Fleisch – ein globales Problem

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Dieses Wochenende findet in New York ein Treffen statt, bei dem die Teilnehmenden versuchen, Fleisch zu »hacken«. Damit ist nicht primär das große Forschungsgebiet gemeint, bei dem Fleisch in Laboratorien künstlich hergestellt wird oder per 3D-Drucker ausgedruckt wird, sondern Ideen, wie der Fleischkonsum reduziert werden könnte. Eine Idee ist beispielsweise, die einzelnen Geschmacksbestandteile von Fleisch zu analysieren und sie durch andere Produkte zu ersetzen. Die Idee nennt sich Foodpairing und hält bereits eine App bereit, mit der Rezepte entdeckt werden können.

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Tatsächlich schmecken ja bereits heute viele Fleischersatzprodukte, die Vegetarierinnen und Vegetariern angeboten werden, so, dass sie kaum von fleischhaltigen Produkten unterschieden werden können: Würste, Nuggets, gefüllte Schnitzel beziehen ihren Geschmack hauptsächlich von Gewürzmischungen; nicht aus dem darin enthaltenen Fleisch oder eben Ersatzprodukt.

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Was als Spielerei erscheinen mag oder als Bedürfnis einer vegetarischen Minderheit erscheinen mag, bezieht sich auf ein riesiges Problem. Die Ernährung der Bevölkerung Chinas kann als Beispiel herangezogen werden. In einem Artikel im NZZ Folio über die Fleischproduktion Chinas kann man lesen, welche Bedeutung sie für den weltweiten Handel mit Soya hat:

In China isst man vor allem Schwein. Drei Viertel des Fleischverbrauchs machen Schinken, Bauchspeck und Co. aus. […] In der Folge setzt das Land heute Superlative in der Zucht: Auf 1,3 Milliarden Fleischesser kommen im Reich der Mitte 660 Millionen Schweine. […]
Die Frage, was Chinas Schweine fressen sollen, bewegt die Weltwirtschaft. Und hat verheerende ökologische Folgen in den exportierenden Ländern: In Brasilien, dem zweitgrössten Soyaexporteur nach den USA, hat die Ausbreitung der Soyafront 21 Millionen Hektaren Regenwald vernichtet, eine Fläche halb so gross wie Deutschland. Auch in Argentinien, Paraguay und Bolivien mussten riesige Waldflächen weichen. Millionen Kleinbauern wurden in Südamerika von ihrem Land vertrieben, oft mit Gewalt. In Paraguay ist ein offener «Soyakrieg» ausgebrochen, in dem entrechtete Farmer versuchen, ihre Felder mit Waffen zurückzuerobern.

In China leben run 20% der globalen Bevölkerung, für ihre Ernährung stehen aber nur knapp 10% der weltweit verfügbaren Landwirtschaftsfläche zur Verfügung. Neben dem Fleischkonsum wird auch die Nachfrage nach Brot bzw. Weizen einen weltweit spürbaren Einfluss haben.

Die Frage nach dem Fleischkonsum, die in Europa eine Art Lifestyle-Entscheidung zu sein scheint, ist in Wahrheit ein globales Problem, von dem abhängt, ob alle Menschen ernährt werden können oder nicht. »Schwein ist einfach zu züchten und hat keinen starken Eigengeschmack. Chinesen schätzen daran, dass man es so vielseitig zubereiten kann«, sagt ein chinesischer Experte. Gerade deshalb sollte es möglich sein, dafür Ersatzprodukte zu finden.

6 thoughts on “Fleisch – ein globales Problem

  1. Ich tu mich immer ein bisschen schwer mit der Bezeichnung «Fleischersatz». Warum sollte man Fleisch überhaupt ersetzen müssen? Vom gesundheitlichen Standpunkt aus kann man problemlos darauf verzichten. Pflanzliche Eiweisse (z.B. aus Hülsenfrüchten) sind hochwertiger und werden von uns besser verdaut als jedes Schnitzel. Produkte wie Tofu (Soya) oder Seitan (Weizen) betrachte ich als eigenständig und keineswegs als «Fleischersatz». Sie müssen auch nicht schmecken wie Fleisch (finde ich).

    Ich lebe seit ca. 20 Jahren vegetarisch und neige mich je länger je mehr der veganen Küche zu. Obwohl ich nicht nachvollziehen kann, warum die Menschen gerne tote Tiere essen, kann ich verstehen, dass man essen möchte, was einem schmeckt, und für viele ist das offenbar Fleisch.

    Was den weltweiten Fleischkonsum betrifft: Ich glaube, es wäre eine Frage des Masses. Würde jeder weniger davon essen, ergäben sich für die Fleischindustrie andere Strukuren. Und müsste jeder die Tiere, die er essen will, selber schlachten, würde sich der Fleischkonsum garantiert drastisch reduzieren.

    Das Problem hat von mir aus gesehen auch eine «spirituelle» Komponente: Wir haben getrennt, was eigentlich zusammen gehört (Töten, Schlachten und Essen). Der «geniesserische» Teil, das Essen, wurde vom «hässlichen» Teil (töten und schlachten) abgetrennt und ausgelagert. Der Esser hat damit nichts mehr zu tun. Ein Stück Fleisch auf dem Teller sieht meistens nicht aus wie ein Tier, und es erzählt uns auch nicht, wie das Tier, von dem es stammt, gelebt hat und gestorben ist. Ich finde, es braucht hier ein anderes Bewusstsein derer, die nicht auf Fleisch verzichten wollen. Der Vegetarierbund Deutschland hat kürzlich einen interessanten Artikel über die Psychologie des Fleischessens veröffentlich: http://vebu.de/tiere-a-ethik/soziologie-und-psychologie/1476-karnismus

  2. Zunächst: Guter Beitrag. Das relevante mit wenig Text dargelegt.

    Aber: Auch dieses Problem wird der Markt eher regeln, als religiöse Apelle von Veganern. Der Preis wird steigen; Alternativen werden gesucht; ein Teil der Esser steigt um.

    Der dauernde Versuch, das „Bewusstsein“ der anderen zu ändern empfinde ich übrigens als übergriffig. Der missionierende Veganer verhält sich hier nicht anders als die katholische Kirche während Jahrhunderten.

    • Extremismus in jeder Form tut keiner Sache einen guten Dienst. Warum man aber gleich von «religiösen Appellen» und «missionierenden Veganern» sprechen muss, nur weil jemand eine andere Meinung hat als man selbst, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist unsinnig, etwas immer gleich zu machen und zu hoffen, dass irgendwann etwas anderes dabei herauskommt. Meiner Meinung nach braucht es in vielen Dingen durchaus ein anderes Bewusstsein, damit sich etwas grundlegend ändern kann. Wer den Hinweis darauf bereits als übergriffig empfindet, kann es ja lassen.

  3. Vielen Dank für den Beitrag! In einem Artikel, der heute auf SPIEGEL-Online erschienen ist (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/vegetarismus-brauchen-wir-eigentlich-noch-fleisch-a-871217.html), werden einige Ernährungsmythen besprochen. Die Diskussion dazu ist sehr interessant, aber natürlich vor allem ein Streit über den vermeintlich richtigen Lifestyle. Ich glaube auch, wie Claudia Fahlbusch oben schreibt, es ist eine Frage des richtigen Maßes. Und daran zu appellieren empfinde ich als notwendig.

  4. Fettleibigkeit im Norden, Hunger im Süden – und die Hälfte des Essens landet eh im Müll: Die Regeln, nach denen wir weltweit Nahrung produzieren, verkaufen und konsumieren, sind vielfach pervers. Gar nicht so einfach, daran etwas zu ändern. Immer mehr Menschen versuchen es trotzdem.

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