Zur Psychologie von Robotern, Automaten und Algorithmen

Dieser Comic von xkcd zur Marslandung von Curiosity ließ mich diese Woche an Automatenspieler denken. Ich selber habe viel an Automaten gespielt und tue es auch heute noch ab und zu – obwohl ich aufgrund meines Mathematikstudiums durchaus weiß, dass das Spielen unvernünftig ist und mit Gewinnen nicht zu rechnen ist. Leidenschaftliche Automatenspieler sind meistens süchtig, sie halten sich lange Zeit vor Automaten auf. Sie sagen dann oft Sätze wie:

  • »Der Automat wartet halt, bis er genug gefüllt ist, und dann zahlt er wieder.«
  • »Die Programmierer haben das halt so gemacht, dass bei höheren Einsätzen kein Gewinn ausgezahlt wird.«
  • »Ich habs raus: Immer wenn du schnell auf den Kopf drückst, merkt der Automat, dass du viel spielst und dann zahlt er schlechter.«

Diese Sätze betrachten den Automaten als ein Wesen mit Psychologie. Sie versehen ihn mit einer Wahrnehmung, einer Art Bewusstsein und einer darauf basierenden Handlungskompetenz.

Menschen, so meine These, reagieren auf Automaten und Roboter oft so, als handle es sich um Menschen. Tatsächlich wissen wir ja – und das ist eher unheimlich – auch bei Menschen nicht, ob es nicht vielleicht Roboter sind. Außer von uns selbst wissen wir von niemandem, ob sie ein Innenleben (Gefühle, Gedanken etc.) haben – wir nehmen es einfach an, weil wir davon ausgehen, dass gewisse Verhaltensweisen, Ausdrucksweisen und Handlungen das Resultat von inneren Prozessen sind: Sicher sein können wir uns aber nicht.

Dieser Mechanismus ist so stark verinnerlicht, dass wir ihn auch bei Maschinen anwenden, von denen wir wissen, dass sie von Algorithmen gesteuert sind. Geldspielautomaten basieren auf recht einfachen Algorithmen, in die auch zufällige Entscheidungen eingebaut sind. Menschen können aber weder psychologisch mit Wahrscheinlichkeiten umgehen noch mit Algorithmen.

Was ist die Konsequenz? Meiner Meinung nach wird die Bedeutung von Maschinen und Robotern heute massiv unterschätzt, wie ich schon in einem Post zu den heutigen Möglichkeiten von Maschinen und zu Maschinen im Netz angemerkt habe: Unsere Dienstleistungsgesellschaft wird viele Arbeiten bald von Robotern ausführen lassen, was viele menschliche Arbeitskräfte entbehrbar macht. Der Umgang mit diesen maschinellen Arbeitskräften wird uns schwer fallen, weil wir sie wie Menschen behandeln werden, während sie uns wie Maschinen behandeln und dabei Muster erkennen, gegenüber denen wir selbst blind sind, wie die Scheren-Stein-Papier-Maschine der New York Times wunderbar aufzeigt – vgl. auch den Scheren-Stein-Papier-Roboter. Zusammen leicht erkennbar: Menschen können ohne maschinelle Hilfe nie mehr in Scheren-Stein-Papier gewinnen.

 

One thought on “Zur Psychologie von Robotern, Automaten und Algorithmen

  1. Sehr spannendes Thema!

    Ähnliche Fragen stelle ich mir, wenn ich aus Spass mit dem Cleverbot [cleverbot dot com] chatte und sich dann auf einmal ein (so scheint es zumindest auf den ersten Blick) tiefgründiges Gespräch über Glück, Liebe oder den Sinn des Lebens ergibt. Tiefgründiger als viele Gespräche im Alltag zumindest.

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