selektiv tut? Wie oft aber soll man es tun? Etc.
  2. Filterfunktionen. Twitter müsste Informationen filtern lassen, so dass man nur liest, was man lesen will (ähnlich wie Facebook das tut). Unklar ist, ob das technisch möglich ist?
  3. Wie twittert man richtig? Was interessiert die Follower? Soll man – wie twitter.com/thomashutter – redundant twittern und Tweets wiederholen, oder nicht? Soll man sich eine Linie zulegen und seriös twittern, oder indiskret (wie twitter.com/promiskuitaet) oder nur privat, oder alles mischen?

Und ein Tipp

http://twitter.com/SibylleBerg – Sibylle Berg mag ich ohnehin, aber sie twittert auch sensationell. Und hier noch ein toller Text von ihr: