Die Wirkung von Homöopathie

Heute wurde einer meiner Tweets im Sonntag in der Rubrik »Tweets der Woche« abgedruckt:

Zunächst gilt dazu zu sagen, dass ich anders als beim Verweis auf meinen Tweet im Blick am Abend (siehe Bild unten) vom Sonntag nicht gefragt worden bin, ob mein Tweet abgedruckt werden sollte – obwohl für mich absolut klar ist, dass Social Media-Einträge von Privatpersonen nicht öffentlich sind und nicht ohne das Einverständnis des Verfassers abgedruckt werden dürfen.

Blick am Abend, 29. August 2012, S. 4f.

Anders als beim Hinweis auf Amazon hätte ich im Falle der Homöopathie gerne auf einen Abdruck verzichtet. Der Tweet war als Diskussionsanstoss gedacht. Er scheint zu besagen, dass ich ein homöopathische Medikamente als wirkungsvolle Alternative zu schulmedizinischen Präparaten betrachte. Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall:

Ich halte homöopathische Präparate für chemisch wirkungslos: Globuli wirken wie Traubenzucker und Tropfen wie Wasser. Aber: Die Präparate können psychologische Wirkungen entfalten, die beachtlich sind. Der vermeintliche Giftanschlag im Briefverteilzentrum von letzter Woche, in dessen Anschluss mehrere Personen medizinischer Pflege bedurften, obwohl sie allenfalls in Kontakt mit Backpulver gekommen waren, zeigt eben deutlich, wie viele unserer Symptome nicht direkt auf chemische Prozesse in unserem Körper zurückzuführen sind. Schmerzen sind mit medizinischen Methoden nur eingeschränkt diagnostizierbar und behandelbar.

Homöopathische Medikamente haben aufgrund des Placebo-Effekts eine Wirkung auf viele Menschen. Dieser Effekt besteht, so wird in diesem spannenden Artikel genauer dargelegt, aus drei Faktoren:

  1. Die Erwartungshaltung.
  2. Bewusste oder unbewusste Lernprozesse.
  3. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient.

Wer also Wasser oder Traubenzucker einnimmt und sich davon eine Wirkung verspricht, diese Wirkung bereits erfahren hat oder die Medikamente von einer Ärztin bekommt, der er vertraut, mit der er gute Gespräche führt etc. dann wirken auch Wasser und Traubenzucker.

Das Paradoxe daran ist, dass Homöopathie gerade weil die damit arbeitenden Ärztinnen und Ärzte nicht zugeben, dass es sich um Wasser und Traubenzucker handelt, den Placebo-Effekt so nutzen können, wie es die Schulmedizin nicht darf: Es ist ethisch nicht legitimierbar, Patientinnen und Patienten zu täuschen; auch wenn sie dadurch eine Schmerzlinderung oder Symptomheilung erfahren könnten.

Fazit: Homöopathie wirkt zwar »nur« wegen des Placebo-Effekts – dieser darf aber nicht unterschätzt werden. Der Fall im Postzentrum von letzter Woche ist dasselbe, einfach mit umgekehrten Vorzeichen, man spricht dann vom »Nocebo-Effekt«.

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