Konservatives Denken in der Forschung

Ich habe an dieser Stelle bereits zwei Erklärungsmodelle für konservatives Denken besprochen – gemeint ist immer die amerikanische Ausprägung, in der Konservative Republikaner sind und sich insbesondere für einen kleinen Staat, hohe Militärausgaben und gegen eine gesellschaftliche Liberalisierung aussprechen.

Die beiden Erklärungsmodelle gingen von folgenden Ansätzen aus:

  1. Konservative mögen Stabilität – im psychologischen Sinne, aber auch innerhalb ihrer (oft religiösen) Gemeinschaften. Sie ziehen deshalb ihre Vorstellungen wissenschaftlich erwiesenen Fakten vor. Das die These von Chris Mooney.
  2. Konservative haben einen andere moralische Einstellung, ihnen sind andere Werte wichtig als nicht-konservativen Menschen. Das die These von Jonathan Haidt.

Wie Heise Online in einer Zusammenfassung einer Studie von Scott Eidelman et al. (Titel: »Low-Effort Thought Promotes Political Conservatism«)
berichtet, hat eine psychologische Studie eine alternative These verifiziert. Die Studie geht von drei Schlüsselmerkmalen des konservativen Denkens aus:

  1. Verhalten wird meisten auf persönliche Verantwortung zurückgeführt und ignoriert andere Einflüsse.
  2. Konservative akzeptieren Hierarchien und Statusunterschiede und halten sie aufrecht.
  3. Konservative ziehen den status quo einer Veränderung vor und mögen das Bekannte lieber als das Neue.

Davon ausgehend wird nun folgende These empirisch geprüft (ich zitiere den deutschen Artikel von von Florian Rötzer):

Die These ist schlicht die, dass geringe Denkleistungen, die den Dingen nicht auf den Grund gehen, sondern an der Oberfläche stehen bleiben, Konservativismus produzieren sollen, der sich u.a. durch persönliche anstatt systemische oder gesellschaftliche Verantwortung, Akzeptanz von Hierarchien und die Vorliebe für den Status quo auszeichnet. Das würde bedeuten, dass Anhänger von konservativen Parteien eher zur Denkfaulheit neigen, aber auch, dass die konservative Politik entsprechend intellektuell bescheiden formuliert wird.

Die dahinter stehenden Untersuchungen involvierten immer Stress, Zeitdruck oder Alkoholeinfluss, mit denen gründliches Nachdenken bei einem Teil der untersuchten Personen verhindert wurde. Kein anderer Faktor als die Möglichkeit, vertieft nachzudenken, konnte eine konservative Haltung gleich gut erklären.

Der Teleopolis-Artikel bei Heise schliesst versöhnlicher:

Möglicherweise kommt der Konservatismus der Anforderung nach, unter Bedingungen der Unsicherheit und der Bedrohung einfache Antworten zu geben. Die Psychologen wollen auf jeden Fall klar stellen, dass anstrengungsloses Denken den Konservatismus verstärke, was aber nicht hieße, dass Konservative notwendig nur flüchtig und oberflächlich dächten oder sich darauf verließen. Vermutlich seien die konservativen Denkweisen „elementar, normal oder auch natürlich“, so dass es eine primäre, unreflektierte oder reflexhafte Neigung dazu geben könnte, die durch größere Nachdenklichkeit – oder Aufklärung – verändert würde, sofern die Mühen des Denkens auf sich genommen werden.

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