Lektürenotizen: Murray Rothbard – What Has The Government Done to Our Money?

Eine Twitter-Diskussion hat kürzlich mit der Aufforderung geendet, ich solle Rothbards »What Has The Government Done to Our Money« (Volltext pdf) lesen:

Der interessante Aspekt dieser Diskussion war die Frage, ob es möglich wäre, wieder zu einem Goldstandard zurückzukehren. Ich habe die Geschichte des Geldes und das damit verbundene Problem, dass wir heute mit Geld leben, das nur aus psychologischen Gründen einen Wert hat, bereits im Frühling in einem Blogpost diskutiert: Nicht nur kann jede Bank beliebig viel Geld schaffen, das Geld ist nichts weiteres als ein Datensatz in einem Computer.

Rothbards Buch wurde 1990 das letzte Mal aktualisiert. Rothbard wird gemeinhin als Anarchokapitalist bezeichnet (er hat diesen Begriff auch geschaffen), also als Vertreter einer Schule, die davon ausgeht, dass ein System ohne staatliche Instanzen und Kontrollen, in dem Privateigentum einen hohen Stellenwert hat, eine optimale Ordnung erzeugen würde (auch elementare Staatsaufgaben wie Sicherheit könnten theoretisch privat organisiert werden).

Ich möchte kurz Rothbards Thesen vorstellen und dann einige Fragen stellen oder Kommentare anbringen. Vorauszuschicken ist auch, dass ich in diesen Fragen interessierter Laie bin.

Rothbard stellt die Geschichte des Geldes am Beispiel von Metallgeld (Gold und Silber) dar. Er zeigt, wie Papiergeld etabliert worden ist: Der Tausch mit Edelmetallen ist sehr umständlich, weshalb Menschen diese in Warenhäusern gelagert haben, wofür sie eine Quittung erhalten haben. Mit diesen Quittungen begangen sie, Rechnungen zu zahlen – dadurch entstand Papiergeld. Nun optimierten die Warenhäuser (bzw. Banken) ihren Geschäftsgang, indem sie nicht für jede Quittung Gold an Lager hatten, sondern nur für einen Teil davon. Damit begann das Problem der Inflation: Plötzlich gab es mehr Papiergeld als Edelmetall vorhanden war. Die Banken handelten betrügerisch – so Rothbard.

Dieser Mechanismus der Teildeckung nutzen nun Regierungen aus, die sich immer weiter vom Goldstandard entfernten und neue Währungseinheiten schufen (Dollar, Mark, Franken, Dinar etc.) – die ursprünglich für eine bestimmte Menge Gold standen, dann aber durch verschiedene staatliche Eingriffe (Verbot privater Währungen, fixierte Wechselkursen zwischen verschiedenen Edelmetallen, Unterdeckung etc.) diese Anbindung an Gold schrittweise verloren haben. Das half dem Staat dabei, Geld zu schaffen und Inflation zu kreieren. Das Resultat ist das heutige Geldsystem, das an Nationalstaaten gekoppelt ist, die Fiat-Geld verwenden: Geld, das nicht in Edelmetall getauscht werden kann, sondern nur durch eine staatliche Garantie bzw. psychologische Prozesse einen Wert hat. Rothbard macht das System (wie der Titel schon anklingen lässt) für viele wirtschaftliche Probleme verantwortlich und fordert, dass Geld durch den freien Markt etabliert und reguliert werden müsse. In der Konsequenz will er wieder zum Goldstandard zurückkehren, das Buch schließt wie folgt:

As we face the future, the prognosis for the dollar and for the international monetary system is grim indeed. Until and unless we return to the classical gold standard at a realistic gold price, the international money system is fated to shift back and forth between fixed and fluctuating exchange rates with each system posing unsolved problems, working badly, and finally disintegrating. And fueling this disintegration will be the continued inflation of the supply of dollars and hence of American prices which show no sign of abating. The prospect for the future is accelerating and eventually runaway inflation at home, accompanied by monetary breakdown and economic warfare abroad. This prognosis can only be changed by a drastic alteration of the American and world monetary system: by the return to a free market commodity money such as gold, and by removing government totally from the monetary scene.

Es bleibt eine letzte Erklärung vorzunehmen: Rothbard verweist häufig auf Gresham’s Law: »money overvalued artificially by government will drive out of circulation artificially undervalued money.« Also: Sobald Geld künstlich überbewertet wird, z.B. durch staatliche Eingriffe, wird es anderes Geld, das einen tieferen Wert hat, verdrängen. (Vielleicht sollte man anmerken, was Rothbard mit dem Wert von Geld meint: Der von 10 Franken ist, was ich mit 10 Franken kaufen kann. 10 Franken haben heute – paradoxerweise – keinen realen Wert, weil jede Bank 10 Franken »out of thin air« schaffen kann, wie Rothbard sagen würde. Dennoch kann ich mit 10 Franken z.B. einen Sack Reis kaufen. Also sind die 10 Franken künstlich überbewertet und verdrängen (theoretisch) Gold als Zahlungsmittel.)

* * *

Bemerkungen und Fragen:

  1. Rothbard kritisiert Inflation als betrügerisch, weil aus nichts Geld geschaffen wird. Passiert nicht derselbe Prozess im Goldsystem, wenn Gold abgebaut wird? In den ersten Abschnitten schreibt Rothbard: »It doesn’t matter, what the money supply is« – es spielt keine Rolle, wie viel Gold es gibt. Aber Inflation verändert nur die Geldmenge – auf die es aber offenbar nicht ankommt.
  2. Warum gehört das abgebaute Gold jemandem und wie legitimiert diese Person ihr Eigentum am Gold (Rothbard würde wohl Lockes Besitztheorie bemühen, nehme ich mal an).
  3. Rothbard geht von der Annahme aus, »faire« oder richtige Preise entstünden durch Angebot und Nachfrage. Diese Theorie setzt aber so etwas wie eine Information über Angebot und Nachfrage voraus, was zumindest bei Gold problematisch scheint. Wenn der Preis gerade diese Information ist, dann kann er ja nicht dadurch entstehen.
  4. Die Betrachtung von Inflation als einem betrügerischen Prozess im Abschnitt über Banken mit Teildeckung arbeitet mit eine problematischen Wortwahl. Banken können ihre Kunden auch darüber informieren, dass sie nicht alles Gold lagern und nur einen Teil der Währung gedeckt ist. Das ist weder betrügerisch noch problematisch. Kommt es zu einem »bank run«, dann geht die Bank möglicherweise Konkurs.
  5. Die Argumentation von Rothbard ist die, dass nur Banken Geld ausgeben können, ohne an einem bestimmten Termin Edelmetall dafür liefern zu müssen. Aber viele Derivate funktionieren nach demselben Prinzip – müssten die in der Konsequenz auch verboten werden?
  6. Rothbard verwechselt, so denke ich, die Entstehungsweise und die Funktionsweise. Um eine Analogie zu machen: Man kann erklären, wie eine bestimmte Tierart in der Evolution entstanden ist. Das heißt aber nicht, dass ein früherer Zustand die Funktionsweise einer Tierart erklärt. Das heißt: Nur weil es früher einen Goldstandard gegeben hat und das Fiat-System nicht ohne Goldstandard hätte entstehen können, heißt das nicht, dass das Fiat-System dem Goldstandard unterlegen ist.

* * *

Zurück zur ursprünglichen Frage: Wäre es wünschenswert, zu einem Goldstandard zurückzukehren? Wäre es möglich?

Angenommen, Gresham’s Law wäre richtig, dann sicher nicht: Das Fiat-Geld wird sich gegenüber Gold durchsetzen.

Grundsätzlich hat Gold bei einer Währung eine ähnliche Funktion, wie sie heute der Staat wahrnimmt: Es geht nicht um den Gebrauchswert von Gold, sondern seine Knappheit, Symbolik und Psychologie. Genau gleich funktioniert staatliches Geld.

So weit meine Bemerkungen: Ich freue mich über Kommentare.

13 thoughts on “Lektürenotizen: Murray Rothbard – What Has The Government Done to Our Money?

  1. Finde es sehr gut das Du das Buch auch wirklich gelesen hast, damit gehörst du nun zur ausgewählten Gruppe von Leuten die „wissen was Geld ist“.
    Zu deinen Fragen:
    1) Ja die Geldmenge ist nicht entscheiden, nur das Wachstum dieser. Und wer die Profiteure dieser sind. Beim Fiat-Money sind die Profiteure die Banken und der Staat. Bei den Minen ist der Vorgang transparent und jeder kann sich daran beteiligen. Tatsächlich aber würde ein weltweiter ausschliesslicher Goldstandart ev. gewisse Probleme bringen aufgrund des gewaltigen Förderdrucks. Desshalb sollte man sich auch nicht auf einen Goldstandart versteifen sondern Privates Martkgeldzulassen, welches dann auch durch andere Waren gedeckt werden könnte.
    2) Das ist eine Philosophische Frage die aber für Gold nicht anders ist als für andere Rohstoffe wie Öl, Gas, Kupfer etc.
    3) Du meinst glaube ich den Preis des Tauschgutes Gold. Auch hier kann man das Regressionstheorem bemühen, man tauscht gegen Gold (oder Geld) das ein in Erwartung zukünftigen Wertes basierend auf vergangenen Erfahrungen.
    4) Jawohl, da hast du teilweise Recht. Der Betrügerische Teil ist jedoch a) das man das dem Kunden eben nicht mitteilt sondern z.B. Giroguthaben sofort abhebbar erklärt, jedoch die Guthaben langfristig ausleiht (Fristentransformation). Und das das Fractional Reserve System durch die Notenbanken gedeckt werden (Lender of last Resort). In dem von Hayek vorgeschlagenen „Free Banking“ System wäre Fract. Res. tatsächlich weiterhin erlaubt, jedoch würde es ohne Deckung der Notenbanken I.M.H.O niemals durchsetzen.
    5) Ich verstehe die Frage nicht ganz, aber Derivate sind kein Betrug im gegensatz zu Fiat-Money und Fractional Reserve wie wir es heute kennen.
    6) Die Geschichte und die Logik spricht gegen deine Aussage. Es gab historisch duzende Versuche per dekret Papiergeld einzuführen. Wenn sie nie auf einem Warenstandart beruhten wurden sie abgewiesen und niemand wollte sie annehmen. Es gibt keinen einzigen Fall wo ungedecktes Geld sich so etablieren konnte. Hingegen gibt es zahlreiche Beispiele die „unseren“ Weg gegangen sind, vom Warengeld über teilgedecktes zu ungedecktem Geld. Dieses Entstehungsweise von Geld wird durch das Regressionstheorem von L. Mises logisch bewiesen.

    Zu deinem Fazit: Gresham’s Law produziert Fiat Money? Oh nein, da muss ich deutlich widersprechen. Schau dir nur mal die Geschichte an, wenn die Leute die Wahl hatten zwischen ungedecktem Geld und Warengeld setzte sich immer das Warengeld durch (1 Ausnahme kenne ich, den „Wechsel“, eine Kaufmannswährung, sie war aber sozusagen mit der Berufsehre der Kaufleute hinterlegt, ein ausgesprochener Spezialfall).
    Das Papiergeld ist immer überbewertet, da der intrinsische Wert Null ist. Do the Math ;-)

    Quote: „Grundsätzlich hat Gold bei einer Währung eine ähnliche Funktion, wie sie heute der Staat wahrnimmt: Es geht nicht um den Gebrauchswert von Gold, sondern seine Knappheit, Symbolik und Psychologie. Genau gleich funktioniert staatliches Geld. “
    Doch, ein indirektes Tauschmittel kann nur sein was auch einen Gebrauchswert hat, auch das erklärt Rothbard in seinen Buch. Gold hat einen Gebrauchswert als Schmuck und war desshalb schon gefragt bevor es „Geld wurde“. Anders kann Geld in einem unerzwungenen Prozess nicht auserkoren werden. Mit der Zeit löst sich das Geld tatsächlich von seinem Gebrauchswert, desshalb ist es auch möglich Geldsubstitute (Banknoten) einzuführen und dann den betrügerischen Teildeckungs- und Garnichtdeckungsstandart einzuführen. Staatliches Geld funktioniert anders: es ist beliebig vermehrbar und hat keinen realen Wert hinterlegt. Wieso es heute noch Wert hat erklärt das Regressionstheorem.

    Desshalb: Was sollte man tun:
    1)Die Stellung als Gesetzliches Zahlungsmittel aufheben
    2)Geldmonopol des Staates aufheben
    3)Der SNB beim Konkursgehen zusehen
    4)Eine „goldene“ Zukunft mit echtem Geld freudig erwarten.

    Coole Sache das du dir das Buch gleich reingezogen hast. Für weiteres Studium empfehle ich:
    Roland Baader: „Geldsozialismus“, Resch Verlag, 2010, ISBN13:978-3935197571
    Ron Paul: „Befreit die Welt von der US-Notenbank!“, Kopp Verlag, 2010, ISBN13: 978-3942016315
    Guido Hülsmann: „Ethik der Geldproduktion“, Manuscriptum, ISBN-13: 978-3937801193 (2007)
    Thorsten Polleit: „Geldreform“, Lichtschlag, ISBN13:978-3939562207 (2012)
    DAS wichtigeste Grundlagenpapers: „Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ (Gibts Online)

    Vielen Dank für die, wie ich meine, intensive auseinandersetzung mit Rothbard’s Büchlein, und ich hoffe du bist etwas auf den Geschmack gekommen und lässt dieses (wichtige) Thema nie mehr los ;-)

    • Ich glaube, du verstehst nicht, was Gresham’s Law besagt: Es geht gerade darum, dass sich das überbewertete Geld durchsetzt. Deshalb funktioniert dien Programm auch nicht. Rothbard geht einfach von Gold aus, das eine Art »Wert« hat. Aber dieser »Wert« ist völlig irrational, es gibt Kulturen, die offensichtlich primitive Zahlungsmittel ohne Gebrauchswert haben (sagen wir: Muscheln), die aber eine symbolische Kraft und eine natürliche Knappheit haben, die ausreichen, damit Menschen daran glauben. Geld ist letztlich etwas, woran man glaubt, nicht mehr.

  2. Der fundamentale Denkfehler der Thesen von Rothbard ist m.E., dass es nicht darauf ankommen kann, ob Geld durch Gold, Platin, dem guten Ruf eines Landes oder sonst was gedeckt ist. Der Unterschied liegt lediglich in den Transaktionskosten. Selbstverständlich ist Geld schneller verfügbar, wenn man es nur teilweise decken muss. Die schnellere Verfügbarkeit ist natürlich schmieröl für die Wirtschaft (und damit für den Wohlstand einer Gesellschaft). Doch das Grundprinzip ist dasselbe, egal wodurch Geld gedeckt wird.

    Angenommen, das Geld wäre wieder durch Gold gedeckt, was würde geschehen, wenn aus irgend einem Grund Gold (stark) an Wert verlieren (oder gewinnen) würde? (Weil es bspw. im Vergleich zu Platin oder sonstigen Edelmetallen beinahe wertlos würde? Dafür gäbe es viele denkbare Gründe. Und auch dies wäre ein Katastrophe. Daher wäre auch dieses System m.E. nicht perfekt und könnte nicht vor unvorhergesehenen Ausnahmesituationen (wie die unglückliche Verkettung von Umständen, die zum platzen der Immobilienblase in den USA geführt hat) schützen.

    Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass einzig Zentralbanken Geld „schaffen“ können (wenn auch nur so viel, wie man dem betreffenden Land zutraut). Andere Banken können dies selbstverständlich nicht.

    • Ja, es ist im Prinzip egal durch WAS Geld gedeckt ist, wichtig ist nur DAS es durch irgendwas gedeckt ist was es beim Fiat Money natürlich nicht ist. Schneller Verfügbarkeit stimmt natürlich nicht, man kann auch Elektronisch handeln wie bisher, die Banken gleichen einfach die Ströme untereinander aus, an der Verfügbarkeit ändert sich nichts.
      Das Problem das du ansprichst das ist schon einmal passiert, nämlich als die USA als neue Welt endeckt wurde, kam so viel Gold in Umlauf das Silber plötzlich Gold ablöste (oder Umgekehrt, weiss nicht mehr genau ;-) ) Desshalb sollte man auch keinen Goldstandart festlegen sondern Freies Martkgeld zulassen.
      Ou, hier musst du noch ein bisschen was nachholen. Natürlich können Geschäftsbanken Geld schöpfen, dank des Fractional Reserve Systems. Da musst du wirklich nochmals über die Bücher…

      • Nein, da muss ich gar nichts nachholen. Denn die Behauptung, (Geschäfts-)Banken könnten selber Geld druck, so viel sie wollen, ist genauso absurd, wie die Behauptung, ich könnte das. Denn auch ich könnte problemlos mit meinem bescheidenen Vermögen (und vielleicht mit ein paar Krediten) anderen Leuten Darlehen gewähren. Wenn ich eine gewisse Anzahl Darlehensnehmer hätte, die auch sporadisch zurückzahlen, könnte ich problemlos auch mehr Geld ausleihen, als mein Grundstock wert ist (beginn der Banken). Also könnte auch ich „Geld drucken“. Nur wäre dies (offensichtlich) nicht unendlich möglich. Bei mir ist die (faktische) Grenze offensichtlicher. Doch jede (Geschäfts-)Bank hat ebendiese Grenze auch.

      • Damit zeigst du gerade, wie Banken das machen. Natürlich kannst du das auch. Nur weil es nicht unendlich viel Geld ist, heißt das nicht, dass du nicht Geld schöpfen kannst.

      • Wie gesagt, natürlich kann die Geldmenge M1 (der Zentralbank) erhöht werden (M2 und M3). Aber das ist ja eben gerade die Definition und Aufgabe einer Bank! Sonst bräuchte es doch keine Banken. Die Behauptung, die Geschäftsbanken könnten unendlich viel Geld drucken, ist demgegenüber falsch.

        Geld schöpfen heisst nichts anderes, als Forderung eingehen. Wenn du etwas kaufst, machst du genau dasselbe. Manchmal kaufst du zug um zug, das heisst, du bezahlst sofort (egal ob mit Papier-, oder Buchgeld). Oder aber du zahlst ein Rechnung, oder mit deiner Kreditkarte, oder lässt es aufschreiben. Aber du erwirbst eine Ware oder eine Dienstleistung, dafür bekommt der Verkäufer eine Forderung. In welcher Form du diese übergibst (oder auch noch nicht sofort aushändigst), ist vollkommen egal. Mit anderen Worten, die Behauptung, Geschäftsbanken könnten Geld „schöpfen“ macht genau so viel Sinn wie die Behauptung, du und ich können Geld schöpfen.

      • Und auch was die Verfügbarkeit betrifft, muss ich widersprechen: selbstverständlich ist die möglichkeit, die Anzahl Darlehen bei einer Teildeckung zu mehren viel grösser, als wenn das Geld immer durch Gold gedeckt werden muss. Das hat nicht das geringste mit elektronischem oder faktischem Geldfluss zu tun (zumal wir ja so oder so grundsätzlich von Buchgeld reden).

      • Im Übrigen bezeichnet das „Fractional Reserve Systems“ nichts anderes als der allgemein bekantne Multiplikator (weshalb man auch von M1, M2 etc. spricht). Das wird durch mein Darlehensbeispiel illustriert. Dennoch haben all diese Banken (wie gesagt) faktische Grenzen. Selbstverständlich kann es vorkommen, dass eine Bank unendlich viel Geld verspricht. Doch dies wäre mit dem Fall gleichzusetzen, dass ich unendlich viele Darlehen vergebe, oder genauso, dass ich unendlich viele Güter auf Pump kaufe. Doch illegale Beispiele entsprechen nicht der Norm und können daher auch nicht als Argument dienen.

      • Im Gegenteil, es stimmt sehr wohl. Geschäftsbanken können nicht beliebig Geld drucken, jedenfalls nicht mehr, als ihr Ruf bzw. ihr Eigenkapital zulässt. Zu deiner Auseinandersetzung: Geld hat schlicht und einfach keinen Wert. Das lernt man im ersten Semester Mikroökonomie. Geld soll ja auch keinen Wert haben, da es ein neutrales Tauschmittel ist. Vergleichbar mit einem handlicheren und formal weniger anspruchsvollen Darlehensvertrag. Es ist ein Wertpapier. Das heisst, man verbrieft eine Forderung. Selbstverständlich hat das Papier selbst keinen Wert, genau so, wie das Papier des Darlehensvertrages keinen Wert hat.

        Sodann ist auch Buchgeld (elektronisches Geld) kein Problem, da es nichts anderes ist als Papiergeld, oder auch Gold. Nur sind die Transaktionskosten noch tiefer. Dies ist für ALLE Marktteilnehmer ein weiterer Vorteil.

        Aber (nahezu unendlich) Geld drucken kann nur eine Zentralbank, und auch sie nur im Rahmen ihrer Glaubwürdigkeit. Genauso wie ich meine Kreditkarte nur soweit überstrapazieren kann, wie meine Bank um mein sonstiges Vermögen bzw. mein (zukünftiges!) Einkommen (für den Staat wäre dies das B.I.P) weiss.

      • Geschäftsbanken können Geld schaffen. Und zwar recht viel. Genau vorrechnen kann ich das nicht – aber diese Kredite, die eine Bank vergibt, müssen nur marginal durch Eigenkapital gedeckt sein.

      • Nun, genau darüber streitet man sich ja beim „Too big to fail“ Thema. Doch sehr wahrscheinlich wird eine (Kern)Kapitalquote von 19% kommen. Selbstverständlich kann eine Bank mehr Geld ausgeben, als sie von der Zentralbank bekommt. Aber das ist ja genau ihre Aufgabe. Sonst könnte die Zentralbank das Geld ja selbst in Umlauf bringen.

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