Warum verkaufen Unternehmen Gutscheine? – Und eine Geschäftsidee.

Gutscheine kosten Unternehmen einen beträchtlichen Betrag. Besonders trifft das auf die zu, die nicht selbst verkauft werden, sondern über den Detailhandel oder über Dritte.

Kosten verursachen unter anderem:

  • Produktion der Gutscheine
  • Administration der Gutscheine
  • Sicherheit (Fälschung)
  • Provision für Verkaufende
  • Vertrieb

Insgesamt bewegen sich diese Kosten, so würde ich schätzen, im Bereich von 15-20% des Gutscheinwerts (je nach Stückelung etc.).

Die Frage lautet also: Warum sind Unternehmen bereit, ihre Preise um 15-20% zu reduzieren?

Darauf gibt es meines Erachtens auf den ersten Blick zwei vernünftige Antworten:

  1. Die Unternehmen bieten etwas an, was sich hauptsächlich an Menschen richten, die etwas verschenken wollen. Für ihr Geschäftsmodell sind Gutscheine essentiell (z.B. Gastronomie, Hotellerie etc.) – so dass die Preise wohl diese Ausfälle schon beinhalten.
  2. Das Unternehmen ist darauf angewiesen, über Gutscheine die Kundschaft zu erweitern. In diesem Fall entsprechen die Ausfälle den Kosten, neue Kundinnen und Kunden anzuwerben.

Damit ist aber noch nicht erklärt, warum auch große Ketten und Detailgrosshändler wie Coop und Migros so Gutscheine anbieten. Bei Lebensmitteln sind die Margen tiefer als im übrigen Handel, hier 20% des Verkaufspreises zu verlieren, kann bedeuten, mit Verlust zu verkaufen. Die Unternehmen sind nicht auf Geschenkgutscheine angewiesen und müssen ihre Kundschaft nicht erweitern – mit anderen Worten: Der Preis scheint zu hoch zu sein für sie.

Deshalb eine weitere denkbare Antwort: Der Anteil an nicht eingelösten Gutscheinen macht die Ausfälle ganz oder teilweise wett. (Zudem, so merkt David Herzog in den Kommentaren an, können mit dem früher bezahlten Geld Zinsen generiert werden.)

Mich würde interessieren, ob es hierzu Zahlen gibt. Ich habe die Frage einmal auf Quora gestellt, in Bezug auf iTunes-Gutscheine habe ich mir schon genauere Gedanken gemacht.

Man müsste sich fragen, ob es nicht lohnend sein könnte, eine Plattform zu generieren, auf der Gutscheine gehandelt werden können. Man könnte Gutscheine mit Rabatt kaufen und verkaufen – könnte also immer, wenn man in den Coop geht, von jemanden günstigere Coop-Gutscheine kaufen und so generell mit Rabatt einkaufen. So würden weniger Gutscheine nicht eingelöst…

10 thoughts on “Warum verkaufen Unternehmen Gutscheine? – Und eine Geschäftsidee.

  1. Nicht zu vernachlässigen sind auch die eingesparten Zinsen, die bezahlt werden müssten, wenn für die Zeit zwischen Gutscheinkauf und Gutscheineinlösung dieses Kapital bei Banken aufgenommen werden müsste statt bei den Kunden.

    Auf dieser Rechnung basieren übrigens auch die Reka-Checks.

      • Bei Reka beträgt der Anfangsrabatt beim Kauf 1.5 Prozent. Der Anreiz für Leistungen in Reka-Checks statt Bargeld liegt darin, dass dadurch für weniger Kosten anfallen, der Empfänger aber den Wert üblicherweise identisch wahrnimmt.

        Ich las vor einiger Zeit, die Einlösquote bei Gutscheinen sei sehr hoch. Ein Problem – übrigens auch ein rechtliches – besteht aber bei Ablaufdaten von Gutscheinen. Ich würde Unternehmen aber grundsätzlich empfehlen, auch abgelaufene Gutscheine einzulösen. Die Kosten, die durch entsprechenden Ärger entstehen, sind üblicherweise wesentlich höher als jene für das «kulante» Einlösen solcher Gutscheine.

      • Die Schätzung von 15-20% erscheint mir irgendwdie einfwch aus der Luft gegriffen. Irgendwie müsste man das schon wenn nicht berechnen, wenigstens belegen.
        @David: Das mit dem Ablaufdatum.ost kein rechtliches, sondern vor allem ein Buchhaltungsproblem.

  2. Ja, Philippe, ich kann flo nur zustimmen: Wie um Himmels Willen kommst Du auf 15 – 20 Prozent? Oder hast Du Dich um eine Kommastelle vertan?

    Vor Jahren hiess es einmal, dass eine Banknote ungefähr 20 Rappen kosten würde. Die mögen vielleicht Massenware sein, aber in Sachen Qualität sind die Anforderungen ans Papier, den Druck, das Zuschneiden usw. enorm hoch und somit auch teuer.

    Überleg einmal: Die SBB verwendet auf ihren gedruckten Billetten ein Papier mit einem „Silberstreifen“. Wenn ein solches Sicherheitselement so teuer wäre, dann wäre es purer Luxus wenn selbst für eine 2-minütige Fahrt ein so teures Papier verwendet würde. Ich würde höchstens mit ein paar Rappen rechnen (ein normales, 80 g/m2 A4-Blatt kostet noch etwa 1 Rappen).

    Abgesehen davon kenne ich Gutscheine von Coop, Manor usw. nur noch als Plastikkarte (ohne Magnetstreifen, aber mit einem Strichcode). Die werden heute ebenfalls in Massen hergestellt und kosten darum wohl auch so gut wie nichts mehr.

    • Also, ich rechne mal vor. Noch einmal: Wir sprechen von Gutscheinen, die über Dritte, z.B. den Detailhandel verkauft werden.
      Coop verkauft nichts, womit er nicht mindestens 10% verdient. Das ist eine Behauptung von mir.
      Eine Plastikkarte mit einem Gutschein mit Rubbelcode kostet in der Produktion rund 1 Franken http://www.47print.com/ch/barcode-plastikkarten-druck-bestellen.php
      Die Administration (Software etc.) und der Vertrieb kosten noch einmal je 1 Franken pro Karte, alles inbegriffen.
      Das meine Schätzungen, also >10% + 3 Franken pro Gutschein. Bei Stückelungen von 50 Franken (wohl die häufigste Größe) sind das 16%, bei 100 Franken etwas weniger.

      • Welche Dritte verkaufen denn heute Gutscheine für andere? Ein Detailhändler wird sicher nicht Gutscheine von Migros oder Coop verkaufen, weil er damit seine Kunden ja zur Konkurrenz treibt.

        Wer als Dritter solche Gutscheine verkaufen will, wird dies kaum kostenlos machen. Du sprichst darum von einer Provision. Welches Unternehmen à la Migros oder Coop wäre überhaupt bereit, für einen Warenwert von CHF 100.- auch nur einen einzigen Franken an einen Vermittler abzutreten? Wozu sollen Migros, Coop & Co. überhaupt Vermittler haben wollen, schliesslich weiss doch jedes Kind, wo man deren Gutscheine bekommt (nämlich in der Migros, Coop & Co.)? Dein Ansatz macht betriebswirtschaftlich absolut keinen Sinn.

        Schliesslich nochmals zu den Preisen: Du vergisst, dass die Preise beispielsweise bei 47print.com jene sind, welche Du als Privatperson bezahlst. Die ganz Grossen (Migros etc.) bezahlen einen Bruchteil davon, dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sie solche Karten bestimmt selber herstellen. Und die Kleineren werden entweder auf teure Gutschein-Formen verzichten oder haben Waren zu so teuren Preisen (z. B. ein Vier-Stern-Hotel), dass der Gutschein schon auch etwas kosten darf.

  3. Glaube nicht, dass sich in der Schweiz eine extra Plattform für Gutscheine etablieren könnte.
    Ich habe schon ein paar Mal versucht einen Gutschein massiv unter Wert über Ricardo loszuwerden, der wohl grössten und bekanntesten Verkaufsplattform in der Schweiz, ohne Erfolg (war aber nicht mehr allzu lange gültig).

    Es kann schon klappen, aber nie so sicher und schnell wie zB in D oder den USA.

    Die Bevölkerung ist dafür in einem (noch reichen) Kleinstaat einfach nicht gross genug.
    Hahaha, das wäre doch mal ein bürgerliches Argument für mehr Einwanderung…

  4. Wie erwähnt:
    Der „Zins“ ist nicht zu vernachlässigen; es ist ja nicht so, dass der Laden das eingenommene Geld des Gutscheines auf ein Sparkonto legt, und dies dann beim Beziehen der Ware wieder abhebt. Nein, Gutscheine geben dem Unternehmen einfach mehr flüssige Mittel und das ist vorteilhaft – man kann als Unternehmen mit solchen Mitteln höhere Renditen erzielen als mit einer durchschnittlichen ‚öffentlichen‘ Investitionsmöglichkeit (z.B. per Skonto).

    Ausschlaggebend ist wohl aber, dass es ein Kundenbedürfnis ist, Gutscheine zu kaufen. D.h. der Gutschein per se ist ja ein Produkt, das gewisse Menschen kaufen, um andern weiterzugeben. Das hat irgendwas mit Branding und Werbung zu tun. Und wer schon mal da ist kauft vielleicht sonst noch etwas.. z.B. nach Weihnachten, wenn der Gutschein engelöst wird.

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