Drei Behauptungen

Einige Dinge müssen festgehalten werden (sozusagen Resultate des Wochenendes). Ich behaupte:

1. 80% der Umsätze der Schweizer Casinos stammen von Kunden, die spielsüchtig sind.
Nun kann man ja eigentlich alles mal behaupten und darauf warten, dass das jemand entkräftigt (siehe Spaghetti-Monster). Einen Beleg für die Behauptung zu liefern ist in dem Fall aber unmöglich, weil die Daten nicht zugänglich gemacht werden (siehe Medienberichte Ende Januar, z.B. St. Galler Zeitung, Bund), wo klar gemacht wird, dass das wahre Ausmass der Spielsucht unbekannt ist – dass aber täglich Spieler in allen Casinos gesperrt werden.
Ich warte also mal auf Widerspruch.

2. Die Badenfahrt ist Nonsens und sollte nie mehr durchgeführt werden. Verallgemeinerung: Massenanlässe sind generell problematisch.
Jaja, etwas radikal. Die Badenfahrt geniesst in der Region Baden den Status als heiliges Fest, das per se etwas Besonderes ist. Die Frage, was der grosse Aufwand alle freiwilligen Helfer bewirkt, darf aber durchaus gestellt werden. Die paar Tausend Franken, die in Vereinskassen fliessen, könnten auch ohne regionales Massenbesäufnis finanziert werden, die kulturellen Veranstaltungen, die die Badenfahrt begleiten, könnten entweder ohne Badenfahrt keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken oder würden auch ohne Badenfahrt ein Publikum mobilisieren können. Und der Umzug – mal ganz ehrlich…

3. Liberale Grundannahmen müssen hinterfragt werden – die Kultur des „jeder macht, was er will“ ist nicht per se besser als eine Verbotskultur.
Liberale Haltungen scheinen auf der Annahme zu basieren, jede und jeder wisse am besten, was für sie und ihn gut ist – also können sie es auch selbst entscheiden. Tatsächlich scheinen viele Leute den ganzen Tag lang Dinge zu tun, die für sie selbst sicher nicht am besten sind. Die Frage, warum man nicht alle offensichtlich unsinnigen Dinge verbietet, darf ruhig mal gestellt werden. Natürlich kann man auch von negativen Anreizen sprechen und dadurch den Leuten die Schädlichkeit und Unsinnigkeit dieser Dinge vor Augen führen, aber das spielt fast keine Rolle. Offensichtlich unsinnige Dinge sind z.B. Autos mit einem Hubraum über 2 Liter (sie erfüllen keine Funktion ausser der eines Statusobjekts), Motorräder mit einem Hubraum über 125ccm, das Auszahlen von Direktzahlungen für die Haltung von Straussen und Lamas, Spielcasinos etc.
Zwei Einwände müssen gleich hier abgewehrt werden:
1. Es ist nicht subjektiv, welche Dinge unsinnig sind.
Vielmehr geht es um die Dinge, bei denen sich eine grosse Mehrheit ohne Eigeninteressen und in völliger Kenntnis der Fakten einigen kann. (Das Problem der Politik ist ja, dass es unmöglich ist, eine Haltung anzunehmen, die der Allgemeinheit und nicht mir und meinen Lieben dient.)
2. Weitere Verbote schränken nicht unsere Freiheit ein.
Das Erleben von Freiheit ist gebunden an Einschränkungen, unbedingte Freiheit gibt es nicht. Die Verbote, die ich propagiere, schränken niemanden in seinen Grundfreiheiten ein und sind auch keine Beeinträchtigungen des Lebenstandards.

Feiertage abschaffen

Nach einer kurzen Diskussion muss das auch hier gesagt werden: Alle Feiertage, deren Sinn nicht mehr transparent ist, gehören abgeschafft.
Also:
– erster August (da ist nie irgendwas passiert und ein Nationalfeiertag ist ein inhaltsloser Feiertag, weil eine Nation ein Konstrukt und dazu ein schädliches ist)
– alle religiösen Feiertage (betreffen eine Minderheit, die an diesen Tagen von der Arbeit dispensiert werden kann; wie auch alle anderen Anhänger einer Religion von mir aus ihre Feste feiern können)
– erster Mai (es will sich niemand mehr Gedanken über die Arbeit machen).

Es bleibt noch Silvester und Neujahr, da wissen alle, was passiert und können auch entsprechend feiern. Die so angehäuften Feiertage könnten erstens besser verteilt und mit neuem Sinn gefüllt werden, z.B.
Talk Like a Pirate Day
– Cross-Dressing-Day (würde viel für Geschlechterbewusstsein bewirken)
– stromfreier Tag (Energiebewusstsein)
– konsumfreier Tag (alle Restaurants, Läden, Kinos etc. wären geschlossen)
– Familientag (alle Väter und Mütter müssen/dürfen/können einen Tag mit der Familie verbringen)
– usw.

Da könnte man Vorschläge machen und darüber abstimmen und schon hätte man neue nationale Feiertage.

(Letzthin hat mir jemand gesagt, meine Ideen seien zu radikal. Wie er wohl darauf gekommen ist?)

Erster Mai

Der Tag beginnt damit, dass ich mich aufrege, dass kein Bus fährt. Die ZVV stellt während Stunden den Betrieb ein. Und ich – ich muss arbeiten gehen. Die Aufregung legt sich dann irgendwie, mit dem Fahrrad ist’s nicht weit. Und dann kommt sie wieder hoch, ich ärgere mich über den ersten Mai; was soll das eigentlich? Rumliegen, Bier trinken, faulenzen – es ist Tag der Arbeit. Macht euch mal Gedanken, protestiert, wehrt euch. Aber nichts dergleichen, mal abgesehen von den Randalierern und den Organisierten um Frau Stauffacher, deren Motive so ehrenwert sind wie ihre Aktionen wirkungslos.
Aber tammi, es gäbe was zu sagen: Arbeiten ist keine Gegebenheit wie essen, schlafen und sich fortpflanzen. Tiere arbeiten nicht. Arbeit ist eine Sucht. Immer passendere, im mehr Arbeit wollen wir leisten, „ich kann nicht, muss noch arbeiten“, auch am Samstag, auch am Sonntag, auch am ersten Mai. Wann kommt wieder einmal ein Tag, ein Abend, eine Stunde, an der ich nichts machen kann; wo ich das Gefühl habe, fertig gearbeitet zu haben? Seit meiner Kindheit gibt es diese Momente nicht mehr. Arbeit strukturiert unser Leben, gibt ihm einen Sinn.
Und ich sprech jetzt von Arbeit, als obs was völlig Abstraktes wär. Wer bestimmt über meine Arbeit? Mein Chef setzt lediglich Weisungen um, die Politiker entworfen haben, die gewählt worden sind, vom Volk. Niemand verantwortet, was ich zu tun habe, niemand steht hin und sagt: „Ich befehle dir, heute um 8 Uhr hier zu sein, an diese Sitzung zu gehen etc.“, sondern es gibt ein Pflichtenheft, das x geschrieben hat, von y diktiert, abgesegnet vom Parlament. Ums auf den Punkt zu bringen: Wenn ich meine Arbeit und ihre Bedingungen Scheisse finde, dann muss es irgendwo jemand geben, dem ich das sagen kann (btw. finde ich meine Arbeit und ihre Bedingungen klasse). Aber meist denkt man da an den CEO, aber der ist nur eingesetzt vom Verwaltungsrat und der verantwortet sich gegenüber den Aktionären und das sind Hedge Funds oder Pensionskassen, also die zweite Säule von Herr Meier und das Vermögen des reichen Schweden Malström. Und die wissen gar nicht, dass es da diesen Arbeiter gibt und sie ihn zwingen, unentgeltlich Überstunden zu machen, weil sie ja nur Aktien haben usw.
Eine Lösung habe ich nicht. Aber eine Message: Runterbrechen, Verantwortungen übernehmen und zusprechen, kleinere Strukturen.