JRZ: Entscheid der Ombudsstelle

jrz

Heute habe ich per Post von Achille Casanova den Entscheid der von ihm geleiteten Ombudsstelle in Bezug auf meine Beschwerde zu »Jeder Rappen zählt« erhalten. Ich habe im Dezember bereits einmal über den Verlauf der Beschwerde berichtet. Der Entscheid kann als pdf hier abgerufen werden, die wesentlichen Argumente von Robert Ruckstuhl, dem Programmleiter Radio SRF, sind:

  1. JRZ trage zur Meinungsbildung über »menschliche Notlagen in aller Welt« bei. 
  2. Die Glückskette verteile die Gelder an Hilfswerke weiter, diese würden deshalb nicht konkurrenziert.
  3. Sendungen zu Sammelaktionen der Glückskette gehörten seit Jahrzehnten zum Programm von SRF, JRZ thematisiert eine »’vergessene‘ Katastrophe«.
  4. Schleichwerbung könne nicht vorliegen, weil weder eine Gewinnorientierung vorliege, noch eine Einflussnahme auf die redaktionelle Selektion der Spenderinnen und Spender vorgenommen werden könne, die im Programm genannt werden.

Casanova schließt sich dieser Argumentation im wesentlichen an. Er betont die Programmautonomie, die Platz für solche Sendungen lasse, das sonst  »das zuständige Bundesamt für Kommunikation intervenieren würde«. Zudem sei die Aktion »einmalig« und das Vorgehen der Glückskette transparent.

Zum Vorwurf der Schleichwerbung hält Casanova fest, dass ein »fünfstelliger Betrag« eine Erwähnung garantiere, damit aber weder Waren noch Dienstleistungen im Programm genannt würden.

Aus diesen Gründen weist er die Beschwerde ab.

Es ist nun möglich, die Beschwerde an die unabhängige Beschwerdeinstanz weiterzuziehen. Dafür sind gemäß Art. 94 RTVG drei Parteien zugelassen:

  1. wer am Beschwerdeverfahren bei der Ombudsstelle beteiligt war (also ich)
  2. wer eine enge Beziehung zum Gegenstand der Sendung nachweisen kann […]
  3. 20 natürliche Personen, die das durch Unterschrift bezeugen und mindestens 18 Jahre als sind und über eine Niederlassungs-, eine Aufenhaltsbewilligung oder das Schweizer Bürgerrecht verfügen.

Die Frist beträgt 30 Tage ab heute. Machen wir’s doch so: Wenn sich innert 15 Tagen 20 qualifizierte Personen in den Kommentaren eintragen oder mir eine Mail schicken, werde ich die Beschwerde weiterführen. Grundsätzlich bin ich immer noch der Meinung, JRZ entspreche nicht dem Auftrag von SRF. Während die Argumentation von Ruckstuhl meine Bedenken wegen Schleichwerbung eher zerstreut hatten, irritiert mich Casanovas Bemerkung, ein fünfstelliger Betrag stelle die Erwähnung im Programm sicher. Ich warte also mal ab, welche Reaktionen es gibt.

6 thoughts on “JRZ: Entscheid der Ombudsstelle

  1. Ein 5stelliger Betrag stellt die Erwähnung sicher. Sicher – ein Angebot an „Spender“ die sich unbedingt erwähnen lassen wollen.

  2. Ich sehe das Problem noch an einer anderen Seite: Jeder Mensch hat nur eine begrenzte Spendenbereitschaft. Dass versucht wird, diese voll abzuschöpfen, kann ja sogar positiv interpretiert werden.
    Was aber m.E schwer wiegt, und auch das Argument gegen die von Casanova aufgebrachten Punkte 1 und 2 ist, dass so ein (zu) grosser Teil der Spendenbereitschaft einem einzigen Projekt zugute kommt. Darunter leiden die vielen kleinen Organisationen, wie eine Igelstation, die KiTa, der Gesangsverein etc. Hier missbraucht die SRG-SSR in meinen Augen ihre Marktstellung für eine gnadenlose Selbstbeweihräucherung auf kosten vieler kleinen Gemeinnützigen Institutionen, welche Tagtäglich um ihr überleben kämpfen müssen.

  3. Entweder ziehst du den entscheid weiter, weil du nicht damit einverstanden bist, oder du laesst es sein.
    Wenn du auf support von mind. 20 personen angewiesen bist, kannst du es genau so gut sein lassen. Du solltest die verantwortung fuer deine entscheidung selber tragen und sie nicht von einer – eigentlich unnoetigen – unterstuetzung von dritten abhaengig machen.

  4. Pingback: Zweite Zwischenbilanz zur Petition gegen «Madame Etoile» und der Beanstandung von «Jeder Rappen zählt» « kritikasterblog

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