Drei Hinweise – #streetview, #freiheit

Erstens
Gerade beschäftigt mich die Frage, was der Staat darf, soll und inwiefern Verbote taugliche Mittel sind – und ich diskutiere sie hier: http://www.freilich.ch/blog/?p=670

Zweitens
Mal wieder Google-Street-View, damit man das noch gesehen hat, bevors gelöscht wird. Man vergleiche die Person auf dem Balkon mit den Gartenzwergen unten rechts.

Drittens
Die Hashtags oben (#xyz) haben auf Twitter eine Funktionalität.

Huhn oder Ei – Medien und Statistik

Die Tagesschau bietet ihren Content neu auf ihrem Videoportal an – und listet dort auch gleich eine Statistik auf, die Aufschluss darüber gibt, welche Beiträge auf das meiste Interesse gestossen sind. Wie der Tagi scharfsinnig folgert, wird die Tagesschau sich deshalb an diesen Interessen orientieren. Heuchlerisch ist diese Kritik allein deshalb schon, weil die Newsnetz-Seite seit ihrem Start mit dieser Art von Statsitik arbeitet und News in Zukunft eine Art »best-of«- bzw. »Hitparaden«-Newsnetz sein soll (oder schon auf dem Weg dazu ist).
Die grundsätzliche Frage ist die: Sollen Medien schreiben, was die Leser lesen wollen, oder sollen die Leser lesen, was die Medien schreiben wollen? Die Frage tritt überall dort auf, wo es Angebote und Nachfragen gibt; denn Angebote können Nachfrage erzeugen, Nachfragen aber auch Angebote.
Das Problem bei der eigentlich offensichtlichen Antwort, Medien sollten über diejenigen Inhalte schreiben, die bedeutsam, wichtig, informativ, relevant etc. sind, ist die Frage, wer denn letztlich darüber entscheidet, welche Inhalte das sind. Eine liberale Position wäre es, den Lesern gerade diese Kompetenz zuzuschreiben und sich deshalb an ihren Bedürfnissen zu orientieren, weil es letztlich eine demokratische Vorgehensweise ist.
Nun tendiere ich – nicht unbedingt aus rationalen Gründen – zur Haltung, dass Medienschaffende mit Selbstbewusstsein, Gespür und vielen eigenen Interessen Leser dazu motivieren können, sich mit einem Stoff zu beschäftigen, für den sie sich vorgängig nicht interessieren, diese Beschäftigung aber als Gewinn empfinden. Der Vergleich mit einem freien Abend ist vielleicht angebracht: Willst du lieber auf dem heimischen Sopha sitzen und einen spannenden Krimi schauen, oder aber die hübsch anziehen, in die Stadt fahren und dort ein elitäres Theaterstück ansehen? Wenn das Theaterstück den»so-was-könnte-man-öfter-tun«-Effekt auslösen kann (und man dafür motiviert worden ist), dann ist wohl die spontane Antwort auf die Frage nicht unbedingt die richtige.
Was aus dem Beispiel folgt, ist die Forderung nach einem richtigen Umgang mit den Statistiken: Wenn Leser auf Stories klicken, in denen es um, sagen wir, Piratenüberfälle geht, dann heißt das nicht, dass sie sich generell für Piratenüberfälle interessieren, sondern dass die Story so aufgemacht war, dass sie sich für diese Story interessiert haben. Zu fragen wäre dann weiter, welche Beiträge wie lang angeschaut werden, und wie diese Beiträge geschrieben worden sind – nicht nur, worum es darin ging. Leser sind durchaus mündig – aber auch in der Lage, eine Herausforderung anzunehmen.

Smartvote

Meine Wahl- und Politikverdrossenheit hab ich ja schon zum Ausdruck gebracht – doch bekanntlich hilft Web 2.0 bei allem, auch bei dem. Hier also meine Smartvoteresultate:



Fundies

Wenn man mal was ganz Lustiges lesen will, sollte man sich mal in die Gedanken amerikanischer Fundamentalisten (kurz Fundies) einlesen. Wie die aussehen, sollte man sich gar nicht vorstellen wollen, wie sie denken auch nicht. Hier die Top100, einfach weiterlesen, alles wird immer besser:
Fundies say the dardnest things!

Tammi

Nun bin ich noch davon abhängig: http://4chan.org/

Da müsste man mal eine kleine Forschungsarbeit darüber schreiben: Ein anonymes Forum, das eine Art Verhaltenskodex aus subsistenten Normen erarbeitet hat, der sich einerseits rapid schnell verändert, andererseits dokumentiert wird, und zwar auf eine Weise, die zwar klar, aber doch wieder nicht erlernbar ist. Möchte gern aufhören.

Apropos aufhören: Mit heute, Seite 2 muss man auch aufhören. Fabienne schreibt eine schweizerdeutsche Einladung (wusst ichs doch, dass heute bals auf Schweizerdeutsch erscheinen wird) an eine Party (wer ist Fabienne schon wieder?) und Nora Hesse (wer ist das?) besucht eine Party, an der Beyoncé war. Aufhören, aufhören, aufhören.

Das ganze Blogspiel

„Wotsch en Brief, so schribsch en Brief“, hiess es doch mal. In einer Zeit, wo mich 16-jährige fragen, was A-Post sei, ist ein solches Diktum natürlich schon etwas passé. Aber wenn man im ganzen Blogspiel bestehen möchte, d.h. eine treue Schar Lesende um sich versammeln möchte, so müsste man andere Blogs lesen, kommentieren und so seinen Blog anpreisen; das gleiche Prinzip wie ehedem also, mein meine Blogberatung. Da es für solche Angelegenheiten an Zeit nie mangelt, gibt es nur ganz prinzipielle Probleme – wie will man sich mit seinen Kommentaren positionieren? Kommentiert man Dutzendblogs auf der Jagd nach Aufmerksamkeit, oder wagt man sich an die herausragenden Prachtsexemplare, wo sich die „Weisheit der vielen“ tummelt?

Die Weisheit der Vielen

Die These der Weisheit der Vielen, Grundlage für das Heilsversprechen von Web 2.0, lautet wohl kurz gesagt:
Eine gut organisierte Gruppe ist besser informiert und handelt/entscheidet weiser, als dass es jeder einzelne könnte (ohne die Gruppe).
Die These ist weit davon entfernt, selbstverständlich zu sein. Bin ich über ein Thema gut informiert und in der Lage, weise Entscheidungen zu treffen, so brauche ich kaum eine Gruppe. Bin ich schlecht informiert, so kann mir die Gruppe helfen – doch dann entsteht sofort die Frage, wie ich mich in dieser Gruppe (oder eben im Web 2.0) informieren kann. In der Theorie könnte funktioniert die Idee von Surowiecki (trotz seiner eher bedenklichen wirtschaftstheoretischen Annahmen) sicher, doch in der Praxis (gerade beim Web) sind so hohe Skills erforderlich, dass gerade die, die von dieser Weisheit am meisten profitieren könnten (weil sie am schlechtesten informiert sind), nicht zu dieser Gruppe dazugehören.
Man muss darüber aber weiterdenken…