Die Blogger-Generationen – und die Frage, was aus der ersten Generation geworden ist

Gestern habe ich den Tweet zitiert und gefragt, ob sich das in der Schweiz auch so verhalte:

Ich habe zwei Reaktionen erhalten:

Natürlich will ich jetzt auch nicht beurteilen, aus wem »etwas geworden« ist. Gemeint ist damit wohl: Hat sich aus diesen Blogs etwas entwickelt? Sind die Betreiber zu Autoritäten geworden, zu einer Kraft neben den Medien?

»Ich verstehe mich als Entertainer ohne thematische Scheuklappen«, ließ sich Christian Leu vor zwei Jahren in einer Geschichte über die Schweizer Blog-Szene zitieren. Genau das war wohl die erste Generation von Bloggerinnen und Bloggern in der Schweiz. Haben sich daraus Plattformen mit Relevanz entwickelt? Gibt es Themen ausser Technologie, Mode, Fankultur und vielleicht Medienkritik, bei denen Blogs das »go-to«-Medium sind? Ich denke nicht.

Bloggen ist in der Schweiz ein Hobby – und verschwindet zunehmend hinter Social Media. Man schreibt Blogtexte, wenn Gedanken zu lang werden für Twitter. Der Austausch und die Vernetzung findet dann aber immer dort statt. Insofern würde ich dem Tweet-Autor für meine Generation, das ist wohl die dritte, durchaus Recht geben.

Manchmal habe ich den Eindruck, ich operiere in einem Vakuum. Ich bin wohl einer der aktivsten und engagiertesten Blogger der Schweiz – ich habe alleine in diesem Jahr schon über 300 Blogposts verfasst. Ab und zu ergibt sich eine Diskussion, ich werde darauf angesprochen oder es entsteht eine Twitter-Debatte. Aber eine Blogosphäre gibt es nicht, als Informationsmedium werden Blogs nicht genutzt, journalistisch ernst genommen werden sie auch nicht – sonst würde ein Weltwoche-Autor nicht eine Woche brauchen, um zu merken, dass er in der SMD-Datenbank als Autor eines anonym publizierten Artikels angegeben wird.

Fazit: Ich will nicht jammern. Es ist wohl einfach so. Und damit will ich niemandem zu nahe treten. Natürlich ist aus den Herren Leu, Lüthi und Brühwiler etwas geworden. Aber hängt das mit ihrer Tätigkeit als Blogger zusammen? Und haben sich ihre Blogs entwickelt? Die Diskussion ist eröffnet.

10 thoughts on “Die Blogger-Generationen – und die Frage, was aus der ersten Generation geworden ist

  1. Ich glaube erstens, die Funktionen von Twitter und Facebook decken die Publizitätswünsche von Vielen bestens ab, deshalb ist das Bloggen zurückgegangen. Ich glaube zweitens, dass auf lange Frist fast niemand regelmässig unbezahlt bloggen möchte. Ich glaube drittens, dass sich Leben halt verändern. Wer plötzlich Kinder hat oder eine herausfordernde Jobaufgabe, findet einfach kaum noch Zeit zum Bloggen.

    Ich würde mir auf jeden Fall mehr und vor allem bessere Schweizer Blogbeiträge wünschen. Doch leider finde auch ich derzeit kaum noch Zeit und Lust, auf ronniegrob.com Substanzielles beizutragen.

  2. Mal ganz abgesehen davon, dass der Ur-tweet daneben ist (‚aus Dir ist nichts geworden‘ erinnert so an Eltern- oder Familientreffen…), vermute ich eher, dass ein grosser Teil der aktiven Tweeter der Schweizer Szene eine Art Mischform darstellen.
    Jene, die seit bald 10 Jahren dabei sind, sich mit dem Medium und neben anderen Medien mit entwickeln und daher weder in die eine noch andere Kategorie gehören.

    Ich blogge seit 9 Jahren. Aus mir ist viel geworden in der Zeit. Hat mein Blog mich weitergebracht: klar. Er ist eine Visitenkarte. Eine Art Showroom zum Thema ‚Individuum und Gesellschaft‘ und pendelt zwischen Englisch und Deutsch hin und her.
    Ist das nun was?
    Keine Ahnung, aber ehrlich: muss es das eigentlich? Was sein? Und wenn ja, was denn? Genau?

    • Die Frage ist nicht, ob aus dir als Person etwas geworden ist – das wäre eine wirklich seltsame Frage.
      Vielmehr: Aus die als Bloggerin. Bedeutet dein Blog heute mehr als früher? Nimmt man dich deswegen ernst? Wird er als Quelle genutzt? Vernetzt er dich? Hat er sich entwickelt, verbessert, vertieft, positioniert?

  3. Eventuell ist der Markt für Blogger in der Schweiz auch ein wenig zu klein? Braucht es hier bspw. Gastblogger? Im angelsächsischen Sprachraum kann man als Blogger wesentlich mehr erreichen: Copyblogger, ProBlogger u.ä. bieten ja auch Jobs in dieser Richtung. Gutes Beispiel dafür finde ich leavingworkbehind.com Findet man solche Beispiele in der Schweiz?

    • Klar, der Markt ist eher klein. Wobei ich ja nicht unbedingt meine, man müsse mit Bloggen Geld verdienen, eher: Einfluss auf öffentliche Debatten. Dass es Fragen gibt, wo man Blogger zuerst fragt, weil sie Experten sind. Sowas. Zudem ist der Sprachmarkt ja für die drei großen Landessprachen durchaus größer: Es gibt wenige Themen, wo man sich auf die Schweiz beschränken müsste.

  4. Ich glaube, es kommt ein bisschen darauf an, wie man es anschaut. Dass zum Beispiel ich kaum mehr blogge, hängt einerseits mit dem Job zusammen – da schreibe ich schon den ganzen Tag und verspüre abends dann kaum mehr Lust, nochmal hinzusitzen und noch mehr zu schreiben. Andererseits aber erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich schnell schnell etwas vertwittere oder auf Facebook veröffentliche, über das ich auch einen etwas längeren Blogbeitrag hätte schreiben können. So gesehen könnte man schon sagen, dass all die Social-Media-Plattformen dem Blog etwas die „Grundlage“ entziehen…

    Andererseits habe ich meinem Blog sehr viel zu verdanken. Der Durchbruch, also die plötzliche Bekanntheit meines Blogs, war zwar einem Zufall zu verdanken, aber verhalf mir am Ende zu unheimlich vielen Kontakten. Und: Meine damalige Bekanntheit ist massgeblich dafür verantwortlich, dass ich meinen vorherigen und den jetztigen Job erhalten habe.

    Aber es ist schon so: Die Schweizer Blogosphäre (was für ein Wort) ist eigentlich tot. Klar, es gibt hier und dort ein paar gute Blogs, die von den Autoren mit viel Fleiss gepflegt werden. Ich habe aber das Gefühl, dass der „Zusammenhalt“, wie er früher vorhanden war, heute einfach nicht mehr da ist…

  5. Pingback: Das Land der Milizblogger und Miliztwitterer | Raffael Fischer

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