Ritalin – nichts anderes als eine Brille?

Das Thema Ritalin taucht – nicht nur in der Schule – immer wieder am Diskurshorizont auf. Ich möchte hier kurz Stellung nehmen zur Frage, ob bzw. wann die Abgabe von Ritalin problematisch ist. (Edit, 18. Februar: Ritalin ist ein rezeptpflichtiges Medikament. Meine Ausführungen beziehen sich auf die Frage, ob man sich als Erwachsene(r) oder als Eltern Ritalin verschreiben lassen soll, wenn eine Ärztin oder ein Arzt das anbietet.)

Mein Wissensstand (editiert, 18. Februar): Ritalin schadet langfristig nicht. Es ist unklar, ob Ritalin langfristig schadet. Es hilft Menschen mit Konzentrationsschwächen, anderen nützt das Medikament nichts. Ritalin führt zu einer veränderten Selbstwahrnehmung, beruhigt aber sehr aktive Kinder und hilft ihnen dabei, zielorientiert zu lernen. Die Einnahme von Ritalin ist, wenn es regelmäßig eingenommen wird, mit recht starken Nebenwirkungen verbunden (siehe Kommentare).

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(1) Einnahme von Ritalin durch Erwachsene. 

Wenn Studierende vor Prüfungen Ritalin nehmen, wird das schnell als »Doping« bezeichnet und damit in den Bereich des Illegalen, Verwerflichen gerückt. Meiner Meinung nach ist die Einnahme von Ritalin nichts anderes als das Aufsetzen einer Brille: Wer nicht gut sieht, sieht mit einer Brille besser. Selbstverständlich ist man mit einer Brille nicht mehr »sich selber«, aber das sind wir schon nicht mehr, wenn wir Unterhosen anziehen. Wer Defizite hat, darf Hilfsmittel verwenden. Das gilt meiner Meinung nach auch für Medikamente. Die Nebenwirkungen spielen hier – wie bei anderen Drogen, die beim Lernen helfen können, e.g. Kokain – keine Rolle.

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(2) Einnahme von Ritalin durch Kinder. 

Die Frage, ob Kinder Ritalin einnehmen sollen, ist komplexer. Sie ist gekoppelt an Vorstellungen von Unterricht und Erziehung. Generell geht es um zwei Fragen:

  1. Müssen Kinder lange Zeit ruhig sitzen, um vernünftig lernen zu können? 
  2. Dürfen Eltern (oder gar Lehrpersonen) darüber entscheiden, ob Kinder Medikamente einnehmen sollen?

Wenn wir beim Brillenvergleich bleiben, dann würden wir wohl sowohl Lehrpersonen wie auch Eltern das Recht zugestehen, von einem Kind zu verlangen, eine Brille zu tragen, um lesen zu können. Sind nun die Veränderungen durch Ritalin stärker als die durch eine Brille? Eine Brille kann abgenommen werden, sie kann phasenweise getragen werden. Die Einnahme von Ritalin erfolgt dosiert über den ganzen Tag verteilt. Die Wirkung (und die Nebenwirkungen) entfalten sich auch in der Freizeit.

Grundsätzlich würde ich also dafür plädieren, die Kinder selbst entscheiden zu lassen. Sie zu einer Versuchsphase zu animieren, halte ich für sinnvoll – ansonsten sind sie nicht zu einem Entscheid in der Lage. Sie zur Einnahme zu zwingen, finde ich problematisch.

Lernen ausschließlich mit bestimmten Formen von Unterricht zu verbinden, ist ein überholtes Modell. Eine moderne Schule bietet verschiedene Methoden und Zugänge an. Sie berücksichtigt verschiedene Bedürfnisse, muss aber dazu auch über die nötigen Mittel und Fachpersonen verfügen. Es ist möglich, sportliche Aktivitäten und Lernen zu verbinden. Kinder, die nicht still sitzen können oder wollen, könnten auf anderen Wegen Lernerfahrungen machen und sich vielleicht später bewusst dafür entscheiden, ihr Konzentrationsproblem zu lösen oder damit zu leben.

(3) Normierung. 

Selbstverständlich geht es bei dem, was ich hier als »Problem« bezeichne, um eine Abweichung von einer Norm. Sich konzentrieren zu können gehört zu normalisierten Schülerinnen und Schülern, aber auch zu normalisierten Arbeitskräften. Wer von der Norm abweicht, wird bestraft. So gerecht es wäre, die Normen aufzulösen, so utopisch ist es – und letztlich bleibt die Frage: Den Preis für die Abweichung zahlen oder alles versuchen, um der Norm zu genügen?

38 thoughts on “Ritalin – nichts anderes als eine Brille?

  1. Sorry, aber Du schreibst hier über ein verschreibungspflichtiges Medikament.
    Weder Lehrpersonen, noch Eltern, und erst recht nicht Kinder haben über die Einnahme zu entscheiden, sondern Kinderärzt/in verschreibt es nach Abklärung (mit Hilfe eine/r pädiatrischen Psychiater/in, Neurolog/in,…). Ämel theoretisch.
    Die in diesem Artikel angeschnittenen Themen sind sehr komplex, zu komplex um ihnen auf so kleinem Raum gerecht zu werden.

    • Das mag sein, dass ich der Komplexität nicht gerecht werde. Aber das Problem ist kein medizinisches, sonst könnten Ärztinnen und Ärzte es lösen. Der Entscheid, welche Medikamente käuflich/verschreibungspflichtig/illegal sind, ist ja auch eine Frage der Norm und wird oft recht willkürlich gehandhabt (z.B. ist Paracetamol schnell tödlich, kann aber frei erworben werden).

  2. Im Gespräch ist Ritalin ja wieder, weil es – angeblich – zu leichtfertig verschrieben wird. Ich würde gerne wissen, was denn so problematisch daran ist, was denn die – mutmasslich gravierenden – Nebenwirkungen sind?
    Wenn es ein sicheres Medikament ist, dann kann man es doch auch einsetzen – oder warum gibt es dann diesen Widerstand? Oder meint ‚zu leichtfertig‘, dass es auch bei anderen Indikationen als ADHS verschrieben wird – sozusagen als Erziehungshilfe (DAS fände ich dann auch daneben)?

    • Laut Wikipedia können die kurzfristigen Nebenwirkungen ziemlich unangenehm sein. Ob Ritalin langfristig schadet, scheint weitgehend unbekannt zu sein.

      Gründe für Widerstand sehe ich einige: Doping-Stigma. Generelle Abneigung gegen psychoaktive Substanzen. Naturalistischer Fehlschluss. Sowie ein vernünftiger Konservatismus, also ein Unwille, medikamentös ins menschliche Hirn einzugreifen, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis ziemlich unklar ist.

  3. Ich wusste nicht, dass Kokain beim Lernen hilft, …
    Ritalin kann ja Kindern und ihren Eltern das Leben und den Schulalltag erträglicher machen – die Nebenwirkungen werden wir wohl erst in der nächsten Generation kennenlernen, da riskiert man etwas und hofft, es sei das kleinere Übel. Aber Kinder und Jugendliche stellen sehr schnell an sich selber Veränderungen fest, und beschliessen zB. am Wochenende kein Ritalin zu nehmen, um sich zu erinnern daran, wie es sich ‚ohne‘ anfühlt. R. funktioniert ja ziemlich sofort und muss nicht wie Psychopharmaka ‚eingestellt‘ werden, die Betroffenen merken genau, wieviel sie brauchen. Ich kenne vor allem Buben zwischen 6 und 15 Jahren, die R. nehmen (müssen). Ob das Medikament zu leichtfertig und massenweise verschrieben wird, um Kinder stillzustellen, kann ich nicht beurteilen.

  4. Ich finde diesen Beitrag etwas einseitig. Ich denke, man darf über ein derart komplexes medizinisches Thema schreiben, ohne selbst Mediziner zu sein. Deine Beiträge sind oft bereichernd, und deshalb lese ich gerne deine Meinung auch zu dir fachfremden Themen. Man muss dann m.E. aber nicht nur den eigenen begrenzten Wissensstand einräumen (wie du es getan hast), sondern auch ein Minimum an Recherche betreiben.

    Ich bin selbst nicht Medizinerin. Was mich noch am ehesten fachlich mit diesem Themas verbindet, wenn auch sehr entfernt, ist mein Psychologiestudium. Aber in 30minütigem Recherchieren habe ich Studien gefunden, die sehr wohl schwerwiegende Nebenwirkungen belegen wie Schlafstörungen, Appetitmangel, Kopfschmerzen, Magenschmerzen und Schwindel (AHMANN, PA; WALTONEN, SJ; OLSON, KA; THEYE, FW; VANEREM, AJ; LAPLANT, RJ. PEDIATRICS; JUN, 1993; 91; 6; p1101-p1106) und welche die auf mögliche noch ernstere langfristige Nebenwirkungen hindeuten wie ein erhöhtes Risiko für Depressionen (Leo, Jonathan. Ethical Human Psychology & Psychiatry. Summer2005, Vol. 7 Issue 2, p107-110. 4p.). Solche Informationen zu erwähnen hätte deinen Post in meinen Augen zu einem guten Beitrag gemacht.

    Ich vertrete nicht den Standpunkt, dass Ritalin nicht verschrieben/angewendet werden sollte. Ich denke aber, dass man es nicht leichtfertig machen sollte. Nicht so leichtfertig, wie man sich oder dem eigenen Kind eine Brille aufsetzt.

    • Du hast Recht. Ich habe vor ca. drei Jahren ausführliche Recherchen betrieben und auf eine Anfrage hier meine Haltung kurz skizziert. Da ist vieles verkürzt und ich müsste mich besser informieren, das stimmt. Mein Kenntnisstand bezüglich der Nebenwirkungen bezieht sich auf Erwachsene, die Ritalin sporadisch zum Lernen einsetzen. Dafür gab es – als ich recherchiert habe – keine Studien, die langfristige Schäden nachweisen konnten.

  5. Danke. Der Genauigkeit halber: Die von mir oben zitierte Studie, die Nebenwirkungen belegt hat, wurde mit Kindern durchgeführt. Habe zur Anwendung durch Erwachsene auch nichts gefunden (aber auch nicht wirklich lange gesucht).

  6. Mich stört am Thema folgendes: Es geht nicht um eine sehr kleine Zahl von Kindern, die in der Schule nicht zurechtkommen, sondern um einen erheblichen Anteil — bei den Buben wohl 20 bis 30%

    Daraus schliesse ich folgendes: Es ist falsch, die Kinder chemisch abzuändern, sondern man soll die Schule den Kindern anpassen. Jenachdem müsste man unterschiedliche Schulklassen für bewegungsaktive Kinder und für die ruhigeren einrichten.

    Ich war schon in den ersten Schuljahren beides: Lebendig, konzentriert, leistungsfähig, vorlaut, mit supernoten, aber nie bereit, einfach so still zu sitzen. Wo hätte man mich eingeteilt?

  7. Im Gegensatz zur Sehschwäche ist Konzentrationsschwäche aber nichts so eindeutig empirisch Quantifizierbares, oder? Das Verwenden des selben Defizitbegriffs finde ich daher sehr problematisch. Würdest du bei z.B. Unattraktivität auch vom selben Recht, das Normdefizit auszuhebeln sprechen analog der Sehschwäche? (Entsprechend: Habe ich das Recht, mein Kind versuchsweise einer Diät auszusetzen, damit es mal merkt, wie gut es sich anfühlt, etwas schlänker/attraktiver zu sein? Danach kann es ja selbst entscheiden)

    • Die Brillenanalogie macht mich ganz wirr. In den Kommentaren wurde von den Nebenwirkungen gesprochen – dass Ritalin aber Schlaf- und Hungergefühle unterdrückt, sind keine willkürlichen und sporadisch auftretenden „Neben“-wirkungen, sondern dem chemischen Wirkmechanismus gleichermassen wie die Konzentrationssteigerung inhärent und betreffen m.W. jede Anwenderin, unabhängig von Alter, Disposition und Konzentrationsschwäche. Weswegen Ritalin auch von Menschen ohne Konzentrationsstörungen gerne für schnelle Diäten und Schlafverzicht verwendet wird (re: „Es hilft Menschen mit Konzentrationsschwächen, anderen nützt das Medikament nichts.“).

      • „So gerecht es wäre, die Normen aufzulösen, so utopisch ist es“ – ?? Normen müssen auch nicht aufgelöst (da verirrte man sich wohl sowieso noch in ganz andere philosophische Aporien), sondern hinterfragt, kritisiert und ungerechte verändert werden.

        Wenn ich dich richtig verstehe, stört dich ja am Dopingvorwurf, dass ein u.U. legitimes Medikament in die Sphäre des Illegalen, Verwerflichen gestossen wird. Die Kehrseite deiner Art von Rechtfertigung wäre aber die Pathologisierung der Konsumenten („aha, mir nützt es etwas, folglich habe ich ein Defizit!“) und ich sehe in einer solchen naturalistischen moralischen Rechtfertigung einfach ..viel viel totalitäre Normierungsgefahr.

    • Danke für deine ausführlichen Kommentare. Der Reihe nach:
      1.) Ich denke, Konzentrationsschwächen können sich empirisch messen lassen.
      2.) Ich würde bei Unattraktivität auch das Recht gewähren, Defizite zu überbrücken. Ein Kind im sinnvollen Rahmen versuchsweise einer Diät auszusetzen, halte ich nicht für verwerflich (sagen wir, es einen Monat lang nur Wasser trinken zu lassen und Fett/Kohlenhydrate zu reduzieren).
      3.) Ich spreche nicht davon, Ritalin »off-label« für Diäten oder Schlafverzicht zu verwenden.
      4.) Bezüglich der Normen bin ich einverstanden. Mit der Norm habe ich mich auf die ruhig dasitzenden Schülerinnen und Schüler bezogen, die in der Schule erfolgreich sein können, während die anderen – Normfernen – mit schlechten Leistungen bestraft werden, obwohl sie einfach eine andere biologische Disposition haben.

  8. Weil ich als Mutter zweier Söhne (7,18) involviert bin:
    Methylphenitat („Ritalin“) versucht einem Defizit an Neurotransmittern zu begegnen, dass sich nicht nur durch Konzentrationsschwäche zeigt: viel schwieriger ist die bei ADHS vorhandene Impulskontrollschwäche. Ich meine nicht das ständige Herumgehampel und Gehüpfe , sondern dass andere Menschen gestupst, gestoßen, gehaut werden. Ständig gibt´s Zoff mit anderen, weil das Gehirn permanent Anregungen sucht. In der Schule ist das total schwierig, Unterricht mit diesen kids ist einfach mühsam. Keine Konzentration, total ablenkbar, ständige Störungen, dabei meist Teilleistungsschwächen/Legasthenie, Tics,….

    Mit Medikament sind diese Kinder viel besser ansprechbar, sie schauen einen plötzlich an, wenn man mit ihnen spricht, hören zu, sind aufmerksam, man kann mit ihnen etwas unternehmen, ohne dass alle Menschen einen ansehen. Man kann Lerninhalte bearbeiten, plötzlich doch 1mal1 lernen…

    Es gibt weder Sucht noch Spätschäden, kein Krebs durch Ritalin od. ähnliche Meldungen. Wird das Medikament abgesetzt, ist es das „Original“-Kind mitsamt seinen individuellen Auffälligkeiten und Störungen. Ja, es gibt Nebenwirkungen: etwa keinen Appetit bis am späten Nachmittag, die Kinder bleiben während der Einnahmezeit im Vergleich zu anderen kids kleiner – das wird nachher aufgeholt, kein Defizit als Erwachsener.
    Es gibt beim Nachlassen des Medikamentes oft einen Rebound, noch extremeres Verhalten…

    Wer nicht in einer ADHS-Familie lebt, kann das alles schwer nachvollziehen. Z.B. alle Journalisten, die über die bösen Pharmafirmen wettern…, alle die „dem eigenen Kind das niemals antun würden“. Sie haben´s nicht erlebt, wie es ist ein Kind zu haben, dessen Auffälligkeit nicht einfach durch eine Verhaltensänderung wegtrainiert werden kann. Geht ja bei Diabetes auch nicht, oder?

    Ich bin froh, dass es dieses Medikament gibt, es wird in Österreich nicht leichtfertig verschrieben. Man benötigt einen guten Arzt/Ärztin, aller Studien kundig, die effektive Einstellung ist sehr schwierig, manchen Kindern hilft das Medikament nicht oder nur teilweise.

  9. Interessanterweise ist das Thema, dazu gehört dieser Artikel auch, gefangen zwischen einem Wirkstoff (Methyphenidat, De-Methylphenidat) und einem medialen Zeitgeist der händefuchtelnd nach Erklärungen sucht, wesshalb zum Teufel sich Pharmaprodukte wie z.B. Ritalin immernoch so erfolgreich verkaufen. Ach ja, da ging es ja mal um eine Diagnose namens AD(H)S, richtig!

    Den Hinweis von Frau Esteves in punkto Recherche würde ich sehr dringend ernst nehmen. Strukturell rennen Sie in Ihrem Artikel umher und versuchen auf philosphische Weise Ihre Brillenfrage auf ein Ihnen offenbar gänzlich unbekanntes Produkt zu finden. Den Schluss feiern Sie dann gekonnterweise mit einer weiteren Frage, anstelle den Leser mit einer Antwort zu beglücken.

    Sorry. So nicht.

    Beweisen Sie einmal für ein paar Zeilen Ihr Talent und beginnen wo Ritalin begann. Interessiert es Sie wirklich oder ist das Wort Ritalin einfacher ein zu guter Besuchergarant Ihrer Webseite?

    Ich gebe Ihnen eine Starthilfe: Serotonin, Noradrenalin, Dopamin. Und fragen Sie mal was den genau Ritalin eigentlich so den ganzen Tag lang treibt. Danach bitte ich Sie nach alter Journalismusmanier zu sammeln und zu reflektieren.

    Es sei denn Sie können damit leben zum Durchschnitt zu zählen und copy / paste zu betreiben. Und noch was fast jede Studie hat ne Gegenstudie, und fast jedes Medikament hat Nebenwirkungen.

    Weiter hoffe ich, Sie können „mehrstufenklasseab“ einwenig Aufmerksamkeit widmen und sich mal auf einen Kaffee einladen lassen. Schätze es wird Ihnen beim neuen Artikel helfen. Viel Erfolg, ich werde vorbeischauen.

    R.M.

    • Haben Sie denn eine Antwort auf meine Frage? Meiner Meinung nach kann man die nicht vorgeben, sondern die Antwort ergibt sich aus persönlichen Präferenzen und Wahrnehmungen.
      Ihre Kritik kann ich nicht ganz nachvollziehen: Als Laie interessieren mich die Wirkstoffe von Ritalin nicht, sondern seine Wirkung. Die Diagnose ADHS halte ich zudem für nicht relevant, weil eine Diagnose ja noch nicht den Einsatz eines Medikaments rechtfertigt, zumal Ritalin ADHS ja nicht heilt, sondern Symptome lindert. Die Frage, ob man Kindern zumuten will/muss, die Nebenwirkungen zu ertragen, können weder eine Diagnose noch pharmakologisches Wissen beantworten. Aber vielleicht täusche ich mich.

  10. Besten Dank für Ihre Antwort. Ihr Angebot (Antwort) lehne ich gerne ab, weil ich Ihnen wohl nicht weiter helfen kann.

    Daher respektiere ich Ihre Meinung sowie die Freiheit zur Äusserung und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

    R.M.

      • Ein Versuch ist es wert. Auf welcher der ca. 9 Fragen aus Ihrem Artikel können wir eingehen? Der Frage, ob man den Einsatz von Ritalin bei Kindern rechtfertigen kann, wissend welche Nebenwirkungen lauern?

      • Klingt, als könnten Sie mit einer Antwort aufwarten. Meine wäre:
        1.) Kinder in die Entscheidung einbeziehen.
        2.) Nebenwirkungen und Wirkungen im konkreten Einsatz vergleichen, also ausprobieren.
        3.) Kein Zwang.
        Und Ihre?

      • Was genau verstehen Sie an meiner Kritik nicht? Die erwähnten Punkte Ihrerseits sind Bestandteil der „geltenden Anforderungen“ zur medizinischen Verschriebung und spielen damit eine wichtige Rolle.

      • Die medizinische Verschreibung steht immer im Kontext mit schulischen Anforderungen und Leistungen und mit den Erwartungen der Eltern. Letztlich – und das gilt für die Verschreibung von fast allen Medikamenten für Kinder – entscheiden die Eltern, ob sie Kindern ein Medikament geben wollen. Diese Entscheidung interessiert mich; nicht die der Ärztinnen und Ärzte.

      • Natürlich haben Eltern jeweils „das letzte Wort“ und zwar bis zur Volljährigkeit ihrer Kinder. Und natürlich spielen dabei Erwartungshaltungen schulischer wie persönlicher Art eine Rolle.

        Wenn Sie diese Entscheidung interessiert, warum heisst den Ihr Artikel nicht: „Erfahrungsberichte von Eltern mit Ritalinnehmenden Kindern?“ ODER warum haben Sie auf alle Kommentare geantwortet aber nicht auf genau denjenigen wo Ihnen eine betroffene Mutter geschrieben hat?

  11. Ihre Aussage lässt die Vermutung zu, dass Sie die Erfahrung machen mussten, in der Kinder nicht einbezogen wurden, und / oder keine thearpeutische und fachliche Begleitung erfolgte, und / oder eine Zwangsverschreibung erfolgte.

    Nehmen wir an, ein gesetztlicher Vormund (Elternpaar) entflieht „ihrem Problemkind“ ohne die geltenden Anforderungen, die zur Herausgabe von Ritalin erforderlich sind, zu beachten, wäre dies aus meiner Sicht (und wenn ich mich richtig erinnere auch vom Gesetz her) unrechtsmässig, also eine Straftat (Betäubungsmittelgesetzt).

    Die Herausforderung liegt darin, zu verstehen, dass selbst die Erfüllung einer „gültigen“ Verordnung von Ritalin, ohne umfassende Massnahmen (unterstützender Art) alleine nicht die gewünschte Befreiung bieten kann.

    Es ist wichtig den Tatort (Wirkstoffe) von Ritalin zu verstehen. Sie können nicht kommen und sagen, es interessiert Sie nur die Auswirkungen dessen und gleichzeitig behaupten eine AD(H)S Diagnose rechtfertigt nicht den Einsatz von Ritalin, obwohl es nur genau dafür bestimmt ist.

    Saubere Verordnungen erfüllen bei Kindern wie Erwachsenen bereits heute, die von Ihnen genannten Punkte. Es erfordert aber eine umfassendere Abklärung von AD(H)S was erheblich komplexer ist, als eine Sehkorrektur.

  12. Da ist ein Schreibfehler im Titel.
    Und auch sonst ist der Text ganz schön unbrauchbar.

    Kleiner Tipp am Rande: Ego wegstecken, ordentlich recherchieren und zuhören.

  13. Das schreiben Sie zwar bei jedem kritischen Kommentar, aber wirklich zuzuhören und darüber nachzudenken scheinen Sie dann doch nicht.

    Die Recherche vermisse ich an vielen Punkten, einige davon wurden schon von anderen angesprochen. Wenn Sie darauf wirklich reagiert hätten, dann würde ich Ihnen auch gerne weitere Anstösse dazu geben, aber so erscheint es mir als pure Zeitverschwendung.

    Sie wirbeln vorallem viel Staub auf, Herr Wampfler.

    • Der Vorwurf erscheint mir recht billig. In diesen Kommentaren erscheinen völlig polarisierende Forderungen, die alle mit dem Anspruch verbunden sind, sich durch »Recherche« unterfüttern zu lassen.
      Mein Argument ist kein medizinisches, sondern ein philosophisches und pädagogisches. Natürlich bin ich ein Laie in Biochemie. Aber Laien wie ich entscheiden letztlich über den Einsatz von Ritalin – bei mir oder bei meinen Kindern.
      Ich schätze Einwände und ich lasse mich gerne belehren. Schließlich habe ich den Blogposts schon mehrmals abgeändert und präzisiert. Aber diffuse Vorwürfe, ich könnte irgendetwas durch Recherche herausfinden und dann würde sich herausstellen, dass ich nur Staub aufwirble, bringen wohl weder Sie noch mich voran in dieser Frage.

  14. Billig und diffus.

    Ich weiss dass Sie sich als Vorreiter des schnellen, digitalen Zeitalters verstehen, und sich wohl darin fühlen – und finde trotzdem dass es nicht nur Ihnen gut tun würde ab und an vor dem tippen zu wirklich nach zu denken und einen Moment inne zu halten anstatt später abändern zu müssen. Es wird gefunden und gelesen und oftmals einfach geglaubt was sie (in Ihrer Vorbildfunktion) tippen.

    • Dann sagen Sie mir doch bitte, wovon Sie reden. Worüber soll ich nachdenken, worüber recherchieren? Oder dann: Warum wollen Sie das nicht präzisieren?
      (Da ich mit mehreren der hier Kommentierenden auch persönlich über den Post gesprochen habe, bin ich tatsächlich nicht der Ansicht, ich würde mich vor einer echten Auseinandersetzung mit Kritik drücken.)

  15. Ich finde auch, dass , wenn kritisiert wird, dass ungenügend recherchiert wurde, man auch identifizieren müsste, was genau ungenügend recherchiert wurde oder ob und welche Aussagen getroffen wurden, die sich bei gründlicherer Recherche als zweifelhaft herausstellen würden (wie es Sofia Esteves gemacht hat). Ansonsten ist eine solche Kritik meiner Meinung nach wertlos.
    Von der Form nun zum Inhalt. Über Wirksamkeit, Nebenwirkung und Indikation von Ritalin bei Kindern möchte ich mich nicht gross äussern. Die Diskussion über die Anwendung von Ritalin ist geprägt durch das Spannungsfeld verschiedener Interessensgruppen (Eltern, Lehrer, Therapeuten, Pharmaindustrie, Pharmaindustrie-Kritiker). Ich habe daher das Gefühl, dass Evidenzen nicht immer über den Vorwurf, nicht objektiv zu sein, erhaben sind.
    Ich möchte aber die Analogie von Ritalin als Lernhilfe bei Erwachsenen und einer Brille infrage stellen. Wenn eine Prüfung gemacht wird, geschieht dies zum Zweck gewisse Eigenschaften von Personen zu testen. Die Resultate einer Prüfung sollen die Ausprägung eines damit zusammenhängenden Konstrukts (z.B. Intelligenz) bei einer Person wiederspiegeln. Üblicherweise will man an den Schulen und Universitäten damit nicht die Sehstärke von Personen testen, sondern eben Intelligenz oder Lernfähigkeit. Es ist anzunehmen, dass eine Brille solche Eigenschaften nicht beeinflusst, Ritalin (zumindest im Falle von Lernfähigkeit) jedoch schon. Man könnte also sagen, dass die Einnahme von Ritalin die Resultate verfälscht, wobei das beim Tragen einer Brille nicht der Fall ist. Darum denke ich, dass es gerade in diesem, spezifischen Kontext nicht das Gleiche ist. Ob die Einnahme von Ritalin zum lernen jedoch verwerflich ist kann man meiner Meinung nur aus diesen Überlegungen nicht abschliessend beantworten. Einerseits spielen eine Menge anderer Faktoren mit, die einen Einfluss auf die Entscheidung über die Einnahme von Ritalin haben können, andererseits gibt es natürlich auch weitere Einflüsse auf Lernfähigkeit, Intelligenz etc., wie zum Beispiel die Umwelt in der wir aufwachsen oder den Bildungsstand unserer Eltern.

    • Danke für diese Ausführungen. Die Frage wäre ja gerade, was denn das Konstrukt ist, das getestet werden soll. Meine Analogie mit der Brille geht davon aus, dass ähnlich wie eine Sehschwäche eine Konzentrationsschwäche vorliegt, wenn Ritalin wirklich einen Effekt beim Lernen hat. Betroffene wären also nicht weniger intelligent oder fähig, eine Leistung zu erbringen, sie können sich nur weniger gut konzentrieren. Also dürften sie, der Fairness halber, Hilfe beanspruchen.
      In Gesprächen wurde mir aber klar, dass Ritalin beim Lernen als Haupteffekt auch haben kann, dass Lernende nicht schlafen müssen – also unabhängig vom Vorliegen einer Schwäche einen Vorteil verschaffen; wenn Schlafenmüssen ein Nachteil wäre. Dann wäre wohl richtiger, von Doping zu sprechen.

      • Der Einwand ist natürlich berechtigt, wenn man nur eine Fähigkeit testen möchte und dann mit Ritalin sozusagen den Einflussfaktor Konzentration kontrolliert. Nun ist aber sich konzentrieren zu können an sich eine Fähigkeit, die natürlich im angesprochenen Kontext durchaus relevant ist. Und es ist ja gerade das Ziel von Prüfungen zwischen Personen bezüglich ihrer Fähigkeiten zu unterscheiden um schlussendlich dazu beizutragen, sie diesen Fähigkeiten angemessene Tätigkeiten ausüben zu lassen. Was man hier anfügen kann und was auch schon angesprochen wurde, ist das Normen eine Rolle spielen. Normen entscheiden darüber was innerhalb der normalen Varianz zwischen Personen liegt und was nicht. Wenn die Konzentrationsfähigkeit einer Person ausserhalb der Norm liegt, würde man sagen, dass der Einsatz von Ritalin, auch in diesem Kontext, gerechtfertigt wäre, da es sich hierbei um ein „pathologisches“ Phänomen handeln würde. Die Schwierigkeit liegt hier aber in der Klassifizierung, sprich in der Festlegung der Norm (ein Problem, dass im Zusammenhang mit den meisten Krankheiten bzw. Störungen existiert).

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