Medienlese / -schelte

Anstatt einer Serie von Leserbriefen: Ein Blog-Eintrag.

1. Die Woz.
Eine ganz herausragende Zeitung. Intelligenter und kritischer als die Weltwoche, dazu subtiler und stilistisch fein. Links und rechts werden kritisiert, Argumente werden überprüft und die Inkonsequenz vieler Politiker ausgestellt – z.B. dass die SVP-Herren Rundstreckenrennen in der Schweiz zulassen wollen, damit die Schweiz „kein Sonderfall in Europa ist“.

2. NZZ Folio.
Auch das eine hervorragende Publikation – jeder Monat ein überraschendes Thema mit interessanten Blickwinkeln. Alles ist sauber recherchiert, vielfältig und gut geschrieben. Dafür würde ich auch zahlen.

3. Tagi-Magi.
Ich kann nicht anders, ich muss noch einmal etwas sagen:
a) In einer WOZ-Kolumne werden die Herren vom Magi MUCHs genannt – male urban chicken-hearted. Sag ich’s doch schon lang, erfrischend sowas.
b) Apropos chicken-hearted: Auf der Homepage kann sich nur äussern, wer ein Benutzerkonto erstellt. Wovor hat man da Angst? Und dafür muss dann auch geworben werden, auf einer ganzen Seite, und man darf mit einem Redaktor seiner Wahl essen gehen, wenn man der 100ste oder 200ste oder so ist. Wahrscheinlich sind alle scharf auf ein Essen mit – Guido Mingels.
c) Apropos male – da gibt es ja noch diese Frau mit der guten Sprache, wie mir unlängst jemand in einem Youtube-Kommentar mitteilte. Dazu nur soviel: Genausowenig wie jemand, die ein Wochenende in New York so tun muss, als sei sie dort bei den AAs angebaggert worden, genausowenig muss jemand, der ein paar Monate in Berlin war, so tun, als schreibe sie die deutsche Sprache progressiv. Beispiel gefällig: „Ein sehr okayes Alter“ oder dann auch „sondern in der Denke“. Sowas klingt dann in so einer Kolumne bescheiden gesagt – bemüht.
d) Max Küng versteht nicht, was eine Kolumne ist. Was er macht, ist eine Art Blog. Nur weil er den Abschnitten Nummern gibt, werden seine Texte nicht mehr zu einer Kolumne. Who cares, frage ich mich. Gelesen habe ich bisher nur etwa von McDonalds und Scrabble. Mehr will ich gar nicht wissen.

4. Weltwoche.
Wir wissen, wissen, wissen – dass es Individuen gibt, die viel Geld haben und trotzdem Sozialhilfe bekommen. Wirklich. Also bitte – nicht mehr schreiben. Denn ob es nun 5 sind, die einen BMW fahren, oder 3, die noch mit Drogen dealen – es ändert nichts an der Aussage, die gemacht ist.
Und: Politikerinnen-Bashing scheint bei den MUCHs der Weltwoche besonders im Trend zu liegen, diese Tage.

TagiMagi goes Web 2.0

Das Magazin retouchiert sich leicht – mit Blumenbildern auf dem Cover, einer ausgedehnten Roten-Kolumne und einer neuen Küng Kolumne im Tractatus-Style.

Dazu nur ein kleiner Kommentar: Try harder. Roten und Küng haben uns schon seit mindestens einem Jahr nichts mehr zu sagen, ausser, dass sie ein Leben leben, das wir auch leben, und darüber nicht lustiger schreiben können, als wir das auch können. Sie kaufen was, gehen in die Ferien, lebensmittelvergiften sich, besuchen eine Party in New York.
Zumindest eine neue Kolumne wäre zu erwarten gewesen, Martin Suter ersetzt man nicht so leicht.

Und das Youtube-Video von Roten ist wohl der Peinlichkeit Gipfel. So zu kichern finden schon 14-jährige total pubertär. Mehr will ich wirklich nicht sagen. Ah doch – der Vorschlag für das nächste Youtube-Video nach Roten verweist auf Paris Hilton.
(Wenn man dem Youtubelink folgt, kann man noch sehen, wie sich Leute mit meinem Kommentar auseinandersetzen.)

Tingler und Roten

Gerade Tinglers Blog entdeckt und mich recht amüsiert, er triffts recht gut (gut gefällt mir auch das Video bei Äschbi auf seiner Homepage (bzw. auf SFs Homepage), der Äschbi ist ja recht gereizt):

Frau Roten verkörpert nämlich den Typ der Kolumnistin, deren gesamtes Schreiben immer nur ein Kampf gegen die eigene Komplexbeladenheit ist, und da die Sorte Selbstironie nicht mal dann erkennt, wenn man ihr damit auf den Kopf haut, wirkt das Ganze so gewollt und verkrampft, wie die Sorte Roten eben ist. Und überdies fällt das ganze Getue so ’n bisschen in sich zusammen, wenn man sie trifft und sie kein Wort rauskriegt und sich zusammenkauert. Aber gegen die Roten als Person hab ich gar nichts. Ich kenne sie ja überhaupt nicht. Ich habe während des Fluges nur, während ich, wie Frau Roten richtig schreibt, gewohnheitsmässig unaufhörlich auf Richie einquasselte, in meinem indirekten Blickfeld gesehen, wie sich am Ende der Sitzreihe ein stummes kleines Geschöpf gegen die Kabinenwand presste.
Eine andere Frage ist die, warum das Magazin des Tages-Anzeigers überhaupt seine Spalten für so Mädchengetue auf Pausenhof-Niveau breit macht